Gewinnmitnahme

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Gewinnmitnahme (englisch profit-taking) oder Gewinnrealisierung ist ein Ausdruck aus dem Börsenjargon. Typischerweise wird damit ein Kursverlauf eines Wertpapiers (meist von Aktien) beschrieben, der über einen längeren Zeitraum stieg und dann für kurze Zeit ohne klar ersichtlichen Grund etwas fällt oder seitwärts verläuft. In solchen Fällen werden von Börsenkommentatoren oft „Gewinnmitnahmen“ vermutet.

Das Motiv für Gewinnmitnahmen liegt in der Meinung der Marktteilnehmer, die bereits einen Teil der Aufwärtsbewegung des Wertpapiers als Buchgewinn verzeichnen können. Gelangen diese zur Ansicht, dass sich der Aufwärtstrend nicht mehr lange fortsetzen wird, versuchen sie ihren Buchgewinn zu realisieren, indem sie ihre Wertpapiere verkaufen.

Etwas allgemeiner wird mit technischer Reaktion eine Kursbewegung beschrieben, die kurzfristig in die Gegenrichtung des vorherigen Kursanstiegs oder -abfalls führt und für die es ebenfalls keinen klar ersichtlichen Grund gibt.[1]

Die Realisierung von Gewinnen kann auch dazu führen, dass der Kurs eines Wertpapiers trotz positiver Bewertung oder anhaltendem Aufwärtstrend einbrechen kann. Besonders häufig tritt dieses auch als „Mitnahmeeffekt“ bezeichnete Phänomen bei Neuemissionen von Aktien auf, wenn deren Kurs am ersten Handelstag erheblich über dem Emissionskurs liegt.

Gewinnmitnahmen im öffentlichen Recht[Bearbeiten]

Gewinnmitnahmen sind auch Gegenstand des öffentlichen Rechts. Hier erhält jedoch der Begriff einen anderen Inhalt. Unter Gewinnmitnahmen werden hier die Gewinnabführungen öffentlicher Unternehmen an die sie tragende Gebietskörperschaft verstanden. Derartige Unternehmen von Bund, Ländern oder Kommunen sind gemeinwohlorientiert und streben höchstens eine Kostendeckung an.[2] Kommt es jedoch zu Gewinnen, können diese an die tragende Körperschaft ausgeschüttet werden, wenn dies die Satzung vorsieht. Die Zulässigkeit einer Gewinnmitnahme ergibt sich aus Art. 110 Abs. 1 GG, der die „Ablieferung“ der Einnahmen von Bundesbetrieben regelt. Auch das Gemeindewirtschaftsrecht sieht über die Zulässigkeit wirtschaftlicher Beteiligungen Gewinnmitnahmen vor (etwa § 107 Abs. 1 und 2 GemO NW). Die Erzielung von Gewinnen durch wirtschaftliche Betriebe der Gemeinden ist zulässig, solange die Erfüllung des öffentlichen Zwecks nicht beeinträchtigt wird (§§ 1, 7 Konzessionsabgabenverordnung KAV). Gegen eine angemessene Gewinnmitnahme als Nebenziel eines rechtlich zulässigen Hauptziels bestehen keine rechtlichen Bedenken.[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gewinnmitnahme. In: Achim Pollert, Bernd Kirchner, Javier Morato Polzin: Das Lexikon der Wirtschaft. Grundlegendes Wissen von A bis Z (= Bundeszentrale für Politische Bildung. Schriftenreihe. Bd. 414). 2. Auflage, Lizenzausgabe. Bundeszentrale für Politische Bildung, Bonn 2004, ISBN 3-89331-503-9.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pierre M. Daeubner, Alles was Sie über Technische Analyse wissen müssen, 2005, S. 36 f.
  2. Dirk Ehlers u.a. (Hrsg.), Besonderes Verwaltungsrecht Band 1, 2012, S. 35
  3. Hans-Uwe Erichsen/Dirk Ehlers, Allgemeines Verwaltungsrecht, 2006, S. 21 f.