Oberst

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Dieser Artikel erläutert den militärischen Dienstgrad. Zu Personen mit diesem Namen, siehe Oberst (Begriffsklärung).

Der Oberst ist ein Dienstgrad der Bundeswehr, des Bundesheeres, der Schweizer Armee und weiterer moderner und früherer Streitkräfte. Im Wachkörper Österreichs ist der Oberst eine Verwendungsbezeichnung.

In vielen Streitkräften finden sich mit dem deutschen Oberst vergleichbare Dienstgrade, die häufig auf das lateinische columnella zurück gehen und daher ähnlich wie das englische und französische colonel lauten.

Etymologie[Bearbeiten]

Oberst[Bearbeiten]

Die Dienstgradbezeichnung „Oberst“ geht auf den Superlativ von „oben“ zurück. Die Bezeichnung rührt daher, dass wegen der Zunahme der Mannstärke und Waffengattungen einer Armee des 16. Jahrhunderts die Führung der durch (Feld-)Hauptleute geführten Fähnlein schwieriger wurde, Kriegsherren daher etwa zehn Fähnlein (etwa 4000-5000 Landsknechte) zu einem Regiment gruppierten und als Vorgesetzten der (Feld-)Hauptleute einen „Obersten (Feld-)Hauptmann“ bestimmten.[A 1] Daraus entwickelte sich die Kurzbezeichnung „Obrist“[A 2] und im 18. Jahrhundert in Preußen und Österreich die bis heute gebräuchliche Dienstgradbezeichnung „Oberst“. Bis 1945 wurde der Dienstgrad im Deutschen Reich üblicherweise mit „Obst.“ abgekürzt.

Colonel[Bearbeiten]

Die Dienstgradbezeichnung Colonel geht wie ähnlichlautende Bezeichnungen auf das lateinische columnella zurück (Diminutiv von columna, deutsch: Säule). Im romanischen Sprachraum entwickelte sich daraus der Name für eine militärische Formation. Im deutschen Militärwesen wurde der Begriff übernommen und zu „Kolonne“.

Obwohl columnella in Rom kein Rangbezeichnung war, übernahmen Militärs in Italien die Bezeichnung in der italianisierten Form colonello im 16. Jahrhundert. Vermutlich war colonello dort die Kurzform für die Verwendungsbezeichnung colonello capitano (deutsch: Kapitän der Kolonne). Ebenso verwendeten die Spanier unter Ferdinand II. den Begriff in der Variante colunela. Die damaligen spanischen Kolonnen bestanden aus knapp 1.000 bis 1.250 Mann, ihr Anführer war der cabo de colunela (deutsch: Kopf der Kolonne). Da colunelas königliche Einheiten waren, kam später die volksetymologische Bezeichnung coronelia (abgeleitet vom spanischen Wort corona (deutsch: Krone); coronelia in Deutsch in etwa: „zur Krone gehörig“) für die Einheit und coronel für deren Kommandeur auf. Im Französischen tauchte der Begriff im 17. Jahrhundert in der Variante colonel auf. Die Briten wiederum übernahmen die Regimentsform und Dienstgradbezeichnung der Franzosen in der französischen Schreibweise colonel, verwendeten aber aus bisher nicht näher bekannten Gründen die spanische Aussprache des coronel. Die Aussprache schliff sich in England im Laufe der Zeit zum heutigen ˈkəːn(ə)l[1] ab.[2]

Pluralformen[Bearbeiten]

Der Plural von „Oberst“ ist laut Duden meist „Obersten“ oder seltener „Oberste“.[3] Eine besonders eindeutige Präferenz für eine der beiden Pluralformen ist im zivilen[A 3] wie im militärischen Sprachgebrauch der Bundeswehr nicht auszumachen. „Obersten“ wird häufiger in Verbindung mit einem bestimmten Artikel gebraucht, während „Oberste“ stets gebraucht werden kann.[A 4]

Bundeswehr[Bearbeiten]

Oberst
Dienstgradabzeichen auf der Schulterklappe der Jacke des Dienstanzuges für Heeresuniformträger der ABC-Abwehrtruppe Dienstgradabzeichen auf der Schulterklappe der Jacke des Dienstanzuges für Luftwaffenuniformträger

Dienstgradabzeichen[4][A 5]

Dienstgradgruppe Stabsoffiziere[5]
NATO-Rangcode OF-5[6]
Dienstgrad Heer/Luftwaffe Oberst
Dienstgrad Marine Kapitän zur See[7]
Abkürzung (in Listen) - (O)[8]
Besoldungsgruppe A 16/ B 2/ B 3 nach BBesO[9]

Der Dienstgrad Oberst wird durch den Bundespräsidenten mit der Anordnung des Bundespräsidenten über die Dienstgradbezeichnungen und die Uniform der Soldaten[7] auf Grundlage des Soldatengesetzes[10] festgesetzt.

Befehlsgewalt und Dienststellungen[Bearbeiten]

In der Bundeswehr ist der Oberst ein Offiziersdienstgrad,[7] der gemäß der Zentralen Dienstvorschrift (ZDv) 14/5 „Soldatengesetz“ zur Dienstgradgruppe der Stabsoffiziere zählt. Aufgrund der Zugehörigkeit zur Dienstgradgruppe der Stabsoffiziere können Soldaten im Dienstgrad Oberst auf Grundlage des § 4 („Vorgesetztenverhältnis auf Grund des Dienstgrades“) der Vorgesetztenverordnung innerhalb der dort gesetzten Grenzen Soldaten der Dienstgradgruppen Mannschaften, Unteroffizieren ohne und mit Portepee, Leutnanten und Hauptleuten Befehle erteilen.[11][12]

Die Obersten dienen wie die meisten Stabsoffiziere vorwiegend auf Stabsposten und in der Regel nicht in der Truppe als militärische Führer.[A 6] Typisch sind Verwendungen in leitenden Funktionen Dezernatsleiter, (Unter-) Abteilungsleiter oder Referatsleiter in Kommandobehörden, Ämtern oder als Referatsleiter im Ministerium. Dort sind sie fachlich abschließend verantwortlich beispielsweise für Personal- und Materialplanung, Strategieentwicklung oder Einsatzplanung. Einige Oberste sind Kommandeure (meist kleinerer) Lehreinrichtungen (im Heer beispielsweise an einer Truppenschule oder Zentren). Oberste, meist gleichzeitig Kommandeure einer Lehreinrichtung, sind häufig für die Ausbildung und Weiterentwicklung ihrer Truppengattung verantwortlich und bekleiden dazu die Dienststellung - nicht den Dienstgrad - General der Fernmeldetruppe, General der ABC-Abwehrtruppe, General der Heeresaufklärungstruppe, usw. An der Führungsakademie der Bundeswehr, der Offizierschule des Heeres oder ähnlich herausgehobenen Lehreinrichtungen lehren Oberste als Dozenten. Als Militärattaché, Adjutant des Ministers oder Verbindungsoffizier (z. B. im Bundespräsidialamt) nehmen Oberste auch wichtige (militär-) politische Aufgaben wahr. In Verbänden ab Ebene Brigade dienen sie in Stäben, in Brigaden und Divisionen teils als Chef des Stabes, teils als Abteilungsleiter, die ein Führungsgrundgebiet verantwortlich bearbeiten. Auf diesen Dienstposten unterstützen sie unmittelbar den Kommandeur des Verbandes bei der Führung der Truppe. Einige Oberste, vorrangig Soldaten in den Laufbahnen des Truppendienstes, werden in der Truppe auch als militärische Führer von Verbänden eingesetzt. Typisch sind Verwendungen als Regimentskommandeur, stellvertretender Brigadekommandeur und Kommandeur Brigadeeinheiten oder (seltener) Kommandeur Divisionstruppen. In besonders herausgehobenen Bataillonen (Schlüsselbataillone wie Offizieranwärterbataillone) sind Oberste auch Bataillonskommandeure. Erfahrene Oberste werden vereinzelt auch bereits als Brigadekommandeur eingesetzt. Unter allen Militärmusikoffizieren ist in der Regel nur der Leiter des Militärmusikdienstes und des Zentrums Militärmusik der Bundeswehr Oberst; Oberst ist in der Laufbahn der Militärmusiker also de facto der Spitzendienstgrad. Einige der oben aufgeführten Oberste in den Stäben dienen als Generalstabsoffiziere, wenn ihr Dienstposten entsprechend ausgeplant ist.[A 7] Generalstabsoffiziere haben in der Regel bereits vor Ernennung zum Oberst den Generalstabsdienstlehrgang an der Führungsakademie der Bundeswehr absolviert und zählen zum Kreis derer, die später zum Brigadegeneral aufsteigen können.

