United States Holocaust Memorial Museum

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Holocaust Memorial Museum)
Wechseln zu: Navigation, Suche
United States Holocaust Memorial Museum
Logo des Museums

Das United States Holocaust Memorial Museum (abgekürzt USHMM) ist ein bundesstaatliches Museum in Washington, D.C. Es ist eins von 22 Holocaustmuseen in den USA. Es dient als nationale Gedenkstätte für die Opfer des Holocaust, zu dessen Dokumentation und Interpretation. Es befindet sich am Raoul Wallenberg Platz auf der National Mall zwischen Washington Monument und Jefferson Memorial.

Entstehung[Bearbeiten]

Das Museum beruht auf einer von Jimmy Carter 1978 einberufenen Kommission (President’s Commission on the Holocaust, später: U.S. Holocaust Memorial Commission), deren erster Vorsitzender Elie Wiesel war. Die Vorlage wurde 1980 vom US-Kongress einstimmig, zusammen mit den Days of Remembrance, beschlossen (Public Law 96-388). Auf dieser Entschließung beruht auch die Förderung aus öffentlichen Mitteln.

Konzeptstreit[Bearbeiten]

Mit Jimmy Carters Initiative für das Museum 1978 begann ein Streit um dessen Konzept. Auslöser war sein Auftrag, eine nationale Gedenkstätte für „die sechs Millionen, die in dem Holocaust ermordet wurden“, zu entwerfen: Damit begrenzte er den Begriff auf die Judenvernichtung. Daraufhin beanspruchten Vertreter verschiedener nichtjüdischer NS-Opfergruppen einen analogen Opferstatus und Aufnahme in das Museumskonzept. Carter erweiterte die Holocaustdefinition 1979 darum auf „elf Millionen unschuldige Opfer, von denen sechs Millionen Juden waren“. Dagegen betonte Elie Wiesel, der damals der Gründungskommission vorstand, das vom NS-Staat angestrebte Ziel der Ausrottung aller Juden als analogielose Besonderheit. Er fasste es später mit dem oft zitierten Satz zusammen: „Nicht alle Opfer waren Juden, aber alle Juden waren Opfer.“[1] Die von Carter berufene, mehrheitlich von Vertretern jüdischer NS-Opfer besetzte Gründungskommission definierte „Holocaust“ in ihrem Museumsentwurf als „systematische, bürokratische Vernichtung von sechs Millionen Juden durch die Nazis und ihre Kollaborateure als zentralen Staatsakt während des Zweiten Weltkriegs“. Darum verlangte sie einen Vorrang für das Gedenken dieses Ereignisses, aber keinen Ausschluss anderer Opfergruppen. Die US-Regierung lehnte diesen Vorrang ab und vermied eine klare Begriffsdefinition, gebrauchte den Holocaustbegriff offiziell aber weiterhin als Synonym für die NS-Judenvernichtung.[2]

Gebäudeentwurf[Bearbeiten]

1983 präsentierte George H. W. Bush der Kommission den ersten Gebäudeentwurf. Die Verhandlungen über die architektonische Gestaltung und die Inhalte (schwarze US-Amerikaner sowie Indianer und Revisionisten sahen ihre Interessen nicht berücksichtigt) führten dazu, dass es erst 14 Jahre später, im April 1993, als "public-private enterprise" eröffnet wurde. Das Gebäude wurde vom Architekten James Freed mit 200 Mio. $ aus Privatspenden auf öffentlichem Boden errichtet. Zu diesem Zweck wurde der Kommission der historische Auditor's Building Complex 1987 von der General Services Administration übertragen. Bedenken von Bürgern und innerhalb der Kommission verhinderten den ursprünglich geplanten, kompletten Abbruch.

Ausstellungen[Bearbeiten]

Die Ausstellungsräume beinhalten 26.000 authentische Artefakte sowie zahlreiche Ausstellungen und Veröffentlichungen mit Bezug zum Holocaust. Gebäudezentrum ist eine hexagonale Halle des früheren Gebäudes (heute "Hall of Remembrance"). Den Startpunkt des Rundgangs bilden in der "Hall of Flags" die Fahnen verschiedener US-Divisionen, die am Sieg beteiligt waren. Das Museum sammelt und bewahrt Beweisstücke, verbreitet Lernmaterialien und produziert Radio- und Fernsehprogramme. Es finden jährliche Gedenkfeiern statt.

Das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden zeigte eine Ausstellung des Holocaust Memorial Museums: Tödliche Medizin: Rassenwahn im Nationalsozialismus vom 12. Oktober 2006 bis 24. Juni 2007.

