Hohbirker Kunstgraben

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Hohbirker Kunstgraben
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Der Hohbirker Kunstgraben westlich von Berthelsdorf. Gut zu erkennen ist der Übergang von „Schwarten-“ auf Betonplattenabdeckung

Der Hohbirker Kunstgraben westlich von Berthelsdorf. Gut zu erkennen ist der Übergang von „Schwarten-“ auf Betonplattenabdeckung

DatenVorlage:Infobox Fluss/GKZ_fehlt
Lage DeutschlandVorlage:Infobox Fluss/FLUSSSYSTEM_fehltVorlage:Infobox Fluss/ABFLUSSWEG_fehlt
Quelle nordöstlich des Rothbächer Teiches
50° 51′ 30″ N, 13° 20′ 44″ O50.8583613.34565
Mündung westlich von Langenrinne in den Münzbach50.8859813.35413Koordinaten: 50° 53′ 10″ N, 13° 21′ 15″ O
50° 53′ 10″ N, 13° 21′ 15″ O50.8859813.35413
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Länge 4,8 kmVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen

Der Hohbirker Kunstgraben (auch: Hohe Birke Kunstgraben und Hochbirkner Kunstgraben) ist ein Kunstgraben zwischen Brand-Erbisdorf und dem Freiberger Stadtteil Zug im Erzgebirge aus dem 16. Jahrhundert.
Er diente der Zuführung von Aufschlagwasser für den Bergbau auf dem Hohe Birke Gangzug südlich von Freiberg, von dem sich auch sein Bezeichnung ableitet.[1]

Verlauf[Bearbeiten]

Der Hohbirker Kunstgraben an der Kapelle in Zug

Der 4,805 Kilometer[2] lange Graben beginnt als Zusammenfluss des Abflusses aus dem Rothbächer Teich und einem Teil des Wassers aus dem Müdisdorfer Kunstgraben. Er verläuft sodann in nördliche Richtung zur Krausens Mühle, bei der über kurze Distanz verröscht ist. Danach schwenkt er leicht in nord-nordöstliche Richtung und führt östlich am ehemaligen Mendenschacht (auch: Zugspitze) vorbei. Über die so genannte Mendenrösche wurde hier Aufschlagwasser für Förderung und Wasserhaltung der Schachtanlage aus dem Kunstgraben abgeschlagen. Vor dem ehemaligen Haltepunkt Zug der Bahnstrecke Berthelsdorf–Großhartmannsdorf wird der Graben von dieser überquert und speist kurz darauf den Konstantinteich. Danach verläuft er in einer langgezogenen Ostkurve nordwärts bis etwa zur Ortsmitte von Zug.[3][4]

An der Kapelle in Zug befindet sich der heutige Endpunkt des Hohbirker Kunstgrabens, der ursprünglich mit seinen Abzweigen bis in das südliche Stadtgebiet von Freiberg reichte. Früher zweigte an dieser Stelle nach Osten der Zuger Wäschgraben ab, der drei unmittelbar hintereinanderliegende Erzwäschen und die Kröner Fundgrube beaufschlagte. Umfangreiche Wäschsandhalden sind noch heute in diesem kleinen Tälchen anzutreffen.[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Der Graben wurde nach Projektunterlagen von Oberbergmeister Martin Planer 1590 fertiggestellt und war bis zur Etablierung der Dampfmaschine und Elektroenergie die energetische Hauptschlagader des Hohe Birke Gangzuges. Dies resultierte aus der räumlichen Ballung der Bergbauanlagen. Die zahlreichen, auf etwa 4,5 Kilometern Länge wie an einer Perlenschnur hintereinanderliegenden Gruben lieferten vom Beginn des 16. Jahrhunderts bis 1803 insgesamt rund 174 Tonnen Silber sowie große Mengen Kupfer und Blei und verteilten rund 1 500 000 Gulden Ausbeute. Die allein auf diesem Gangzug geförderte Silbermenge entspricht rund zwei Prozent des gesamten im Erzgebirge gewonnenen Silbers.[4]

Aber auch bereits vor Erreichen des Gangzuges Hohe Birke wurde Gruben, Pochwerke und Wäschen links und rechts des Verlaufs mit Wasser aus dem Graben versorgt. So führte am Konstantinteich beginnend ein Zweigarm des Grabens bis etwa 1900 Aufschlagwasser zur weiter westlich gelegenen Grube Beschert Glück. Heute wird über diesen Zweig das Gewerbegebiet „Freiberg Süd“ mit großen Mengen Produktions- und Kühlwasser aus dem Graben versorgt.[4]

Weiteres[Bearbeiten]

Detail der „Schwartenabdeckung“ am Hohbirker Kunstgraben (Juni 2008)

Vom heutigen Endpunkt in Zug führt eine Freispiegelleitung zum Waldbad Großer Teich im Freiberger Stadtwald, um durch Zufuhr von Frischwasser den Badebetrieb aufrechterhalten zu können, da der Badeteich über keinen ausreichenden natürlichen Zufluss verfügt.[4]

Die Grabenwände bestehen aus Trockenmauerwerk und über weite Teile erfolgte eine Abdeckung mit Holzschwarten. Dadurch konnten Laub und Gras den Wasserfluss nicht behindern, Verdunstungsverluste gering gehalten und Unfälle möglichst vermieden werden. Für die Wartung der Grabensysteme waren Grabensteiger verantwortlich. Heute ist die Schwartenabdeckung noch an einigen touristisch bedeutenden Stellen zu sehen, sonst aber durch Betonplatten ersetzt worden.[5][4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Dieter Schräber: Das Bergbaugebiet von Zug und der Hohe Birke Kunstgraben - Denkmale des sächsischen Montanwesens., herausgegeben vom Erzgebirgszweigvereins Freiberg und dem Denkmalamt Freiberg anlässlich des Tag des offenen Denkmals 2004 – 44 Seiten

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Auf den Spuren des Bergbaus im Gebiet von Zug, abgerufen am 11. August 2010
  2. Katja Kunath: Exkursion zum BV Bergakademie Freiberg. Ring Deutscher Bergingenieure e. V., Bezirksverein Mitteldeutsche Braunkohle, abgerufen am 11. August 2010.
  3. Sachsenatlas. Abgerufen am 12. März 2014.
  4. a b c d e f Bergbaugeschichtlicher Erkundungsweg: Wandertour „Zug“, abgerufen am 11. August 2010
  5. Bergwerksteiche südlich von Brand-Erbisdorf im Naturführer Ost-Erzgebirge, abgerufen am 11. August 2010