Aufgrund der geschilderten und ähnlicher Dienststellungen können Soldaten im Dienstgrad Oberst in den in der Vorgesetztenverordnung aufgezählten Fällen allen dienstlich oder fachlich unterstellten Soldaten Befehle erteilen.[11][13] Kommandeure einer Ausbildungseinrichtung, Brigade- und Regimentskommandeure, Kommandeure Brigadeeinheiten, usw. sind als Einheitsführer Disziplinarvorgesetzter der ihnen truppendienstlich unterstellten Soldaten gemäß Wehrdisziplinarordnung.[14]

Ernennung, Besoldung und Altersgrenze[Bearbeiten]

Maßgebliche gesetzliche Grundlagen für die Ernennung zum Oberst ist die Soldatenlaufbahnverordnung (SLV) und ergänzend die Zentrale Dienstvorschrift (ZDv) 20/7. Zum Dienstgrad Oberst können Soldaten auf Zeit, Berufssoldaten und beorderte Reservisten ernannt werden. Voraussetzung ist die Zugehörigkeit zur Laufbahngruppe der Offiziere. Offiziere (außer Militärmusikoffiziere) können frühestens 14½ Jahre nach Ernennung zum Leutnant zum Oberst ernannt werden;[A 8] Militärmusikoffiziere frühestens zehn Jahre nach Ernennung zum Hauptmann.[A 9] Eine Einstellung mit dem Dienstgrad Oberst ist mit einer der Verwendung entsprechenden Qualifikation ebenfalls möglich.[A 10][15][16][17][A 11]

Die Obersten werden nach der Bundesbesoldungsordnung (BBesO) mit A 16, B 2 oder B 3 besoldet.[9] Nur in herausgehobenen Verwendungen (z. B. Referatsleiter im Ministerium) ist die Besoldung nach B 3 vorgesehen.

Als besondere Altersgrenze für Oberste wurde die Vollendung des 62. Lebensjahres festgesetzt.[18][A 12]

Dienstgradabzeichen[Bearbeiten]

HA OS5 53 Oberst PzGren.svg
Heer
LA OS5 53 Oberst.svg
Luftwaffe
Uniformträgerbereich[A 13][4]

Das Dienstgradabzeichen für Oberste zeigt Eichenlaub und drei Sterne als Schulterabzeichen.[7][4]

Äquivalente, nach- und übergeordnete Dienstgrade[Bearbeiten]

Den Dienstgrad Oberst führen nur Heeres- und Luftwaffenuniformträger. Marineuniformträger (außer Sanitätsoffiziere) derselben Rangstufe führen den Dienstgrad Kapitän zur See. Die ranggleichen Sanitätsoffizierdienstgrade sind die nach Approbationsrichtung und Uniformträgerbereich unterschiedlich lautenden Dienstgrade Oberstarzt, Oberstapotheker und Oberstveterinär bzw. Flottenarzt und Flottenapotheker (erste drei Dienstgradbezeichnungen für Heeres- und Luftwaffenuniformträger; letzten beiden Dienstgradbezeichnungen für Marineuniformträger).[7] In den Streitkräften der NATO ist der Oberst zu allen Dienstgraden mit dem NATO-Rangcode OF-5 äquivalent.[6]

Im Sinne der ZDv 14/5 und der Anordnung des Bundespräsidenten ist der Oberst bzw. Kapitän zur See über dem rangniedrigeren Oberstleutnant bzw. Fregattenkapitän und unter dem ranghöheren Brigadegeneral bzw. Flottillenadmiral eingeordnet (erste Dienstgradbezeichnung jeweils für Heeres- und Luftwaffenuniformträger; zweite Dienstgradbezeichnung für Marineuniformträger).[17][5][7] Die zum Oberstleutnant ranggleichen Sanitätsoffizierdienstgrade sind die nach Approbations­richtung unterschiedlich lautenden Dienstgrade Oberfeldarzt, Oberfeldapotheker und Oberfeldveterinär bzw. Flottillenarzt und Flottillenapotheker (ersten drei Dienstgradbezeichnungen für Heeres- und Luftwaffenuniformträger; letzten beiden Dienstgradbezeichnungen für Marineuniformträger).[7] Die zum Brigadegeneral ranggleichen Sanitätsoffizierdienstgrade sind die nach Approbation und Uniformträgerbereich unterschiedlich lautenden Dienstgrade Generalarzt und Generalapotheker bzw. Admiralarzt (ersten beiden Dienstgradbezeichnungen für Heeres- und Luftwaffenuniformträger; letzte Dienstgradbezeichnung für Marineuniformträger).[7]

