Isaac Nachman Steinberg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Isaac Steinberg, 1918

Isaac Nachman Steinberg (russisch Исаак Нахман Штейнберг; * 13. Julijul./ 25. Juli 1888greg. in Dünaburg (lettisch: Daugavpils); † 2. Januar 1957 in New York) war ein russischer Jurist, Politiker und Publizist. Von 1917 bis 1918 war er Justizminister Sowjetrusslands.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Isaac Nachman Steinberg wurde am 13. Juli 1888 als Sohn des jüdischen Kaufmanns Serach Steinberg und seiner Frau Chiana, geb. Eliaschewa, in Daugavpils geboren. Er wuchs hauptsächlich in Moskau auf, besuchte jedoch ein Gymnasium im estnischen Pärnu. 1906 begann er ein Jurastudium an der Staatlichen Universität Moskau. Im gleichen Jahr trat er der Partei der Sozialrevolutionäre bei. Danach ging er ins Exil und erlangte seinen Doktor der Rechte 1910 an der Universität Heidelberg. Anschließend kehrte er nach Russland zurück und arbeitete dort als Anwalt. 1914 heiratete er Nechama Solomonowna Jesselson, mit der er einen Sohn und zwei Töchter bekam.[1]

Im Dezember 1917 wurde Steinberg Justizminister in Lenins Regierung, während die Bolschewiki vorübergehend mit dem linken Flügel der Sozialrevolutionäre kooperierten. Im März 1918 legte er sein Amt aus Protest gegen den Friedensvertrag von Brest-Litowsk nieder. Er wandte sich gegen den Bolschewismus und wurde 1923 ausgewiesen, woraufhin er nach Deutschland ging. Später hielt er sich in London auf, wo er Mitbegründer der Freeland League wurde, die sich um die Ansiedlung verfolgter europäischer Juden in der nordaustralischen Region Kimberley engagierte. 1933 holte er auch seine Familie nach London, als die Nationalsozialisten in Deutschland an die Macht kamen.[1]

Jahre später wanderte Steinberg selbst nach Australien aus. Am 23. Mai 1939 kam er in Perth an. Er setzte sich weiterhin für die Besiedlungspläne der Freeland League ein. Seine Publikationen und Reden zu dem Thema trafen auf geteilte Reaktionen bei den australischen Politikern und Medien. Am 15. Juli 1944 teilte ihm Premierminister John Curtin schließlich mit, dass die australische Regierung nicht von ihren etablierten Besiedlungsstrategien abweichen würde. Steinberg, der bereits seit Juni 1943 in Kanada lebte, gab jedoch nicht auf. Auch in den Folgejahren tätigte er Eingaben bei der australischen Regierung und veröffentlichte 1948 das Buch Australia, the unpromised land. In search of a home. Selbst nach der Gründung von Israel setzte er sich für eine binationale Siedlungspolitik ein, die er einem exklusiven jüdischen Staat vorzog. Seine Pläne wurden jedoch nie umgesetzt.[1]

Am 2. Januar 1957 starb Steinberg in New York, drei Jahre nach dem Tod seiner Frau. Er hinterließ einen Sohn, den Kunsthistoriker Leo Steinberg, und eine Tochter.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hendrik Wallat: Oktoberrevolution oder Bolschewismus: Studien zu Leben und Werk von Isaak N. Steinberg, Münster 2013, ISBN 978-3-942885-46-1.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Beverley Hooper: Steinberg, Isaac Nachman (1888–1957) Australien Dictionary of Biography. Abgerufen am 24. Juni 2012.