Henninger-Turm

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Henninger-Turm
Henninger-Turm im Jahr 2005

Henninger-Turm im Jahr 2005

Daten
Ort Frankfurt am Main
Architekt Karl Emil Lieser
Baujahr 1959 – 1961
Abriss 2013
Höhe 119,5 m
Grundfläche 625 m²
Koordinaten 50° 5′ 50″ N, 8° 41′ 37″ O50.0973098.693533Koordinaten: 50° 5′ 50″ N, 8° 41′ 37″ O
Besonderheiten
Getreidesilo, Drehrestaurant

Der Henninger-Turm war ein Getreidesilo der Henninger-Bräu AG in Frankfurt am Main. Der von 1959 bis 1961 im Stadtteil Sachsenhausen mit einer Gesamthöhe von 119,5 m errichtete Turm wurde 2013 abgerissen.

Im unteren 87,45 m hohen Gebäudeteil befanden sich Kellerräume, der Eingang, eine Turmschänke genannte Kneipe nebst Küche, darüber ein Verteilerstockwerk und (ab dem 2.OG) die Silozellen. Darüber befand sich der markante, einem Fass ähnelnde und versetzt gebaute Turmkorb.[1] Dieses obere runde Turmteil enthielt neben einer Aussichtsplattform in 110 m Höhe zuerst eines, ab 1970 zwei, zuletzt jedoch wieder nur ein (genutztes) Drehrestaurant.[2]

Der Architekt war Karl Emil Lieser. Die Einweihung fand am 18. Mai 1961 statt. Bis 1974 blieb der Henninger-Turm das höchste Bauwerk der Stadt Frankfurt. Seit 2002 war der Turm für den Besucherverkehr geschlossen. 2012 wurde entschieden, dass der Turm abgerissen werden soll, um einem 130-Meter-Wohnhochhaus Platz zu machen. Dieses soll sich allerdings stark am Aussehen des Henninger-Turms orientieren.

Im Januar 2013 begannen die Abbrucharbeiten,[3] die bis zum Jahresende dauerten und fast 1,5 Mio. EUR kosteten.[4]

Baubeschreibung[Bearbeiten]

Gestalt und Konstruktion[Bearbeiten]

Original Platzset aus dem Henninger-Turm-Restaurant.
Frankfurter Skyline mit dem Henninger-Turm im Vordergrund
Ansicht aus der Innenstadt

Der Henninger-Turm bestand aus zwei Bauteilen, dem rechteckigen Silo und dem zylindrischen Turmaufsatz samt Turmkorb. Formal war er so geplant, dass der Eindruck entstehen sollte, es handele sich um einen dynamisch vom Boden aufragenden runden Turm und einen quaderförmigen Baukörper, der ersteren fast zur Gänze umschließt.
Auf der Zeichnung des originalen Platzsets des Turmrestaurants ist dieses Ansinnen gut erkennbar: Die Verglasung des Haupttreppenhauses wurde leicht nach außen gekrümmt ausgeführt, um den im Quader steckenden Zylinder für den Betrachter ablesbar zu machen.

Es gab einen durchgehenden (bis auf das Treppenhaus und die Fensterfront) geschlossenen Turmschaft in Massivbauweise der notwendig war, um das Abtrennen der Siloeinheit vom Publikumsverkehr zu erreichen.

Das gesamte Bauwerk war auf einer 25 × 25 m großen und 1,25 m dicken Fundamentplatte aus Stahlbeton gegründet, die die Kräfte auf den darunterliegenden Felsboden verteilte.[1] Das Gebäude stand auf 36 Betonstützen, die durch alle Stockwerke durchgingen und sich nach oben verjüngten, wobei die jeweils äußeren 6 Stützen direkt mit den Außenmauern, die restlichen 16 zwar freistehend aber unterhalb der Geschossdecken - durch Stahlbetontraversen die bis zu den äußeren Stützen gingen - auch miteinander verbunden waren.