Bundesheer und Wachkörper[Bearbeiten]

Im österreichischen Bundesheer ist der zwischen Oberstleutnant und Brigadier stehende Oberst (Abkürzung: Obst) der fünfthöchste Offiziersdienstgrad (Verwendungsgruppe M BO 1 und M BO 2).

Außerdem wird die Verwendungsbezeichnung Oberst für Leitende Beamte (E1) der Exekutive in Österreich, dazu gehören Bundespolizei und Justizwache, verwendet. Da es sich bei den genannten Wachkörpern um zivile Körperschaften handelt, die lediglich nach militärischem Muster organisiert sind, handelt es sich jedoch nicht um „Polizeioffiziere“, sondern sie führen lediglich Offiziersränge als Verwendungsbezeichnung.

Schweizer Armee[Bearbeiten]

CH Armee.png
Schweizer Armee
— Oberst —
Mounting loop

Gradabzeichen
Achselschlaufe

Dienstgradgruppe Stabsoffizier
NATO-Rangcode OF-5
Dienstgrad Heer/Luftwaffe Oberst
Dienstgrad Marine keiner
Abkürzung (in Listen) Oberst
Besoldungsgruppe ...

In der Schweizer Armee steht der Oberst oberhalb des Oberstleutnants und unter dem Brigadier. In Friedenszeiten ist er der vierthöchste Offiziersdienstgrad. In Auslandseinsätzen wird er als Colonel (Col) bezeichnet.

Der Oberst ist Kommandant eines Kommandos (Gren Kdo, Flpl Kdo), des Ingenieurstabes der Armee oder eines Flab-Clusters. Diese Formationen sind vergleichbar mit Regimentern. Als Stabsoffizier nimmt der Oberst in den Stäben des Heeres, der Luftwaffe und den Territorialregionen verschiedene Fachfunktionen wahr. In den Brigaden nimmt der Oberst (im Generalstab – i Gst) die Rolle des Kommandanten-Stellvertreters und/oder des Stabschefs wahr. In der Militärjustiz bekleiden die Präsidenten I der Militärgerichte den Rang eines Oberst.

Französische Streitkräfte[Bearbeiten]

In Frankreich ist der mit dem deutschen Oberst vergleichbare Dienstgrad der Rang eines Colonel. Dieser Rang steht über dem Lieutenant-Colonel (deutsch: Oberstleutnant) und unter dem Général de brigade. Ein Colonel führt u. a. ein Regiment.

Der Vorläufer des Colonel war der Mestre de camp, der in der Infanterie im Jahre 1661 durch den Colonel ersetzt wurde. In der Kavallerie wurde der Colonel (als Regimentsinhaber und Regimentskommandeur) weiterhin als Mestre de camp bezeichnet. Ab 1793/94 bis 1803 wurde dann der Rang des Colonel bzw. Mestre de camp durch den Chef de brigade ersetzt. Danach lautete der Dienstgrad für beide Waffengattungen Colonel.

Streitkräfte der Vereinigten Staaten[Bearbeiten]

In den Streitkräften der Vereinigten Staaten ist der dem deutschen Oberst entsprechende Dienstgrad der Colonel ([ˈkɛːnəl] oder [ˈkərnəl]) und wird in der US Army, der Air Force und dem Marine Corps verwendet. In der Truppenhierarchie steht der Colonel über dem Lieutenant Colonel (entspricht im Deutschen dem Oberstleutnant) und unter dem Brigadier General (Brigadegeneral). In Anlehnung an den stilisierten Adler seines Dienstgradabzeichens wird der Colonel im US-Militärjargon gelegentlich auch als „full bird“ (frei übersetzt: ‚ausgewachsener Vogel‘) bzw. „full bird Colonel“ bezeichnet.
Operativ führt ein Colonel eine Brigade mit sechs bis sieben Bataillonen und damit 3.000 bis 4.000 Soldaten.

