Flusssystem

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Mississippi-Missouri-Flusssystem, aufgehellt: Einzugsgebiet

Ein Flusssystem (auch Flussnetz) ist die Gesamtheit aller Flüsse, die sich aus dem Hauptfluss (beziehungsweise bei mehreren Namen aus allen seinen Teilabschnitten) und aus allen direkten und indirekten Nebenflüssen ergibt. Das Flusssystem trägt dabei meist den Namen des Hauptflusses (beispielsweise Rhein oder Amur).

Das vom Flusssystem entwässerte Gebiet nennt sich Einzugsgebiet und wird durch Wasserscheiden begrenzt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte und Forschung [Bearbeiten]

Die Ausbildung und Verzweigung von Flusssystemen war von großem Interesse für alle Forscher und Entdecker, die Untersuchung und Einteilung der existierenden Flussnetze wurde jedoch erst im 20. Jahrhundert auf eine wissenschaftliche Basis gestellt. Ein Meilenstein in der Geschichte der wissenschaftlichen Betrachtung von Flusssystemen war die Veröffentlichung von Robert Elmer Horton im Jahr 1945.[1] Horton untersuchte die Organisation von Flusssystemen und stellte eine Reihe von Richtlinien auf, die als Hortonsches Ordnungssystem bekannt wurde.[2] Die heute verwendete Einteilung geht auf sein System zurück, das in den 1950er Jahren durch Arthur Newell Strahler ergänzt wurde.[3] Die Bezeichnung der einzelnen Grundrissmuster stammt von Emilie R. Zernitz aus dem Jahr 1932.[4]

Typen von Flusssystemen [Bearbeiten]

Flusssysteme werden nach der Geometrie der zugehörigen Flussläufe in verschiedene Haupttypen untergliedert. Als Haupttypen von Flusssystemen gelten folgende Typen:[5]´

  • chaotisches Flussnetz
  • dendritisches Flussnetz
  • paralleles Flussnetz
  • radiales Flussnetz
  • rechtwinkliges Flussnetz
  • spalierartiges (appalachisches) Flussnetz

Die größten Flusssysteme [Bearbeiten]

Das größte Flusssystem Westeuropas stellte nach aktuellem Forschungsstand während der eiszeitlichen Meeresspiegeltiefstände das Flusssystem des Rheins dar, das auch die Themse umfasste, und das im Falle stauenden nordischen Inlandeises über das Gebiet des trocken liegenden Ärmelkanals in den Atlantik abfloss und dabei auch die Seine aufnahm.

Nach einer Hypothese könnte das größte Flusssystem der Welt ein Uramazonas gewesen sein, der einst auf dem Superkontinent Gondwana floss und sich bei dessen Auseinanderbrechen in die Flusssysteme des Niger und des heutigen Amazonas aufspaltete.

Name des Hauptflusses Länge
(km)
Einzugs-
gebiet (km²)
Abfluss am
Maximalpunkt (m³/s)
Afrika
Kongo 4.835 3.730.000 40.000
Nil (längster Fluss der Erde) 6.671 3.255.000 2.800
Niger 4.184 2.262.000 6.500
Sambesi 2.574 1.333.000 7.070
Oranje 2.160 973.000 800
Okavango 1.700 721.000 475[6]
Amerika
Amazonas (wasserreichster Fluss der Erde) 6.448 6.112.000 209.000
Mississippi 6.051 2.981.000 18.400
Río Paraná 3.998 2.583.000 17.300
Mackenzie 4.260 1.743.000 10.300
Nelson River 2.671 1.093.000 3.500
Sankt-Lorenz-Strom[7] 3.058 1.050.000 10.000
Orinoco 3.010 954.000 35.000
Yukon 3.120 854.700 6.430
Rio São Francisco 3.199 618.000 3.300
Asien
Ob 5.410 2.972.000 13.000
Jenissej 5.940 2.554.000 19.600
Lena 4.400 2.306.772 17.100
Meghna[8] 3.411 1.954.000 36.000
Amur 4.444 1.930.000 11.000
Jangtse 6.380 1.722.000 32.000
Schatt al-Arab 3.596 1.125.000 1.500
Indus 3.180 1.082.000 7.200
Ganges 2.511 1.016.000 13.000
Huang He („Gelber Fluss“) 4.845 945.000 2.100
Mekong 4.500 805.000 16.000
Brahmaputra (Im Unterlauf Jamuna) 2.900 651.334 20.000
Australien
Murray 3.672 1.050.000 770
Europa
Wolga 3.534 1.411.000 8.100
Donau 2.888 796.000 7.100
Dnjepr 2.285 532.000 1.700
Ural [9] 2.428 244.000 475
Rhein 1.235 218.300 2.450

Siehe auch [Bearbeiten]

Einzelnachweise und Anmerkungen [Bearbeiten]

  1. Ahnert 1996, S. 257
  2.  R.E. Horton: Erosional development of streams and their drainage basins, hydrophysical approach to quantitative morphoplogy. In: Bulletin of the Geological Society of America. 52, 1945, S. 275–370.
  3.  A.Strahler: Quantitative analysis of watershed geomorphology. In: Trabsactions of the American Geophysical Union. 38, 1957, S. 913–920.
  4.  E.R. Zernitz: Drainage patterns and their significance. In: Journal of Geology. 40, 1932, S. 498–521.
  5. Ahnert 1996, S. 260f
  6. Anm.: Der Okavango ist ein Binnenfluss und versickert vollständig in der Kalahariwüste
  7. Anm.: Die Länge bezieht sich auf den gesamten Flusslauf ab der Quelle des North River.
  8. Anm.: Die Länge bezieht sich auf den gesamten Flusslauf Brahmaputra-Jamuna-Padma-Meghna. Das Einzugsgebiet umfasst die drei Flusssysteme von Brahmaputra, Ganges und Meghna. Die Abflussmenge bezieht sich auf den Meghna-Unterlauf, der den Abfluss aus Brahmaputra, Ganges und Meghna-Oberlauf vereint.)
  9. Anm.: Die Länge wird unterschiedlich angegeben, auch mit 2.534 oder 2.573 Kilometern.

Literatur [Bearbeiten]

  •  Frank Ahnert: Einführung in die Geomorphologie. 1. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 1996, ISBN 3-8252-8103-5, S. 260 ff.

Weblinks [Bearbeiten]