Quelle

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Quell ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zum deutschen Volleyballspieler und -trainer siehe Ulf Quell.
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Quelle (Begriffsklärung) aufgeführt.
Quelle des Elbflusses im tschechischen Riesengebirge

Eine Quelle ist ein Ort, wo dauerhaft oder zeitweise aus Niederschlägen gespeistes Grundwasser auf natürliche Weise austritt. In seltenen Fällen entstammt das Wasser tieferen Teilen des Erdinneren (juveniles Wasser).[1]

Klassifikation[Bearbeiten]

Quellen können nach mehreren Aspekten klassifiziert werden: nach dem hydrostatischen Druck des Grundwassers, nach dem zeitlichen Verlauf der Quellschüttung, nach der Quelltemperatur, nach dem Gehalt an gelösten gasförmigen und festen Stoffen, nach Strukturmerkmalen oder nach der Art der vom Austritt geschaffenen Lebensräume.

Einteilung nach hydrostatischem Druck[Bearbeiten]

Einteilung nach dem zeitlichen Verlauf der Quellschüttung[Bearbeiten]

Einteilung nach Quelltemperatur[Bearbeiten]

Gewöhnlich entspricht die Wassertemperatur einer Quelle der örtlichen mittleren Jahrestemperatur der Luft und ist im jahreszeitlichen Verlauf konstant. In Mitteleuropa liegt die Temperatur dann etwa bei 6 bis 10 °C, in tropischen Gebieten bei 20 bis 25 °C. Liegt der speisende Grundwasserleiter weniger als 20 Meter tief, kann es zu geringen jahreszeitlichen Schwankungen der Quelltemperatur kommen.

  • Akratopegen: Quellen, deren Temperatur der mittleren örtlichen Jahrestemperatur entspricht.
  • Akratothermen: Quellen, deren Wassertemperatur über der mittleren Jahrestemperatur der Luft liegt (Thermalquellen).
Quelle in Wassersleben in der Nähe des dortigen Strands, im Winter

Einteilung nach dem Gehalt an gelösten Stoffen[Bearbeiten]

Quellen, die einen besonders hohen Gehalt an gelösten gasförmigen oder festen Stoffen haben, bezeichnet man als Mineralquellen. Mit der Wirkung von Heilquellen beschäftigt sich die Balneologie. Mineralquellen lassen sich weiter unterteilen in Solquellen, Schwefelquellen, Säuerlinge, alkalische Quellen, Bitterquellen, Eisenquellen und radioaktive Quellen. Träger der Radioaktivität in radioaktiven Quellen ist das Edelgas Radon, das beim Zerfall von uran- oder thoriumhaltigen Mineralen meist in Granit- oder Gneisgesteinen entsteht (vgl. Radonbalneologie).

Einteilung nach Strukturmerkmalen im Quelleinzugsgebiet[Bearbeiten]

Karstquelle des Flusses Pesio
  • Schichtquellen: Grundwasser bewegt sich über einer stauenden Gesteinsschicht zur Austrittsstelle.
  • Überlaufquellen: Grundwasser staut sich über einer Gesteinsschicht bis zur tiefstmöglichen Austrittsstelle, besonders bei seitlich begrenzenden (stauenden) Gesteinen (etwa an Verwerfungen oder vor Kalksinterkrusten) auch Stauquellen genannt.
  • Verengungsquellen: Sonderform der Überlaufquelle; im Grundwasserleiter selbst baut sich vor Stellen geringerer Durchlässigkeit hydrostatischer Druck auf, der zum Grundwasseranstau bis zur Erdoberfläche führen kann und dort zum (oft nur zeitweisen) Quellaustritt.
  • Spaltenquellen: in Gesteinen mit Kluftspaltensystemen oder durch Lösung entstandenen Hohlräumen kann sich das Grundwasser schnell bewegen und so auch mit starker Schüttung an der Oberfläche austreten. In großen Karstquellen können auch unterirdisch verlaufende Flüsse zutage treten. Auch Gletschertore können hier eingeordnet werden.
  • Artesische Quellen: Grundwasser, das unter eine in Fließrichtung absteigende Gesteinsschicht gedrückt wird und an wenigen durchlässigen Stellen (etwa an Bruchlinien) unter Druck an die Oberfläche gelangt.
  • Springquellen: vulkanisch erhitztes oder mit Kohlenstoffdioxid versetztes Grundwasser bildet beim Austritt wiederholt Fontänen, bei großen Sprunghöhen auch Geysire genannt.
Querschnitt durch eine Artesische Quelle

Einteilung nach Strukturmerkmalen des Quellortes[Bearbeiten]

  • Rheokrene (Fließ- oder Sprudelquelle) zeigen einen deutlich erkennbaren, lokal begrenzten Austritt mit einem sichtbaren Abfluss. Er kann laminar strömen und sogar Stillwasserzonen aufweisen, oder aber nach Austritt aus Klüften in steilem Gelände einen Sturzbach oder Wasserfall bilden (Fallquelle, Sturzquelle).
  • Helokrene (Sickerquelle, Sumpfquelle) sind durch flächig austretendes Grundwasser gekennzeichnet, das sich in einem Quellsumpf aus kleinsten Quellrinnsalen sammelt. Ein solches Quellgebiet kann, je nach klimatischer und geologischer Situation, sich über Quadratkilometer erstrecken. Im Flachland haben Helokrene, abgesehen von einigen aufsteigenden Quellen, meist eine geringe Schüttung.
  • Limnokrene (Tümpelquelle, Trichterquelle) sind Quellaustritte, die, am Grund einer Mulde, einen Quelltümpel bilden, aus dem sie gesammelt abfließen. In Karstgebieten kann ein solcher Quelltümpel große Tiefen erreichen.
  • Unterseeische Quellen treten besonders in Karstgebieten auf.
  • Endorheische Quellen sind abflusslos; ihr Wasser versickert nach kurzer Fließstrecke wieder.
  • Gefasste Quellen sind mit einer künstlichen Quellfassung umbaut oder auch denkmalartig gestaltet.