Die US-Soldstufe eines Colonels ist O-6, der NATO-Rangcode OF-5.

Russische Streitkräfte[Bearbeiten]

Der dem deutschen Dienstgrad Oberst entsprechende russische Dienstgrad ist der Polkownik (russische Schreibweise: Полковник). Der Polkownik wurde im zaristischen Russland zur Zeit Iwans IV. im 16. Jahrhundert eingeführt. Er hat sich noch in der Kaiserlich Russischen Armee bis 1917 bewahrt. In diesen Rang wurden im Allgemeinen Kommandeure militärischer Verbände mit Regimentsstatus eingewiesen. In der Roten Arbeiter- und Bauernarmee wurde die alte russische Rangbezeichnung Polkownik mit wechselnden Distinktionsabzeichen wieder eingeführt und seither beibehalten. Sowohl in den ehemaligen Armeen als auch im heutigen russischen Heer ist der Rang des Polkownik (OF-5) zwischen den dem deutschen Oberstleutnant und dem deutschen Generalmajor entsprechenden Dienstgraden angesiedelt.

Weitere moderne Streitkräfte[Bearbeiten]

In der Schweizergarde ist der Oberst durch die enge Verbundenheit zur Schweizer Armee ebenfalls ein Rang. In den italienischen Streitkräfte ist der colonnello vergleichbar. In den niederländischen entspricht er dem kolonel. Die portugiesische und spanische Variante lautet coronel. In den dänischen und norwegischen Streitkräfte lautet der dem deutschen Oberst entsprechende Dienstgrad oberst.

Nationale Volksarmee[Bearbeiten]

In der Nationalen Volksarmee und den anderen bewaffneten Organen der Deutschen Demokratischen Republik war der Oberst der höchste Dienstgrad in der Dienstgradgruppe der Stabsoffiziere. Der Dienstgradinhaber musste Berufsoffizier sein und eine akademische Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben. Das Dienstgradabzeichen bestand aus geflochtenen silbernen Schnüren, auf denen drei Sterne befestigt waren. Die Untergrundfarbe bezeichnete die Zuordnung zu den Waffengattungen. Der dem Obersten entsprechende Dienstgrad der Volksmarine war Kapitän zur See. Der Dienstgrad war mit dem NATO-Rangcode OF-5 vergleichbar.

Dienstgrad
niedriger:
Oberstleutnant

Flag of NVA (East Germany).svg
Oberst
höher:
Generalmajor

Reichsheer, Reichswehr und Wehrmacht[Bearbeiten]

