Jacques-Nicolas Lemmens

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Jacques-Nicolas Lemmens, ndl. auch Jaak Nikolaas Lemmens, (* 3. Januar 1823 in Zoerle-Parwys bei Westerlo; † 30. Januar 1881 in Sempst bei Mecheln) war ein belgischer Organist und Komponist.

Leben[Bearbeiten]

Lemmens erhielt seinen ersten Orgelunterricht bei seinem Vater, einem Dorforganisten, und bei dem Organisten von Diest, van den Broeck. Seit 1839 besuchte er das Konservatorium in Brüssel, wo er von dessen erstem Direktor, François-Joseph Fétis, unterrichtet wurde. Fétis schickte Lemmens auch nach Breslau, damit er sich bei Adolf Friedrich Hesse mit der bachschen Orgeltradition vertraut machen konnte.

Nachdem er mehrere Preise für Komposition, Orgel- und Klavierspiel gewonnen hatte (darunter den renommierten Prix de Rome für seine Komposition Le roi Lear), war Lemmens von 1849 bis 1869 Lehrer für Orgel am Brüsseler Konservatorium.

1852 unternahm Lemmens eine Konzertreise nach Paris, wo er in den Kirchen Saint-Vincent-de-Paul, La Madeleine und Saint-Eustache das Publikum mit seinen Orgelvorträgen in Erstaunen versetzte.

In der Folge reisten viele aufstrebende Organisten, z. T. unterstützt von Aristide Cavaillé-Coll, der ein großer Bewunderer Lemmens' war, nach Brüssel, um sich ausbilden zu lassen. Zu Lemmens' Schülern zählten Joseph Callaerts, Joseph Tilborgs, Clément Loret, Alphonse Mailly; später auch Alexandre Guilmant und Charles-Marie Widor als Privatschüler.

Letzterer berichtete später über Lemmens' Spiel:

„Niemand, der Lemmens hörte, kann die Klarheit, die Kraft, die Großartigkeit seines Spiels vergessen - den kleinsten Details gab er Gewicht, doch ohne jemals das Stück als Ganzes aus den Augen zu verlieren.“

1857 heiratete Lemmens die englische Sopranistin Helen Sherrington (1834-1906) und verlagerte seinen Wirkungskreis nach den extrem erfolgreichen Konzertreisen der Vorjahre auf dem Kontinent mehr und mehr nach Großbritannien. 1869 legte er seine Professur am Brüsseler Konservatorium aus finanziellen Gründen nieder und siedelte nach London über. Auf Bitten des belgischen Episkopates kehrte er 1878 nach Belgien zurück, wo er in Mecheln eine Schule für Kirchenmusik, das später nach ihm benannte Lemmens-Institut, gründete.

Bereits zuvor hatte er sich für die Restauration der Kirchenmusik eingesetzt. So hatte er 1862 seine "École d'Orgue basée sur le Plain-Chant Romain" herausgegeben, eine Orgelschule, die besonderes Gewicht auf die Bearbeitung des gregorianischen Chorals legte. Außerdem war er eines der prominentesten Mitglieder des von dem bedeutenden Trierer Choralforscher Michael Hermesdorff gegründeten Vereines zur Wiederherstellung des gregorianischen Chorals, dem auch Joseph Pothier aus der französischen Abbaye Saint-Pierre de Solesmes angehörte.

Der musikalische Zweig der belgischen Hochschule für Wissenschaft und Kunst (WENK bzw. W&K) heißt nach ihm „Lemmens-Institut“ und befindet sich in Löwen.

Werke[Bearbeiten]

Orgelkompositionen[Bearbeiten]

  • Dix Improvisations dans le style sévère et chantant (1848)
  • École d'Orgue, basée sur le plain-chant romain (Orgelschule, 1862), inkl.:
  • Prélude zu 5 Stimmen (Grave) Es-Dur
  • Prière (Moderato cantabile) E-Dur
  • Fanfare (Allegro non troppo) D-Dur
  • Cantabile (Allegretto) h-Moll
  • Finale (Allegro) D-Dur
  • Trois Sonatas (1874):
  • Sonate Nr. 1 "Pontificale" d-Moll
1. Allegro moderato
2. Adagio
3. Marche Pontificale (Maestoso)
4. Fuga (Fanfare)
  • Sonate Nr. 2 "O Filii" e-Moll
1. Prélude (Allegro non troppo)
2. Cantabile (Andante)
3. Fuga (Allegro con fuoco)
  • Sonate Nr. 3 "Pascale" a-Moll
1. Allegro
2. Adoration (Andante sostenuto)
3. Finale "Alleluia" (Maestoso recitando - Allegro)

Harmoniumkompositionen[Bearbeiten]

  • Morceaux pour Orgue-Mélodium

Weblinks[Bearbeiten]