Der durchgehende Aufzugschacht aus Stahlbeton war von einem Halbkreis mit 7,3 m Durchmesser umschlossen und führte bis hinauf in den Turmkorb. Entgegen der Frankfurter Aufbauquelle wurde zumindest der Aufzugschacht komplett in Gleitschalung ausgeführt.
Die Betonarbeiten bis zu den Speicherzellen wurden in üblicher Holzschalung ausgeführt. Ab da wurde der Turm in Gleitschalung errichtet.
Die Verteilergeschosse oberhalb der Silozellen wurden laut der Aufbau Quelle wieder konventionell geschalt. Die Außenwand des zylindrischen Turmaufsatzes war zwischen 24 und 21 cm stark, von dieser führten jeweils zwanzig auskragende Trägerkonsolen eine Decke des Turmkorbes.[1]

Diese vier Elemente – durchgehender Aufzug und Treppenschächte, massive Siloaußen- und trennwände und Säulen auf quadratischem Raster sowie der Turmzylinder – sorgten im Verbund für die nötige Standfestigkeit.

Das Bauwerk hatte ein Eigengewicht von 17.335 t und ein maximales Gesamtgewicht von 31.611 t.[2] Der Grundriss war quadratisch mit den Maßen 20,68 × 20,68 m². Das geforderte Silo-Speichervolumen betrug 14000 t.[1]

Silo[Bearbeiten]

Das Lagersilo hatte eine Dachhöhe von 87,0 m. Im 3,5 m tiefen Kellergeschoss des Turms befanden sich Maschinen- und Vorratsräume. Im ersten Stockwerk in 4,1 m Höhe befand sich die ehemalige Entnahme für das Schüttgut. Diese führte über eine Brücke auf die gegenüberliegende Seite des Hainer Wegs in die Brauerei. Darüber befanden sich 32 massive Speicherzellen für Gerste und Malz, deren Fassungsvermögen zusammen 14.276 t betrug. Der maximale Seitendruck auf die 18 cm dicken Stahlbetontrennwände lag bei 4,5 t/m².[1] Auf der Ebene in 72,8  m Höhe (17.OG) war ein 5 m hohes Verteilerstockwerk für das Schüttgut untergebracht. Dieses ist an der Fassade durch die untere der drei Fensterreihen mit länglichen, stehenden Fensterformaten ablesbar. Die zwei Fensterreihen darüber aus annähernd quadratischen Formaten belichten das zweite (19.OG) und dritte (20.OG) Stockwerk, in dem sich elektrische Anlagen und Aufenthaltsräume befanden. Das 20.OG war ein halbes Zwischengeschoss, das nur auf der Turmseite zur Stadt vorhanden war.

Das umlaufende Fensterband darüber im 21. Geschoss bildete das Restaurant ab, welches funktional schon dem Turm mit seinem Besucherverkehr zugerechnet war. Das Restaurant wurde dem Silo als letztes Stockwerk in 82,8 m Höhe aufgesetzt und hatte eine Geschosshöhe von 4,2 m. Es orientierte sich zum Frankfurter Umland hin. Auf der gegenüberliegenden Seite des Silos in Richtung Frankfurter Skyline befanden sich die Personenaufzüge und die Haupterschließungstreppe. Ursprünglich war das Restaurant als eine Art offener Dachgarten ausgeführt. In der Mitte waren Blumenbeete, eine Tanzfläche und Wasserspiele und am Rand darum wurden die Tische gruppiert, die durch ein 2 m. breites begehbares Dach vor Witterungseinflüssen geschützt waren.[1] Um das Jahr 1970 wurde es als Vollgeschoss mit großen Dachfenstern umgebaut und beinhaltete danach div. Besprechungsräume und ein Café.

Aussichtsturm[Bearbeiten]

Der Turmaufsatz hatte eine Höhe von 31,5 m, was zu einer Gesamthöhe von 119,5 m führte. Die Außenwände des Schafts hatten in Höhe des Restaurants einen Durchmesser von 7,3 m.[1] Die Aussichtsplattform wurde für den Publikumsverkehr durch zwei jeweils 15 Personen fassende Schnellaufzüge mit einer Fahrzeit von etwas mehr als zwei Minuten ab dem Erdgeschoss erschlossen. Im (bis auf die ersten beiden Stockwerke) verglasten Haupttreppenhaus erreichte man die Aussichtsplattform über 596 Stufen.[1] Im Erdgeschoss befand sich die erste Aufzugshaltestelle. Zur Erschließung des Turmstiegenhauses (Haupttreppe) war in 40,3 m Höhe der 2. Aufzugshalt. Der 3. und 4. Halt erschloss die beiden Schalt- bzw. Verteilerstockwerke und der 5. Halt das Wintergartenrestaurant.

