Ijaw

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Ethnien in Nigeria

Die Ijaw (auch Ijo oder Izon) sind ein Volk im Nigerdelta mit nach Ijaw-Angaben vierzehn, nach anderen, realistischeren Angaben wohl nur 3 bis 4 Millionen Angehörigen. Sie sprechen neun nicht sehr eng verwandte Sprachen der Ijo-Sprachfamilie. Die wichtigste von ihnen ist das Izon, das sich wiederum in einen westlichen und einen östlichen Hauptdialekt gliedert.

Die Ijaw bewohnen die Atlantikküste vom Bundesstaat Akwa Ibom im Osten bis zum Bundesstaat Ondo im Westen mit Ausnahmen im Bundesstaat Delta, wo die Itsekiri die Atlantikküste bewohnen und die Ijaw außer in der Großstadt Warri nur in den östlich davon gelegenen lokalen Regierungsbereichen (LGA) Burutu 5° 21′ N, 5° 30′ O5.355.5083333333333 und Bomadi 5° 10′ N, 5° 56′ O5.16666666666675.9333333333333 vertreten sind. Die meisten Ijaw leben in den Bundesstaaten Bayelsa, Rivers und Delta. In Guayana gibt es eine fast ausgestorbene Kreolsprache, die vom Ijaw beeinflusst ist.

Geschichte und Lebensweise[Bearbeiten]

Die Ijaw siedelten seit Jahrhunderten, möglicherweise seit 7000 Jahren, im Nigerdelta in verstreuten Dörfern an Flüssen.[1] Sehr früh, nämlich schon im 15. Jahrhundert, hatten sie Kontakte mit Europäern.[2] Heute sind 95 Prozent von ihnen katholische oder anglikanische Christen. Verehrt wird jedoch immer noch der Wassergeist Owuamapu; Geisterglaube ist weit verbreitet. Die Ijaw arbeiten in der Fischerei, der Landwirtschaft, der Palmöl- und Palmweingewinnung oder sind traditionell als Händler, Jäger, Schnitzer oder Weber tätig.

Gegenwart[Bearbeiten]

Eine Art von Stammesidentität der Ijaw hat sich erst in moderner Zeit und unter dem Druck äußerer Eingriffe in ihren Lebensraum und der als feindlich angesehenen Politik der nigerianischen Zentralregierung gebildet. In der Stadt Warri kommt es häufig zu Konflikten mit der ethnischen Gruppe der Itsekiri, die sich nach dem Ölboom verstärkten.[3]

Die Erdölförderung und -verladung der Mangroven im Nigerdelta verursacht erhebliche Verluste und Schäden an der Umwelt und beeinträchtigt damit die Lebensgrundlagen der Ijaw und anderer Ethnien. Von den Gewinnen aus der Erdölförderung profitiert die Region nur marginal. Dies führt zum Konflikt im Nigerdelta mit den Ijaw. Im Januar 1999 überfielen Soldaten, die eine Anlage der Chevron Corporation schützen sollten, zwei Dörfer der Ijaw, ermordeten und vertrieben viele Menschen und richteten schwere Verwüstungen an Behausungen und Fischerbooten an.[4] Das Movement for the Emancipation of the Niger Delta kämpft seit 2006 mit Gewalt für deren Anliegen.

Literatur[Bearbeiten]

E. C. Ariye: The Ijo (Ijaw) People of Delta State: Their Early History and Aspects of Social and Cultural Practices. In: Historical Research Letter, vol. 8, 2013, online: [2]

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Ariye 2013, S. 1
  2. Ebiegberi J. Alagoa: The Ijaw and the Niger Delta in Nigerian history, Woodbridge, NJ, 24. Mai 2003, online: [1]
  3. Online Nigeria, abgerufen am 22. Januar 2015
  4. Online Nigeria, abgerufen am 22. Januar 2015