Jaeger-LeCoultre

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Jaeger-LeCoultre
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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN CH0012731458
Gründung 1833
Sitz Le Sentier
Leitung Daniel Riedo[1]
Branche Uhrenmanufaktur
Produkte UhrenVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.jaeger-lecoultre.com/
Stand: 2014 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2014

Jaeger-LeCoultre ist eine Schweizer Luxus-Uhrenmanufaktur, die zum Richemont-Konzern gehört. Der Firmensitz ist in Le Sentier, Schweiz.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Unternehmen LeCoultre wurde 1833 von den Brüdern Charles Antoine und Ulysse LeCoultre im Vallée de Joux, Kanton Waadt gegründet. Elf Jahre später erfand Antoine LeCoultre ein Gerät zur Messung von Mikrometerabständen, das Millionometer. Auf der ersten Weltausstellung 1851 in London erhielt er eine Goldmedaille für seine Entwicklungen auf den Gebieten der Präzision und Mechanisierung. Im Jahr 1847 erfand Antoine LeCoultre eine schlüssellose Uhr. Sie war mit einer Wippe versehen, die durch einen kleinen Drücker betätigt wurde, und mithilfe derer zwischen Aufzugs- und Zeigerstellfunktion hin und her gewechselt werden konnte. Um 1858 einen Bankrott zu verhindern, wurde ein Teilhaber gesucht und die Firma in LeCoultre, Borgeaud & Cie. Fabrique d'horlogerie en blanc umbenannt. 1859 hatte die Firma rund 100 Mitarbeiter.[2] Ab 1866 modernisierte Antoines Sohn Élie LeCoultre das Unternehmen durch die Einführung von Qualitätsstandards. Durch den Zukauf von Maschinen und der Vereinigung aller relevanten Handwerke unter einem Dach schuf er die erste Uhrenmanufaktur. Dadurch konnten von 1860–1890 über 350 verschiedene Uhrwerke hergestellt werden, von denen 128 mit Chronographenfunktionen und 99 mit Repetitionsmechanismen versehen waren. 1877 übergaben Antoine LeCoultre und Auguste Borgeaud den Betrieb an LeCoultres Nachkommen. Unter der Leitung der drei Söhne wurde die Firma in LeCoultre & Cie umbenannt. Im Jahr 1888 beschäftigte die Firma 480 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die Hälfte davon in den firmeneigenen Räumen in Le Sentier. Ab 1902 fertigte LeCoultre & Cie. über 30 Jahre hinweg die meisten Rohwerke (frz. Ébauches) der in Genf ansässigen Uhrenmarke Patek Philippe. 1866 begann das Unternehmen LeCoultre & Cie., Uhrwerke mit kleinen Komplikationen in kleinen Serien zu fertigen – ein Novum in der Geschichte der Uhrmacherei. 1891 dann wurden zwei Komplikationen, die Chronographenfunktion und die Minutenrepetition, in einem Uhrwerk kombiniert. Diese Entwicklung mündete Mitte der 1890er-Jahre in der Fertigung großer Komplikationen.

Jacques-David LeCoultre wurde 1900 Leiter der Uhrenherstellung und 1906 Generaldirektor. Ab 1907 lieferte LeCoultre & Cie Rohwerke an den Pariser Uhrmacher Edmond Jaeger, nach dessen Entwürfen für die weltweit flachsten Taschenuhren (mit Kaliber K145 mit 1,38 mm Bauhöhe). Im Jahr 1925 wurde das Kaliber K7BF Duoplan mit dem Ziel entwickelt, Miniaturisierung und Präzision zusammenzubringen. Zu jener Zeit waren kleine Armbanduhren in Mode. Kleinen Uhrwerken jedoch mangelte es oftmals an Zuverlässigkeit. Das von Henri Rodanet, dem technischen Leiter der Etablissements Ed. Jaeger, entwickelte Uhrwerk der Duoplan war auf zwei Ebenen angeordnet – daher der Name des Modells. Auf diese Weise konnte trotz der kleinen Größe eine große Unruh eingesetzt werden. Die Duoplan war 1929 die erste Armbanduhr mit Saphirglas. 1928 wurde die skelettierte Taschenuhr Grande Complication Email Bleu (Kaliber 17JSSCCRVQ) mit Minutenrepetition, Doppelzeiger-Chronograph und ewigem Kalender hergestellt. Die Duoplan führte 1929 zur Entwicklung des bis heute kleinsten Mechanikwerks der Welt, des Kalibers K101, dessen ursprünglich 74 (heute 98) Bauteile gemeinsam etwa ein Gramm wogen. Die zweite mit dem Kaliber 101 ausgestattete Uhrenlinie, die Joaillerie 101 Étrier, erschien in den 1930er-Jahren. 1953 trug Königin Elisabeth II. bei ihrer Krönung eine Jaeger-LeCoultre 101 am Handgelenk. Seit 1931 wird das Modell Reverso mit Wendegehäuse angeboten, bei der das Uhrglas aus Mineralglas auf die Rückseite gewendet werden kann.

