Imilac-Meteoritenkrater

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

-24.212638888889-68.808611111111Koordinaten: 24° 12′ 45,5″ S, 68° 48′ 31″ W

Karte: Chile
marker
Imilac

Der Imilac-Meteoritenkrater in Nord-Chile ist mit 8 m Durchmesser der größte Einschlagkrater im über 8 km² ausgedehnten Imilac-Meteoritenstreufeld, verursacht vor schätzungsweise 500 Jahren durch einen schon beim Anflug in der Atmosphäre zerborstenen Stein-Eisen-Meteoriten vom Typ Pallasit.

Beschreibung[Bearbeiten]

Imilac-Meteoritenkrater (Region Antofagasta)
Pointeur de géolocalisation.svg
Pointeur de géolocalisation.svg
Pointeur de géolocalisation.svg
Pointeur de géolocalisation.svg
Pointeur de géolocalisation.svg
Pointeur de géolocalisation.svg
Pointeur de géolocalisation.svg
Pointeur de géolocalisation.svg
Pointeur de géolocalisation.svg
Pointeur de géolocalisation.svg
Pointeur de géolocalisation.svg
Pointeur de géolocalisation.svg
Pointeur de géolocalisation.svg
Pointeur de géolocalisation.svg
Pointeur de géolocalisation.svg
Pointeur de géolocalisation.svg
Pointeur de géolocalisation.svg
Pointeur de géolocalisation.svg
Pointeur de géolocalisation.svg
Pointeur de géolocalisation.svg
Pointeur de géolocalisation.svg
Pointeur de géolocalisation.svg
Pointeur de géolocalisation.svg
Pointeur de géolocalisation.svg
Pointeur de géolocalisation.svg
Sierra Gorda
Sierra Gorda
Bolivien
Argentinien
Imilac-Krater
Imilac-Krater
Tilocalar-Krater
Tilocalar-Krater
Tujle-Krater
Tujle-Krater
Der Imilac-Meteoritenkrater liegt in einer Region, in der sich Meteoriten akkumulieren und Einschlagskrater gut erhalten, weil sie durch das schon mehrere Millionen Jahre anhaltende, trockene Klima bedingt nur geringer Erosion ausgesetzt sind.
Paris plan pointer b jms.gif Imilac-Meteoritenkrater
Cercle rouge 100%.svg andere Meteoritenkrater[1][2]
Pointeur de géolocalisation.svg andere Meteoritenfunde[3][4]
Red pog.svg bewohnte Orte

Der Imilac-Meteoritenkrater befindet sich in der Atacamawüste, in Nord-Chile, in der Kommune Antofagasta. Er liegt bei 24° 12′ 45,5″ S, 68° 48′ 31″ W-24.212638888889-68.8086111111113050,[5][6] rund 170 km Luftlinie von der Stadt entfernt, in einer extrem trockenen, vegetationslosen Zone der Anden-Präkordillere in 3050 m Höhe, wenige Kilometer vom Salar de Imilac entfernt.

Er ist ein einfacher, schüsselförmiger Krater mit einem Durchmesser von 8 m, begrenzt von steilen Wänden.[7] Der Impaktor war ein Pallasit (Stein-Eisen-Meteorit) der aus südwestlicher Richtung anfliegend noch in der Atmosphäre auseinanderbrach. Dabei entstanden zahlreiche Fragmente von unterschiedlicher Größe, die in einem primären Streufeld von wenigstens 8 km Länge und 1 km Breite einschlugen. Durch die Atmosphäre stärker ausgebremst, fielen zuerst die kleineren Stücke, während das größte Fragment am weitesten, bis zum nordöstlichen Rand des Streufelds flog. Beim Einschlag verursachte dieses den Krater und zerbarst in zehntausende Stücke, die bis zu 1000 m weit auseinander flogen und ein sekundäres Streufeld bildeten.[8][9]

Entdeckung[Bearbeiten]