(Brunnen sind künstliche Grundwasseraufschlüsse und werden nicht als Quelle bezeichnet.)

Einteilung nach Art der gebildeten Lebensräume[Bearbeiten]

Schilf im Nordseewatt zwischen Sahlenburg und Duhnen als Zeigerpflanzen für Süßwasserquellen im Watt
  • Eukrenal: der Lebensraum der quellbewohnenden Organismen (Krenobionten) in der eigentlichen Quelle
  • Hypokrenal: der Lebensraum im Quellabfluss, soweit dessen Eigenschaften noch durch den Wasseraustritt geprägt sind.

Quellen als Lebensraum[Bearbeiten]

Das Krenal (der Lebensraum Quelle) ist ein kleinflächiger Lebensraum, dessen physikalische und chemische Faktoren auch jahreszeitlich recht konstant sind. Deren Änderung kann sich somit leicht als Störung auswirken. Quellen sind außer bei starker Belastung des Grundwassers oligotrophe Gewässer. Die quellbewohnenden Organismen werden als Krenobionte bezeichnet. Wenn sie vorwiegend im Krenal leben, bezeichnet man sie als Krenophile, und wenn sie nur selten im Krenal erscheinen, als Krenoxene.

Bekannte Quellen[Bearbeiten]

Quelle der Fulda
Stein an der Helenenquelle im Schortetal im Thüringer Wald

In Deutschland[Bearbeiten]

  • Der Aachtopf ist mit einer Schüttung zwischen 1.300 und 24.000 Litern pro Sekunde die wasserreichste deutsche Quelle. Hier tritt überwiegend Wasser aus der Donauversinkung wieder zu Tage.
  • Der Blautopf ist eine ähnlich große Karstquelle bei Blaubeuren.
  • Die Fulda entspringt am höchsten Berg von Hessen, der Wasserkuppe.
  • Die mit einer Temperatur von 74 °C wärmsten Thermalquellen in Deutschland liegen in Burtscheid bei Aachen.
  • Im Paderquellgebiet in der Innenstadt Paderborns drängen in über 200 kleinen Quellen in mehreren ummauerten Quellbecken 3.000 bis 9.000 Liter Wasser pro Sekunde an die Erdoberfläche.
  • Die Rhumequelle ist mit einer Quellschüttung von im Mittel 2.000 Litern pro Sekunde die ergiebigste Quelle Norddeutschlands und wird von Wasser aus dem Harz gespeist.
  • Die Lutterquelle liegt am Elm in Norddeutschland.
  • Die Lahnquelle entspringt im Rothaargebirge im Keller eines alten Mühlhauses.
  • Der 20-Röhren-Brunnen in Altleiningen ist die stärkste Spaltenquelle der Pfalz. Das Wasser tritt aus einer Verwerfungsspalte hervor, wird zunächst in zwei großen Brunnenkammern gefasst, um dann aus 20 parallel angeordneten Röhren hervor zu quellen. Die Menge des Wasserflusses wird mit einem (für die Bauzeit) sehr durchdachten System der Grundwasseraufstauung gesteuert.
  • Der Salzaspring ist die Quelle der Salza und mit einer Schüttung aus dem Karst von im Mittel 704 Litern pro Sekunde die ergiebigste Quelle Thüringens.
  • Der Schwarzbach entspringt der aktiven Wasserhöhle Schwarzbachloch. Die Karstquelle liegt im Landkreis Berchtesgadener Land, ihre Schüttung schwankt stark zwischen 30 und 17.000 Litern pro Sekunde.

In Österreich[Bearbeiten]

  • Pießling Ursprung: Eine der stärksten österreichischen Karstquellen nahe Spital am Pyhrn im Toten Gebirge (Oberösterreich). Der von ihr gespeiste Fluss mündet nach etwa 7 Kilometern in die Teichl und später in die Steyr.
  • Wasserloch: Karstquelle in Österreich im Salzatal nahe Palfau (Steiermark). Nach dem Austritt aus einer Höhle und der Unterquerung eines natürlichen Felstors stürzen die Wassermassen über zahlreiche Wasserfälle und Kaskaden etwa 350 m in die Tiefe und bilden die Touristenattraktion der Wasserlochklamm.
  • Heilquellen für Kaltwasserkur in St. Radegund (Steiermark), die unter Gustav Novy (1830–1896) und Gustav Ruprich (1855–1912) durch hauptsächlich ungarische Adelige erschlossen wurden. Beispiele: Rosa-Quelle, Source des paresseux, Eremitenquelle.
  • Rinnende Mauer: eine großflächig austretende Quelle in der Steyrschlucht bei Molln.

In der Schweiz[Bearbeiten]

  • Rheinquelle: Nach gewässerkundlichen Merkmalen ist es schwierig, „die“ Quelle des Rheins zu bestimmen. Als Quelle des Rheins wird oft der Tomasee im Kanton Graubünden angesehen. Mündungsfernste Quelle ist die im Kanton Tessin liegende Quelle des Rein da Medel.
  • Siebenbrünnen, Ursprung der Simme bei Lenk im Simmental.
  • Rinquelle am Walensee, entspringt im unteren Teil der Seerenbachfälle mit dem höchsten Einzelfall der Schweiz.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Quelle – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Quellen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Quelle – Zitate

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ernst Neef 1981: Das Gesicht der Erde. S. 525.