Internationaler Antwortschein

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Internationaler Antwortschein, 1962
Internationaler Antwortschein, 1962, Rückseite

Ein Internationaler Antwortschein (IAS) (CRI, französisch: coupon-réponse international) (IRC, engl: international reply coupon) ist ein Kupon, mit dem in Ländern innerhalb des Weltpostvereins (UPU) ein bis zu 20 Gramm schwerer Luftpostbrief ins Ausland am Schalter ohne Porto aufgegeben werden kann.

Der Zweck eines Internationalen Antwortscheins ist, dem Empfänger eines Briefes die Gebühren für eine Antwort zu erstatten. Für Briefe, die im Inland verschickt werden, genügt es üblicherweise, das Rückporto in Form von Briefmarken beizulegen. Befindet sich der Empfänger jedoch im Ausland, so ist es meist sehr schwierig, Briefmarken des entsprechenden Landes zu erhalten, um sie als Rückporto beizulegen. Ein IAS muss in jedem Land, das Mitglied im Weltpostverein ist, Gültigkeit besitzen. Ob das entsprechende Land auch selbst Antwortscheine verkauft, ist allerdings dem Land selbst überlassen.

Geschichte[Bearbeiten]

Auf dem Weltpostkongress in Bern (1874) hatte man die Einführung von Postwertzeichen mit Gültigkeit im gesamten Weltpostverein diskutiert, was erfolglos blieb. Auf dem Kongress in Rom 1906 wurde diskutiert, ob man nicht eine Art Vorausbezahlung der Gebühr für einen Antwortbrief ermöglichen solle. Vorgeschlagen wurden Antwortmarken, Kartenbriefe mit Antwort, Umschläge mit Antwortfreimarken oder Antwortscheine in verschiedenen Werten zur Einlage in den Brief. Am Ende entschied man sich für die Form, wie wir sie heute kennen. Ihre Gültigkeitsdauer war lange Zeit unbegrenzt. Sie werden vom Internationalen Büro des Weltpostvereins herausgegeben. Gedruckt wurden diese bis mindestens 1999 einheitlich in der Schweizer Druckerei V. Benziger & Co in Einsiedeln.[1] Ursprünglich konnte ein IAS auch nur gegen das Porto für einen Auslandsbrief der niedrigsten Gewichtsstufe zur Beförderung auf dem Land- und Seeweg eingetauscht werden.

Fremde Antwortscheine[Bearbeiten]

Neben den vom Weltpostverein herausgegebenen Antwortscheinen sind auch Antwortscheine der engeren Postvereine im Verkehr. Diese Scheine haben jedoch nur im Bereich dieser engeren Vereine Gültigkeit. Sie unterscheiden sich von denen des Weltpostvereins durch Farbunterschiede und abweichende Druckanordnung, ferner haben sie weder das Wasserzeichen „UPU“ noch den Text „Coupon-Réponse International“ noch den Wortlaut mit dem Hinweis auf die Umtauschbarkeit in den Weltpostvereinsländern.

Ansatz als alternatives Zahlungsmittel[Bearbeiten]

Gelegentlich dient ein IAS auch als Zahlungsmittel für kleine Werte. Grundsätzlich ist die Bezahlung per IAS aber recht kostspielig.

Sehr häufig werden IASe zur Erstattung der Portokosten in der Korrespondenz zwischen Funkamateuren oder Kurzwellenhörern und einem Auslands-Rundfunksender verwendet, die sich ihre Empfangsbeobachtungen mit QSL-Karten bestätigen wollen.

Die seit 2002 ausgestellten IASe behielten noch bis zum 31. Dezember 2006 ihre Gültigkeit. Die UPU hat im Juni 2006 ein neues, ab Juli 2006 verkäufliches, fälschungssicheres IAS-Design vorgestellt. In den USA kann bei USPS ein IAS gegen Briefmarken im Wert von 0,94 US$ eingetauscht werden.

Im September 2009 wurde das sog. Nairobi-Modell eingeführt. Diese Variante des Antwortscheines war bis zum 31. Dezember 2013 gültig.[2] Ab 1. Juli 2013 wird das Doha-Modell (benannt nach dem Weltpostkongress 2012 der in Doha stattfand) verkauft, das bis Ende 2017 gültig sein wird.[3]

Eine Alternative wäre es, dem Brief eine Banknote beizulegen. Dies verstößt jedoch in manchen Ländern gegen die Devisengesetze und ist meist nicht durch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Postdienstleister gedeckt.

Der Internationale Antwortschein eignete sich grundsätzlich auch zur Umgehung einer Devisenbewirtschaftung, bevorzugt in Ländern, in denen die Abgabe von Fremdwährungen an die Einwohner verboten war, da der Internationale Antwortschein im Ausland eben durchaus in Devisen, wenn auch auf dem Umweg über Briefmarken, getauscht werden konnte. Daher wurden in einigen Staaten zeitweise auch nur eingeschränkt oder gar keine Internationalen Antwortscheine verkauft.

