Informationskompetenz

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Schülerin der Elfenbeinküste am Computer

Unter Informationskompetenz (engl. Information Literacy) versteht man die Fähigkeit, kompetent mit Informationen und Wissen umzugehen. Gemeint ist, mit beliebigen Informationen selbstbestimmt, souverän, verantwortlich und zielgerichtet umzugehen. Für den Einzelnen gelten daher als grundlegende Prinzipien der ethische und verantwortungsbewusste sowie der ökonomische, effiziente und effektive Umgang mit Information(en).[1]

Der Begriff Informationskompetenz stammt ursprünglich aus dem Bibliothekswesen und bezieht sich dort vorwiegend auf Informationsbeschaffungsansätze in der wissenschaftlichen Arbeit. Ein erweitertes Begriffsverständnis, das sich auf den Umgang mit Informationen aller Art – also auch Informationen aus dem Internet – bezieht, ist vergleichsweise neu.[2] Informationskompetenz stellt in der modernen stark dynamischen Informationsgesellschaft eine Schlüsselqualifikation zur Bewältigung von Problemen dar. Sie gehört zum Bereich der Soft Skills und umfasst im Allgemeinen eine Reihe von Fähigkeiten, die dem Einzelnen den kompetenten, effizienten - unter Berücksichtigung von Rahmenbedingungen, wie Zeit, Programmen - und verantwortungsbewussten Umgang mit Informationen ermöglicht. Diese Fähigkeiten beziehen sich auf alle Aspekte des problembezogenen Erkennens eines Bedarfs an Informationen, ihrer Lokalisation, ihrer Organisation, ihrer zielgerichteten Selektion durch Analyse und Evaluation und ihrer zweckoptimierten Gestaltung und Präsentation.

Entwicklung[Bearbeiten]

Der Begriff Informationskompetenz tauchte in den 1970er Jahren im britischen und amerikanischen Bibliothekswesen vor dem Hintergrund einer ständig wachsenden Informationsmenge auf. Er wird hauptsächlich in Bezug auf das bibliothekarische Informationsangebot (Kataloge, Datenbanken, E-Journals, E-Books) verwendet, wobei zunehmend auch die effiziente Weiternutzung der Informationen als eine Form des individuellen Wissensmanagements thematisiert wird.

Durch Berichte aus den USA und Großbritannien beeinflusst, begann in Deutschland ebenfalls in den durch Bildungsreformen und steigende Studentenzahlen geprägten siebziger Jahren eine vergleichsweise zögerliche Entwicklung im Bibliothekswesen. Diese äußerte sich durch eine verstärkte Benutzerorientierung der Bibliotheken, die ihren Kunden durch strukturierte Schulungen Kenntnisse über Nutzungs- und Zugangsbedingungen, Rechercheinstrumente und Kataloge vermittelten. Die Relevanz dieser Entwicklung zur aktiven Informationsbewältigung wurde aber auch in anderen Bereichen erkannt. So bezeichnete Dieter Mertens die Befähigung zur Gewinnung und Verarbeitung von Informationen 1974 im Rahmen der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung als Schlüsselqualifikation.

In den folgenden Jahren forderten mehrere Studien den Ausbau und die Weiterentwicklung der Benutzerschulung. Jedoch wurden nur wenige der Forderungen und Ergebnisse dieser Forschungsprojekte realisiert, da sich die Bibliotheken in den achtziger Jahren mit der ressourcenzehrenden Umstellung der Bewältigung ihrer Aufgaben mittels EDV und fehlendem Personal konfrontiert sahen.

Erst in den neunziger Jahren kam es durch die technische Entwicklung im Bereich des Internets und der Vernetzung von Arbeitsplätzen wieder zu zahlreichen Initiativen auf dem Gebiet der Informationskompetenz. Jüngste Untersuchungen und Veröffentlichungen beziehen sich dabei nicht nur auf Bibliotheken, sondern bringen den Begriff auch in anderen Lebensbereichen zur Diskussion. Nachdem im amerikanischen Bibliothekswesen bereits Standards für informationskompetente Studenten entwickelt wurden, beschäftigte sich eine vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in Auftrag gegebene Studie mit der Informationskompetenz an deutschen Hochschulen. Die im Jahr 2001 veröffentlichte SteFi (Studieren mit elektronischer Fachinformation) genannte Studie fordert die verstärkte Einbindung der Vermittlung von Informationskompetenz in die Hochschullehre. Der Wissenschaftsrat kommt in einer im selben Zeitraum erschienenen Veröffentlichung zu ähnlichen Ergebnissen und empfiehlt neben einer besseren Versorgung von Forschung und Lehre mit digitalen Informationen eine stärkere Kooperation der Informations- und Kompetenzzentren der Hochschulen. Auch im Rahmen der viel diskutierten PISA-Studie definiert die OECD Kompetenzen im Bereich der Nutzung und Organisation von Wissen und Informationen als Schlüssel für ein erfolgreiches Leben.