Im Turmkorb befanden sich zuerst bis ~1969 zwei, später drei weitere rundum verglaste Geschosse mit einem Durchmesser von etwa 16 m.[1] Die 6. Aufzugshaltestelle erschloss in der ersten Ebene der Turmkanzel (26.OG) auf 95,7 m Höhe die Restaurantküche und die Toiletten. Geplant war hier anfangs auch eine sogenannte „Frankfurter Stube“.[1] In der Ebene darüber in 100,3 m Höhe und bei Aufzugshalt Nummer 7 (28.OG) befand sich das Drehrestaurant. Eine Umdrehung dauerte hier anfangs 30 Minuten, wurde aber später auf 60 Minuten verlangsamt.[5] Die 8. und oberste Aufzugshaltestelle (30.OG) bildete die dritte Ebene des Turmkorbes auf 106,4 m Höhe. Diese war ursprünglich als offene Aussichtsterrasse auf dem Dach des Drehrestaurants ausgeführt.[1] Um 1970 wurde diese schließlich als Vollgeschoss mit einem zweiten Drehrestaurant umgebaut. Dieses war aber nur wenige Jahre in Betrieb, da die Bewirtschaftung zweier Drehrestaurants unrentabel wurde. Die Abnutzung der Laufrollen, die den Boden drehten, lassen den Schluss zu, das diese entweder kaum gelaufen oder überdimensioniert waren, da man kurz vor der endgültigen Demontage noch deutliche Spuren vom Herstellungsprozess erkennen konnte. Nur über die Treppe zu erreichen, befand sich oberhalb des Turmkorbes (31.OG) rund um den Turmschaft in 109,2 m Höhe eine kleine offene Aussichtsplattform mit Münzfernrohren.[2]

Drehrestaurant[Bearbeiten]

Das / die Drehrestaurant(s) drehten sich selbst nie, vielmehr war der Fußboden als Ring ausgebildet, der sich um den Turmschaft drehen konnte. Dazu war ein Stahlgestell auf dem Boden befestigt, das 80 Vollgummilaufräder der Dimension 465/65 - 305 beinhaltete. Diese waren auf zwei Ringe verteilt, wobei sich 40 im inneren und 40 Laufräder auf dem äußeren Ring aufteilten. Der Fußboden wurde mittels elektrischer Motorkraft über eine kettenähnliche Verzahnung auf einem mittig befestigten Ring gedreht. Es gab mehrere Revisionsöffnungen im Drehboden, durch die Monteure an das Drehgestell gelangen konnten. Zu diesem Zweck waren auch festmontierte Beleuchtungen angebracht. Diese Details galten für die beiden als Drehrestaurant genutzten Etagen.

Beide Drehrestaurants bzw. deren Stockwerke waren mittels zwei Speiseaufzügen, mit je 50 kg Traglast mit der Küche im Fassboden verbunden.

Es gab einen Personenaufzug für das Küchenpersonal, der beide Küchen und die öffentlich zugänglichen Räume direkt verbunden hat und einen Aufzug für das Brauereipersonal.

Geschichte[Bearbeiten]

Seit dem 31. Oktober 2002 war der Henninger-Turm für den Besucherverkehr geschlossen, da der Brandschutz durch das Fehlen eines zweiten Rettungsweges nicht gewährleistet war.

Im November 2012 wurde bekannt, dass der Turm abgerissen wird, um für ein 130 m hohes Wohnhochhaus Platz zu schaffen. Dieses soll äußerlich an den Henninger-Turm angelehnt sein und mehrere Luxuswohnungen beherbergen. Ebenfalls sind Restaurants und Geschäfte auf dem 4.000 m² großen Gelände geplant.[6]

2005 hat das Getreidesilo der Schapfenmühle in Ulm-Jungingen den Henninger-Turm als weltweit höchsten noch in Benutzung befindlichen Siloturm abgelöst.