Verwendung in Deutschland[Bearbeiten]

Pro Sendung kann nur ein IAS verwendet werden, sodass bei Überschreitung von Maße/Gewicht des Standardbriefes (Deutsche Post:235 x 125 x 5 mm (L x B x H), 20 g) die Differenz frankiert werden muss. Seit 2011 kostet ein Standardbrief International bei der Deutschen Post 0,75 €.

Am 1. März 2003 erstreckte sich der Umtauschwert bis zur Höhe des Entgelts für eine Vorrang-Standardbriefsendung, bei gleichzeitiger Vorlage der Sendung, auf 1,55 €. Er änderte sich zum 1. April 2004 auf 1,80 €. Seit 1. Januar 2007 kostet der Internationale Antwortschein in Deutschland 2,00 €. Die erste Serie zu diesem Preis trug den Namen „Beijing-Modell“ (Weltpostkongress 1999) und war bis zum 31. Dezember 2009 gültig. Seitdem werden neue Scheine ausgegeben, die bis zum 31. Dezember 2013 gültig sind und „Nairobi-Modell“ heißen (Weltpostkongress 2008).[2]

Seit dem 1. Juli 2006 ist der IAS in Deutschland nur noch in der eFiliale der Deutschen Post erhältlich. Die Post begründet dies mit dem Rückgang der Nachfrage. Als Zahlungsmethoden werden hierbei derzeit Kreditkarte, giropay und Kontoeinzug angeboten. Der Kontoeinzug wird aber durch zusätzliche Freischaltung erschwert, wenn man das Konto nicht bei der Postbank hat, außerdem gilt in der E-Filiale ein Mindestbestellwert von 10 Euro, so dass einzelne Antwortscheine in Deutschland quasi nicht mehr zu beziehen sind. Außerdem erhebt die Post eine Versandgebühr von 1,95 Euro für Bestellungen unter 50 Euro[4].

Preisliste für einen IAS[Bearbeiten]

Der Preis pro Internationalem Antwortschein kann von Land zu Land erheblich variieren. So kostet z.B. ein IAS in Nigeria 50 NGN, was 0,32 EUR entspricht. Weitere Werte sind der Tabelle I zu entnehmen.

Preise für den IAS in verschiedenen Ländern (Stand: Juli 2006)
Land Landeswährung Wert in EUR
Nigeria 50 NGN 0,32
Philippinen 45 PHP 0,71
Indien 44 INR 0,75
Katar 4 QAR 0,86
Türkei 2,25 YTL 1,15
Ghana 10000 GHC 0,89
Nepal 80 NPR 0,98
Malta 0,42 MTL 0,98
Japan 150 JPY 1,02
Gibraltar 0,75 GIP 1,03
Polen 4,50 ZŁ 1,11
Belgien 2,00 EUR 2,00
Armenien 650 AMD 1,16
China 12 CNY 1,23
Luxemburg 1,25 EUR 1,25
Slowenien 300 SIT 1,25
Schweiz 2 CHF 1,28
Österreich 1,80 EUR 1,80
Großbritannien 0,95 GBP 1,37
Hongkong 14 HKD 1,41
USA 1,85 USD 1,45
Australien 2,50 AUD 1,46
Ungarn 420 HUF 1,50
Finnland 1,55 EUR 1,55
Island 150 ISK 1,70
Deutschland 2,00 EUR 2,00
Litauen 7,30 LTL 2,11
Kanada 3,50 CAD 2,46
Dänemark 15 DKK (März 2013) 2,01

Betrug[Bearbeiten]

Berühmtheit erlangten die Antwortscheine des Weltpostvereins, als 1920 der Betrüger Charles Ponzi in Europa Antwortscheine kaufte, um sie in den USA für einen höheren Betrag zu veräußern. Später fand er es zu aufwendig, Antwortscheine überhaupt zu beschaffen, und begründete eines der größten - und nach ihm benannten - Ponzi-Schemen, die es je gab.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bundesministerium für das Post- und Fernmeldewesen (Hrsg.)
  • Forschungsgemeinschaft Internationale Antwortscheine (FIAS)[5]
    • FIAS-Blätter (regelmäßige Publikation)
    • Handbuch von Prof. Koch (vor 1999)
  • Horst Diederichs: „75 Jahre Internationale Antwortscheine deutscher Ausgabe“ erschienen in: Archiv für deutsche Postgeschichte (DGPT)
    • Heft 2/1983 17–72 (Teil 1)
    • Heft 1/1984; S. 44–95 (Teil 2)
  • Michel-Katalog (Ganzsachen) Deutschland 1999

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Internationaler Antwortschein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Michel-Ganzsachen-Katalog, Deutschland 1999; S. 421
  2. a b Der Internationale Antwortschein auf Dokufunk.org
  3. Muster-IAS auf der UPU-Webseite, Online im Internet: 7. Februar 2013
  4. Internationaler Antwortschein auf Deutschepost.de
  5. FIAS