Jagdschloss Granitz

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Jagdschloss Granitz
Schloss Granitz um 1860, Sammlung Alexander Duncker
Jagdschloss Granitz um 1964
Jagdschloss Granitz aus der Luft (2011)
Eingangshalle
Wendeltreppe im Mittelturm
Das Granitzhaus ist ein ehemaliges Jagd- und Gasthaus direkt am Jagdschloss. Es beherbergt seit 2004 die Informationsstelle des Biosphärenreservats Südost-Rügen.

Das Jagdschloss Granitz befindet sich auf der Insel Rügen auf einem bewaldeten Berg bei Binz. Mit über 250.000 Besuchern im Jahr ist es das meistbesuchte Schloss in Mecklenburg-Vorpommern[1].

Lage[Bearbeiten]

Das Schloss liegt mitten im etwa eintausend Hektar großen Waldgebiet der Granitz, welches seit 1991 zum Biosphärenreservat Südost-Rügen gehört. Es gehört zur Gemeinde Binz.

Die Bezeichnung Tempelberg für den höchsten Berg in der Granitz stammt aus dem 18. Jahrhundert, als an der Stelle des heutigen Schlosses noch ein kleines sechseckiges Belvedere stand. Vom Ostseebad Binz ist das Schloss am schnellsten mit der Rügenschen Kleinbahn oder dem Jagdschlossexpress zu erreichen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Granitz gehörte seit 1472 den Herren zu Putbus. Graf Moritz Ulrich I. ließ 1726 einen Aussichtsturm und das Jagdhaus „Solitüde“ erbauen. Um 1800 wurde der Turm abgerissen, das Jagdhaus modernisiert.

1807 wurde Wilhelm Malte zu Putbus in den schwedischen Fürstenstand erhoben, zu repräsentativen Zwecken plante er das neue Jagdschloss auf der höchsten Erhebung Ostrügens, dem 107 m ü. NN hohen Tempelberg. In den Jahren 1838 bis 1846 wurde es im Auftrag des Fürsten Wilhelm Malte I. zu Putbus errichtet. Da der Fürst sehr sparsam mit seinen Mitteln umging, wendete er nur 6000 Taler jährlich für den Bau auf, damit zog sich dieser bis 1846 hin. Die Innengestaltung dauerte aber noch länger. Das Granitzer Jagdschloss wurde durch den Berliner Architekten und Baumeister Johann Gottfried Steinmeyer im Stil der norditalienischen Renaissancekastelle errichtet. Es ist mit vier Ecktürmen und einem Mittelturm versehen. In den Räumen des Schlosses sind verschiedene Ausstellungen zu besuchen.

Es war einst ein beliebtes Reiseziel europäischer Adliger und Prominenter; so zählten Friedrich Wilhelm IV., Christian VIII., Otto von Bismarck sowie Elizabeth von Arnim und Johann Jacob Grümbke zu den Besuchern.

Nach der Fertigstellung wurde das alte Jagdhaus abgerissen, dort entstand 1847 das Gasthaus „Zur Granitz“, dort wohnte auch der Granitzer Forstmeister.

Das Jagdschloss war bis zum Jahr 1944 im Besitz der Familie von Putbus und stand nach der Inhaftierung von Malte von Putbus unter Verwaltung der Nationalsozialisten. Endgültig wurde es im Zuge der ostdeutschen Bodenreform enteignet und befindet sich bis heute in staatlicher Hand. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs gingen 1945 viele Einrichtungsgegenstände verloren; einiges Kunstgut wurde in das Berliner Gemäldedepot der Dienststelle für die Verwaltung sowjetischen Vermögens in Deutschland gebracht und 1953 an die Staatlichen Museen Berlin übergeben. Von 1983 bis 1990 wurde das Schloss umfassend restauriert und das Inventar im alten Stil ergänzt.

Bestrebungen des Enkels von Malte zu Putbus, Franz zu Putbus, den Familienbesitz zurück zu erlangen, scheiterten vor Gericht. Das Gebäude wird heute als Museum genutzt.

Die Anlage wurde nochmals zu Beginn des 21. Jahrhunderts mit einem Kostenaufwand von 7,9 Millionen Euro saniert.

Mittelturm[Bearbeiten]

In der Gebäudemitte, im ehemaligen Hofraum, erhebt sich der nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel nachträglich errichtete 38 m hohe Mittelturm. Er beherbergt im Inneren eine freitragende Wendeltreppe mit 154 gusseisernen Stufen. Die statischen Kräfte der schweren Eisentreppe werden vollkommen von den Seitenwänden aufgenommen; denn sie ist quasi in den Turm eingespannt.

Von der 144 m über NN hohen Aussichtsplattform auf dem Dach des Turms hat man einen Panoramablick in alle Richtungen, besonders aber über den Süden und Osten Rügens. Bei klarem Wetter kann man sogar bis Usedom blicken. [1]

Panoramablick über Rügen vom Mittelturm aus gesehen

Ausstellungen[Bearbeiten]

Ausgestellt werden alte Jagdgewehre, die Ausstellung Hirsche der Welt, aber auch Möbel aus dem 19. Jahrhundert. Hinzu kommen wechselnde Ausstellungen, beispielsweise von Gemälden. Unter Anleitung von Experten des Pommerschen Landesmuseums Greifswald wird eine Dauerausstellung über Fürst Malte I. zu Putbus und dessen Schlossbauprojekt gestaltet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jagdschloss Granitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten im Betrieb für Bau und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern

54.38055555555613.627222222222Koordinaten: 54° 22′ 50″ N, 13° 37′ 38″ O