In Reichsheer, Reichswehr und Wehrmacht war der Oberst der höchste Offiziersrang der Dienstgradgruppe der Stabsoffiziere. Im NS-Ranggefüge entsprach dieser Dienstgrad dem Kapitän zur See der Kriegsmarine beziehungsweise dem SS-Standartenführer oder SA-Standartenführer.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Wenn die Truppe durch einen Militärunternehmer aufgestellt und finanziert wurde, so wurde er Regimentschef oder Regimentsinhaber genannt. Sein Regiment bot er gegen Bezahlung Kriegsherren an. Häufig führte der Militärunternehmer selbst als Obrist als militärischer Vorgesetzter sein Regiment.
  2. Vgl. auch das „Regime der Obristen“, wo der Begriff im 20. Jahrhundert auflebte. Nach Duden ist „Obrist“ heute als Alternativeform von Oberst veraltet. Vielmehr bezeichnet es heute abwertend die Mitglieder einer Militärjunta, vgl. Obrist, der. In: Duden. Bibliographisches Institut GmbH, Dudenverlag, 2013, abgerufen am 12. November 2014.
  3. Vgl. dazu (Obersten)-(Oberste). In: Google books Ngram Viewer. Abgerufen am 14. November 2014 (englisch, Die größte Verbreitung des Wortes „Obersten“ relativ zu „Oberste“ ergibt sich in deutschsprachigen Büchern seit 1800 demnach um 1955. Seitdem wird der Häufigkeitsunterschied zwischen beiden Begriffe wieder kleiner.).
  4. In Kenntnis der Etymologie des Wortes als Superlativ von „oben“ in der der Kombination „oberste Hauptleute“ wird man „Oberst“ eher wie das Superlativ von „oben“ deklinieren. Begreift man „Oberst“ dagegen als von seiner ursprüngliche Bedeutung gelösten Eigennamen, liegt die Deklination zu „Oberste“ genauso nah wie „Leutnante“ oder „Generale“ als Pluralformen von „Leutnant“ bzw. „General“. Beispiele:
    • Die Obersten/ Die Oberste flüchten in den Schützengraben. (Beide Formen sind gebräuchlich. Denkt man etymologisch, erscheint die erste Variante (gedacht: „Die obersten Hauptleute flüchten...“) logisch. Denkt man sich die zweite Variante mit der Pluralform von „Leutnant“ (analog gedacht: „Die Leutnante flüchten...“), so wird klar, dass auch diese Pluralform völlig gewöhnlich ist.)
    • Oberste haben bessere Tischsitten als Botschafter. (Form ist gebräuchlich. Etymologisch (gedacht: „Oberste Hauptleute haben...“) ist der Plural logisch. Bildet man den Plural analog zu Leutnant (analog gedacht: „Leutnante haben...“), so ergibt sich dasselbe Bild.)
    • Deutsche Obersten geben schneidige Befehle. (Eher ungebräuchliche Pluralform. Man erkennt (gedacht: „Deutsche obersten Hauptleute geben...“), dass diese Pluralform etymologisch nicht stimmig ist.)
  5. Links: Dienstgradabzeichen auf der Schulterklappe der Jacke des Dienstanzuges für Heeresuniformträger der ABC-Abwehrtruppe. Rechts: Dienstgradabzeichen auf der Schulterklappe der Jacke des Dienstanzuges für Luftwaffenuniformträger.
  6. Genau daher werden sie im Gegensatz zu den Truppenoffizieren als Stabsoffiziere bezeichnet.
  7. Wenn sie auf Generalstabsposten dienen führen sie den Dienstgradzusatzi.G.“ ohne dadurch ranghöher zu sein.
  8. Die 14½-Jahresfrist gilt für Fliegendes Personal, Offiziere im Kommando Spezialkräfte, die für besondere Einsätze verwendet werden sowie für Kampfschwimmer. Für alle anderen Offiziere (außer Militärmusikoffiziere) sieht die ZDv 20/7 eine Frist von 15 Jahren vor. Bei einer Einstellung mit Dienstgrad Oberleutnant, Hauptmann, Major oder Oberstleutnant verkürzt sich die Frist entsprechend der ZDv 20/7.
  9. Die Militätmusikoffiziere werden hier explizit erwähnt, weil im Gegensatz zu allen anderen Offizieren ihre Mindestdienstzeiten nicht auf den Zeitpunkt der Ernennung zum Offizier sondern immer auf die Zeit seit Ernennung zum Hauptmann bezogen ist. Die Zenhnjahresfrist bezieht sich auf die Militärmusikoffiziere, die mit dem Dienstgrad Hauptmann in diese Laufbahn eingestellt wurden. Alle anderen Musikoffiziere (also die zuvor Militärmusikoffizieranwärter waren) können 13 Jahre nach Ernennung zum Hauptmann zum Oberst ernannt werden.