Im Januar 2006 wurden erstmals in Deutschland eigene „Standards der Informationskompetenz für Studierende“ von einer Arbeitsgruppe Baden-Württembergischer Wissenschaftlicher Bibliotheken verabschiedet. Diese Standards bilden die Grundlage für die Weiterentwicklung der bibliothekarischen Schulungsaktivitäten und eine Verankerung in die Fachcurricula einzelner Fächer. In den USA existieren z.T. bereits fachspezifische Standards, so etwa „Information Competencies for Chemistry Undergraduates“ der Special Libraries Association Chemistry Division.

Die UNESCO widmet der Informationskompetenz eine eigene, umfassende Initiative.[3][4] Die gesellschaftliche Bedeutung von Informationskompetenz als Schlüsselqualifikation des 21. Jahrhunderts wurde auch durch die Proklamation des Monats Oktober 2009 zum Information Literacy Awareness Month durch US-Präsident Barack Obama unterstrichen.[5]

Implizierte Fähigkeiten[Bearbeiten]

Informationskompetenz steht immer im Bezug zu verschiedenen inneren und äußeren Faktoren. Innere Faktoren sind z. B. das fachliche Wissen, die Sprachkenntnisse, die Kreativität und Ambitionen einer Person, während als äußere Faktoren Kultur, Gesellschaft, Informationsformen, technische Entwicklung und Lebenssituation eine Rolle spielen. Die individuelle Ausprägung von Informationskompetenz und damit auch die Ausprägung der nachfolgend aufgeführten Fähigkeiten ist demnach ebenfalls von diesen Faktoren abhängig.

Im Allgemeinen geht der Suche nach Informationen die Einsicht einer Person voraus, dass ihr Wissen in bestimmten Bereichen unzureichend ist, um ein Problem zu lösen, eine Aufgabe zu bewältigen oder eine Frage zu beantworten. Erst diese Einsicht ist Motivation für weitere Handlungen.

Um Informationen effektiv recherchieren zu können, sollte eine Suchstrategie entwickelt werden, zu der die präzise Formulierung des Informationsbedarfs gehört. Weitere Schritte könnten die Auswahl der wichtigsten Begriffe und ihrer Synonyme oder die Festlegung übergeordneter Themenbereiche sein. Die Identifikation geeigneter Informationsquellen gehört ebenfalls dazu. Diese können z. B. Bibliotheken, Archive oder das Internet, aber auch die Befragung von kompetenten Personen oder Institutionen sein. Zur Orientierung innerhalb dieser unterschiedlich strukturierten Informationswelten stehen dem oder der Suchenden Hilfsmittel, sogenannte Findmittel oder Recherchesysteme mit Referenzinformationen wie Bibliothekskataloge, Datenbanken und Suchmaschinen zur Verfügung, die dann die Umsetzung der entwickelten Suchstrategie erleichtern. So lassen sich z. B. bei der Recherche mit Hilfe von Suchmaschinen und Datenbanken im Internet, aber auch in elektronischen Bibliothekskatalogen bestimmte Begriffe von der Suche ausschließen oder gemeinsam auftretende Begriffe verknüpfen, um den Suchbereich einzugrenzen.

Diese Fähigkeit beinhaltet u. a. die Beherrschung verschiedener Strukturierungstechniken wie Clustering und Mind-Mapping, Methoden zur gezielten Weiterverarbeitung der Informationen und Strategien zur zweckmäßigen Verwaltung und Sicherung. Die Aufbereitung hinsichtlich der Problem-, bzw. Fragestellung kann unter verschiedenen Zielsetzungen wie Übersichtlichkeit oder Reduktion des Themas erfolgen, ist aber besonders dann sinnvoll und nützlich, wenn es bei der Einbeziehung einer Vielzahl von Informationsquellen und -medien zu Desinformation durch ein unüberschaubares und schwer auswertbares Überangebot kommen kann.

  • Die Fähigkeit zur zielgerichteten Selektion von Informationen

Nicht immer eignen sich die bei der Recherche gefundenen Information zur Aufbereitung und Weiterverarbeitung, da die Quellen in verschiedenen Gesichtspunkten Unterschiede aufweisen können. Eine Analyse nach grundsätzlichen Gemeinsamkeiten, Ähnlichkeiten und Unterschieden in Struktur und Inhalt und eine Evaluation nach Kriterien wie Glaubwürdigkeit, Verlässlichkeit, Aktualität, Autorenschaft und Zielgruppenbezug ist deshalb für eine zielgerichtete Selektion der Informationen notwendig und zweckmäßig. Auf diese Weise soll Wichtiges von Unwichtigem, Glaubwürdiges von Unglaubwürdigem und Aktuelles von Veraltetem getrennt und zielgerichtet zur Bewältigung der Problemstellung, Beantwortung der Frage oder Lösung der Aufgabe ausgewählt werden.

