Informationswirtschaft

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Informationswirtschaft ist die Lehre des wirtschaftlichen Umgangs mit Informationen. Die Informationswirtschaft entstand mit der Umwandlung der sogenannten Industriegesellschaft in die Informationsgesellschaft durch die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologie. In der Informationswirtschaft vereinen sich Aspekte der Strukturwissenschaften, dazu zählen Informationswissenschaft, Linguistik, Mathematik, Systemtheorie, sowie der Wirtschaftswissenschaften (Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft).

Verschiedene Auffassungen[Bearbeiten]

Es gibt mehrere unterschiedliche Auffassungsweisen des Begriffs Informationswirtschaft, was sich auch in der Ausbildungssituation an deutschen Hochschulen zeigt. Einige Beispiele sind:

  • Informationswirtschaft als eigenständiger Bereich, der multidisziplinär angelegt ist
    Inhaltlich werden Informationswirte hier als Mediatoren gesehen, die zwischen den verschiedenen Bereichen, in denen sie Grundkenntnisse erworben haben, vermitteln können. So hat ein Informationswirt dieser Ausprägung ungefähr gleich gute Kenntnisse von technischen Grundlagen, Betriebswirtschaft, Rechtswissenschaft und Informationswissenschaft.
  • Informationswirtschaft als Teilbereich der Wirtschaftsinformatik
    In dieser Ausprägung wird die Informationswirtschaft als eine Ebene des Informationsmanagements betrachtet. Angebot, Nachfrage und Verwendung von Information ist hierbei der Gegenstand der Informationswirtschaft laut dem Rahmenmodell von Helmut Krcmar.
  • Informationswirtschaft als eine „aktualisierte“ Version von Bibliothekswesen und Dokumentationswesen
    In dieser Ausprägung der Ausbildung wird der Informationswirt vor allem im Bereich Informationswissenschaft geschult, und ist zum Beispiel Spezialist für Information Retrieval und Indexierung.
  • Informationswirtschaft als Unterart der Betriebswirtschaft
    Hier findet eine starke Prägung durch die BWL statt, die die informatorischen Grundlagen legt.
Die Wissenspyramide

Weiterhin befasst sich die Informationswirtschaft als Wissenschaft damit, wie ökonomisch verwertbare Daten, Informationen und Wissen extrapoliert werden und wie diese Faktoren Systemen bereitgestellt werden können. Dazu sei auch auf die rechts gezeigte Wissenspyramide verwiesen, die den Zusammenhang von o.g. Faktoren verdeutlicht. Das Management von Wissen (Wissensmanagement) hat darüber hinaus in den letzten Jahren einen enormen Stellenwert in Unternehmen und Hochschulen erhalten. Vor allem im Zuge der Entwicklung sozialer Software und des Semantic Web stehen effiziente Verfahren und Methoden zur Wissensgenerierung, -verwaltung und -verbreitung zur Verfügung. Insbesondere E-Learning-Systeme, CMS-Lösungen und vor allem Wikis stellen mächtige Werkzeuge in diesem Bereich dar.

Ausbildungen[Bearbeiten]

Informationswirtschaft wird als Studiengang an wenigen deutschen Universitäten und anderen Hochschulen gelehrt. Häufiger findet man diesen Begriff an Berufs- und Handelsschulen. Dabei sind die Inhalte der Ausbildung, entsprechend der Mehrdeutigkeit des Begriffs Informationswirtschaft, zum Teil sehr verschieden.