Imilac-Pallasit:
Der Meteorit besteht aus einer schwamm­förmigen Eisen-Nickel-Legierung in der die Höhlungen meist ganz mit Olivin gefüllt sind.[10] Ungefähr 50 Vol-% Olivin-Anteil.[6] In dieser durchleuchteten, dünnen Scheibe zeigt sich das Olivin transparent und farbig, während das umgebende Eisen intrans­parent, dunkel erscheint. Als Fundort wird 24° 12′ 12″ S, 68° 48′ 24″ W-24.203333333333-68.8066666666673050 angegeben.[11]

Es gibt keine überlieferte Beobachtung zum Fall des Meteoritenschauers. Im Jahr 1821 hatte ein Mann namens Alejandro Chavez tagsüber einen heftigen Lärm in der Nachbarschaft der Oase Peine gehört und bald danach wurden große Mengen Eisen verteilt über eine Ebene gefunden.[12] Weil in der Gegend auch Vulkanismus und Erdbeben als Verursacher für den Lärm in Frage kommen, wurde bezweifelt, ob das gehörte mit dem Meteoriten in Verbindung steht.[10] Nur ungenau konnte ermittelt werden, dass zwei einheimische Jäger aus Peine, José María Chaile und Matías Mariano Ramos, das Meteoritenfeld irgendwann zwischen 1814 und 1824 entdeckt hatten. Weil sie das meteoritische Eisen mit einem Messer schneiden konnten und der frische Schnitt silbrig aussah, hielten sie ihren Fund für Silber.[13][14] Ein Monsieur C. Lambert berichtete, dass er 1822 auf einer Reise von San Pedro nach Coquimbo die von der indigenen Bevölkerung mit reventason bezeichnete Fundstelle zu besuchen versuchte, dass ihm aber niemand den Weg zeigen wollte, vermutlich um die vermeintliche Silbermine geheim zu halten.[12] So gilt als gesichert, dass der Imilac-Meteorit seit mindestens 1822[10] entdeckt war und er ist damit ist der älteste, belegte Fund aus einer so genannten heißen Wüste.[15] Es wird allerdings angenommen, dass der Fall schon mehrere hundert Jahre zurückliegt.[6] Aus geologischen Überlegungen ließ sich ableiten dass der Fall vor ungefähr 500 Jahren stattgefunden haben könnte.[8]

Ausbeutung des Meteoritenfeldes[Bearbeiten]

Während sich einige wenige Europäer aufmachten um die für sie begehrten Meteoriten in der Atacamawüste zu suchen, wurde meist die Gelegenheit genutzt sich diese von erfahrenen eingeborenen Zulieferern beschaffen zu lassen. Verständlich, wenn man bedenkt, dass die Durchquerung der ausgedehnten, extrem trockenen und vegetationsarmen Wüste ein beschwerliches und gefährliches Unterfangen war. Es wird angenommen, dass in den ersten drei bis vier Jahrzehnten nach der Entdeckung kein Europäer am Fundort in Imilac gewesen ist. Die indigene Bevölkerung verarbeitete das meteoritische Eisen zu nützlichen oder ornamentalen Gegenständen.[10][14]

Als während des Unabhängigkeitskriegs spanische Schiffe den Hafen von Buenos Aires blockierten und mangels Importen das Eisen knapp wurde, beauftragte die dortige neue Regierung die Beschaffung von meteoritischem Eisen aus der Atacama-Region. Bis dieses mühselig über Land transportiert ankam, war die Blockade allerdings beendet. Das bis dahin angeschaffte Material wurde 1825 an den britischen Naturforscher und Generalkonsul in Buenos Aires Sir Woodbine Parish veräußert.[16][17] Parish schickte davon zwei Meteorite aus Imilac nach Großbritannien.[6][10] Im Frühjahr 1827 wurden diese vom Mineralogen T. Allan als vergleichbar mit einem von Peter Simon Pallas in Sibirien gefundenen Meteorit erkannt.[18] Der Chemiker E. Turner ermittelte im Eisen 10 % Nickel und 1 % Cobalt und bestätigte damit die meteoritische Herkunft.[19]

Die mit 198 kg[9] größte Masse aus Imilac, die sich in der Sammlung des Britischen Museums befindet, wurde 1877[6] durch den britischen Entdecker George Hicks von einem einheimischen Zulieferer erworben.[10] Für den Transport zum rund 200 km entfernten Hafen in Antofagasta brauchten vier Männer mit einer Karre zehn Tage.[6]

