Iwan Alexandrowitsch Iljin

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Das Porträt Iwan Iljins von Michail Nesterow

Iwan Alexandrowitsch Iljin (russisch Иван Александрович Ильин; * 28. Märzjul./ 9. April 1883greg. in Moskau; † 21. Dezember 1954 in Zollikon nahe Zürich) war ein russischer Philosoph, Schriftsteller und Publizist. Er war Gegner der Bolschewiki, Anhänger der Weißen Armee, konservativer Monarchist und ein Slawophiler. Seine Ansichten und Gedanken über die Gesellschaftsorganisation in Russland hatten großen Einfluss auf andere russische Schriftsteller und Intellektuelle des 20. Jahrhunderts, darunter auch Alexander Solschenizyn.

Biographie[Bearbeiten]

Iwan Iljin entstammte einer aristokratischen Familie aus Moskau, deren Wurzeln teilweise in der Rurikiden-Dynastie lagen. 1906 absolvierte er ein Jura-Studium an der Kaiserlichen Moskauer Universität (heute Lomonossow-Universität) und blieb dort als Mitarbeiter. Sein Lehrer war der Philosoph und Jurist Pawel Nowgorodzew (1866-1924), der auch die Position des Direktors des Moskauer Handels-Instituts bekleidete und der ersten Staatsduma angehörte. Politisch orientierte sich Iljin zuerst bei den Sozialrevolutionären, um dann der Konstitutionell Demokratischen Partei den Vorzug zu geben.

1909 wurde er Privatdozent an der Jura-Fakultät. 1918 schrieb er eine Dissertation zum Thema „Philosophie Hegels als Lehrwerk über das Wesen Gottes und des Menschen“, nach der er zum Professor der Rechtswissenschaften wurde. Wegen „anti-kommunistischer“ Tätigkeit wurde er mehrmals verhaftet und sogar zum Tode verurteilt. Letztlich wurde er jedoch 1922 zusammen mit 160 anderen Denkern auf dem „Philosophenschiff“ aus Russland verbannt.

Er kam am 26. September 1922 in Stettin an und zog ein Jahr später nach Berlin zu Nikolai Berdjajew, der eine „Religionsphilosophische Akademie“ gegründet hatte, wo Iljin bis 1934 als Professor am Russischen Wissenschaftsinstitut beschäftigt war. In dieser Zeit wurde er zu einem der wichtigsten Ideologen der Weißen Bewegung im Ausland. Zwischen 1927 und 1930 war er Redakteur und Herausgeber der Zeitschrift „Russische Glocke“ (Русский колокол). 1934 wurde er von den Nationalsozialisten verhaftet, konnte aber durch Sergei Rachmaninow freigekauft werden und zog 1938 nach Genf. Dort setzte er seine publizistische Arbeit bis an sein Lebensende fort.

Iljin gehörte der philosophischen Richtung des Transzendentalismus an. Seine Hauptarbeit bestand in der Interpretation der Werke von Hegel. Aus seinen Studien heraus veröffentlichte er zuerst Arbeiten über das Gebiet der Rechtsphilosophie und der politischen Ethik. Aber schon früh widmete er sich Themen der Politik. So veröffentlichte er 1915 Bücher zur Teilnahme Russlands am Ersten Weltkrieg. Im gleichen Jahr gab er mit Michail Gernet (1874-1953), I. Nowizki und V. Ustinow eine umfassende Studie über „Grundlagen der Rechtswissenschaft“ heraus.

Seine Hauptthesen in den philosophischen Ansichten bestanden in der Erkenntnis des geistigen und gegenständlichen Sinnes der Erscheinungen. Darin sah er auch hauptsächlich das Wesen der Seele. Seine Studien über Hegel werden zu den bedeutendsten Arbeiten über die Untersuchungen des dialektischen Bewusstseins gerechnet. Er versuchte zum Beispiel, die von Wladimir Sergejewitsch Solowjow (1853-1900) beschriebenen „geistigen Impulse“ mit der Interpretation der Phänomenologie bei Hegel in Verbindung zu bringen.

In seinen Werken lässt sich nachweisen, dass er unter dem Einfluss der deutschen Philosophen Edmund Husserl und Max Scheler stand. In seinem Werk „Über die Staatsform“ plädierte er angesichts der politischen Entwicklung und seines Standes für „eine nationale, patriotische, keineswegs totalitäre, jedoch autoritäre - zugleich erzieherische und aufweckende - Diktatur“. Weiterhin sah er in den Beziehungen zur Ukraine und zu den Völkern des Kaukasus für Russland große Probleme.

Die Lehren Iljins, soweit sie eine Ideologie über den gegenwärtigen Staat Russland berühren, haben in der russischen Führung eine wachsende Bedeutung gewonnen.

Iljin heute[Bearbeiten]

In der Sowjetunion war Iljin weitgehend unbekannt, weil die staatliche Zensur seine Werke nicht ins Land ließ. Im postsowjetischen Russland hat man sich an Iljin nicht sofort erinnert. Seine Bekanntheit wuchs nur langsam, bis im Oktober 2005 einer seiner Verehrer, der Regisseur Nikita Michalkow die Überführung seiner Überreste aus Zollikon nach Moskau und seine Beisetzung im Donskoi-Kloster organisierte, so wie Iljin es in seinem Testament gewünscht hatte. Dieses Ereignis machte seinen Namen auch größeren Kreisen bekannt. Noch im gleichen Jahr wurden mehrere Bände seiner Werke herausgegeben und ein Film „Iljins Testament“ gedreht. Das Ansehen Iljins steigt auch unter den Anhängern der Russisch-Orthodoxen Kirche.

Werke[Bearbeiten]

Iwan Iljin schrieb über 50 Bücher und Broschüren und Hunderte Artikel auf Russisch, Deutsch und in anderen europäischen Sprachen. Fast alle seine Werke hatten einen politischen, sozialen oder religiösen Charakter und bezogen sich auf Russland. Zu den bekanntesten gehört sein Buch „Die Begriffe Monarchie und Republik“, seine Artikelreihe „Vom künftigen Russland“, das 1956 erschienene Buch „Unsere Aufgaben“ mit einer umfangreichen Artikelsammlung aus der Feder Iljins zwischen 1948 und 1954.

Anmerkung: die Titel wurden in die deutsche Sprache übersetzt. Schriften, die (auch) in deutscher Sprache erschienen, sind gekennzeichnet.

Iwan Iljin
  • Die Begriffe Recht und Gewalt - Versuch einer methodologischen Analyse, Moskau 1910
  • Die Idee der Persönlichkeit in der Lehre Stirners. In: Voprosy filosofii i psichologii, XXII/I, 1911, S. 55–93
  • Die Krise des Idee des Subjektes in der Wissenschaftslehre des älteren Fichte, Moskau 1912
  • Die Philosophie Fichtes als Religion der Gegenwart, Moskau 1914
  • Der sittliche Grundwiderspruch des Krieges, Moskau 1915
  • Der geistige Sinn des Krieges - Krieg und Kultur, Moskau 1915
  • Grundlagen der Rechtswissenschaft mit anderen, Moskau 1915
  • Lehre von Gott, Moskau 1918
  • Lehre vom Menschen, Moskau 1918 (beide Arbeiten sind 1946 in Bern gekürzt in deutscher Sprache mit dem Titel Die Philosophie Hegels als kontemplative Gotteslehre erschienen)
  • Der religiöse Sinn der Philosophie, Paris 1925
  • Die Heimat und wir, Berlin 1925
  • Über den gewaltsamen Widerstand gegen das Böse, Berlin 1925
  • Welt vor dem Abgrund - Politik, Wirtschaft und Kultur im kommunistischen Staate (deutsch) mit anderen, Berlin 1931
  • Gift, Geist und Wesen des Bolschewismus (deutsch) Genf 1931
  • Über Russland - Drei Reden, Sofia 1934
  • Die Grundlagen des Schönen - Über das Vollkommene in der Kunst, Riga 1937
  • Puschkins prophetischer Aufruf, Riga 1937
  • Der Weg der geistigen Erneuerung, Belgrad 1937
  • Die Grundlagen des Kampfes für ein nationales Russland, Narva 1938
  • Ich schaue ins Leben (deutsch) Berlin 1938
  • Die ewigen Grundlagen des Lebens (deutsch) Zürich 1939
  • Das verschollene Herz (deutsch) Zürich 1943
  • Wesen und Eigenart der russischen Kultur (deutsch) Zürich 1942, Affoltern 1944
  • Blick in die Ferne, (deutsch) Zürich 1945
  • Über Faschismus, 1948
  • Die Axiome der religiösen Erfahrung, Paris 1953
  • Über das Wesen des Rechtsbewußtseins, München 1956
  • Unsere Aufgaben - Artikel von 1948 bis 1954, Paris 1956
  • Der Weg zur Evidenz, München 1957
  • Das singende Herz - Ein Buch stillen Schauens, München 1958
  • Über Finsternis und Aufhellung - Eine Kunstkritik, München 1959

Referenzen[Bearbeiten]

  • Helmut Dahm: Grundzüge russischen Denkens. Persönlichkeiten und Zeugnisse des 19. und 20. Jahrhunderts. Berchmans, München 1976, ISBN 3-87056-012-6 (Sammlung Wissenschaft und Gegenwart).
  • Felix Philipp Ingold, Machtvertikale. FAZ vom 27. März 2007.
  • Dirk Budde: Ivan A. Illin - Vom Wesen der Rechtgläubigkeit. in: Daniel Führing (Hrsg.): Gegen die Krise der Zeit. Konservative Denker im Portrait. Ares-Verlag, Graz 2013 ISBN 978-3-902732-21-7 S. 65-80

Weblinks[Bearbeiten]