Postamt

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Postamt in Ilmenau, erbaut in den 1880er-Jahren
Postamt und Beethovendenkmal auf dem Bonner Münsterplatz
Das Postamt in Thorn
Ehemaliges Postamt ohne Postfiliale, aber mit Briefverteilzentrum in Bad Liebenstein
Das Postamt Neresheim von 1911, inzwischen auch ohne Postfiliale, aber mit Briefverteilzentrum

Als Postamt (Abkürzung PA) wurde bis zur Privatisierung im deutschen Sprachraum eine örtliche Dienststelle der Post bezeichnet, die in einem öffentlichen Gebäude oder amtlich gemieteten Räumen untergebracht ist. Der Begriff stand auch für eine Verwaltungseinheit, wenn eine Posteinrichtung für bestimmte Verwaltungstätigkeiten (wie z. B. Abrechnungen) anderer Posteinrichtungen zuständig war. Seit der Privatisierung werden Postämter Postfilialen genannt. Die Poststellen sind heute meist Postagenturen.

Bisherige Aufgaben der Postämter[Bearbeiten]

Neben den Amtsräumen sind bzw. waren auch die allgemeinen und technischen Ausrüstungen der Postämter – die sogenannten Schalter für den Kundendienst, die Maschinen und Sortierräume für Briefverkehr und andere Sendungen, das Amtszimmer des Vorstehers usw. – dem Bereich der öffentlichen Verwaltung zuzuordnen. Damit wickelt(e) jedes Postamt

Der regionale Bereich eines Postamtes ist fest umrissen und meistens identisch mit einer Ortsgemeinde, bzw. in Städten einem Bezirksteil (frühere Pfarren, ca. 5–10.000 Einwohner).

Die „neue Post“ in der EU[Bearbeiten]

Mit dem Beginn der Privatisierungen (in West- und Mitteleuropa etwa Mitte der 1990er Jahre) sinkt die Anzahl der Postämter (teilweise gravierend) und ihre Aufgaben verschieben sich nunmehr. Im Bereich der EU unterliegen die bisher meist staatlichen Postverwaltungen verschiedenen Sparprogrammen und sollen außerdem – wo nicht schon geschehen – in den nächsten Jahren weitgehend privatisiert werden, wobei auch Börsengänge vorgesehen sind. Die Agenden einzelner Postämter – vor allem im ländlichen Raum – werden

Dabei geht die Privatisierung in den meisten Staaten mit einer Aufteilung der Unternehmensbereiche einher, z. B. wurde in Deutschland die Deutsche Bundespost in folgende, etwa den eingangs aufgezählten Aufgaben entsprechende Unternehmensbereiche aufgeteilt: Deutsche Post AG, Deutsche Telekom AG und Deutsche Postbank AG.

Die Postämter von 1875 bis 1989[Bearbeiten]

Mobiles Postamt der österreichischen Post (1938)

Die Reichspost stand unter der Leitung des Reichspostamtes als Leitungsbehörde.

Postschalter, hier in Bonn, 1988

Bei der Gründung der Reichspost (1871) gab es neben dem Postamt die Postverwaltungen, die aus den Postexpeditionen I. Klasse der Norddeutschen Bundespost hervorgingen, den Postexpeditionen II. Klasse und den neu geschaffenen Postagenturen die meist aus kleinen Postexpeditionen II. Klasse gebildet wurden.

Seit dem 5. Januar 1875 unterschied man zwischen

  • Postämtern I. Klasse, mit einem Postdirektor als Chef
  • Postämtern II. Klasse (Postmeister), vorher Postverwaltungen und
  • Postämtern III. Klasse (Postverwalter), vorher Postexpeditionen.

Im Zuge der Landzustellung kamen 1881 Posthilfstellen hinzu. 1927 wurden Zweigpostämter, meist frühere Poststellen I. Klasse. Am 1. Januar 1927 wurde mit der Landpostverkraftung begonnen. Immer war ein Postamt zuständig für die untergeordneten Postanstalten.

