Hufeisenumlaufbahn

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Umlaufbahnen des koorbitalen Asteroiden 2002 AA29 und der Erde um die Sonne in der senkrechten Sicht auf die Ekliptik; Bild: JPL
Hufeisenumlaufbahn von 2002 AA29 entlang der Erdbahn im Verlauf von 95 Jahren vom mit der Bahnbewegung der Erde mitbewegten Bezugssystem betrachtet; Bild: JPL

Die Hufeisenumlaufbahn, der Hufeisenorbit oder auch die Hufeisenbahn ist eine besondere Umlaufbahn eines koorbitalen Objekts, welches zusammen mit einem zweiten (meist wesentlich größeren) Körper in derselben oder einer sehr ähnlichen Umlaufbahn ein Zentralgestirn umläuft. Im normalen ruhenden Bezugssystem sieht die Umlaufbahn des koorbitalen Begleiters wie eine normale keplersche ellipsenförmige Umlaufbahn aus. Vom mit der Bewegung des größeren Objekts um das Zentralgestirn mitbewegten Bezugssystem aus (in dem der größere Himmelskörper zu ruhen scheint) sieht man dann nur noch die Relativbewegung des koorbitalen Begleiters. Der koorbitale Begleiter beschreibt von diesem Bezugssystem aus gesehen entlang der Umlaufbahn des größeren Körpers einen großen Bogen, den er periodisch vor- und zurückschwingt. Die Form des Bogens erinnert an ein Hufeisen, daher der Name Hufeisenumlaufbahn.

Stabilität[Bearbeiten]

Aufgrund ihrer sehr ähnlichen Umlaufbahnen haben koorbitale Objekte die gleiche mittlere Umlaufdauer um das Zentralgestirn wie der größere Himmelskörper. Sie befinden sich in gravitativer Wechselwirkung mit dem größeren Himmelskörper und sind aufgrund derselben mittleren Umlaufdauer in einer sogenannten 1:1-Bahnresonanz. Derartige Umlaufbahnen sind nur unter bestimmten Voraussetzungen stabil, von denen im Normalfall die wichtigste ist, dass der koorbitale Begleiter im Verhältnis zum größeren Körper eine verschwindend kleine Masse hat (sogenanntes eingeschränktes Dreikörperproblem).

Körper auf einer Hufeisenumlaufbahn müssen allerdings keine vernachlässigbare Masse haben, um einen stabilen Orbit einzunehmen (s. Abschnitt Beispiele).

Erklärung[Bearbeiten]

Hufeisenorbit eines Objekts (türkis) im Sonne-Erde-System. Das Bezugssystem dieses Diagramms (nicht maßstabsgetreu) wird mit dem Umlauf der Erde um die Sonne mitrotiert, so dass Sonne und Erde im Diagramm feststehen.

Die Abbildung links zeigt einen möglichen Hufeisenorbit eines Objekts im Sonne-Erde-System: Sowohl Erde als auch das Objekt rotieren gemeinsam gegen den Uhrzeigersinn um die Sonne. Dabei ist das Objekt mal mehr, mal weniger weit von der Erde entfernt. Diese Relativposition zu Sonne und Erde ändert sich mit der Zeit und beschreibt die gezeigte Hufeisenbahn.

Angenommen, das Objekt befindet sich vor der Erde im Punkt E in einer kreisförmigen Umlaufbahn. Da diese Bahn (um die Sonne) niedriger ist, ist seine Umlaufgeschwindigkeit ein wenig höher als die der Erde[1], und es bewegt sich langsam von dieser weg. Auf dieser Bahn bleibt das Objekt, bis es die Sonne fast einmal umkreist hat.

Im Punkt A ist das Objekt wieder nahe an der Erde (nun allerdings hinter ihr). Das Objekt wird nun durch die Gravitationskraft der Erde angezogen und entlang der Umlaufbahn (d.h. gegen den Uhrzeigersinn) beschleunigt. Durch die so erhöhte Fliehkraft driftet es nach außen, bis seine Umlaufgeschwindigkeit wieder kleiner ist als die der Erde (ab Punkt B) und es wieder hinter der Erde zurückzufallen beginnt.

Nach einiger Zeit ist das Objekt wieder außerhalb des Einflussbereichs der Erdgravitation, wird nicht mehr beschleunigt und befindet sich wieder auf einer Kreisbahn, auf der es weiterhin von der Erde wegdriftet (Punkt C). Auf dieser Bahn bewegt es sich wiederum um die Sonne (diesmal in entgegengesetzter Richtung).

In Punkt D beginnt wieder der gravitative Einfluss der Erde zu wirken, der dieses Mal jedoch von „hinten“ zieht und das Objekt abbremst, wodurch die Fliehkraft wieder abnimmt und es in einen niedrigeren Orbit sinkt, wodurch seine Umlaufgeschwindigkeit wieder so weit steigt, dass es den Einflussbereich der Erde wieder verlässt. Hier im Punkt E startet der Orbit von neuem.

Übergang zu Trojanern[Bearbeiten]

Der Übergang von einem Trojaner zu einer Hufeisenbahn ist fließend: Wenn der Abstand eines Trojaners zum Lagrangepunkt L4- oder L5 zu groß ist, dann wird er einmal auf der Umlaufbahn den dem größeren Himmelskörper entgegengesetzten Punkt überschreiten und dann in Richtung des anderen Lagrange-Punktes wandern und somit in einem großen Bogen vor- und zurückschwingen.

Beispiele[Bearbeiten]

Bislang sind erst wenige Objekte auf Hufeisenbahnen bekannt. Bemerkenswert sind die bislang zwei bekannten koorbitalen Begleiter der Erde, der Asteroid 2002 AA29 (ein Objekt mit nicht einmal 100 m Durchmesser) und der etwa 300 m große 2010 SO16[2]. Ein Quasisatellit der Erde war in den Jahren von 1996 bis 2006 der kleine Asteroid 2003 YN107, der seitdem wieder wie zuvor eine Hufeisenumlaufbahn entlang der Erdbahn beschreibt. Zwei weitere koorbitale Objekte auf ungewöhnlichen Hufeisenbahnen sind die kleinen, fast gleich großen Saturn-Monde Janus und Epimetheus, die auf sehr ähnlichen Umlaufbahnen den Saturn umlaufen, sich alle vier Jahre sehr nahe kommen und ihre Umlaufbahnen tauschen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Hufeisenumlaufbahn – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dieser Zusammenhang ergibt sich aus der Formel für die Erste kosmische Kreisgeschwindigkeit. Das ist diejenige Geschwindigkeit, bei der sich Fliehkraft und Gravitationskraft aufheben. Es gilt dann v^2\sim \frac{1}{r} d. h., ein Objekt in einem Orbit mit niedrigerem Radius hat eine größere Geschwindigkeit.
  2. Asteroid 2010 SO16 is following Earth in its orbit around sun. earthsky.org. 6. April 2011. Abgerufen am 10. April 2011.