Isaak Bernays

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Isaak Bernays

„Chacham“ Isaak Bernays (geboren am 29. September 1792 in Weisenau, heute Stadtteil von Mainz; gestorben am 1. Mai 1849 in Hamburg), auch Isaac Ben Jacob Bernays, Sohn des Jaques Beer aus Mainz, seit 1808 Bernays, war ein deutscher Rabbiner und gilt mit Jakob Ettlinger als einer der Vorreiter einer modernen jüdischen Orthodoxie. Er bekleidete von 1821 bis zu seinem Tode das Amt des Rabbiners der aschkenasischen Gemeinde in Hamburg. Bernays war einer der ersten Rabbiner, der neben einem jüdischen Studium auch eine Universität besucht hatte.

Leben[Bearbeiten]

Seine Ausbildung erhielt Bernays zunächst in seiner damals französisch beherrschten Heimatstadt Mainz (Mayence), wo er neben der traditionellen jüdischen Ausbildung auch Kurse am Lyzeum besuchte. An der Universität Würzburg studierte er ab 1815 Philosophie, promovierte zum Dr. phil. und war gleichzeitig Schüler des Rabbiners Abraham Bing. Nach einer Anstellung in München als Privatlehrer und einem Aufenthalt in Mainz wurde er 1821 als Oberrabbiner an die Deutsch-israelitische Gemeinde in Hamburg berufen. Bernays führte in Hamburg den Titel „Chacham“ (Weiser), nach der Tradition der sephardischen Juden, um sich von den orthodoxen aschkenasischen Rabbinern abzugrenzen. Ein Jahr nach seinem Amtsantritt heiratete er am 28. August 1822 Sara Lea (Henriette) Berend (1803-1853), Tochter des Hannoveraner Bankiers, Lehrers und Inspektors der jüdischen Schule Michael Behrend (†1832) und dessen dritter Frau Hannele Ries aus Berlin. Mit ihr hatte er sieben Kinder.

In Hamburg führte er deutschsprachige Predigten in der Synagoge ein. Er wurde wegen seiner umfangreichen Kenntnisse geschätzt, seine Predigten stießen aber wegen ihrer Komplexität auf Vorbehalte.

Grabstein Isaac Bernays' auf dem Jüdischen Friedhof Ohlsdorf

In der Talmud Tora Schule der Gemeinde reformierte er den Lehrplan. Während vorher nur Lesen und Schreiben in hebräischer Sprache sowie Arithmetik unterrichtet worden waren, kamen jetzt auch Deutsch und weitere weltliche Fächer einer allgemeinen Elementarschule hinzu. Zwei Jahre nach Bernays Tod wurde die Schule zur Realschule erhoben, der einzigen des orthodoxen Judentums in Deutschland.[1]

Trotz seiner Modernität war Bernays orthodox und lehnte das Reformjudentum des Hamburger Tempels ab. Als dieser 1841 ein revidiertes Gebetbuch einführte, nahm Bernays dagegen Stellung. Isaak Bernays starb an einem Schlaganfall und wurde auf dem Jüdischen Friedhof am Grindel beigesetzt. Sein Grabstein wurde bei dessen Auflösung auf den Jüdischen Friedhof Ohlsdorf versetzt.

Von Bernays sind keine Schriften veröffentlicht. Die Schrift „Der biblische Orient“ stammt vermutlich nicht von ihm.

Der Altphilologe Jacob Bernays und der Literaturhistoriker Michael Bernays waren seine Söhne. Ein weiterer Sohn, Berman Bernays (1826-1879), war der Vater von Martha Freud (geb. Bernays), der Ehefrau Sigmund Freuds. Samson Raphael Hirsch war sein Schüler.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Monika Richarz: Der Eintritt der Juden in die akademischen Berufe. Jüdische Studenten und Akademiker in Deutschland 1678-1848. Mit einem Geleitwort von Adolf Leschnitzer. Schriftenreihe wissenschaftlicher Abhandlungen des Leo Baeck Instituts, 1974. S. 199

Literatur[Bearbeiten]

  • E. Duckesz: Zur Biographie des Chacham Isaak Bernays. Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft 5 (1907), S. 297-322
  • Andreas Brämer: Judentum und religiöse Reform. Der Hamburger Israelitische Tempel 1817–1938, Dölling und Gallitz Verlag. Hamburg 2000
  • Andreas Brämer: Isaak Bernays in : Das Jüdische Hamburg, herausgegeben vom Institut für die Geschichte der deutschen Juden. Göttingen 2006

Weblinks[Bearbeiten]