Hubert van Eyck

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Hubert van Eyck,
Illustration von Edme de Boulonois (1682)

Hubert (Huybrecht) van Eyck (* um 1370; † 18. September 1426) war ein flämischer Maler.

Die Annahme, dass es sich bei Hubert van Eyck um den Bruder Jan van Eycks handelt, lässt sich nach neuesten Forschungserkentnissen nicht mehr aufrechterhalten. Über das Leben von Hubert ist sehr wenig bekannt; sicher weiß man nur, dass er sich 1421–1422 in Gent in die religiöse „Genossenschaft der Maria mit den Strahlen“ einschreiben ließ.

Zu großem Ruhm kam Hubert van Eyck durch die Inschrift auf dem Rahmen des Genter Altares. Die Inschrift ist allerdings, wie eine Röntgenuntersuchung 1950 gezeigt hat, erst nachträglich aufgebracht worden. Sie lautet:

PICTOR HUBERTUS EEYCK. MAIOR QUO NEMO REPERTUS
INCEPIT. PONDUS. QUE JOHANNES ARTE SECUNDUS
(FRATER) PERFECIT. JUDOCI VIJD PRECE FRETUS
VERSV SEXTA MAI. VOS COLLOCAT ACTA TVERI
„Maler Hubert van Eyck, einen größeren gab es nicht, hat dies Werk begonnen und sein Bruder Johannes, der zweite in dieser Kunst, hat im Auftrag von Jodocus Vijd die schwere Aufgabe vollendet. Durch diese Verse vertraut er Eurer Obhut das an, was am 6. Mai entstand.“

Die Kunsthistoriker haben aufgrund dieser Inschrift lange versucht, im Genter Altar den Anteil „Huberts“ von dem Jans zu trennen. Dem Kult um Hubert rückte Van Asperen de Boer 1979 mit der Infrarotreflektographie zu Leibe. Unverkennbar zeigt die Unterzeichnung des Altars nur eine Handschrift, nämlich die Jan van Eycks. Volker Herzner konnte 1995 in seiner Studie zum Genter Altar nachweisen, dass Hubert völlig verarmt starb, kein einziges Werk von ihm erhalten ist und die Verwandtschaft mit Jan mehr als fragwürdig ist.

Nils Büttner sieht die Motive für die Hinzufügung der Inschrift im Genter Lokalpatriotismus des 16. Jahrhunderts. Denn Jan van Eyck kam aus Brügge, war also kein Genter, während der zufällig namensgleiche Hubert als Genter Maler belegt war. Gent und Brügge standen seit jeher in Konkurrenz. Es war bei humanistischen Gelehrten beliebt, die eigene Heimatstadt mit einem Städtelob zu feiern. Dabei ging es natürlich nicht an, dass das berühmteste Kunstwerk der Stadt von einem Auswärtigen geschaffen worden war. Weil Hubert van Eycks Name in Gent überliefert war, wurde er kurzerhand zum Bruder Jan van Eycks gemacht und dem auswärtigen Jan vorangestellt. Der konkrete Anlass war – immer nach Büttners Hypothese – die Versammlung des Ordens vom Goldenen Vlies in der Genter St.-Bavo-Kirche im Jahr 1559, zu der die Kirche ausgeschmückt wurde. Damals wurde in der Kapelle, in der der Genter Altar stand, ein Gedicht angebracht, das Hubert van Eyck als Meister des Altares rühmt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Volker Herzner: Jan van Eyck und der Genter Altar. Worm 1995, ISBN 3-88462-125-4
  • Nils Büttner: Johannes arte secundus? Oder: Wer signierte den Genter Altar? In: Thomas Schilp (Hrsg.): Dortmund und Conrad von Soest im spätmittelalterlichen Europa. Bielefeld 2004, S.  179–200. Volltext in ART-Dok der Universität Heidelberg

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hubert van Eyck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien