Breslau

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Breslau (Begriffsklärung) aufgeführt.
Breslau
Wrocław
Wappen von Breslau
BreslauWrocław (Polen)
BreslauWrocław
Breslau
Wrocław
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Niederschlesien
Landkreis: Kreisfreie Stadt
Fläche: 293,00 km²
Geographische Lage: 51° 7′ N, 17° 2′ O51.1117.032222222222Koordinaten: 51° 6′ 36″ N, 17° 1′ 56″ O
Höhe: 105–155 m n.p.m
Einwohner: 632.067
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 50-041 – 54-612
Telefonvorwahl: (+48) 71
Kfz-Kennzeichen: DW
Wirtschaft und Verkehr
Straße: A4/E40 (KölnDresdenKiew)
E67: PragWarschau
Schienenweg: Bahnstrecke Stettin–Breslau
Bahnstrecke Berlin–Breslau
Nächster int. Flughafen: Nikolaus-Kopernikus-Flughafen Breslau
Gemeinde
Gemeindeart: Stadtgemeinde
Fläche: 293,00 km²
Einwohner: 632.067
(31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 2157 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0264011
Verwaltung (Stand: 2014)
Stadtpräsident: Rafał Dutkiewicz
Adresse: Sukiennice 9
50-107 Wrocław
Webpräsenz: www.wroclaw.pl

Breslau (polnisch Wrocław?/i [ˈvrɔtswaf], schlesisch Brassel,[2] lateinisch Wratislavia) ist eine kreisfreie Großstadt an der Oder. Mit über 630.000 Einwohnern ist sie die viertgrößte Stadt Polens, Hauptstadt der historischen Region Schlesien und der Woiwodschaft Niederschlesien sowie Verwaltungssitz des gleichnamigen Landkreises. Sie bildet als Sitz eines römisch-katholischen Erzbischofs, eines evangelischen Diözesanbischofs, zahlreicher Unternehmen, Hochschulen und Forschungsinstitute sowie Theater und Museen das wirtschaftliche, kulturelle und wissenschaftliche Zentrum des modernen Südwesten von Polen.

Breslau war 2012 einer der Austragungsorte der Fußballeuropameisterschaft. 2016 wird die Stadt Kulturhauptstadt Europas und Verleihungsort des Europäischen Filmpreises sein.

Geographie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Breslau liegt südlich des Katzengebirges, nördlich der Sudeten, an der Oder (Odra) und vier Nebenflüssen: Ohle (Oława), Lohe (Ślęza), Weide (Widawa) und Schweidnitzer Weistritz (Bystrzyca). Gebaut zwischen zahlreichen Kanälen, liegt die Stadt auf 12 Inseln, verbunden durch 100 bis 300 Brücken, je nach zu Grunde gelegten Kriterien. Aufgrund der zahlreichen Brücken und Stege wird die Stadt auch als Venedig Polens bezeichnet. Breslau ist die Großstadt mit den meisten Grünflächen in Polen. Die Stadt hat eine Gesamtfläche von 293 Quadratkilometern, wovon 114 Quadratkilometer auf bebaute Flächen entfallen. Davon sind 29 Quadratkilometer reine Wohnbebauung.

Zum Klima der Region siehe eigenen Abschnitt weiter unten.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Karte der Stadtbezirke

Die Stadt Breslau gliedert sich in fünf Stadtbezirke, deren administrative Bedeutung nach der Verwaltungsreform 1990 zugunsten der Stadtverwaltung weitgehend abgebaut wurde.

Stadtbezirk Ausdehnung Fläche
in km²
Einwohner
30. Juni 2008[3]
Stare Miasto (Altstadt) Altstadt mit Nicolai- und Schweidnitzer Vorstadt 6,8 54.884
Śródmieście (Innenstadt) Innenstadt rechts der Oder mit Dominsel und Elbing 16 122.647
Psie Pole (Hundsfeld) alle Vororte nördlich der (neuen) Oder 97,7 92.904
Krzyki (Krietern) Innenstadt und Vororte südlich der alten Oder und Altstadt 54,3 165.592
Fabryczna (Fabrikviertel) Mischgebiete, Außenbezirke und Vororte im Westen, links der Oder 118,9 196.776

Name[Bearbeiten]

Der deutsche und der polnische Name der Stadt leiten sich vermutlich vom Namen des böhmischen Herzogs Vratislav I. ab, der im frühen 10. Jahrhundert zeitweilig über die Stadt herrschte und der Legende nach der Gründer der Stadt ist.[4] Einer der ersten Belege für den Namen der Stadt ist in der aus dem frühen 11. Jahrhundert stammenden Chronik des Geschichtsschreibers Thietmar von Merseburg zu finden („Iohannem Wrotizlaensem“, „Wortizlava civitate“).[5] Der deutsche Ortsname „Breslau“ ist aus dem Slawischen hervorgegangen. Dies folgt daraus, dass in unmittelbarer Nähe der deutschen Ansiedlung bereits früher slawische Siedlungen bestanden, von denen eine Siedlung wegen ihrer sicheren Lage auf den Oderinseln zum Sitz eines gegen Ende des 10. Jahrhunderts errichteten Bistums wurde. Der alte slawische Ort hieß polnisch „Wrocław“ (abgekürzt für Wrócisław). Da der Bischofssitz hohe Bedeutung gewann, unterließen es die deutschen Ansiedler, ihrer neuen Stadt am linken Ufer einen neuen Namen zu geben. Der slawische Name des Bischofssitzes wurde auch auf die deutsche Ansiedlung übertragen. Der Zusammenschluss der deutschen Stadt mit dem Bischofsort erfolgte im Jahr 1808. Etymologisch entstand die deutsche Bezeichnung „Breslau“ aus der slawischen. Belegt werden kann dies durch den Vergleich historischer geistlicher und fürstlicher Urkunden, bei denen zahlreiche unterschiedliche Abwandlungen des Ortsnamens zu finden sind („ecclesiam Wratislaviensem“, „episcopus Wratizlauiensis“, „Wrotizlaensis“, „in foro Wratislaviensi“, „Wroczlaviensi provincia“, „Vrozlavia“, „Wortizlaua“, „Wrazslavie“, „Vratislavia“, „Wratizlavia“, „Wratislavia“, „Wratislawia“, „Vratizlav“, „Wratizlaw“, „Wratislaw“, „Wraislaw“, „Vratizlau“, „Wratizlau“,„Wratislau“, „Wreczeslaw“, „Wretslaw“, „Wrezlaw“, „Wrezlau“, „dux de Werslaue“, „Breczlaw“, „Bretzlaw“, „Bretlav“, „Bretzlau“, „Bretzla“, „Brezslaw“, „Brezlaw“, „Breßlaw“, „Bresslaw“, „Presslaw“, „Breslow“, „Breslou“, „Breßlau“, „Bresslau“, „Breslau“). Seit dem 19. Jahrhundert war im deutschen Sprachraum nur noch die Form „Breslau“ geläufig. Die deutschen Schlesier sagten oft auch „Prassel“ oder „Brassel“. Die Ersetzung des Buchstabens „W“ durch den Buchstaben „B“ kann dadurch erklärt werden, dass die deutschen Ansiedler den vorgefundenen Ortsnamen slawischen Ursprungs mundgerecht umgebildet haben, um ihn leichter aussprechen zu können. Teilweise wird vermutet, dass der deutsche Ort anfänglich auch einen eigenen Namen hatte, der aber historisch nicht überliefert wurde. Der polnische Ortsname „Wrocław“ wiederum leitet sich vom Personennamen „Wrócisław“ ab. Der Name „Wrócisław“ oder „Vratislav“ ist ein zusammengesetzter Personenname. Der erste Teil (polnisch „wrócić“, „wracać“, tschechisch „vraceti“, „vrátiti“) steht für „zurückkommen“, „wiedererstatten“, „stürzen“, „vertreiben“, „in die Flucht schlagen“. Der zweite Teil („sław“) steht für „Name“, „Ansehen“, „guter Ruf“, „Ruhm“.[6] Der Anfangsbuchstabe „W“ des Namens des Stadtgründers ist seit je, mit Ausnahme der Zeit von 1938 bis 1990, im deutschen und polnischen Wappen der Stadt Breslau/Wrocław zu sehen (siehe unten unter „Politik“, „Stadtwappen“).

Geschichte[Bearbeiten]

Die Region Schlesien, in der Breslau liegt, fand erstmals bei Tacitus im Jahr 98 Erwähnung sowie um 150 bei Ptolemäus in seinem Werk Magna Germania. Im 4. und frühen 5. Jahrhundert siedelte in der Umgebung des späteren Breslau der Wandalenstamm der Silinger. Der slawische Stamm der Slezanen siedelte sich im 6. Jahrhundert an der Oder an und errichtete auf der Dominsel eine Burganlage, welche im frühen 10. Jahrhundert vom böhmischen Fürsten Vratislav I. gesichert wurde.[7] Ob sich der Name „Schlesien“ vom germanischen Stamm der Silinger oder vom slawischen Stamm der Slezanen ableitet, ist umstritten.

Kirche St. Ägidien, erbaut 1220 – das älteste erhaltene Gebäude in der Stadt

Der Name Wortizlawa oder auch Wratislawa wurde erstmals um 900 erwähnt und bezeichnete eine slawische Marktstadt. Diese befand sich auf einer Insel nahe den drei Nebenflüssen der Oder. Im Jahr 990 eroberte der polnische Piasten-Herzog Mieszko I. Breslau und ganz Schlesien. Sein Sohn Bolesław der Tapfere errichtete im Jahr 1000 das Bistum Breslau (Akt von Gnesen). Er ließ etwa zeitgleich die erste herzogliche Burg auf der Dominsel erbauen, etwa an der Stelle der späteren Martinskirche. Kurz darauf wurde innerhalb der Burganlage mit dem Bau des Domes begonnen. Das befestigte Gebiet um die Burg war schon damals eine kleine Stadt, in der etwa 1000 Menschen wohnten.[8]

In der Schlacht gegen Bolesław III. Schiefmund unterlag Kaiser Heinrich V. im Jahr 1109, das Schlachtfeld wurde als Hundsfeld bekannt. Nach Boleslaws Tod im Jahre 1138 wurde Breslau im Rahmen der Senioratsverfassung Hauptstadt des bis 1201 polnischen Teilfürstentums Schlesien. Wenig später ließen sich die ersten deutschen Siedler am Südufer des Flusses nieder, an der Stelle der späteren Universitätsgebäude. Nachdem 1202 das für Polen geltende Senioratsprinzip aufgegeben wurde, erlosch die staatsrechtliche Verbindung des Herzogtums Schlesien zu Polen. Dadurch erlangte Schlesien auch die politische Unabhängigkeit[9]. Als nach dem Tod des Herzogs Heinrichs II. das Herzogtum Schlesien 1249 geteilt wurde, wurde Breslau Hauptstadt des Herzogtums Breslau. Erster Herzog von Breslau war Heinrichs II. zweitgeborener Sohn Heinrich III.

Während der Mongolenangriffe wurde Breslau 1241 zerstört, jedoch in den folgenden zwanzig Jahren wieder aufgebaut. So erhielt Breslau im Jahr 1261 das Magdeburger Stadtrecht.

Aus Breslau ist aus dem Jahr 1329 der erste Arbeitskampf im Gebiet des Heiligen Römischen Reiches urkundlich überliefert. Die Gürtlergesellen verabredeten, ein Jahr lang bei keinem Meister in der Stadt zu arbeiten. Diese wiederum vereinbarten, dass derjenige eine Geldbuße an den Rat der Stadt zu zahlen habe, der einem der Streikenden Arbeit gibt oder ihn in seine Familie aufnimmt. Der Anlass für diesen Arbeitskampf ist nicht bekannt.[10]

Unter den Piasten[Bearbeiten]

Nach der Eroberung der Stadt durch Herzog Mieszko I., dem Begründer der Piastendynastie in Polen, im Jahr 990 wurde Breslau Teil des Königreichs Polen. Zehn Jahre später gründete der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Otto III. durch den Akt von Gnesen das Bistum Breslau als Suffragan des Erzbistums Gnesen. Zuvor hatte der spätere König Bolesław I. sich maßgeblich dafür eingesetzt. Im Jahr 1138 wurde die Stadt Breslau im Rahmen der Senioratsverfassung zur erblichen Teilung des Reiches Hauptstadt des Teilfürstentums Schlesien. Danach gründeten die Nachkommen von Władysław dem Vertriebenen, Bolesław der Lange und Mieszko Kreuzbein im Jahr 1163 das Herzogtum Breslau. Die Einheit der Teilfürstentümer, das Seniorat Polen, verlor ab diesem Zeitpunkt immer weiter an Macht, da es durch viele innere Unruhen und Streitigkeiten zwischen einzelnen Fürsten geprägt war. Das Seniorat zerfiel fortan immer stärker und die einzelnen Fürstentümer wurden immer unabhängiger voneinander. Dennoch blieben die Verbindungen der schlesischen Linie der Piasten zu ihren Vettern in den anderen polnischen Regionen erhalten und Breslau gehörte als Teil des Herzogtums Schlesien im Rahmen der Corona Regni Poloniae weiterhin zu Polen. Władysław flüchtete in das Heilige Römische Reich, wo er am Hoftag zu Kaina in Sachsen im April 1146 ganz Polen vom Reich zugesprochen bekam und damit den Lehnseid beim römisch-deutschen König Konrad III. aus dem Hause der Staufer ablegte. Er war ein Halbbruder von Władysławs Ehefrau. Den Eid hatte Władysław abgelegt, um sich die militärische Unterstützung des Königs zu sichern, was ihm zu einem späteren Zeitpunkt eine Rückkehr nach Krakau ermöglichen würde. Der Eid konnte jedoch an der Situation nichts ändern, da Władysław in Polen nicht mehr über reale Macht und Einfluss verfügte. Des Weiteren wurde Schlesien und damit auch Breslau erst Mitte des 14. Jahrhunderts Teil des Königreichs Böhmen und damit Teil des Heiligen Römischen Reiches. Władysław starb im Jahr 1159 in Altenburg, ohne jemals in seine polnische Heimat zurückgekehrt zu sein.

Im Zeitraum 1163–1200 wurde die herzogliche Burg an der Oder am späteren Platz der Universität errichtet. Ab diesem Zeitpunkt hatte die Stadt drei Zentren: die herzogliche Residenz mit der unter ihrem Schutz stehenden Judenstadt, die geistliche Stadt auf der Sand- und Dominsel und die neu angelegte deutsche Kaufmannsstadt um den Ring. Fürst Jarosław von Oppeln-Neiße, Halbbruder Heinrichs des Bärtigen, wurde im Jahr 1198 zum Bischof des Bistums Breslau gewählt, das die weltliche Macht an den Herzogtümern Ottmachau und Neisse besaß. Als er 1201 starb, vermachte er sein Fürstentum dem Stift Breslau. Fortan wurden Breslauer Bischöfe Fürstbischöfe, die bis 1811 Territorialgewalt besaßen, danach jedoch nur noch Titular-Fürstbischöfe waren. Ab 1241 wurde die Stadt nach dem Einfall der Mongolen unter Ögedei Khan neu in Gitterform angelegt. Am 16. Dezember 1261 verlieh Herzog Heinrich III. von Schlesien und dessen Mitregent Wladislaw Breslau das Magdeburger Stadtrecht. Fünf Jahre später wurde die Bezeichnung Bresslau erstmals für die Stadt benutzt. Im Jahr 1327 bestimmte Heinrich VI. als letzter Herzog von Schlesien aus dem Haus der Piasten mit Mitwirkung des Rates den König von Böhmen Johann von Luxemburg, auch Johann der Blinde genannt, als seinen Erben.

Unter böhmischer und zeitweise ungarischer Hoheit[Bearbeiten]

Stadtansicht in der Schedel’schen Weltchronik von 1493

Nach dem Tod des letzten Piastenherzogs Heinrich VI. im Jahr 1335 ging das Herzogtum als erstes „Erbland“ in Schlesien in den Besitz der Wenzelskrone. Der König von Böhmen setzte einen Landeshauptmann ein, der mit der Verwaltung des Gebietes betraut wurde. In dieser Funktion agierte in den Jahren 1359–1635 der Rat von Breslau. Daher hatte er einen Sitz und auch eine Stimme im schlesischen Fürstentag. Die Stadt wurde 1342 und 1344 durch zwei Großbrände zerstört und anschließend wieder aufgebaut. Vier Jahre nach dem zweiten Brand wurde der Vertrag von Namslau unterzeichnet. In ihm hielten Kasimir der Große, König von Polen, und Karl IV. als König von Böhmen die Bestärkung des 1335 geschlossenen Vertrages von Trentschin fest. Dieser besagte, dass Kasimir der Große auf Ewigkeit alle Ansprüche auf schlesisches Territorium niederlegen und im Gegenzug der böhmische König Johann von Luxemburg auf den Königstitel verzichten werde. Den Namslauer Vertrag versuchte Kasimir später beim Papst zu widerrufen. Im Jahr 1418 erhoben sich die Handwerker gegen die Patrizier. Bei diesem Aufstandes wurden sieben Ratsherren im Breslauer Rathaus ermordet. Letztendlich ließ der damalige römisch-deutsche König Sigismund die Revolte gewaltsam niederschlagen. Dabei wurden 27 Anführer exekutiert. Währenddessen erlangte die Stadt in der fast hundertjährigen Periode von 1387 bis 1474 ihre größte wirtschaftliche Blütezeit, wobei sie auch als Mitglied der Handelsvereinigung Hanse verzeichnet war.

1453 weilte der katholische Wanderprediger und Inquisitor Johannes Capistranus im Rahmen seiner Missionsreisen in Breslau. Er hielt einige flammende Reden auf dem Salzring, die sich gegen Hussiten, Muslime und Juden, gegen Prunksucht und Leben im Überfluss richteten. Aus diesem Grund kamen große Menschenmengen aus allen verschiedenen Teilen Schlesiens und den anderen Provinzen des Heiligen Römischen Reiches, aus Polen, aus Livland und auch aus Kurland. Capistranus untersuchte im Auftrag des böhmischen Königs (Ladislaus Postumus) die durch einen Bauern angezeigte Hostienschändung. Daraufhin wurden am 2. Mai 1453 alle 318 Juden in Breslau und Umgebung in Breslau inhaftiert und Geständnisse mit Folter erpresst. Capistranus ließ 41 Juden auf dem Scheiterhaufen verbrennen und die übrigen aus der Stadt ausweisen. Das Vermögen der Juden wurde eingezogen, was nach Cohn[11] der eigentliche Grund für den Pogrom war. Denn Cohn fand in dem Archiv allein elf Hefte mit Schuldbriefen, die den Juden gehört hatten. Es gab auch Inventarlisten der anderen Gegenstände, die die Juden besessen hatten. 1455 erfolgte die Ausweisung der Juden, als die Stadt Breslau von Ladislaus Postumus das verbriefte Privilegium de non tolerandis Judaeis („Privileg zur Nichtduldung der Juden“) erhielt, das de jure bis 1744 in Kraft blieb.

Die Bürger Breslaus wehrten sich acht Jahre später gegen die Regentschaft des hussitischen Königs Georg von Podiebrad von Böhmen als Landesherrn in Schlesien und kamen daraufhin unter den Schutz von Papst Pius II.

Im Krieg gegen Böhmen schloss die Stadt 1466 ein Bündnis mit dem Herrscher des Königreichs Ungarn Matthias Corvinus, der nach acht Jahren Schlesien und damit auch Breslau der ungarischen Stephanskrone einverleibte. Dadurch erhielten die neu gewonnenen Gebieten eine wesentliche strengere Verfassung als zuvor. Nachdem Corvinius im Jahr 1490 gestorben war, wurde die Stadt noch im selben Jahr erneut Teil des Königreichs Böhmen, das zu dieser Zeit von den aus Polen-Litauen stammenden Jagiellonen, Wladyslaw dem Polen und Ludwig II. von Böhmen und Ungarn regiert wurde. 15 Jahre später, 1505 genehmigte der damalige König Wladislaw II. aus dem Haus der Jagiellonen die Gründung einer Universität in Breslau. Dieses Projekt wurde jedoch nicht tatsächlich realisiert. 1523 wurde der evangelische Theologe Johann Heß im Zuge der laufenden Reformation entgegen jeglicher Einsprüche und Proteste des Domkapitels zum Pfarrer der Magdalenenkirche ernannt. Ein weiterer evangelischer Theologe, Ambrosius Moibanus, wurde 1525 als Pastor der Elisabethenkirche eingesetzt, wobei er in Kooperation mit Johann Heß die Leitung der Organisation der evangelischen Kirche in Schlesien übernahm.

Unter den Habsburgern[Bearbeiten]

Breslau um 1640 (Merian)

Im Jahr 1526 starb König Ludwig II. von Böhmen und Ungarn in der Schlacht bei Mohács, woraufhin die Habsburger gemäß Erbverbrüderungsvertrag das Königreich Ungarn und die Länder der Böhmischen Krone und damit auch Breslau und andere Erblande in Schlesien übernahmen und bis 1741 behielten. Sieben Jahre später wurde der erste Stadtmedicus angestellt. Zwischen 1630 und 1670 war Breslau mit der Schlesischen Dichterschule ein Zentrum der deutschen Literatur. Im Jahr 1632 wurden während des Dreißigjährigen Krieges Teile der Stadt von sächsischen und schwedischen Truppen besetzt gehalten. Noch im selben Jahre äußerte die Stadt Breslau erfolglos den Wunsch, sich vom Habsburgerreich abzutrennen und als freie Reichsstadt anerkannt zu werden. Zur selben Zeit gab es eine Pestepidemie, bei der 18.000 von 40.000 Bürgern starben.

Unter den Hohenzollern und im Deutschen Kaiserreich[Bearbeiten]

Breslau 1736

Ein Jahrhundert später belagerte Friedrich der Große mit seinen Truppen im Zuge des Österreichischen Erbfolgekrieges die Stadt ein Jahr lang, bis die Stadt am 10. August 1741 schließlich kapitulierte. Noch im selben Jahr am 7. November huldigten die schlesischen Stände unter Führung des Konsistorialpräsidenten und Oelsner Landeshauptmanns Kaspar Leonhard Moritz von Prittwitz im Breslauer Rathaus Friedrich dem Großen.

Ansicht um 1850
Breslauer Vorstadtsiedlungen und Umland vor 1842
Namen auf Deutsch (in Klammern sind die nach 1945 eingeführten polnischen Ortsnamen angeführt)
Naschmarktseite des Rings um 1900
Stadtplan von 1904

Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 übergab Erzherzogin Maria Theresia in ihrer Eigenschaft als Königin von Böhmen den größten Teil des Herzogtums Schlesien als souveränen Besitz an den preußischen König, wobei ein kleiner Teil als Österreichisch-Schlesien Teil von Österreich blieb. Die Schlesische Zeitung und der Korn-Verlag entstanden im selben Jahr. Er existierte mit der Tageszeitung bis zum Anfang des Jahres 1945 und wurde erneut in München gegründet. Dabei übernahm Stiftung Kulturwerk Schlesien den Verlag 1980. Im Jahr 1750 erwarb der preußische König Friedrich der Große das Palais des bischöflichen Hofkanzlers Heinrich Gottfried von Spätgen, das er zu seiner Breslauer Residenz ausbaute. Während des Siebenjährigen Krieges kam es am 22. November 1757 zur Schlacht von Breslau, in der Karl Alexander von Lothringen mit rund 80.000 Mann die 28.000 preußischen Truppen unter dem Kommando des Herzogs von Braunschweig-Bevern angriff. Aufgrund der starken Überlegenheit der habsburgischen Truppen zogen sich die Preußen über Breslau nach Glogau zurück. Nach dem Sieg belagerten österreichische Verbände die Stadt, bis der preußische General Johann Georg von Lestwitz in der Nacht zum 25. November die Stadt übergab. Noch im selben Jahr begann die preußische Armee unter Friedrich II. nach ihrem Sieg über die zahlenmäßig weit überlegenen Österreicher in der Schlacht von Leuthen mit der Belagerung der Stadt, die zur Übergabe durch den Stadtkommandanten von Bernegg am 21. Dezember 1757 führte. Ab 1760 hielt sich der Dichter und Dramatiker der Aufklärung Gotthold Ephraim Lessing für fünf Jahre als Sekretär des Generals Friedrich Bogislav Graf von Tauentzien in der Stadt auf. 47 Jahre später marschierten die Truppen des 1806 durch Napoleons I. in Paris gegründeten Rheinbunds in der Stadt ein und besetzen sie bis 1808. Durch die von Napoléon gegen Großbritannien verhängte Kontinentalsperre erlahmte der Handel mit Leinwänden. Ab 1807 wurden die Befestigungen Breslaus binnen drei Jahren geschleift. Im Endjahr der Schleifung 1810 wurden nahezu alle Stifte und Klöster für weltliche Zwecke umgewidmet, beispielsweise entstand aus dem Sandstift nach seiner Säkularisierung die Universitätsbibliothek Breslau. Die Universität Viadrina aus Frankfurt an der Oder wurde ein Jahr später in die Stadt Breslau verlegt. Danach schlossen sich die örtliche Hochschule der Jesuiten und die Viadrina zusammen und gründeten die Schlesische Friedrich-Wilhelms-Universität. Infolge der napoleonischen Kriege entwickelte sich Breslau 1813 zum zentralen Ursprung der Befreiungsbewegung gegen Napoléon. Während der Widerstand gegen die französische Ausbreitung immer stärker wurde, erließ der preußische König Friedrich Wilhelm III. den Aufruf „An Mein Volk“. Die Schlesische privilegierte Zeitung veröffentlichte ihn am 20. März.

Als letzter Akt der 1806 begonnenen Preußische Reformen wurde das Königreich 1815 in Provinzen eingeteilt und Breslau wurde Hauptstadt der Provinz Schlesien. Im Jahr 1821 erreichte die katholische Diözese Breslau die Unabhängigkeit vom Erzbistum Gnesen, dem sie seit ihrer Gründung im Jahre 1000 unterstanden hatte. Aus Protest gegen die 1817 vollzogene Vereinigung der reformierten und lutherischen Kirchen Preußens zur Evangelischen Kirche in Preußen gründete sich 1830 unter der Führung des Breslauer Universitätsprofessors für Theologie Johann Gottfried Scheibel die Evangelisch-lutherische (altlutherische) Kirche. Die Kirche wurde jedoch erst 1845 unter strengen Auflagen des preußischen Staates anerkannt. In der Periode der Jahre 1829–1840 begann der zunehmende Verlust an Bedeutung der Stadt. Ab 1849 begann die Gründung diverser Industriebetriebe in Breslau: Mühlen und Brauereien, Ölmühlen und Spritfabriken, chemische- und Metallindustrie (beispielsweise die Wagenbauanstalt Gottfried Linke, Eisenbahnwaggonbau) und auch Bekleidungs-, Papier- und Möbelfabriken. Die jüdische Bevölkerungsgruppe gründete 1854 das Jüdisch-Theologische Rabbinerseminar Fränckel'scher Stiftung, um Rabbiner ausbilden zu können. Wie viele deutsche Städte erfuhr Breslau in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein starkes Bevölkerungswachstum durch Geburtenüberschuss, Zuzug und die Eingliederung von Vororten, 1875 war es mit 239.050 Einwohnern die drittgrößte Stadt des Deutschen Kaiserreiches, 1900 mit 422.709 Einwohnern allerdings nur noch die fünftgrößte. Im Jahr 1905 wurden die Religionen der Bürger erhoben, wobei 57,5 Prozent der Bewohner sich zum evangelischen und 36,6 Prozent zum katholischen Glauben bekannten. Zwei Jahre später gab es einen Großbrand im Ursulinerinnenkloster. Dabei verbrannte der Dachstuhl der Kirche und der 65 m hohe Turm brannte aus. Im Ergebnis einer Volkszählung im Jahr 1910 ergab sich folgende Verteilung der Muttersprachen:

  • 95,71 Prozent der Einwohner gaben Deutsch als ihre Muttersprache an,
  • 2,95 Prozent gaben die polnische Sprache an,
  • 0,68 Prozent gaben die tschechische Sprache an,
  • 0,67 Prozent gaben die deutsche und die polnische Sprache an.

Im selben Jahr entstanden bedeutende Bauwerke wie die Kaiserbrücke und die Technische Hochschule (TH). 1913 gab es in der neu errichteten Jahrhunderthalle eine Ausstellung zum Gedenken an die 100 Jahre zuvor ausgetragenen Befreiungskriege gegen Napoléon. In den Jahren 1913–1915 wurde die Königin-Luise-Gedächtniskirche erbaut.[12]

Hala Stulecia (Jahrhunderthalle)

Weimarer Republik, Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Im Jahr 1919 wurde die Provinz Schlesien geteilt in die Provinzen Oberschlesien und Niederschlesien, dessen Hauptstadt Breslau war. Der SPD-Politiker Felix Philipp wurde der erste Oberpräsident der Provinz. 1921 erreichte die SPD bei den Provinziallandtagswahlen mit 51,19 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit, zweitstärkste Kraft wurde das katholische Zentrum mit 20,2 Prozent, drittstärkste die DVP mit 11,9 Prozent, viertstärkste die DDP mit 9,5 Prozent und fünftstärkste die KPD mit 3,6 Prozent. Am 1. April 1928 erfolgte mit dem Groß-Breslau-Gesetz eine umfassende Eingemeindung mehrerer Städte, Landgemeinden und Gutsbezirke rund um Breslau. Im Jahr 1933 lebten auf 175 Quadratkilometer 625.198 Menschen, nur noch die achtgrößte Einwohnerzahl einer Stadt im Deutschen Reich.

Bei der Reichstagswahl März 1933 erhielt die NSDAP 51,7 Prozent der abgegebenen Stimmen. Während der Herrschaft des NS-Regimes gewann Breslau als Sitz eines Parteigaus an Bedeutung. Eines der ersten NS-Konzentrationslager, das KZ Breslau-Dürrgoy, wurde am 28. April 1933 eröffnet. Der Großteil der 200–400 Inhaftierten waren politische Häftlinge, meist NSDAP-Gegner aus SPD, KPD und der in Breslau stark vertretenen SAPD. Das Lager wurde durch die SA bewacht; der damalige Breslauer Polizeipräsident und SA-Obergruppenführer Edmund Heines war für den Betrieb des KZs verantwortlich. Am 10. August 1933 wurde das Lager geschlossen und die meisten Insassen in andere Lager deportiert. In den Jahren 1934–1943 war Hans Fridrich, der spätere Vizechef der Militärverwaltung in Belgien und den Niederlanden, Oberbürgermeister von Breslau. Der Deutsche Reichsbund für Leibesübungen richtete das Deutsche Turn- und Sportfest 1938 in Breslau aus.

Während der Novemberpogrome 1938 (Reichskristallnacht), in der deutschlandweit 400 Juden ermordet und 1400 Synagogen und andere jüdische Bauwerke und Einrichtungen zerstört wurden, brandschatzten SA-Trupps die 1872 erbaute Neue Synagoge Breslau. Sie war zuvor neben der Neuen Synagoge Berlin als eine der imposantesten Synagogen Deutschlands bekannt.[13] Im November 1941 begann mit einer ersten Deportation von 1005 Frauen, Männern und Kindern die Vernichtung der in Breslau verbliebenen Juden. Am 21. November gegen 6 Uhr morgens aus ihren Wohnungen geholt, wurden sie in Lastwagen in das Sammellager Schießwerder gebracht, von wo sie am 25. November über den nahen Odertorbahnhof ins litauische Kaunas deportiert wurden. Dort wurden sie gleich nach ihrer Ankunft am 29. November 1941 im sogenannten IX. Fort von Angehörigen des Einsatzkommandos 3 unter Karl Jäger erschossen.[14] Ab Mitte 1944 wurden in Breslau zwei Außenlager des KZ Groß-Rosen eingerichtet. Die Zwangsarbeiter aus dem Lager I wurden zur Motorenherstellung für Flugzeuge in den Fahrzeug- und Motoren-Werken eingesetzt; die genaue Häftlingsanzahl ist nicht bekannt. Borsig und die Linke-Hofmann–Busch Werke übernahmen Zwangsarbeiter aus dem Lager II, in dem 520 (nach anderen Angaben zwischen 700 und 1000) Gefangene inhaftiert waren. Die Außenlager wurden rund 7 Monate nach der Errichtung wegen des Vormarsches der Roten Armee wieder aufgelöst.

Am 7. Oktober erfolgten die ersten Bombenangriffe der Alliierten. Die Stadt erfuhr jedoch keine mit anderen deutschen Großstädten vergleichbare Zerstörung. Deshalb wurde die Stadt auch oft spöttisch „Reichsluftschutzkeller“ genannt. Nach den Unterlagen der Kleinen Verbrauchergruppenstatistik, die aus den Daten der Lebensmittelzuteilungen gewonnen und 1953 vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht wurden, umfasste die versorgte Zivilbevölkerung in Breslau[15] Anfang Februar 1943 588.816 Personen, Anfang Februar 1944 592.724, Anfang Dezember 1944 noch 527.128. Das steht mit der Behauptung, die Bevölkerungszahl sei 1944 auf eine Million angeschwollen,[16] nicht in Einklang. 1944 erklärte Adolf Hitler die Stadt Breslau zur Festung.

Hauptartikel: Schlacht um Breslau

Am 20. Januar 1945, acht Tage nach dem Durchbruch der Roten Armee an der Weichsel, erließ der Gauleiter Karl Hanke den Befehl zur Evakuierung der Stadt. Im selben Monat stießen die Truppen der sowjetischen 3. Garde-Panzerarmee unter Pawel Semjonowitsch Rybalko sowie der sowjetischen 6. Armee unter Wladimir Alexejewitsch Glusdowski in Richtung Breslau vor. Im Zuge der folgenden Evakuierung aller Schulkinder, die hauptsächlich nach Böhmen transportiert wurden, flohen rund 75 Prozent der Gesamtbevölkerung aus der Stadt. Auf ihrer Flucht starben tausende Menschen aufgrund des kalten Winters. Durch die Niederschlesische Operation der Roten Armee wurde Breslau am 15. Februar eingekesselt, wobei sich noch rund 40.000 Soldaten sowie 150.000 Zivilisten im Stadtgebiet aufhielten. Bis zum Ende der Schlacht um Breslau am 6. Mai, zwei Tage vor der deutschen Kapitulation, fanden in Breslau schwere Häuserkämpfe statt, in denen etwa 20.000 Zivilisten,[17] 6.000 deutsche und 7.000 sowjetische Soldaten ums Leben kamen. Während der Schlacht wurden ergriffene Deserteure wegen „Feigheit vor dem Feind“ zum Tode verurteilt und exekutiert. Durch die Gefechte wurden 65–80 Prozent aller Gebäude, davon 400 Baudenkmäler, zerstört. Kurz nach der Besetzung Breslaus durch sowjetische Truppen erfolgten Übergriffe auf die deutsche Zivilbevölkerung. Am 9. Mai übergaben Militärbehörden der Roten Armee die Stadt verwaltungsrechtlich an Polen. In 15 Kilometer Entfernung vom Stadtzentrum, in Nadolice Wielkie (Groß-Nädlitz) befindet sich eine deutsche Kriegsgräberstätte mit Friedenspark.[18]

Gedenktafel zur Erinnerung an die Kapitulation an der Villa Colonia

Volksrepublik Polen[Bearbeiten]

In den ersten Monaten nach Kriegsende kehrten viele Bewohner in die Stadt zurück. Am 30. Juni 1945 wurden die neu erbauten Übergänge an Oder und Neiße von den polnischen Behörden gesperrt. Im Juli gab es ungefähr 300.000 deutsche Bürger in der Stadt. Diese wurden auf Grundlage der nach dem damaligen Generalsekretär des Zentralkomitees der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei (PVAP) Bolesław Bierut benannten Bierut-Dekrete ausgewiesen. Bis 1948 erfolgten die Aussiedlungen unter Zwangsmaßnahmen. Gleichzeitig siedelten sich polnische Bewohner, die hauptsächlich aus Zentralpolen stammten, in der Stadt an. Zusätzlich kamen auch andere Polen, die durch die Annexion des ehemaligen Ostpolens durch die Sowjetunion aus den Gebieten östlich des Bugs zwangsumgesiedelt wurden. Nach der Unterzeichnung des Potsdamer Abkommens am 2. August 1945 wurde der Volksrepublik Polen die offizielle Verwaltungshoheit in Schlesien übergeben. Am 8. März 1946 erließ die polnische Regierung das Dekret über das verlassene und ehemalige deutsche Vermögen, durch das die deutsche Bevölkerung in den ehemaligen Ostgebieten enteignet wurde. Im Sommer 1946 hatten sich bereits 30.000 polnische Einwohner angesiedelt und die Zahl der Deutschen ist mit weiter abfallender Tendenz noch knapp darüber anzunehmen. Die Auflösung der Evangelischen Kirche von Schlesien im Gebiet östlich der Oder-Neiße-Linie erfolgte am 31. Oktober, ihr Sitz wurde nach Görlitz verlegt. Einen Monat später, am 4. Dezember, wurde auch das Oberhaupt der evangelischen Kirche in Schlesien ausgewiesen. Im Jahr 1948 lebten in Breslau 300.000 polnische und 7.000 deutsche Bürger. Ab 1955 begann der Aufbau der durch den Zweiten Weltkrieg zerstörten Innenstadt. In der späteren Periode von 1970 bis 1980 wurden viele neue Plattenbauten in den Vorstädten errichtet.

Dritte Polnische Republik[Bearbeiten]

Oderhochwasser 1997, Dąbrowski- und Podwalestraße in der Nähe des Deutschen Konsulats; links: Stadtgraben
Naschmarktseite des Rings um 2005

Ab 1990 begann der Wiederaufbau, der nun auch deutsches Kulturerbe einbeziehen durfte, und brachte dies in Einklang mit der nun polnischen Identität der Stadt. Sieben Jahre nach Beginn dieses Prozesses wurde Breslau durch die Oderflut schwer verwüstet; historische Gebäude waren davon nicht betroffen. Im Gegensatz dazu erlitten zahlreiche Wohnhäuser aus der Gründerzeit schwere Beschädigungen und waren nach der Überschwemmung vom Abriss bedroht. Am 13. Juli 2006 wurde die Jahrhunderthalle zum UNESCO-Welterbe erklärt.[19]

Politik[Bearbeiten]

Stadtwappen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Wappen Breslaus
  • Das von Kaiser Karl V. der Stadt verliehene Wappen wurde von 1530–1938 und 1945–1948 verwendet und ist seit 1990 wieder in Gebrauch: Quadriert; anstelle eines Mittelschildes belegt mit einer aufgerichteten silbernen Schüssel, darin das Haupt Johannes des Täufers. Im ersten Feld in Rot ein links gewendeter, goldgekrönter, doppelschwänziger, silberner Löwe (der böhmische Löwe), im zweiten Feld in Gold ein schwarzer Adler, dessen Brust mit einem steigenden silbernen Halbmond belegt ist (der schlesische Adler), im dritten Feld in Gold ein schwarzes „W“ (vom Stadtnamen Wratislavia und dem Stadtgründer Wratislaw), im vierten Feld in Rot das Haupt Johannes des Evangelisten mit goldenem Nimbus; den Halsabschnitt verdeckt ein goldener Brustschmuck in Gestalt einer gestürzten Krone. Die beiden Johannes' sind neben der Hl. Hedwig besondere Patrone der schlesischen Kirche.
  • Das Stadtwappen der NS-Zeit wurde 1938–1945 verwendet: Geteilt; oben in Gold ein rot bewehrter schwarzer Adler, dessen Brust mit einem steigenden silbernen Halbmond belegt ist (der schlesische Adler), unten in Rot das Eiserne Kreuz mit der Jahreszahl 1813.
  • Unter der kommunistischen Regierung Polens wurde 194–1990 dieses Stadtwappen verwendet: Gespalten; vorne in Rot der halbe silberne, aber ungekrönte polnische Adler am Spalt (Adler der Volksrepublik Polen), hinten in Gold der halbe schwarze schlesische Adler am Spalt.[20]

Partnerstädte[Bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
1800 1829 1831 1840 1850 1852 1880 1900 1910 1925 1933 1939 1946
064.500 084.904 089.500 100.000 114.000 121.100 272.900 422.700 510.000 555.200 625.200 629.600 171.000
Bevölkerungsentwicklung
1956 1960 1965 1967 1970 1975 1980 1990 1999 2003 2006 2008 2014
400.000 431.800 475.000 487.700 526.000 579.900 617.700 640.600 650.000 638.000 635.200 632.200 633 105
per 30. Juni

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Dom
Blick vom Dom über die Sandinsel (Wyspa Piasek) nach Südwesten

Sandinsel und Dominsel (Wyspa Piasek/Ostrów Tumski)[Bearbeiten]

  • Breslauer Dom (katholisch)
  • Sandkirche (gotisch, 1334–1440) (kath.), erbaut durch den Baumeister Peschel
  • St. Ägidienkirche (romanisch, 13. Jahrhundert) (kath.)
  • St. Annakirche (barock, 18. Jahrhundert) (jetzt St. Kyrill und Methodiu, orthodox)
  • ehem. St. Annakirche (gotisch, 15. Jahrhundert) (jetzt Wohnhaus)
  • St. Martinkirche (frühgotisch, 13. Jahrhundert) (kath.)
  • St.-Petrus-und-Paulus-Kirche (gotisch, 15. Jahrhundert) (kath.)
  • Zweigeschossige Stiftskirche z. Hl. Kreuz u. St. Bartholomäus (13.–14. Jahrhundert), erbaut vermutlich durch die Bauhütte des Meisters Wiland (katholisch, untere Kirche ehemals ukrainisch-uniert)

Altstadt um den Ring (Stare Miasto)[Bearbeiten]

Dorotheenkirche
St.-Matthias-Kirche

Ohlauer und Schweidnitzer Vorstadt (Przedmieście Oławskie i Świdnickie)[Bearbeiten]

  • Ehemaliges Kaufhaus Wertheim (nach dem Zweiten Weltkrieg PDT, jetzt Renoma) – Warenhaus, von Prof. Hermann Dernburg, 1929 errichtet am Tauentzienplatz, jetzt Tadeusz-Kościuszko-Platz.
  • ehemalige Strafanstalt am Schweidnitzer Stadtgraben (poln. Podwale), Romantik, Schinkelschule, Türme von König Friedrich Wilhelm IV. entworfen
  • Patriziervillen am Ohlauer Stadtgraben (poln. Podwale)
  • Hauptbahnhof an der Gartenstraße (um 1850, Romantik, Wilhelm Grapow, Schinkelschule)
  • Freiburger Bahnhof am Berliner Platz (poln. Plac Orląt Lwowskich)

Südliche Außenviertel (Krzyki)[Bearbeiten]

Richtung Osten (Śródmieście/Psie Pole)[Bearbeiten]

Multimedia-Brunnen bei der Jahrhunderthalle
Most Grunwaldzki (Kaiserbrücke)
Oper
Puppentheater
  • Kaiserbrücke (poln. Most Grunwaldzki, Hängebrücke, 1908–1910 von Richard Plüddemann, Alfred von Scholtz und Karl Klimm erbaut)
  • Kaiserstraße (poln. Plac Grunwaldzki), zwischen der Kaiserbrücke und der Fürstenbrücke. Ein ganzes Stadtviertel (Scheitnig) wurde Anfang 1945 auf Befehl des NSDAP-Gauleiters Karl Hanke dem Erdboden gleichgemacht, um ein Flugfeld zu schaffen, über das die eingeschlossene Stadt aus der Luft versorgt werden sollte. Auf dem Flugfeld landete jedoch aufgrund des völligen Zusammenbruchs der deutschen Luftwaffe nur ein einziges Flugzeug kurz vor Kriegsende, das eine neue Uniform für Hanke mitbrachte.
    • Siedlung Kaiserstraße (poln. Osiedle Grunwaldzkie), Hochhäuser um 1968 von Jadwiga Grabowska-Hawrylak
    • Gebäude der Technischen Universität Breslau
  • Jahrhunderthalle (poln. Hala Stulecia), errichtet 1913 von Max Berg und Günther Trauer zum 100-jährigen Jubiläum der Befreiungskriege, erster Stahlbetonbau Deutschlands in diesen Ausmaßen. Seit 2006 UNESCO-Weltkulturerbe.
  • Ausstellungsgebäude der Jahrhundertausstellung (Vier-Kuppel-Bau), errichtet 1913 von Prof. Hans Poelzig
  • Scheitniger Park (poln. Park Szczytnicki) (19. Jahrhundert, Romantik)
  • WUWA-Siedlung, Häuser der Werkbundausstellung in 1929, u. a. Turmhaus von Adolf Rading und Ledigen-Wohnheim von Hans Scharoun
  • einige Kilometer von der Innenstadt entfernt der 1865 gegründete Breslauer Zoo

Kulturgebäude und regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Breslau hat mehr als 20 Museen, einige Theater, eine Oper, eine Operette sowie eine Philharmonie, ein Musikforum und ein Puppentheater. Jedes Jahr gibt es eine Reihe von Festivals:

  • Februar: Festival der modernen klassischen polnischen Musik findet seit 1962 statt
  • Frühling:
    • Festival des guten Bieres (Mai)
    • Jazz-Festival „Jazz on the Odra“ – „Jazz nad Odrą“ (seit 1964)
    • Port Wrocław Literature Festival (seit 10 Jahren)
    • KAN Festival des alternativen und unabhängigen Kinos (seit 1999)
    • International Media Art Biennale WRO
  • Sommer: Festival für Orgel und Kammermusik
  • Juni/Juli:
    • Nowe Horyzonty – Filmfestival
    • WrocławNonStop – Festival mit alternativer Musik, Kunst und Theater
    • Buskerbus – internationales Straßentheater-Festival
  • August: Gitarren-Festival
  • September: Das weltweit bekannte Wratislavia Cantans – Festspiel (seit 1966)
  • Oktober: Dialog Festival – internationales Theaterfestival
  • November:
    • Wrocławskie Spotkania Teatrów Jednego Aktora – Theaterfestspiel mit Aufführungen jeweils nur eines Schauspielers
    • Wrocław Industrial Festival
  • Unterschiedliche Zeitpunkte: OFFensiva – Internationales Film Festival

Nachtleben[Bearbeiten]

Mit 141.000 Studenten der verschiedenen staatlichen und privaten Hochschulen ist Breslau nachts eine lebendige Stadt. Die meisten Kneipen und Clubs befinden sich in der Gegend um den alten Marktplatz im Zentrum der Stadt, dessen Mittelpunkt das Rathaus darstellt, auch Ring genannt (Rynek, poln. für Marktplatz). Gut besucht sind zum Beispiel der Daytona Music Club und das Studio 54. Fünf Minuten vom Marktplatz in der Pasaż Niepolda („Niepold-Passage“) gibt es etwa ein Dutzend Kneipen und Pubs, unter anderem die Studentenbar Niebo („Himmel“), den Celtic Pub, den Techno-Club Metropolis sowie die Clubs Droga do Mekki („Weg nach Mekka“) und Bezsenność („Schlaflosigkeit“). In der Ulica Świętego Mikolaja (St.-Nikolaus-Straße) gibt es das Cafe Maniana, in der Ulica Kazimierza Wielkiego die Chill-Out Bar. Zu den alternativen Bars gehören das Łykend („weekend“, ul. Podwale), das Havana (Ul. Kolejowa) und der Club PRL (am Marktplatz). Das Rura („Röhre“) ist ein Jazz-Club auf der Ul. Łazienna nahe dem Marktplatz mit Live-Konzerten. Erwähnenswert ist auch der Club WZ, wo neben dem normalen Diskobetrieb häufig Veranstaltungen mit bekannten Künstlern stattfinden.

Sport[Bearbeiten]

Radrennbahn Breslau-Grüneiche (1913)

Breslau war zweimal Austragungsort des Deutschen Turnfestes: Das für 1878 hier geplante V. Turnfest war ausgefallen aufgrund des Attentats auf den Kaiser, so dass schließlich vom 21.–25. Juli 1894 das VIII. Allgemeine Deutsche Turnfest stattfand. Vom 26.–31. Juli 1938 konnte während des Deutschen Turn- und Sportfestes, welches das 16. Deutsche Turnfest in Folge war, auch die Jahrhunderthalle genutzt werden.

Von 1886 bis 1935 besaß Breslau eine Radrennbahn, auf der mehrfach deutsche Meisterschaften sowie im Jahre 1911 die Steher-Europameisterschaft stattfand.[22]

Fußball in Breslau vor 1945[Bearbeiten]

Der erfolgreichste Breslauer Verein war der 1919 gegründete Vereinigte Breslauer Sportfreunde. Er spielte in der obersten südostdeutschen Fußballliga und nahm siebenmal an der Endrunde um die deutsche Meisterschaft teil. Daneben existierten noch in Breslau die folgenden Fußballvereine: der VfR 1897, der SC Schlesien, der VfB 1898, der Breslauer SC 08, der Breslauer SpVg 02, der SC Germania 1904, der Breslauer FV 06, der SC Hertha, der SC Vorwärts, der 1. FC, der Minerva 1909, der SC Preußen, der Union Wacker 08, der SC Alemannia 09, der Breslauer SpVgg Komet 05, der SV Stern, der FV Rapid, der SC Sturm 1916 Brockau, der SC Minerva-Rasenfreunde 09, der SC Hundsfeld, der SV Strassenbahn, der FC Eintracht 07, der SC Deutsch Lissa und der LSV Immelmann.[23]

Fußball in Breslau nach 1945[Bearbeiten]

Śląsk Wrocław

Breslau besitzt einige Sportvereine. Der bekannteste Fußballverein ist Śląsk Wrocław (Schlesien Breslau), der in der polnischen Ekstraklasa spielt. 1977 und 2012 wurde der Verein polnischer Meister. Es gibt noch viele andere Fußballvereine, die in niedrigeren Spielklassen spielen (Ślęza Wrocław, Polonia Wrocław, Parasol Wrocław, Piast Żerniki, Polar Wrocław, Wratislavia Wrocław) und weiblich KS AZS Wrocław.

Breslau ist eine der vier polnischen Städte, in denen die Fußball-Europameisterschaft 2012 ausgetragen wurde. Für diesen Zweck wurde das Stadion Miejski gebaut, das im September 2011 eröffnet wurde.

Andere Sportarten[Bearbeiten]

Śląsk Wrocław hat auch eine Basketballabteilung und Handballabteilung. Darüber hinaus gibt es Volleyballmannschaften und einen Speedway-Klub, der den Namen Sparta Wrocław trägt und auf dem ehemaligen Olympiastadion seine Rennen austrägt.[24]

Im Jahr 2017 wird die Stadt Gastgeber der World Games Wettbewerbe.

Seit 1983 findet der Breslau-Marathon statt, der mittlerweile einer der größten in Polen ist.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde in Breslau das Elektrizitätswerk Schlesien gegründet.[25]

Breslau etabliert sich seit den 1990er-Jahren als überregionales Wirtschaftszentrum im Dreiländereck Polen, Deutschland und Tschechien. Die Stadt wirbt aktiv um in- und ausländische Investoren als Innovationszentrum Polens, zum Beispiel mit der Futurallia-Messe, einer Konferenz für internationale Wirtschaftsentwicklung.[26]

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

In den Jahren um die Jahrtausendwende und danach haben sich zahlreiche ausländische Investoren in Breslau niedergelassen. Nahe der Autostrada 4 haben Unternehmen wie Cadbury Schweppes, IKEA, Auchan, Carrefour, Tesco, Toshiba, Makro Cash & Carry, Castorama und Cargill Niederlassungen eröffnet. Die Firma Bosch beschäftigt ungefähr 700 Mitarbeiter in Mirkow nordöstlich am Rande der Stadt, und Toyota hat in der Nachbargemeinde Jelcz-Laskowice eine Motorenfabrik errichtet. Google, Siemens und SAP Polska haben Niederlassungen in Breslau. 2006 eröffnete die GE Money Bank Deutschland, Österreich und Schweiz ein gemeinsames deutschsprachiges Service-Center mit über 100 Angestellten für die jeweiligen Länder. Auch die Credit Suisse hat ein Service Center in Wroclaw. Das koreanische Elektronikunternehmen LG Electronics hat bis 2007 rund 400 Millionen Złoty in eine Fabrik zur Produktion von Fernsehern und Kühlschränken investiert und damit etwa 12.500 Arbeitsplätze geschaffen.

Andere ausländische Investoren wie Volvo, 3M, Whirlpool oder Bombardier sind Partnerschaften mit lokalen Firmen eingegangen.

Die Stadt wird zunehmend auch zu einem Hochtechnologiezentrum. Zahlreiche IT-, Biotechnologie- und Pharmaunternehmen haben sich in dem von der Stadt errichteten Technologiepark, Industriepark und EIT+ angesiedelt.

Geplantes Straßennetz in Breslau (Stand 2010)

Straßenverkehr[Bearbeiten]

Breslau ist über die Autobahn A4 im Osten mit dem oberschlesischen Industriegebiet, Krakau und überregional mit der Ukraine verbunden und im Westen mit Dresden. Die Autobahn Richtung Dresden mit Grenzübergang LudwigsdorfJędrzychowice. Über die Autobahn A18 ist Berlin zu erreichen über die Grenze Olszyna (Woiwodschaft Lebus) – Forst.

Zusätzlich verfügt die Stadt seit dem August 2011 über die Autobahnumfahrung (Autostradowa Obwodnica Wrocławia), die den Fernverkehr außerhalb des Stadtzentrums halten und somit für weniger Staus im Stadtzentrum sorgen soll.[27] Südwestlich der Stadt wurde der Autobahnknoten Wrocław-Południe fertiggestellt, der einer der größten Autobahnknoten Polens darstellt und eine Verbindung zwischen Autobahn A4, der Autobahn A8 und der Schnellstraße S8 ermöglicht. Die wichtigsten innerstädtischen Verkehrsstraßen sind der Innenstadtring (Obwodnica Śródmiejska Wrocławia) und die Ost-West-Straße. Im Bau befindet sich die östliche Ringstraße (Wschodnia Obwodnica Wrocławia) (Stand 2013).

Eisenbahn[Bearbeiten]

Die Stadt ist mit der Bahn über ihren Hauptbahnhof (Wrocław Główny) ohne Umsteigen mit Warschau (über Posen oder über Łódź), Stettin, Berlin, Dresden, Kiew und Prag verbunden.

Satellitenbild der Stadt

Flugverkehr[Bearbeiten]

Seit dem EU-Beitritt Polens fliegen immer mehr internationale Fluggesellschaften den Breslauer Kopernikus-Flughafen an, unter anderem die Billigfluggesellschaften Ryanair und Wizzair sowie seit dem 31. März 2008 auch die Deutsche Lufthansa. Auch nationale Fluggesellschaften, wie Polskie Linie Lotnicze LOT und die Regionalflieger der euroLOT steuern den Flughafen an.

Öffentlicher Verkehr[Bearbeiten]

In Breslau verkehren Straßenbahnen (Tram) sowie Busse. Die erste Pferdebahn verkehrte 1877, die Elektrifizierung fand 1893 statt. Seit 1945 bildet MPK (Miejskie Przedsiębiorstwo Komunikacyjne) die Städtischen Verkehrsbetriebe. Es gibt 24 Tramlinien (alle Tageslinien) sowie insgesamt 72 Buslinien. Davon sind 51 Tageslinien und 13 Nachtlinien. Die restlichen Linien sind nicht immer im Einsatz .[28] In Breslau verkehren grundsätzlich die polnischen Trams der Typen 105na von Konstal, auch modernisierte Versionen des 105na, die als 105NWr bezeichnet werden sowie als 204WrAs und 205WrAs bezeichnete Straßenbahntypen der Breslauer Straßenbahnfabrik „Protram“. Die neueste Tram Breslaus ist die Škoda 16T und 19T.[29] Bei den Bussen sind die Marken Solaris, Ikarus, Jelcz, Volvo und Mercedes-Benz anzutreffen.

Bildung[Bearbeiten]

In Breslau befinden sich elf Hochschulen:

Außerdem gibt es etwa 15 andere weiterführenden Schulen und sehr viele Sprachschulen. Zum Ende des Jahres 2006 gab es insgesamt 141.388 eingeschriebene Studenten an den Hochschulen.

Weitere Gymnasien im 19. Jahrhundert waren das Friedrichgymnasium, das Realgymnasium am Zwinger, das Heilig-Geist-Gymnasium (Breslau) und das ehemalige Jesuitengymnasium St. Matthias-Gymnasium.

Klima[Bearbeiten]

Breslau
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
28
 
1
-5
 
 
25
 
3
-4
 
 
25
 
8
-1
 
 
38
 
14
3
 
 
62
 
19
7
 
 
80
 
22
11
 
 
84
 
23
12
 
 
80
 
23
12
 
 
48
 
19
9
 
 
40
 
14
5
 
 
39
 
7
1
 
 
34
 
3
-3
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Breslau
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 1,3 3,2 7,9 13,6 18,8 22,0 23,4 23,2 19,3 14,1 7,4 3,0 Ø 13,1
Min. Temperatur (°C) -5,3 -4,0 -0,9 2,8 7,1 10,7 12,0 11,6 8,7 4,6 0,6 -3,1 Ø 3,8
Niederschlag (mm) 28 25 25 38 62 80 84 80 48 40 39 34 Σ 583
Sonnenstunden (h/d) 1,5 2,5 3,9 4,8 7,3 7,7 7,1 7,0 6,0 3,7 1,8 1,3 Ø 4,6
Regentage (d) 8 7 7 8 9 9 10 10 7 8 8 8 Σ 99
Luftfeuchtigkeit (%) 85 84 78 74 72 74 74 75 79 83 87 87 Ø 79,3
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
1,3
-5,3
3,2
-4,0
7,9
-0,9
13,6
2,8
18,8
7,1
22,0
10,7
23,4
12,0
23,2
11,6
19,3
8,7
14,1
4,6
7,4
0,6
3,0
-3,1
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
28
25
25
38
62
80
84
80
48
40
39
34
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Gedenktafel für Edith Stein

Breslau war ein Ort des Lebens zahlreicher Persönlichkeiten wie Bartholomäus Stein, Angelus Silesius, Daniel Speer, Adolf Anderssen, Dietrich Bonhoeffer, Peter Hacks, Ferdinand Lassalle, Peter Lustig, Adolph Menzel, Manfred von Richthofen (Der Rote Baron), Edith Stein und des Preußischen Kanzlers Ernst Gottlob Morgenbesser. Zehn Nobelpreisträger wurden in Breslau geboren oder wirkten in der Stadt.

Die Liste Breslauer Persönlichkeiten enthält eine Übersicht von Personen, die mit Breslau in Verbindung stehen.