Die Uhr atmosphärisch angetriebene Tischuhr Atmos wurde 1928 von Jean-Léon Reutter in Neuenburg entwickelt, der die Patente 1930 an Edmond Jaeger verkaufte. Die erste, 1928 patentierte Version, die heute als Atmos 1 bekannt ist, wurde 1930 durch die Compagnie Générale de Radiologie (CGR) vermarktet. 1936 erwarb LeCoultre zunächst die Patente in Frankreich, 1937 auch in der Schweiz. Während der darauffolgenden zehn Jahre widmete sich das Unternehmen der Perfektionierung des Mechanismus, bevor 1946 mit ihrer Fertigung in der heutigen Form begonnen wurde. 2003 brachte JLC die durch das Kaliber Jaeger-LeCoultre 583 angetriebene und aus 1.460 Bauteilen bestehende Atmos Mystérieuse auf den Markt. Seit 2008 gedenkt Jaeger-LeCoultre dem verstorbenen österreichischen Künstlers Gustav Klimt, in dem ihm die Atmos Marqueterie in einer Auflage von zehn Stück gewidmet wurde, die sich an Klimts Werk „Die Erwartung“ anlehnt. Die Zusammenarbeit von LeCoultre & Cie mit Jaeger mündete 1937 unter Jacques-David LeCoultre in einer Fusion beider Unternehmen. 1944 wurde das zur damaligen Zeit flachste Uhrwerk der Welt (Kaliber JLC903 bzw. AP2003) für Audemars Piguet entwickelt, welches später auch von Vacheron Constantin (VC1003) verwendet wurde. Nach Jacques-David LeCoultres Tod 1948 wurde Jaeger-LeCoultre unter dem Vorstandsvorsitzenden Roger LeCoultre und dem geschäftsführenden Direktor Georges Ketterer in die Holding SAPIC eingebracht, die bereits im Besitz von Vacheron Constantin war.

Ab 1950 wurde der Armbandwecker Memovox sowie die Automatikuhr Futurematic hergestellt, ab 1956 folgte der erste Armbandwecker mit automatischem Aufzug, die Memovox Automatic. Anlässlich des Internationalen Geophysikalischen Jahres 1958 entwickelte Jaeger-LeCoultre eine Uhr, die unempfindlich gegenüber Magnetfeldern und Stößen und wasserdicht war: die Chronometeruhr Geophysic, die Jules-César Savary als Uhr für Forschungsstationen in der Antarktis vorschlug. Sie wurde durch das Kaliber K478BWS angetrieben, das sich durch siebzehn Lagersteine, eine Breguet-Spirale, eine Schwanenhalsfeder auf dem Unruhkloben, eine Stoßsicherung und eine Glucydur-Unruh auszeichnete. Im Jahr der Lancierung wurde die Geophysic an William Anderson überreicht, den Kapitän des ersten amerikanischen Atom-U-Boots, das unter dem Nordpol her vom Pazifik in den Atlantik gelangte. 1959 folgte der erste automatische Armbandwecker für Taucher (Deep Sea Automatic Alarm).

