Illusorische Korrelation

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Illusorische Korrelation ist die Neigung, Beziehungen zwischen Phänomenen zu „sehen“, die tatsächlich nichts miteinander zu tun haben.[1] Sie gehört in der Sozialpsychologie zu den Urteilsheuristiken, welche Faustregeln darstellen, um trotz großer Unsicherheit in Situationen zu schnellen und ökonomischen Urteilen zu kommen. Allgemein spricht man von illusorischer Korrelation, wenn die subjektive Korrelationsschätzung von der objektiven Korrelation abweicht. Es kommt zu systematischen Fehleinschätzungen von Zusammenhängen, d.h. Personen nehmen Zusammenhänge zwischen voneinander unabhängigen Ereignissen wahr.

Fiedler (2000) unterscheidet mindestens drei Varianten von illusorischen Korrelationen:[2]

  • Erwartungbasierte Illusionen entstehen, wenn erwartete Ereignisse stärker gewichtet oder kognitiv tiefer elaboriert werden als unerwartete. Dies liegt vielen sozialen Stereotypen zu Grunde. So werden „typisch“ weibliche Verhaltensweisen auch dann häufiger Frauen zugeschrieben als Männern, wenn die objektive Häufigkeit exakt gleich ist.
  • Eine andere Klasse von illusorischen Korrelationen entsteht durch die ungleiche Verarbeitung von gegebenen und fehlenden Merkmalen.
  • Schließlich entstehen eingebildete Korrelationen durch schiefe Häufigkeitsverteilungen. Wenn in zwei Gruppen die gleiche Tendenz (z.B. mehr positives als negatives Verhalten) herrscht, über die eine Gruppe jedoch mehr Beobachtungen vorliegen, dann erscheint die Tendenz in der größeren Gruppe deutlicher.

Oft gehen illusorische Zusammenhänge auch darauf zurück, dass bestimmte Ereignisse salienter (auffälliger) sind als andere. Ein typisches Vorurteil im Zusammenhang mit illusorischer Korrelation ist, dass einige Menschen irrtümlich meinen, Einwanderer seien krimineller als Einheimische, was sich widerlegen lässt. Diese Ansicht kann darauf zurückgehen, dass Verbrechen sehr viel salienter sind, als gesetzkonformes Verhalten. Während die große Mehrzahl der Einwanderer friedlich lebt, bleibt dieses Ereignis nur schlecht im Gedächtnis, da es wenig salient ist. Einzelne Verbrechen, die von einigen wenigen Einwanderern begangen werden, bleiben jedoch gut im Gedächtnis, da sie sehr salient sind. Werden die Personen nachher zu Einwanderern befragt, assoziieren sie diese eher mit den salienten Ereignissen und entwickeln auf diese Weise Vorurteile. Dieses Beispiel illustriert auch die Verfügbarkeitsheuristik.

Ein weiteres Beispiel für eine illusorische Korrelation zeigt die Untersuchung von Ward und Jenkins (1965). Versuchspersonen wurde erzählt, es gäbe Flugzeuge, die „Wolken säen“ könnten, um es daraus regnen zu lassen. Man bot ihnen Informationen zu dreißig verschiedenen Tagen dar, die jeweils aussagten, ob es an diesem Tag geregnet hatte und ob die Flugzeuge Wolken „gesät“ hätten. Obwohl die Zusammenstellung von Regentagen und Wolkensaattagen vollständig auf Zufall beruhte und es in Wahrheit keinen Zusammenhang gab, meinten die Versuchspersonen, das „Wolkensäen“ der Flugzeuge sei effektiv und verursache Regen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ward, W. C., & Jenkins, H. M.: The Display of Information and the Judgment of Contingency, Canadian Journal of Psychology, 19, 1965, S. 231-241
  • Fiedler, K. (2000), Illusory correlations: A simple associative algorithm provides a convergent account of seemingly divergent paradigms. Review of General Psychology, 4, 25-58.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. E. Aronson, T. D. Wilson, R. M. Akert: Sozialpsychologie. Pearson Studium. 6. Auflage 2008. ISBN 978-3-8273-7359-5, S. 439
  2. Fiedler, K. & Plessner, H. (2006), Induktives Schließen: Umgang mit Wahrscheinlichkeiten. In: Funke, J. (Hrsg.), Enzyklopädie der Psychologie Band C/II/8: Denken und Problemlösen, 265-327, hier 298.