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Bibliographien
Wissenschaftliche und literarische Werke
  • Ludwig Burgemeister und Günter Grundmann (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler der Stadt Breslau. 3 Bände. Wilhelm Gottlieb Korn, Breslau 1930–1938 (Digitalisate: Band 1, Band 2, Band 3).
  • Straßenverzeichnis von Breslau und den eingemeindeten Vororten mit Angabe der Zustellpostanstalten. Oberpostdirektion, Breslau 1932 (Digitalisat).
  • Traud Gravenhorst: Schlesien – Erlebnisse eines Landes. Korn, Breslau 1938 (Neuausgabe: Bergstadtverlag Korn, München 1952).
  • Władysław Jan Grabski: Dwieście miast wróciło do Polski. Poznań 1948.
  • Władysław Jan Grabski: Trzysta miast wróciło do Polski. Informator historyczny 960–1960. Pax, Warszawa 1960.
  • Paul Peikert: Festung Breslau in den Berichten eines Pfarrers. 22. Januar bis 6. Mai 1945. Berlin, VOB Union-Verlag 1966 (Neuausgabe: Wrocław 2000).
  • Klaus Ullmann: Schlesien-Lexikon. Für alle, die Schlesien lieben. 6. verbesserte Auflage, Kraft, Würzburg 1992, ISBN 3-8083-1168-1.
  • Manfred Raether (Hrsg.): 150 Jahre Schlesische Zeitung (1742–1892); e-Buch-Neuausgabe des 1892 erschienenen Jubiläumsbuches der überregionalen Tageszeitung; Schöneck 2008.
  • Norman Davies, Roger Moorhouse: Die Blume Europas. Breslau – Wroclaw – Vratislavia. Die Geschichte einer mitteleuropäischen Stadt. Droemer Knaur, München 2002, ISBN 3-426-27259-8.
  • Hugo Weczerka (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten. Schlesien. 2. verbesserte und erweiterte Auflage, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2003, ISBN 3-520-31602-1.
  • Hugo Weczerka: Stadtmappe Breslau - Deutscher Städteatlas. GSV Größchen Städteatlas, Altenbeken 1987, ISBN 3-89115-035-0.
  • Małgorzata Urlich: Reiseführer durch Breslau. Wegweiser zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Via Nova, Wrocław 2005, ISBN 83-88649-90-6.
  • Janusz Czerwinski, Mariola Malerek: Breslau und Umgebung. 5. überarbeitete Auflage, Laumann, Dülmen 2003, ISBN 3-89960-098-3 (Reiseführer).
  • Horst Gleiss: Breslauer Apokalypse 1945, Dokumentarchronik vom Todeskampf und Untergang einer deutschen Stadt und Festung am Ende des Zweiten Weltkrieges unter besonderer Berücksichtigung der internationalen Presseforschung, persönlicher Erlebnisberichte von Augenzeugen und eigenen Tagebuchaufzeichnungen. 10 Bände (12183 Seiten), Naturia et Patria Verlag, Wedel 1986–1997.
  • Ernst Hornig: Breslau 1945. Erlebnisse in der eingeschlossenen Stadt. Bergstadtverlag Korn, Würzburg 1975, 2. Auflage: Würzburg 1986, ISBN 3-87057-063-6.
  • Gregor Thum: Die Fremde Stadt Breslau 1945. Siedler, Berlin 2003, ISBN 3-88680-795-9 (Frankfurt (Oder), Univ., Diss., 2002).
  • Till van Rahden, Juden und andere Breslauer: Die Beziehungen zwischen Juden, Protestanten und Katholiken in einer deutschen Großstadt von 1860 bis 1925. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2000, ISBN 3-525-35732-X.
  • Marek Graszewicz und Marek Zybura: Wrocław liryczny – Lyrisches Breslau. Wirydarz, Wrocław 1997, ISBN 83-7155-005-7.
  • Maciej Łagiewski, Wrocławscy Żydzi: 1850–1944, Breslau 1994
  • Dagmar Nick: Jüdisches Wirken in Breslau. Eingeholte Erinnerung: Der alte Asch und die Bauers. Bergstadtverlag Korn, Würzburg 1998, ISBN 3-87057-219-1.
  • Encyklopedia Wrocławia. Wydawnictwo Dolnośląskie, Wrocław.
  • Gert Kähler: Route der Moderne. Vom Weltkulturerbe Breslau zum Weltkulturerbe Dessau. Wüstenrot Stiftung (Hg.), JOVIS Verlag Berlin, ISBN 978-3-86859-008-1.
  • Roswitha Schieb: Literarischer Reiseführer Breslau. Sieben Stadtspaziergänge. Deutsches Kulturforum östliches Europa e. V., 2. Auflage, Potsdam 2009, ISBN 978-3-936168-46-4.
  • Mathias Marx, Roswitha Schieb und Karol Maliszewski: Breslau – Wrocław. Augenblicke einer Stadt. Miasto uchwycone w czasie. Zweisprachiger Katalog zur gleichnamigen Ausstellung. Deutsches Kulturforum östliches Europa e. V., Potsdam 2003, ISBN 978-3-936168-03-7.
  • (1825) Friedrich Nösselt: Breslau und dessen Umgebungen: Beschreibung alles Wissenswürdigsten für Einheimische und Fremde. Breslau 1825. [1]
  • Deutschsprachige Publikationen über Wrocław/Breslau (1990–2008) bei LitDok Ostmitteleuropa / Herder-Institut (Marburg)
  • Piotr Kuroczyński: Die Medialisierung der Stadt. Analoge und digitale Stadtführer zur Stadt Breslau nach 1945, transcript Verlag, Bielefeld 2011, ISBN 978-3-8376-1805-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Breslau – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Breslau – Reiseführer
 Wikisource: Breslau – Quellen und Volltexte
 Wiktionary: Breslau – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 9. Juli 2014.
  2. Gedicht A Gebirgsmadla ei Brassel, H. Tschampel: Gedichte in schlesischer Mundart, 5. Auflage, Schweidnitz, S. 62.
  3. Główny Urząd Statystyczny, „LUDNOŚĆ – STAN I STRUKTURA W PRZEKROJU TERYTORIALNYM“, Stand vom 30. Juni 2008 (WebCite)
  4. http://www.deutsche-und-polen.de/orte/ort_jsp/key=breslau_wroclaw_1.html
  5. H. Tiefenbach: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Band 3, 2. Auflage, S. 442.
  6. Paul Hefftner: Städtische evangelische Realschule I, Ursprung und Bedeutung der Ortsnamen im Stadtkreise Breslau, 1909, S. 9 ff.
  7. Klaus Klöppel: Breslau, Niederschlesien und seine tausendjährige Hauptstadt, 3. Auflage 2010, S. 23.
  8. Heinrich Gottfried Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 351-388
  9. Ulrich Schmilewski: Oppeln, Herzöge von. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 19, Duncker & Humblot, Berlin 1999, ISBN 3-428-00200-8, S. 558 f. (Digitalisat).
  10. Erster Arbeitskampf in Deutschland. Breslau vor 680 Jahren auf: dkp-online.de; abgerufen am 8. Nov. 2014.
  11. Willy Cohn: Capistrano, ein Breslauer Judenfeind in der Mönchskutte. In: Menorah. Jüdisches Familienblatt für Wissenschaft, Kunst und Literatur, Jg. 4 (1926), Nr. 5 (Mai), S. 264. Siehe Weblinks.
  12. Private Homepage mit Information zur K.-L.-Gedächtniskirche; abgerufen am 24. August 2010
  13. Nationalsozialismus und Widerstand in Breslau. Eine lokalhistorische Spurensuche. Ausstellung des Edith-Stein-Hauses Breslau
  14. Vgl. hierzu: Willy Cohn: Kein Recht, nirgends. Tagebuch vom Untergang des Breslauer Judentums 1933–1941, hrsg. von Norbert Conrads. Köln, Weimar und Wien, Böhlau Verlag 2006; vgl. ferner: Wolfram Wette: Karl Jäger. Mörder der litauischen Juden. Frankfurt a. M., Fischer Taschenbuch Verlag 2011, S. 124 ff.
  15. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Statistische Berichte, Arb.-Nr. VIII/19/1, Die Zivilbevölkerung des Deutschen Reiches 1940–1945. Ergebnisse der Verbrauchergruppen-Statistik. Wiesbaden 1953, S. 26
  16. siehe etwa Seite auf breslau-wroclaw.de
  17. Andreas R. Hofmann: Die Nachkriegszeit in Schlesien. Böhlau, 2000. S. 18.
  18. Vgl. Gregor Thum: Stalingrad an der Oder. Während Dresden unter den alliierten Luftangriffen in Schutt und Asche sank, wurde Schlesiens Hauptstadt Breslau durch die Wehrmacht selbst zerstört, DIE ZEIT Nr.10, 3. März 2005
  19. Breslau: Gestern & Heute
  20. http://www.ngw.nl/int/pol/w/wroclaw.htm
  21. Partnerstädte auf dem Internetservice der Stadt Wrocław/Breslau
  22. Rad-Welt. Sport-Album. Ein radsportliches Jahrbuch. 12. Jg., 1913, ZDB-ID 749618-7, S. 57–66
  23. Fußball-Chronik, Fußball in Schlesien 1900/01-1932/33, Ergebnisse und Tabellen aus den höchsten Ligen des Südostdeutschen Fußballverbandes und der Einzelverbände der Region, Herausgeber: DSfFS e. V., Berlin 2007
  24. http://www.wroclaw.pl/m36359/
  25. Aktie der Elektrizitäts-AG aus dem Jahr 1923 bei effectenwelt, abgerufen am 13. März 2009
  26. Stadtinfo (deutsch); abgerufen am 13. März 2009
  27. Jak walczyć z autami w centrum miasta po otwarciu AOW (polnisch)
  28. http://www.mpk.wroc.pl/index.php?option=com_content&task=view&id=11&Itemid=34
  29. http://www.transportszynowy.pl/skladytram.php