Im Jahr 1965 verließ Georges Ketterer SAPIC und Jaeger-LeCoultre als Geschäftsführer, um fortan Vacheron Constantin zu leiten, die zur gleichen Zeit als Tochterfirma aus der SAPIC ausgegliedert worden war. Die verbliebenen Anteile Roger LeCoultres an SAPIC wurden in eine Holding namens SAPHIR überführt. 1967 war JLC mit elf anderen Herstellern an der Entwicklung der Beta 2 beteiligt, der ersten Quarz-Armbanduhr. 1969 wurde SAPHIR an den zur damaligen Zeit ältesten kontinuierlich produzierenden Uhrenhersteller der Welt, Favre-Leuba, verkauft. Die Leitung der SAPHIR wurde danach durch Henry und Barbara Favre übernommen.

Für den US-Markt wurde aufgrund von Zollbeschränkungen durch den Smoot-Hawley Tariff Act von 1930 der Markenname LeCoultre von den 1930er- bis Ende der 1970er-Jahre beibehalten. Aus demselben Grund wurden die Uhrengehäuse dieser Uhren in den USA hergestellt. Den Vertrieb der Uhren für den US-Markt hatte in dieser Zeit die amerikanische Firma Vacheron-Constantin-LeCoultre inne, eine Tochterfirma von Longines-Wittnauer. Der Markenname Jaeger wurde dagegen für in Frankreich produzierte Uhren verwendet.

Angeschlagen durch die Quarzkrise wurde 1978 ein Mehrheitsanteil der Firma an VDO Automotive verkauft. 1986 verkaufte VDO 40 % der Anteile an Audemars Piguet weiter, erwarb jedoch später die übrigen Anteile an Jaeger-LeCoultre, die sich im Besitz der Familie Ketterer (25 %) und einer Bank (20 %) befanden. Nach Abklingen der Quarzkrise wurde 1989 mit der Grand Réveil der erste Armbandwecker mit ewigem Kalender und automatischem Aufzug hergestellt und seit 2004 die Master Grand Réveil (wie vorige, mit zusätzlichem Vibrationsalarm).

Im Jahre 2000 verkaufte Mannesmann, die VDO 1991 übernommen hatte, ihre Beteiligung an Jaeger-LeCoultre als Teil der Firma Les Manufactures Horlogères, die 60 % der Anteile an Jaeger-LeCoultre sowie jeweils 100 % der Anteile an Vacheron Constantin, IWC und A. Lange & Söhne hielt, an den Schweizer Schmuck- und Luxusuhrenkonzern Richemont. Im gleichen Jahr kaufte Richemont die verbliebenen 40 % von Audemars Piguet. Mit über 900 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen erzielte Jaeger-LeCoultre 2006 einen Umsatz von über 240 Millionen Schweizer Franken. 2006 brachte JLC die Reverso grande complication à triptyque auf den Markt, die erste Uhr mit drei Zifferblättern, deren Anzeigen durch ein einziges Uhrwerk gesteuert werden. Im Jahr 2009 gewannen die Uhren Master Tourbillon und Reverso Gyrotourbillon 2 die ersten beiden Preise des internationalen Chronometrie-Wettbewerbs der Gemeinde Le Locle und des Uhrenmuseums LeLocle.[3]

Die erste Armbanduhr von Jaeger-LeCoultre mit großer Komplikation ist seit 2004 die Uhr Gyrotourbillon I, mit einem kardanisch gelagerten Tourbillon. Darauf folgte 2009 die aus 1300 Einzelteilen bestehende Hybris Mechanica à Grande Sonnerie mit 26 Komplikationen, eine der kompliziertesten Armbanduhren der Welt. Ab 2010 wurde die Master Grande Tradition Grande Complication mit einem orbitalen Tourbillon und Minutenrepetition angeboten.

Bilder[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jaeger-LeCoultre – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Forbes: "Leadership Changes At Montblanc And Jaeger-LeCoultre". Abgerufen am 14. Februar 2014.
  2. Peter Braun: Klassische Armbanduhren Heel, Königswinter 2000, ISBN 3-89365-854-8, S. 14–23.
  3. Prüfergebnisse des Chronometrie-Wettbewerbs 2009 (PDF). Abgerufen am 20. März 2013.