Haugwitz

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Wappen der Meißnischen von Haugwitz aus Siebmachers Wappenbuch von 1605
Wappen der Schlesischen von Haugwitz
Wappen der Österreichischen von Haugwitz

Haugwitz ist der Name eines weit verzweigten, aus dem Meißnischen stammenden alten Adelsgeschlechts mit gleichnamigen Stammhaus im Erzgebirge. Seit dem Mittelalter waren die Herren von Haugwitz in Sachsen, Schlesien, Böhmen, Mähren, der Grafschaft Glatz sowie in der Lausitz und später auch in Ostpreußen ansässig. Sie sind stammes- und wappenverwandt mit den von Rechenberg.

Geschichte[Bearbeiten]

Ursprünglich stammen die Haugwitz wohl aus Sachsen. Legenden führen die Herkunft bis auf den fränkischen Adel zur Zeit der Karolinger zurück. Urkundlich erscheinen sie erstmals 1225 mit Sifridus de Hugwitz[1] und beginnen ihre Stammreihe 1474 mit Matthäus von Haugwitz.

In Mähren besaßen die Haugwitz u.a. die Burg Bouzov und die Herrschaft Biskupitz. Die mährischen Zweige der Familie, die in Namiest (Schloss Náměšť nad Oslavou) und Kojetín siedelten, wurden im 18. Jahrhundert zu Grafen erhoben. 1797 erwarb diese Linie die Herrschaft Ossowa und Rojetin. Heute (2011) leben Vertreter der gräflichen Linie in Deutschland, Kanada und den USA sowie – ohne die Bezeichnung „Graf“ oder „Gräfin“ – in Österreich[2]. Schloss Namiest ist nach 1989 an die Familie restituiert worden.

In Schlesien besaßen die von Haugwitz das Schloss Lehnhaus nahe der niederschlesischen Stadt Lähn am Bober (heute Wleń) und die gräfliche Linie bis 1945 das Stadt- und Landgut Krappitz.

In Ostpreußen besaß die Familie einige Güter in Heinrichswalde (heute Slawsk), auf der hauptsächlich Trakehner gezüchtet wurden.

Besitzungen in der Grafschaft Glatz[Bearbeiten]

Stammsitz des aus Böhmen stammenden Familienzweiges in der Grafschaft Glatz war das Gut Oberpischkowitz, das zur Herrschaft Pischkowitz gehörte, deren erster namentlich bekannter Besitzer 1346 Otto von Haugwitz war, der mit Gertrud von Pannwitz verheiratet war und dadurch an Friedersdorf gelangte. Die Mitglieder dieses Familienzweiges bekleideten zahlreiche königliche und kaiserliche Ämter. Wenzel von Haugwitz fungierte 1441 bis 1454 als Unterhauptmann des Glatzer Landeshauptmanns Hynek Kruschina von Lichtenburg. Heinrich von Haugwitz bekleidete 1686 bis 1691 das Amt eines Verwesers an der Landeshauptmannschaft und Franz Anton von Haugwitz war 1741 bis 1742 Landeshauptmann.

Weitere Dörfer bzw. Gutsanteile im Besitz derer von Haugwitz waren u. a. Birgwitz, Dürrkunzendorf, Gabersdorf, Gellenau, Koritau, Möhlten, Niedersteine und Tuntschendorf.

Wappen[Bearbeiten]

In Rot ein rechtsgekehrter schwarzer Widderkopf mit goldenen Hörnern; auf dem Helm mit rot-schwarzen Decken der Widder wachsend. Die Haugwitz sind mit den Rechenbergern wappen- und stammverwandt.

Bekannte Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Constantin von Wurzbach: Haugwitz, die Familie. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. Band 8, Verlag L. C. Zamarski, Wien 1862, S. 67 f.
  • Eberhard von Haugwitz: Die Geschichte der Familie von Haugwitz. Nach den Urkunden und Regesten aus den Archiven von Dresden, Naumburg, Breslau, Prag, Brünn und Wien. 2 Bände, mit 4 Wappen- und 14 Stammtafeln, bearb. von Eberhard Graf von Haugwitz, Verlag Duncker & Humblot, 1910.
  • Rüdiger Frommholz: Haugwitz, von. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 8, Duncker & Humblot, Berlin 1969, ISBN 3-428-00189-3, S. 92 (Digitalisat).
  • Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band V, Band 84 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1984, ISSN 0435-2408
  • Jaromír Kotík: Letopisy Rodu Haugwitzů (Annalen des Hochadels Haugwitz). Zur Erinnerung an den 1995 verstorbenen Karl Anton Graf von Haugwitz für seine Familie und Freunde. Vytiskla tiskárna CENTA, Veveří 39, Brno v roce 1997 (170 Seiten, großenteils in Tschechisch, zehn Aufsätze in Deutsch; keine ISBN)
  • Dagmar Ruzicka: Friedrich Graf von Haugwitz (1702–1765). Weg, Leistung und Umfeld eines österreichisch-schlesischen Staatsmannes. Verlag Neue Wissenschaft, Frankfurt 2002, ISBN 3-932492-48-X; zugleich: Philosophische Dissertation, Universität Stuttgart, 2000

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Haugwitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Original im Archiv des Bistums Meißen; im Neuen Lausitzischen Magazin. Band 35, 1858, S. 345 (Digitalisat)
  2. Gräfin von Haugwitz in Bonn, Gräfin Droste zu Vischering geb. Gräfin Haugwitz in Münster, Mark Graf Haugwitz in Kanada, Patrick Haugwitz in den USA, Dr. Hanna El Kalak – Haugwitz in Wien
  3. AfF 2005 S. 242, Genealogie 2005 S. 673, Genealogie 2006 S. 30, FFM 2006 S. 342