Am 1. Januar 1959 veröffentlicht die Deutsche Bundespost die Richtlinien über die Organisation der Postämter (V). Bei den Postämtern unterschied man nun zwischen dem Postamt mit Verwaltungsdienst – Postamt (V) – und dem Postamt. – Das Postamt (V) war ein selbständiges Amt, eine untere Bundesbehörde. Sie wurde von einem Amtsvorsteher geleitet. Die Bezeichnung Postamt (V) wurde nur zur Unterscheidung im Inneren Geschäftsverkehr angewendet. Das Postamt entspricht hinsichtlich seiner Stellung und seiner Aufgaben im Wesentlichen dem vorherigen Zweigpostamt. Für den Dienst beim Postamt war ein Betriebsleiter verantwortlich, er war als Vorgesetzter gegenüber dem beim Postamt eingesetzten Personal weisungs- und aufsichtsbefugt. Die Organisation und die Rechtsverhältnisse der Poststellen und Posthilfstellen wurden nicht verändert.

Zustellung der Post[Bearbeiten]

Die Zustellung erfolgte am flachen Land oft mit dem Fahrrad, bei entlegenen Gehöften im Gebirge teilweise nur zu näher am Tal gelegenen Stellen. Diese Thematik fand und findet bis heute in Literatur und Film eine vielfältige Darstellung.
In den 1950er Jahren begann die Motorisierung der Postämter, zunächst oft mit Mopeds, später mit signalgelben Kleinwagen der Typen Fiat oder Steyr-Puch, und vor etwa zwei Jahrzehnten mit größeren PKW, die teilweise statt den Paketbussen auch schwerere Poststücke bis zu etwa 5 kg übernahmen.

Bis in die 1960er wurden die Postämter in Deutschland auch „Postanstalt“ genannt, während man sie in Österreich kurz Post nannte. Auch die kleinsten Postämter waren in ihrem Bereich (z. B. des Dorfes und seiner Umgebung) für die vormittägliche Zustellung verantwortlich (siehe Zusteller) und meist auch für die Überbringung von Bargeld (Zahlungsverkehr, Rente). Aus Gründen der Organisation und der Sicherheit wurden teilweise Geldbriefträger eingesetzt, und ab den 1970er Jahren für größere Geldsummen auch Privatfirmen.

Heutiges Berufsbild[Bearbeiten]

Heute werden die Postämter – soweit sie nach der Schließungswelle als öffentliche Dienst- oder Poststelle noch bestehen – als Postfiliale (betrieben durch die Deutsche Post) oder (in Deutschland) als Postagentur (betrieben durch einen Fremddienstleister) bezeichnet.

Für die Postbeamten selbst haben sich durch diese Entwicklung der letzten Jahrzehnte im Wesentlichen drei Phasen ergeben:

  • zunächst „Allround-Beamter“ (vom Brief- und Paketdienst bis zum Fernmelde- und Finanzdienst),
  • später Spezialisierung und Übernahme neuer Dienstleistungen,
  • und nun weitgehender Übergang zur Privatwirtschaft.

Dabei zerfallen gewerkschaftlichen Organisationsformen, und Einbußen im Einkommen werden befürchtet, wogegen sich seit etwa 2003 auch Streikdrohungen richten.

Weiteres[Bearbeiten]

  • Ober-Postamt: war bei den Altdeutschen Staaten eine Bezeichnung für wichtigere oder mit Befugnissen von Bezirksbehörden ausgestattete Postämter.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Handwörterbuch des Postwesens; 2. Auflage; S. 490
  • Karl Sautter: Teil 1: Geschichte der Preußischen Post. Nach amtlichen Quellen bis 1858 bearbeitet von Heinrich von Stephan. Neu bearbeitet und fortgeführt bis 1868 von Karl Sautter. 1928; S. 179, 471, 647
  • Zum 50jährigen Bestehen der Oberpostdirektionen; Berlin 1899
  • Brunner: Das Postwesen in Bayern in seiner geschichtlichen Entwicklung von den Anfängen bis zur Gegenwart. München 1900
  • Weber: Post und Telegraphie im Königreich Württemberg. W. Kohlhammer, Stuttgart 1901
  • Postalische Rundschau 1908; S. 466 ff.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Postämter in Deutschland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien