Seligmann Bär Bamberger

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Seligmann Bär Bamberger – der „Würzburger Rav“ (geboren am 6. November 1807 in Wiesenbronn; gestorben am 13. Oktober 1878 in Würzburg) war ein wichtiger Vertreter des orthodoxen Judentums.

Leben[Bearbeiten]

Er wurde am 6. November 1807 als Sohn des Simon (Sim'ha) Bamberger, eines kleinen Händlers und Rabbiners in Wiesenbronn bei Kitzingen, geboren. Er wuchs in den Traditionen des fränkischen orthodoxen Landjudentums auf und besuchte eine Jeschiwa in Fürth.

Nach fünf Jahren erfolgreichen Studiums ging Bamberger im Alter von 20 Jahren als ausgebildeter Rabbiner zurück in sein Heimatdorf. Dort verdiente er sich seinen Lebensunterhalt mit einer kleinen Warenhandlung. Mit 22 Jahren heiratete er die Tochter des Rabbis von Fulda. Seine Frau führte fortan das Geschäft und er widmete sich dem Studium.

Sein Ruf als Gelehrter drang aus seinem Heimatdorf nach außen, und es pilgerten aus ganz Deutschland Schüler zu ihm. Für den Unterricht nahm er kein Geld an.

Das erste Mal trat Rabbi Seligmann Bär Bamberger 1836 in die Öffentlichkeit. Die bayerische Regierung wollte im Streit zwischen dem orthodoxen und dem immer stärker werdenden liberalen Zweig des Judentums Klarheit erlangen. In jeder Bezirksregierung, so auch in Würzburg, wurde eine Versammlung von Rabbinern, Lehrern und Gemeindemitgliedern einberufen, um über bestimmte, vorgegebene Fragen zu diskutieren. Bamberger wurde für seine Gemeinde als Vertreter der Orthodoxie geschickt. Bei dieser Versammlung fiel Seligmann Bär Bamberger dem bereits 80-jährigen amtierenden Würzburger Rabbiner Abraham Bing auf. Dieser wünschte sich den jungen Mann als seinen Nachfolger im Rabbineramt.

Bamberger meldete sich dann auch für die Wahl zum Distriktsrabbiner im Jahr 1840 an. Er wurde mit 310 von 500 Stimmen gewählt. Sein Gemeindebezirk umfasste neben der Stadt Würzburg noch 29 unterfränkische Dörfer.

Die Erziehung der Jugend im jüdischen Glauben lag Rabbi Bamberger besonders am Herzen. Er befürchtete, dass die paar Religionsstunden, die er pro Woche unterrichtete, nicht ausreichen, sondern dass die Gefahr der Assimilierung der Würzburger Juden zu groß sei. Er gehörte damit zu dem Kreis der Rabbiner, die trotz des Judenediktes von 1813, am jüdischen Gesetz festhielt. Zuerst eröffnete er eine Talmudschule. 1856 gründete er dann die private „Israelitische Erziehungs- und Unterrichtsanstalt“. Es handelte sich hierbei um eine sechsklassige Volksschule für Jungen und Mädchen. Es folgte 1864 das erste Lehrerseminar, die „Israelitische Lehrerbildungsanstalt in Würzburg“ kurz ILBA.

Gedenktafel am Campus Alte Universität, Domerschulstraße 6, Würzburg

Rabbi Bamberger hielt jeden Sabbat Vorträge, um die Religion im Alltag eines jeden Juden verwirklicht zu sehen. Er schickte regelmäßig Geld ins Heilige Land und regte den Bau des ersten jüdischen Krankenhauses in Palästina an. Seligmann Bär Bamberger verfasste drei Bücher, in denen er in einfacher Sprache die jüdischen Gesetze und Vorschriften erklärte.

Rabbi Seligmann Bär Bamberger starb am zweiten Tag des Laubhüttenfestes des Jahres 1878 während des Gottesdienstes und wurde in Höchberg auf dem dortigen Jüdischen Friedhof (Höchberg) begraben.

Er war verheiratet mit Kela Wormser (1804−1881), der Tochter des Seckel Wormser, Rabbiner in Fulda.

Literatur[Bearbeiten]

  • Shaul Esh (Hrsg.): The Bamberger Family: the Descendants of Rabbi Seligmann Bamberger, the "Würzburger Rav". Jerusalem 1964.
  • Neue Deutsche Biographie Bd. 14, 1985, S. 73 in Artikel Lehmann, Marcus

Weblinks[Bearbeiten]