Jürgen Reichen

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Jürgen Reichen (* 1939 in Basel; † 19. Oktober 2009) war ein in Hamburg lehrender Schweizer Reformpädagoge.

Er studierte an der Universität Basel und wurde Lehrer.

Er entwickelte nach dem Kernsatz: „Kinder lernen umso mehr, je weniger sie belehrt werden“[1] das in Deutschland weitverbreitete, gegen die Verwendung der klassischen Fibel gerichtete Konzept Lesen durch Schreiben (mit Hilfe der Anlauttabelle) und vermittelte dieses Konzept am Hamburger Institut für Lehrerfortbildung. Zugleich war er als Lehrer tätig.

Reichen erlag 2009 einer schweren Krankheit. Eine "kritisch-bewundernde" Würdigung hat Hans Brügelmann für die Deutsche Gesellschaft für Lesen und Schreiben (DGLS) verfasst [2].

Kritik[Bearbeiten]

Zahlreiche Wissenschaftler und Pädagogen wie beispielsweise Renate Valtin kritisieren inzwischen das von Reichen entwickelte Konzept scharf. [3]Untersuchungen zeigen eine teilweise Verschlechterung der Rechtschreibung beispielsweise bei Grundschülern der zweiten und dritten Klassen, aber nicht mehr zum Ende der Grundschulzeit, gegenüber Vergleichsgruppen, die von Anfang an korrekte Rechtschreibung gelernt haben (s. die neueste Metaanalyse von Funke 2014 [4]). Besonders für Legastheniker, Kinder aus bildungsfernen Schichten und Kinder mit fremdsprachlichem Migrationshintergrund wird die Unterrichtsmethode von manchen als problematisch angesehen.[5] Die unterschiedlichen Sichtweisen - auch in der Forschung - sind aktuell bei Anhörungen in den Schulausschüssen der Landtage von NRW und Hamburg sichtbar geworden (vgl. die Dokumentation des Grundschulverbands) [6]. Übersehen wird oft, dass Reichen seine Leselehrmethode 2004 auch um Übungen zur Rechtschreibförderung ergänzt hat.

Werke[Bearbeiten]

  • Die neue Erstlesemethode „Lesen durch Schreiben“. Schweizerische Lehrerzeitung, 6.
  • Lesen durch Schreiben“ als Beitrag zur psycholinguistischen Grundlegung der Rehabilitation funktionaler Analphabeten. In H. Grissemann (Hrsg.), Spätlegasthenie und funktionaler Analphabetismus (S.233-238). Bern.
  • Lesen durch Schreiben. Heft 1: Wie Kinder selbstgesteuert lesen lernen (3. Aufl.). Zürich.
  • Lesen durch Schreiben. Heft 2: Allgemeindidaktische und organisatorische Empfehlungen (3. Aufl.). Zürich.
  • Hannah hat Kino im Kopf. Die Reichen-Methode Lesen durch Schreiben und ihre Hintergründe für LehrerInnen, Studierende und Eltern. Hamburg, Zürich 2001.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zitiert nach: „Die neue Schlechtschreibung“, SPIEGEL 25/2013, S. 100
  2. http://www.dgls.de/component/content/article/1-aktuelles/101-nachruf-von-hans-bruegelmann-zum-tode-von-juergen-reichen.html
  3. http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/guenter-jansen-ueber-die-schlechte-rechtschreibung-viele-kinder-a-906458.html
  4. Funke, R. (2014): Erstunterricht nach der Methode Lesen durch Schreiben und Ergebnisse schriftsprachlichen Lernens – Eine metaanalytische Bestandsaufnahme. In: Didaktik Deutsch, 19. Jg., H. 36, 20-41.
  5. Rafaela von Bredow, Veronika Hackenbroch: Die neue Schlechtschreibung, in „Der Spiegel“, 25/2013
  6. http://www.grundschulverband.de/extraseiten/aktuelles/