  10. Als Oberst (nicht aber als Militärmusikoffizier) kann gemäß Soldatenlaufbahnverordnung eingestellt werden, wer neben einer für die geplanten Verwendung einschlägigen sechsjährigen praktischen Tätigkeit nachweisen kann und zusätzlich (a) ein Masterstudium erfolgreich absolviert hat und über mindestens zwei zusätzliche Jahre und sechs Monate (insgesamt also achteinhalb Jahre) einschlägige Berufserfahrung verfügt oder (b) die Befähigung zum Richteramt erlangt hat (= zweites juristisches Staatsexamen) oder (c) die Befähigung für eine Laufbahn des höheren Dienstes des Bundes erlangt hat oder (d) Doktor-Ingenieur (Dr.-Ing.) bzw. Doktor der Naturwissenschaften (Dr. rer. nat.) ist.
  11. ZDv 20/7 auf Grundlage § 44 der Soldatenlaufbahnverordnung ( Verordnung über die Laufbahnen der Soldatinnen und Soldaten (Soldatenlaufbahnverordnung – SLV). 19. März 2002, § 44 (Neugefasst durch Bek. v. 19. August 2011 I 1813. Zuletzt geändert durch Art. 2 Abs. 5 G v. 8. April 2013 I 730, HTML, abgerufen am 25. März 2014).)
  12. Die Altersgrenzen wurden mit dem Dienstrechtsneuordnungsgesetz 2009 neu bestimmt, vgl. insbes. Änderungen betreffend § 45Vorlage:§/Wartung/buzer SG und Übergangsbestimmungen gem. § 96 SG. Vgl.  Bundesanzeiger Verlag (Hrsg.): Gesetz zur Neuordnung und Modernisierung des Bundesdienstrechts (Dienstrechtsneuordnungsgesetz- DNeuG). In: BGBl. Teil 1, G 5702. 2009, Nr. 7, Bonn 11. Februar 2009, S. 160-275 (PDF).
  13. Aus Platzgründen verkürzte Bilduntertitel. Gemeint sind jeweils Heeresuniformträger und Luftwaffenuniformträger. Die neben der Aufschiebeschlaufe für Heeresuniformträger abgebildete jägergrüne Flachlitze deutet auf einen Soldaten der Panzergrenadiertruppe, der Infanterie oder der Spezialkräfte hin. Neben den hier auf den Schulterklappen aufgeschoben abgebildeten Aufschiebeschlaufen für die Feldbluse im fünffarbigen Flecktarnmuster gibt es noch etliche weitere Dienstgradabzeichentypen, die im Artikel →„Dienstgradabzeichen der Bundeswehr“ ausführlicher dargestellt werden.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Oberst – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. colonel. In: Oxford Dictionaries. Oxford University Press, 2014, abgerufen am 12. November 2014.
  2. vgl. Raymond, Oliver: Why Is The Colonel Called „Kernal“? (Version vom 9. Juni 2011 im Internet Archive), McClellan Aviation Museum, Office of History, Sacramento Air Logistics Center. August 1983. Zugriff am 20. April 2008.
  3. Oberst, der. In: Duden. Bibliographisches Institut GmbH, Dudenverlag, 2013, abgerufen am 12. November 2014.
  4. a b c  Hartmut Bagger, Führungsstab der Streitkräfte I 3, Bundesministerium der Verteidigung (Hrsg.): ZDv 37/10. Anzugordnung für die Soldaten der Bundeswehr. Juli 1996. Neudruck von Oktober 2008. Bonn 16. Juli 2008, 4 Kennzeichnungen, S. 539 (Neudruck Oktober 2008 ersetzt Erstausgabe von Juli 1996, Digitalisat (PDF; 3,5 MB)).
  5. a b  Der Bundesminister der Verteidigung (Hrsg.): ZDv 14/5. Soldatengesetz. DSK AV110100174, Änderungsstand 17. Juli 2008. Bonn 21. August 1978, Dienstgradbezeichnungen in der Bundeswehr, S. B 185 (Nicht zu verwechseln mit dem Gesetz über die Rechtsstellung der Soldaten (Soldatengesetz)).
  6. a b  Agreed English texts. STANAG 2116. NATO standardization agreement (STANAG). NATO codes for grades of military personnel. 5 Auflage. 1992 (Englisch, NATO Rank Codes - 1992 (HTML), abgerufen am 25. März 2014).
  7. a b c d e f g h  Der Bundespräsident (Hrsg.): Anordnung des Bundespräsidenten über die Dienstgradbezeichnungen und die Uniform der Soldaten. BPräsUnifAnO. 14. Juli 1978 (PDF).