Um mit dem Turm zu werben, wurde von 1962 bis 2008 alljährlich am 1. Mai von der Henninger-Brauerei und der Gesellschaft zur Förderung des Radsports das Radrennen Rund um den Henninger-Turm ausgerichtet. Start und Ziel des Radrennens war dabei immer in der Nähe des Turms, wurde jedoch teilweise von Jahr zu Jahr verschoben. War die Start-/Ziellinie 1962 noch in Höhe des jetzigen Ferrero-Neubaus, wurde diese in den 80er und 90er Jahren immer in der Nähe der Silobrücke des Turms platziert.[7] Nach dem Ende des Sponsoring der Henninger-Brauerei wurde das Rennen unter dem Namen Eschborn-Frankfurt City Loop weitergeführt. Im Dezember 2009 wurde es ein weiteres Mal in Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt umbenannt.

Nachfolgebau[Bearbeiten]

Auf dem Grundstück des Henninger-Turms ist der Bau eines 140 Meter hohen Wohnhochhauses geplant, das sich an den Abmessungen und am Erscheinungsbild des alten Turms orientieren soll. Die wuchtige (hier allerdings rechteckige) Form und der runde sechsstöckige Tonnenaufsatz des ehemaligen Wahrzeichens werden nachempfunden, so dass seine gewohnte Silhouette erhalten bleibt. Auf dem benachbarten Gelände der ehemaligen Brauerei Henninger werden gleichzeitig etwa 800 weitere Wohnungen, Sozialeinrichtungen und ein Einkaufszentrum mit rund 10.000 Quadratmetern Nutzfläche errichtet.[8]

Am 18. Juni 2014 wurde der Grundstein für den neuen Wohnturm mit 207 Luxus-Wohnungen gelegt. Bauträger ist die Firma Actris. Die Fertigstellung des Gebäudes wird für Ende 2016 erwartet.[9]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Wolf-Christian Setzepfandt: Architekturführer Frankfurt am Main/Architectural Guide. 3. Auflage. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-496-01236-6, S. 51 (deutsch, englisch).
  • Roman Ciesielski: Behälter, Bunker, Silos, Schornsteine und Fernsehtürme. Aus dem Polnischen übersetzt von Władysław Chlebica. 2., neubearbeitete Auflage. Ernst, Berlin 1985, ISBN 3-433-00911-2, Seiten 535 und 537.
  • H. Schaefer: „Henninger-Turm“ in Frankfurt/Main. In: Beton und Stahlbetonbau, ISSN 0005-9900, 1961, H. 11.
  • Vinz de Rouet: Ich liebe Sachsenhausen! 33 Gründe Sachsenhausen zu lieben. epubli, Berlin 2010, ISBN 978-3-86931-738-0.

Film[Bearbeiten]

  • Abschied vom Henninger Turm. Frankfurts Wahrzeichen verschwindet. Dokumentarfilm, Deutschland, 2013, 29:40 Min., Buch und Regie: Simone Jung, Produktion: hr, Reihe: hessenreporter, Erstsendung: 29. Dezember 2013 bei hr-fernsehen, Inhaltsangabe mit online-Video von ARD.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Henninger-Turm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k Das Lagersilo „Henninger Turm“ (119,5 m) von aufbau-ffm.de (archiviert von Internet Archive). Zur Geschichte des Henninger-Turms, während der Bauzeit geschrieben.
  2. a b c Roman Ciesielski: Fernsehturm in Frankfurt am Main (S. 535); Fernsehturm mit Silo in Frankfurt/Main; Ernst, Berlin 1985, ISBN 3-433-00911-2.
  3. Mirco Overländer: Henninger-Turm – Abriss hat begonnen. Frankfurter Neue Presse. 3. Januar 2013. Abgerufen am 3. Januar 2013.
  4. Simone Jung: Abschied vom Henninger-Turm, Sendung des hr-fernsehens vom 29. Dezember 2013 in der Reihe hessenreporter.
  5. Claudia Michels: Abriss Henninger-Turm: Abschied vom „Frankfurter Eiffelturm“. Frankfurter Rundschau. 4. Januar 2013. Abgerufen am 4. Januar 2013.
  6. Claus-Jürgen Göpfert: Frankfurter Wahrzeichen: Henninger Turm wird abgerissen. Frankfurter Rundschau. 13. März 2012. Abgerufen am 13. März 2012.
  7. Start/Zielbild Rund um den Henninger Turm 1962
  8. Neubau Henninger-Turm. In: Hochhauswelten. 27. April 2013, abgerufen am 14. Februar 2014.
  9. LHE: Grundstein gelegt. 207 Luxus-Wohnungen im neuen Henninger Turm. In: FAZ, 18. Juni 2014.