Als begehrte Handelsware gelangten so mit der Zeit zahlreiche Imilac-Pallasiten unter verschiedenen Bezeichnungen und mit ungenauen oder sogar fehlerhaften Angaben zum Fundort in private oder institutionelle Meteoritensammlungen.[6]

Erforschung[Bearbeiten]

Der deutsch-chilenische Naturforscher Rudolfo Philippi kam im Januar 1854, auf einer von der chilenischen Regierung beauftragten Expedition nach Imilac. Er wurde von José María Chaile, einem der Entdecker und selbst erklärten Eigentümer der Eisenmine an den Ort geführt. Philippi war der erste Forscher der die Fundstelle untersuchte und eine Beschreibung veröffentlichte. Das Meteoritenfeld war schon weitgehend ausgebeutet. Philippi und seine Begleiter konnten nur noch zahlreiche, kleinere Fragmente mit einem geschätzten Gesamtgewicht von 4,5 kg bergen. Den damals etwa 6 m tiefen Imilac-Krater hielt er für eine Grube die frühere Eisensucher ausgehoben hätten. In den umliegenden Hügeln fanden sich ebenfalls einige, kleinere Grabungslöcher.[10][13][14]

Danach wurde das Imilac-Streufeld erst wieder im April 1973 für die Wissenschaft entdeckt. Der Imilac-Krater war zu der Zeit etwa 3 m tief mit einem Durchmesser von 6 bis 8 m. Unter Einsatz eines Metalldetektors konnten in der Umgebung 2430 Pallasit-Fragmente mit einem Gesamtgewicht von 4,8 kg gefunden werden. Es wurde erstmals eine Positionsbestimmung vorgenommen und eine Lageskizze veröffentlicht. Nach den bis dahin veröffentlichten Angaben konnte ermittelt werden, dass insgesamt 500 kg Material aus Imilac geborgen worden waren.[6][11]

Während einer geologischen Prospektion und nach Hinweisen von Einheimischen die von früheren Funden wussten, wurden 1987 in bis zu 8 km Entfernung vom Iimilac-Krater, am Fuß des Berges Morro de la Mina (24° 17′ S, 68° 54′ W-24.284547222222-68.8963472222223870[20]) drei weitere Pallasite mit insgesamt 59 kg gefunden. Zwei davon in unversehrten Kratern von 80, beziehungsweise 125 cm Durchmesser.[8]

Anfang 1996 wurde die Umgebung des Imilac-Krater nochmals systematisch mit Metalldetektoren abgesucht. Es konnten in südwestlicher Richtung, in 200 m, beziehungsweise 500 m Entfernung noch zwei weitere, gut erhaltene Einschlagskrater von 2 m und 1,5 m Durchmesser entdeckt werden. Sie liegen mit dem großen Krater auf einer Linie die der Flugrichtung des Meteoriten entspricht. Vom Krater ausgehend wurden strahlenförmig verteilte Bänder von Metallsplittern gefunden. Mindestens vier solcher Strahlenmuster erstrecken sich bis zu 80 m in östliche Richtungen.[7] Es wird geschätzt, dass in diesem sekundären Streufeld noch eine Tonne kleinerer Eisenpartikel liegen könnten.[8]

Siehe auch[Bearbeiten]