  8.  Bundesminister der Verteidigung; Führungsstab der Streitkräfte IV 1 (Hrsg.): Abkürzungen für den Gebrauch in der Bundeswehr - Deutsche Abkürzungen – ZDv 64/10. Bonn 19. Januar 1979 (Stand 17. September 1999, PDF).
  9. a b  Anlage I (zu § 20 Absatz 2 Satz 1) Bundesbesoldungsordnungen A und B. (Bundesbesoldungsordnungen (BBesO) gelten nur für Berufs- und Zeitsoldaten und sind Anlage zum Bundesbesoldungsgesetz (BBesG), HTML, abgerufen am 25. März 2014).
  10.  Der Bundesminister der Verteidigung (Hrsg.): Gesetz über die Rechtsstellung der Soldaten (Soldatengesetz - SG). Bonn 19. März 1956, § 4 Abs. 3 (2) (Neugefasst durch Bek. v. 30. Mai 2005 I 1482. Zuletzt geändert durch Art. 1 G v. 8. April 2013 I 730, PDF, abgerufen am 25. März 2014).
  11. a b  Der Bundesminister der Verteidigung (Hrsg.): ZDv 14/5. Soldatengesetz. DSK AV110100174, Änderungsstand 17. Juli 2008. Bonn 21. August 1978, Die Vorgesetztenverordnung, S. A 12 1 (Nicht zu verwechseln mit dem Verordnung über die Regelung des militärischen Vorgesetztenverhältnisses (Vorgesetztenverordnung - VorgV)).
  12.  Bundesminister für Verteidigung (Hrsg.): Verordnung über die Regelung des militärischen Vorgesetztenverhältnisses (Vorgesetztenverordnung - VorgV). 4. Juni 1956, § 4 (Zuletzt geändert durch Art. 1 Nr. 2 V v. 7. Oktober 1981 I 1129, HTML, abgerufen am 25. März 2014).
  13.  Bundesminister für Verteidigung (Hrsg.): Verordnung über die Regelung des militärischen Vorgesetztenverhältnisses (Vorgesetztenverordnung - VorgV). 4. Juni 1956 (Zuletzt geändert durch Art. 1 Nr. 2 V v. 7. Oktober 1981 I 1129, HTML, abgerufen am 25. März 2014).
  14. Wehrdisziplinarordnung (WDO). In: Gesetze im Internet. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, 16. August 2001, abgerufen am 5. November 2014 (HTML, vom 16. August 2001 (BGBl. I S. 2093), die zuletzt durch Artikel 7 des Gesetzes vom 28. August 2013 (BGBl. I S. 3386) geändert worden ist).
  15.  Verordnung über die Laufbahnen der Soldatinnen und Soldaten (Soldatenlaufbahnverordnung - SLV). 19. März 2002 (Neugefasst durch Bek. v. 19. August 2011 I 1813. Zuletzt geändert durch Art. 2 Abs. 5 G v. 8. April 2013 I 730, HTML, abgerufen am 25. März 2014).
  16. Beachte auch:  Anlage (zu § 3). Zuordnung der Laufbahnen der Soldatinnen und Soldaten zu den Laufbahngruppen der Mannschaften, der Unteroffiziere und der Offiziere. (Anlage zu § 3 Verordnung über die Laufbahnen der Soldatinnen und Soldaten, HTML, abgerufen am 1. April 2014).
  17. a b  Der Bundesminister der Verteidigung; Abteilung Personal-, Sozial- und Zentralangelegenheiten (Hrsg.): ZDv 20/7. Bestimmungen für die Beförderung und für die Einstellung, Übernahme und Zulassung von Soldatinnen und Soldaten. Bonn 27. März 2002, Art. 635 (DSK AP210100187, Neudruck Januar 2008, PDF, abgerufen am 26. März 2014).
  18.  Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, juris GmbH (Hrsg.): Gesetz über die Rechtsstellung der Soldaten (Soldatengesetz - SG). Bonn 19. März 1956, § 45 Abs. 2 (3) (Neugefasst durch Bek. v. 30. Mai 2005 I 1482. Zuletzt geändert durch Art. 1 G v. 8. April 2013 I 730, PDF, abgerufen am 10. November 2014).
  19. a b Die äquivalenten, ranghöheren und rangniedrigeren Dienstgrade sind im Sinne der ZDv 14/5 B 185 angegeben, vgl.  Der Bundesminister der Verteidigung (Hrsg.): ZDv 14/5. Soldatengesetz. DSK AV110100174, Änderungsstand 17. Juli 2008. Bonn 21. August 1978, Dienstgradbezeichnungen in der Bundeswehr, S. B 185 (Nicht zu verwechseln mit dem Gesetz über die Rechtsstellung der Soldaten (Soldatengesetz). Die in der Infobox dargestellte Reihenfolge der Dienstgrade entspricht nicht notwendigerweise einer der in der Soldatenlaufbahnverordnung vorgesehenen regelmäßig durchlaufenen Dienstgradabfolgen und auch nicht notwendigerweise der in der Vorgesetztenverordnung beschriebenen Dienstgradhierarchie im Sinne eines Vorgesetztenverhältnisses).