  • Die Fähigkeit zur zweckoptimierten Gestaltung und Präsentation

Um Informationen gezielt vermitteln zu können, ist ihre intentions- und zielgruppenorientierte Gestaltung und Präsentation notwendig. Dabei werden alle Aspekte des Vermittlungsprozesses auf ein bestimmtes Ziel und eine bestimmte Zielgruppe ausgerichtet. In allen Lebensbereichen hat eine Vielfalt von technischen Umsetzungsmöglichkeiten an Relevanz gewonnen, aber der Informationsaustausch über verbale Kommunikation ist weiterhin von entscheidender Bedeutung. Neben dem Wissen über verschiedene medial-technische Gestaltungs- und Präsentationsmöglichkeiten sind deshalb auch grundlegende rhetorische Fähigkeiten sowie Kenntnisse des Urheberrechts und der - teils fachspezifischen - Zitierregeln notwendig.

Benachbarte Kompetenzen[Bearbeiten]

Da es sich bei Informationskompetenz mehr um ein intellektuelles Werkzeug als um ein fassbares Objekt oder eine messbare Größe handelt, ist eine klare und eindeutige Abgrenzung gegen andere Kompetenzen schwierig. Häufig werden sie verwechselt, miteinander gleichgesetzt oder als Teilkompetenz impliziert. Folgende Kompetenzen werden häufig in Verbindung mit Informationskompetenz genannt:

  • Bibliothekskompetenz (Library Literacy): Fähigkeit, eine Bibliothek und ihre Angebote selbstständig nutzen zu können.
  • Computerkompetenz (Computer Literacy): Fähigkeit, sicher mit Informationstechnologie umzugehen und z. B. den Computer und seine Software als Werkzeug nutzen zu können.
  • Digitalkompetenz (Digital Literacy): Fähigkeit, über Computer dargestellte Informationen unterschiedlicher Formate verstehen und anwenden zu können.
  • Internet-Kompetenz (Internet Literacy): Fähigkeit, das Internet nutzen zu können und seine grundlegenden Konzepte und Funktionsweisen zu kennen.
  • Kommunikationskompetenz: Fähigkeit, situations- und aussagenadäquate Kommunikationen auszugeben und zu empfangen.
  • Lesekompetenz: Fähigkeit, geschriebene Texte zu verstehen, zu nutzen und über sie reflektieren zu können.
  • Medienkompetenz (Media Literacy): Fähigkeit, Medien und durch Medien vermittelte Inhalte den eigenen Zielen und Bedürfnissen entsprechend effektiv nutzen zu können.
  • Schreibkompetenz: Fähigkeit, seine Gedanken mit Hilfe des Mediums Schrift zu formulieren und sich so anderen mitzuteilen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Balceris: Medien- und Informationskompetenz. Modellierung und Messung von Informationskompetenz bei Schülern, Dissertation, Paderborn 2011 (PDF; 5,4 MB)
  • Ulrike Hanke, Martina Straub, Wilfried Sühl-Strohmenger: Informationskompetenz professionell fördern. Ein Leitfaden zur Didaktik von Bibliothekskursen, De Gruyter, Berlin 2013, ISBN 978-3-11-027371-7
  • Thomas Hapke: In-formation. Informationskompetenz und Lernen im Zeitalter digitaler Bibliotheken, (online)
  • Wilfried Sühl-Strohmenger (Hrsg.): Handbuch Informationskompetenz, unter Mitarbeit von Martina Straub, De Gruyter, Berlin 2012, ISBN 978-3-11-025473-0
  • Nando Stöcklin: Informations- und Kommunikationskompetenz – das «Lesen und Schreiben» der ICT-Kultur. In: MedienPädagogik – Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung, 22. Juni 2012 (PDF; 257 KB)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ballod, Matthias (2005): Informationskompetenz. Dimensionen eines Begriffs. In: Computer und Unterricht, Jg. 15, H. 59, S. 44–46.
  2. Balceris; Medien- und Informationskompetenz - Modellierung und Messung von Informationskompetenz bei Schülern; Paderborn; 2011, s. 10
  3. http://unesdoc.unesco.org/images/0015/001570/157020E.pdf
  4. http://portal.unesco.org/ci/en/ev.php-URL_ID=13272&URL_DO=DO_TOPIC&URL_SECTION=201.html
  5. http://www.whitehouse.gov/the_press_office/Presidential-Proclamation-National-Information-Literacy-Awareness-Month/