Indian Regional Navigation Satellite System

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Indian Regional Navigation Satellite System (IRNSS, deutsch: Indisches regionales Satellitennavigationssystem) ist ein geplantes indisches System zur Satellitennavigation ähnlich den bestehenden Systemen GPS, GLONASS oder dem im Aufbau befindlichen Galileo. Bis zum Jahre 2014 sollen alle nötigen Satelliten in ihre Umlaufbahn gebracht werden.

Geschichte und politische Aspekte[Bearbeiten]

Im Jahre 2004 wurde von der indischen Raumfahrtagentur ISRO ein eigenes Satellitennavigationssystem vorgeschlagen, um vom US-amerikanischen GPS-System unabhängiger zu werden.[1] Im September 2005 wurde allerdings eine Übereinkunft zur Mitarbeit am europäisch geführten Galileo-Projekt unterschrieben. [2] Dennoch genehmigte die indische Regierung dem von der ISRO vorgeschlagenen Projekt im Mai 2006 14,2 Milliarden Indische Rupies (etwa 247 Mio. €) für die Entwicklung von IRNSS bestehend aus sieben Satelliten und einer Bodeneinheit. Im Oktober 2006 hatte Indien die Zusammenarbeit und die angebotene Mitfinanzierung von 300 Mio. Euro[3] am Galileo-Projekt aufgrund sicherheitsrelevanter Aspekte wieder in Frage gestellt.[4] Speziell wurde der eventuelle chinesische Zugriff auf sensible indische Daten genannt. Auch über eine Mitnutzung des bestehenden russischen GLONASS-Systems wurde nachgedacht, welche aber aufgrund der ausgefallenen Satelliten und der dadurch schlechteren Abdeckung nicht ideal erscheint.

Beim indischen IRNSS würde es sich allerdings nicht um ein globales System wie die bestehenden Systeme bzw. Galileo handeln, sondern lediglich Indien selbst sowie einen 1500 km bis 2000 km breiten Gürtel, um Indien abdecken. Satelliten, Bodenstation sowie die Empfänger für Endgeräte sollen in Indien produziert werden, und auch kontrolliert werden soll das System ausschließlich von Indien. Der erste Satellit wurde am 1. Juli 2013 auf seine stationäre Bahn gebracht,[5] der letzte im Jahre 2014.[6]

Technologie[Bearbeiten]

Drei der sieben Satelliten sollen geostationär platziert werden, die restlichen vier in einer ebenfalls geosynchronen, aber um 29° zur Äquatorialebene geneigten Bahn. Alle sieben Satelliten sollen dabei eine ständige Sichtverbindung zur Bodenstation in Indien haben. Die eigenständig entwickelten Satelliten sollen eine Genauigkeit von bis zu 20 Metern aufweisen. Vorläufige Angaben nennen ein Gewicht der Satelliten von 1330 kg und Solarkollektoren die 1440 Watt liefern können. Ob IRNSS kompatibel zum im Aufbau befindlichen GAGAN, einem indischen satellitenbasierten System zur Verbesserung der GPS-Daten Differential-GPS sein wird, ist nicht bekannt.

IRNSS besteht aus zwei Diensten: dem Special Positioning Service (SPS) und dem Precision Service (PS). Beide Dienste werden jeweils parallel auf der L5-Frequenz (1,17645 GHz) und im S-Band bei 2,49208 GHz ausgestrahlt. Das SPS-Signal wird auf einen Subträger von 1,023 MHz mittels binärer Phasenmodulation (BPSK) übertragen, das PS-Signal zur genaueren Positionsbestimmung verwendet Binary Offset Carrier in der Konfiguration BOC(5,2).[7] Die beiden unterschiedlichen Übertragungsverfahren werden zur Unterstützung der Codemultiplexverfahren eingesetzt, um die beiden auf derselben Trägerfrequenz ausgestrahlten Dienste empfängerseitig trennen zu können.

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. K.S. Jayaraman: India To Develop Regional Navigation System. Space.com, 22. Mai 2006, abgerufen am 9. März 2012 (englisch, Original nicht mehr auf space.com verfügbar).
  2. europa.eu: GALILEO-Gemeinde weitet sich aus: EU und Indien unterzeichnen Übereinkommen 7. September 2005
  3. Times of India: India puts its money on Galileo 16. Oktober 2006
  4. Times of India: India may quit EU-led GPS project 16. Oktober 2006
  5. Worldwide Launch Schedule. Spaceflight Now, 24. Juni 2013, abgerufen am 24. Juni 2013 (englisch).
  6. Future programme. Indian Space Research Organisation, abgerufen am 10. Dezember 2012 (englisch).
  7. Indian Regional Navigation Satellite System. Abgerufen am 3. Juli 2013 (PDF; 727 kB).