Verwaltung[Bearbeiten]

Das Museum wird von einem 55-köpfigen United States Holocaust Memorial Council geleitet, der um 10 Kongressabgeordnete und drei ex officio Vertreter jeweils des Bildungs-, Innen- und Außenministeriums ergänzt wird. Präsident des Rates ist Fred S. Zeidman. 2006 berief George W. Bush den konservativen Kolumnisten Dennis Prager ins Konzil.[3]

Das Museum hat etwa 1,7 Mio. Besucher pro Jahr. Seit der Gründung 1993 besuchten es 23 Mio. Menschen, davon 8 Mio. Schulkinder.

Bei Einnahmen von 70 Mio. $ im Jahr (davon 42 Mio. $ staatliche Zuschüsse; zum Vergleich: British Museum 56 Mio. $; Louvre 118 Mio. $) hat es im Geschäftsjahr 2005 Überschüsse in Höhe von 15,3 Mio. $ erwirtschaftet. Im Vergleich zu anderen Museen, die zudem nicht eine einzelne Ethnie thematisieren, hat das USHMM erhebliche Rücklagen in Aktien (63 Mio $), Investmentfonds (58 Mio. $), israelischen Staatsanleihen (4,2 Mio. $) und anderen Anlageformen, insgesamt 147,5 Mio. $ (2005[4]). Zur Konsolidierung strebt es künftig einen Kapitalstock von 300 Mio. $ an.

Kritik[Bearbeiten]

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.

Kritiker haben bemängelt, dass das Museum die Bedeutung des Widerstands und der sowjetischen Armee an der Beendigung des Holocaust vernachlässige und stattdessen die Rolle der US-Streitkräfte stark überbetone. Rochelle Saidel meint zudem, die damalige restriktive US-Einwanderungspolitik und die Weigerung der Alliierten, das KZ Auschwitz oder Transportwege dorthin im Luftkrieg anzugreifen, würden nicht thematisiert. Damit werde die „Geschichte neugeschrieben“.

Schießerei[Bearbeiten]

Am 10. Juni 2009 erschoss der 88-jährige Rechtsextremist James von Brunn beim Betreten des Gebäudes einen Wachmann, der ihm die Tür geöffnet hatte. Andere Wachleute erwiderten das Feuer und verletzten Brunn schwer. Er starb am 7. Juni 2010. Ermittlern zufolge hatte er die Schießerei im Museum monatelang als Selbstmordattentat geplant, um den Juden die Botschaft zu senden, der Holocaust sei ein Schwindel. Er habe als Märtyrer für sein Anliegen, die Holocaustleugnung, sterben wollen.[5]

Gedenkdienst[Bearbeiten]

Seit 1993 gibt es für österreichische Zivildienstpflichtige die Möglichkeit am USHMM einen einjährigen Gedenkdienst abzuleisten.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jeshajahu Weinberg, Rina Elieli: The Holocaust Museum in Washington. Rizzoli International, New York NY 1995, ISBN 0-8478-1906-X
  • Edward Tabor Linenthal: Preserving memory: the struggle to create America's Holocaust Museum. Viking, 1995, ISBN 0670860670
  • Stefan Krankenhagen: Auschwitz darstellen. Böhlau, Wien 2001, ISBN 3412047015 (Kapitel: The Americanization of the Holocaust, S. 163-220; Buchauszug online)
  • Matthias Haß: Gestaltetes Gedenken: Yad Vashem, das U.S. Holocaust Memorial Museum und die Stiftung Topographie des Terrors. Campus Verlag, 2002, ISBN 3593371154
  • Katrin Pieper: Die Musealisierung des Holocaust. Böhlau, Wien 2006, ISBN 341231305X
  • Brenda Haugen, Harold Marcuse, Alexa Sandmann: The Holocaust Museum. Compass Point Books, 2007, ISBN 0756533570
  • Jan Eckel, Claudia Moisel: Universalisierung des Holocaust? Erinnerungskultur und Geschichtspolitik in internationaler Perspektive. Wallstein, 2008, ISBN 3835303104

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jewish Virtual Library: Congressional Gold Medal Awarded to Elie Wiesel (April 19, 1985)
  2. Katrin Pieper: Musealisierung des Holocaust. Böhlau, Wien 2006, ISBN 341231305X, S. 68-78 (Buchauszug online)
  3. http://www.ushmm.org/museum/press/archives/detail.php?category=07-general&content=2006-09-06 USHMM-Pressemeldung vom 6. September 2006
  4. http://www.ushmm.org/notices/performance/?content=2005
  5. Washington Post, 7. Juni 2010: Von Brunn, white supremacist Holocaust museum shooter, dies

38.887777777778-77.033611111111Koordinaten: 38° 53′ 16″ N, 77° 2′ 1″ W