  • Am Karlsruher Institut für Technologie besteht der Diplom- bzw. Bachelor-/Master-Studiengang "Informationswirtschaft" (Information Engineering and Management) aus drei Teilbereichen: Informatik, Wirtschaftswissenschaften und Rechtswissenschaften. Diese werden im Verhältnis 40 % zu 40 % zu 20 % gelehrt. Der Studiengang beschäftigt sich mit den Wechselwirkungen dieser Bereiche und untersucht deren Zusammenhänge, die sich als Folge der Informationsgesellschaft vermehrt ergeben. Karlsruher Informationswirte finden daher ihren Anwendungsbereich vorwiegend in Unternehmen an den Schnittstellenbereichen von Informatik, BWL/VWL und Recht.
  • Die Universität Augsburg bietet einen Bachelor-/Master-Studiengang „Informatik und Informationswirtschaft“ als eine von vier Spezialisierungen des Informatik-Studiums an.
  • Die Fachhochschule Köln legt den Schwerpunkt des Lehrangebots zur Hälfte auf den wirtschaftlichen Umgang mit Informationen, sowie jeweils zu etwa einem Viertel auf Informationswissenschaft und Informationstechnik. Kern des Studiengangs Informationswirtschaft ist die Planung von Informationsabläufen unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten, die effiziente Erschließung von Informationsinhalten und die Wiederverwendung bereits gespeicherter Informationsressourcen (z. B. Knowledge Management). Dementsprechend orientiert sich der Studiengang Informationswirtschaft am Berufsfeld der Informationsabteilungen in privatwirtschaftlichen Unternehmen oder in Einrichtungen der öffentlichen Hand. Eine wesentliche Aufgabe dieser Abteilungen besteht in der wirtschaftlichen Gewinnung, Administration und dem Marketing von Informationen unter Einsatz technologischer Hilfsmittel.
    Der Student kann dabei im Hauptstudium seine Schwerpunkte aus den Bereichen Wirtschaftswissenschaften (BWL, z. B. Marketing), Informationswissenschaften (z. B. Information Retrieval) und Informationstechnologie (z. B. Neue Medien, E-Business) wählen.
    Der Absolvent erhält den akademischen Grad: Bachelor/Master of Science - Informationswirtschaft, bzw. Bachelor/Master of Science in Information Management and Business Studies (accredited by the Chartered Institute of Library and Information Professionals).
  • Die Hochschule der Medien in Stuttgart hat bis zum Jahre 2007 ebenfalls den Studiengang Informationswirtschaft angeboten, ihn aber ab dem Jahre 2005 in Information Systems (Bachelor of Science) bzw. inzwischen Wirtschaftsinformatik (Bachelor of Science) umbenannt. Ausbildungsziel war die interdisziplinäre Vermittlung von wesentlichen Inhalte der Betriebswirtschaftslehre, der Informatik und des Informationsmanagements. Das Studium schloss mit den akademischem Titel Diplom- Informationswirt (FH) bzw. Diplom-Informationswirtin (FH) ab.
  • An den Berufskollegs in Nordrhein-Westfalen ist Informationswirtschaft als Fach aus der Zusammenlegung von Bürowirtschaft, Datenverarbeitung/Wirtschaftsinformatik/Organisationslehre und Textverarbeitung entstanden. Die dort verwendeten Unterrichtskonzepte legen Wert auf einen engen Praxisbezug. Mit Hilfe verschiedener Modellunternehmen (RAND OHG, Bürodesign etc.) werden die ehemaligen Fachinhalte integrativ zusammengefasst und unterrichtet. Die Fachdidaktik hierzu ist noch in der Erprobung/Entwicklung.
  • Die Hochschule Heilbronn bietet am Campus Schwäbisch Hall den Bachelor-Studiengang "Unternehmensrechnung und Informationswirtschaft" an. Der Studiengang kombiniert im Sinne eines umfassenden Informationsmanagements die Inhalte der klassischen Unternehmensrechnung mit den besonders relevanten Gebieten der Marktforschung.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • H. Krcmar: Informationsmanagement. 4. Auflage. Springer, Berlin 2005
  • Willi Bredemeier, Patrick Müller: Informationswirtschaft, In: Rainer Kuhlen, Thomas Seegner, Dietmar Strauch (Hrsg.): Grundlagen der praktischen Information und Dokumentation, 5. vollig neu gefasste Ausgabe, Bd.1, Saur, München 2004, ISBN 3-598-11674-8, S.579-589

Weblinks[Bearbeiten]

Studiengang an Fachhochschulen[Bearbeiten]

Studiengang an Universitäten[Bearbeiten]