Gewinnmitnahme

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Gewinnmitnahme (engl. profit-taking) oder Gewinnrealisierung ist ein Börsenjargon für den erzielten Kursgewinn, der durch den Verkauf von Wertpapieren durch vorausgegangene Kurssteigerungen zustande gekommen ist.

Allgemeines[Bearbeiten]

Um Gewinnmitnahmen nutzen zu können, muss zunächst der Börsenkurs über den Kaufpreis steigen. Eine Gewinnmitnahme muss spätestens dann erfolgt sein, wenn der vorherrschende Kurstrend sich umkehrt. Dies ist dann der Fall, wenn eine Umkehrformation charttechnisch dies eindeutig signalisiert.[1] Der entstandene Kursgewinn ist die positive Differenz zwischen dem niedrigeren Kaufpreis und dem höheren Verkaufspreis eines Wertpapiers. Das Motiv für Gewinnmitnahmen liegt in der Meinung der Marktteilnehmer, dass sich der Aufwärtstrend eines Wertpapierkurses nicht mehr lange fortsetzt oder wenn eine gesetzte Kursuntergrenze, das so genannte Stop-Loss-Limit, unterschritten wird. Die Marktteilnehmer wollen deshalb ihren latenten Kursgewinn durch Verkauf realisieren, womit sie das dem Börsenhandel immanente Gewinnstreben verwirklichen.

Kursverlauf[Bearbeiten]

Gewinnmitnahme ist ein Börsenausdruck, der speziell bei Aktien verwendet wird. Gewinnmitnahmen implizieren steigende Börsenkurse, die durch Gewinnrealisierungen wieder zurückgehen können. Gewinnmitnahmen führen dann zu kurzfristigen Kursrückgängen, wenn für ein bestimmtes Wertpapier mehr Verkaufsumsätze als Kauforders vorliegen. Motiv für die überwiegenden Verkaufsorders kann eine Gewinnmitnahme sein. Die nach einem Höchstkurs fallenden Kurse werden von Börsenkommentatoren häufig als Erklärungsversuch auf Gewinnmitnahmen zurückgeführt („technische Reaktion“), obwohl diese monokausale Betrachtungsweise von anderen möglichen Ursachen ablenken kann. Die technische Reaktion ist eine Gegenbewegung zum aktuellen Aufwärts-Trend und im Regelfall nur kurzfristiger Natur.[2]

Die Realisierung von Gewinnen kann auch dazu führen, dass der Kurs eines Wertpapiers trotz positiver Bewertung oder anhaltendem Aufwärtstrend einbrechen kann. Besonders häufig tritt dieses auch als „Mitnahmeeffekt“ bezeichnete Phänomen bei Neuemissionen von Aktien auf, wenn deren Kurs am ersten Handelstag erheblich über dem Emissionskurs liegt.

Gewinnmitnahmen im öffentlichen Recht[Bearbeiten]

Gewinnmitnahmen sind auch Gegenstand des öffentlichen Rechts. Hier erhält jedoch der Begriff einen anderen Inhalt. Unter Gewinnmitnahmen werden hier die Gewinnabführungen öffentlicher Unternehmen an die sie tragende Gebietskörperschaft verstanden. Derartige Unternehmen von Bund, Ländern oder Kommunen sind gemeinwohlorientiert und streben höchstens eine Kostendeckung an.[3] Kommt es jedoch zu Gewinnen, können diese an die tragende Körperschaft ausgeschüttet werden, wenn dies die Satzung vorsieht. Die Zulässigkeit einer Gewinnmitnahme ergibt sich aus Art. 110 Abs. 1 GG, der die „Ablieferung“ der Einnahmen von Bundesbetrieben regelt. Auch das Gemeindewirtschaftsrecht sieht über die Zulässigkeit wirtschaftlicher Beteiligungen Gewinnmitnahmen vor (etwa § 107 Abs. 1 und 2 GemO NW). Die Erzielung von Gewinnen durch wirtschaftliche Betriebe der Gemeinden ist zulässig, solange die Erfüllung des öffentlichen Zwecks nicht beeinträchtigt wird (§§ 1, 7 Konzessionsabgabenverordnung KAV). Gegen eine angemessene Gewinnmitnahme als Nebenziel eines rechtlich zulässigen Hauptziels bestehen keine rechtlichen Bedenken.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gewinnmitnahme. In: Achim Pollert, Bernd Kirchner, Javier Morato Polzin: Das Lexikon der Wirtschaft. Grundlegendes Wissen von A bis Z (= Bundeszentrale für Politische Bildung. Schriftenreihe. Bd. 414). 2. Auflage, Lizenzausgabe. Bundeszentrale für Politische Bildung, Bonn 2004, ISBN 3-89331-503-9.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rene Rose, Enzyklopädie der technischen Indikatoren, 2006, S. 763
  2. Pierre M. Daeubner, Alles was Sie über Technische Analyse wissen müssen, 2005, S. 36 f.
  3. Dirk Ehlers u.a. (Hrsg.), Besonderes Verwaltungsrecht Band 1, 2012, S. 35
  4. Hans-Uwe Erichsen/Dirk Ehlers, Allgemeines Verwaltungsrecht, 2006, S. 21 f.