 Commons: Imilac – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Joaquin Sanchez, William Cassidy: A previously undescribed meteorite crater in Chile. In: Journal of Geophysical Research. 71, Nr. 20, Oktober 1966, S. 4891–4895 (online (PDF; 438 kB), abgerufen am 6. Oktober 2013).
  2.  F. Ferrando A.: Two unknown Meteor Craters in Antofagasta Region, Northern Chile. In: Revista Geográfica. 85, Juni 1977, ISSN 0031-0581, S. 210–212 (Abstract, abgerufen am 28. Oktober 2013).
  3. The Meteoritical Society, Bulletin Database, aufgerufen am 20. November 2013.
  4.  Monica M. Grady: The Catalogue of Meteorites. With special reference to those represented in the collection of The Natural History Museum, London. 5 Auflage. The Natural History Museum, London 2000, ISBN 0-521-66303-2 (Online-Datenbank, Online-Leseprobe).
  5. Koordinaten nach Google-Earth 2013, ermittelt unter Zuhilfenahme des Lageplans von Vagn F. Buchwald 1975.
  6. a b c d e f g h  Vagn F. Buchwald: Imilac, Antofagasta, Chile. In: Handbook of Iron Meteorites. Their history distribution, composition and structure. 3, University of California Press, 1975, ISBN 0-520-02934-8, S. 1393–1400, LCCN 74027286 - (online, abgerufen am 15. November 2013).
  7. a b  B. M. Killgore: Imilac Strewnfield, Chile, revisited. In: Conference Paper, 28th Lunar and Planetary Science Conference. Houston, Texas März 1997, S. 725 (online (PDF; 11 kB), abgerufen am 3. November 2013).
  8. a b c d  Holger Pedersen, F. Garcia: Nuevos meteoritos encontrados en Imilac. In: The ESO Messenger. Nr. 47, März 1987, ISSN 0722-6691, S. 1–3 (online (PDF; 1,7 MB), abgerufen am 3. November 2013).
  9. a b  Holger Pedersen, Harri Lindgren, Claudio Canut de Bon: Strewn-fields of Imilac and Vaca Muerta. In: Meteoritics. 24, Nr. 47, Dezember 1989, S. 314 (online, abgerufen am 3. November 2013).
  10. a b c d e f g  Lazarus Fletcher: On the meteorites which have been found in the desert of Atacama and its neighbourhood. In: Mineralogical Magazine. 8, Nr. 40, 1889, S. 223–264, doi:10.1180/minmag.1889.008.40.01 (online (PDF; 2,8 MB), abgerufen am 10. November 2013).
  11. a b  Vagn F. Buchwald: The pallasite Imilac, Chile. In: Meteoritics. 8, 1973, S. 333–334 (online, abgerufen am 15. November 2013).
  12. a b  William Bollaert: On the geography of southern Peru. Meteoritic iron of Atacama. In: The Journal of the Royal Geographical Society of London. 21, 1851, S. 126–130 (online, abgerufen am 10. November 2013).
  13. a b  Rudolfo Philippi: Memoria sobre el hierro meteórico del Desierto de Atacama.. Discursco de recepción del miembro de la Facultad de Ciencias Fisicas i Matemáticas doctor don Rudolfo Philippi. In: Anales de la Universidad de Chile. 11, Imprenta del Siglo, Januar, Februar, März 1854, S. 209–217 (online, abgerufen am 14. November 2013).
  14. a b c  Rudolph Amandus Philippi: Reise durch die Wüste Atacama. Auf Befehl der chilenischen Regierung im Sommer 1853–1854 unternommen und beschrieben. Eduard Anton, Halle 1860 (online, abgerufen am 30. Dezember 2012).
  15.  Gerald Joseph Home McCall, A. J. Bowden, Richard John Howarth: The History of Meteoritics and Key Meteorite Collections. Fireballs, Falls and Finds. Geological Society of London, 2006, ISBN 978-1-86239-194-9, ISSN 0305-8719 (online, abgerufen am 17. November 2013).
  16.  Woodbine Parish: Buenos Ayres and the provinces of the Rio de la Plata. Their present state, trade, and debt; with some account from original documents of the progress of geographical discovery in those parts of South America during the last sixty years. John Murray, London 1839 (online, abgerufen am 15. November 2013).
  17.  Woodbine Parish: Buenos Ayres and the provinces of the Rio de la Plata. Their discovery and conquest by the Spaniards to the establishment of their political independcence. John Murray, London 1852 (online, abgerufen am 15. November 2013).
  18.  Thomas Allan: On a mass of native iron from Desert of Atacama in Peru. In: The Edinburgh Journal of Science. 9, April-Oktober 1828, S. 259–262 (online, abgerufen am 15. November 2013).
  19.  Edward Turner: Examination of the specimen of native iron from the Desert of Atacama in Peru. In: The Edinburgh Journal of Science. 9, April-Oktober 1828, S. 262–264 (online, abgerufen am 15. November 2013).
  20. Koordinaten nach Google-Earth 2013.