Jeder stirbt für sich allein (Roman)

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Jeder stirbt für sich allein ist ein Roman des deutschen Schriftstellers Hans Fallada (Rudolf Wilhelm Friedrich Ditzen) aus dem Jahre 1947. Der Roman basiert auf dem authentischen Fall des Ehepaars Otto und Elise Hampel, das 1940 bis 1942 in Berlin Postkarten-Flugblätter gegen Hitler ausgelegt hatte und denunziert worden war. Fallada schrieb den Roman 1946 in kaum vier Wochen. Er gilt als das erste Buch eines deutschen nicht-emigrierten Schriftstellers über den Widerstand gegen den Nationalsozialismus.

In den USA, Großbritannien, Israel und Frankreich war das Werk in den Jahren 2002 bis 2009 ein Bestseller. In Deutschland wurde der Roman 2011 in der ungekürzten Originalfassung neu veröffentlicht und erwies sich auch dort als Verkaufserfolg.

Inhalt[Bearbeiten]

Im ersten Teil („Die Quangels“) werden die Hauptpersonen des Romans eingeführt: Schreinermeister Otto Quangel und seine Frau Anna; sie wohnen in der Jablonskistr. 55 in Berlin. Im gleichen Haus wohnt Barkhausen, ein Denunziant und Gelegenheitsdieb, mit seiner Familie; Familie Persicke, linientreue Nazis; die Jüdin Rosenthal und der pensionierte Richter Fromm. Ins Haus kommt die Briefträgerin Eva Kluge mit einem Feldpostbrief, in dem den Quangels mitgeteilt wird, dass ihr einziger Sohn Otto im Westfeldzug gefallen ist. Evas Mann Enno Kluge, ein arbeitsscheuer Nichtsnutz mit Vorliebe für Frauen und Pferdewetten, kennt Barkhausen. Es kommt auch des toten Soldaten Beinahe-Verlobte Trudel, die in einer kommunistischen Zelle mitarbeitet, ins Haus.

Durch den Tod von Otto junior kommen die Eheleute Quangel auf den Gedanken, Karten zu schreiben und in Treppenhäusern auszulegen, auf denen sie zum Widerstand gegen die Nazis aufrufen. Barkhausen und Enno Kluge wollen in der Wohnung der Frau Rosenthal stehlen. Sie werden daran von den Persickes gehindert, die ihrerseits stehlen wollen, woran sie aber von Fromm gehindert werden. Fromm versteckt Frau Rosenthal, die jedoch aus dem Fenster springt und stirbt. Trudel wird aus der kommunistischen Zelle ausgeschlossen.

Im zweiten Teil („Die Gestapo“) wird berichtet, wie erste Karten in Berlin auftauchen und was sie bewirken: Schrecken beim jeweiligen Finder. Enno Kluge wird bei einem Arztbesuch in einen solchen Kartenfund hineingezogen und verhört; er kann fliehen, wird von Barkhausen bespitzelt und schließlich an die Polizei „verkauft“. Barkhausen hat auch Ennos neue Freundin, Frau Häberle, ausnehmen wollen, bekommt aber das Geld nicht und wird von Jugendlichen verprügelt. Sein Sohn Kuno, als Spitzel von ihm eingesetzt, gehört zu den Jungen, die ihn verprügeln, und setzt sich anschließend von zu Hause ab. Der Gestapo-Beamte Escherich ist mit der Aufklärung der Kartenschreiberei beauftragt. Er geht die Sache systematisch an, wird aber unter Druck gesetzt, möglichst schnell den Täter zu liefern. Obwohl er von Ennos Unschuld überzeugt ist, treibt er diesen Verdächtigen in den Selbstmord, um wenigstens etwas vorweisen zu können.

„Das Spiel steht gegen Quangels“ ist die Überschrift des dritten Teils: Trudel hat geheiratet und ist schwanger; sie wird zufällig Zeuge, wie Otto Quangel eine Karte in einem Treppenhaus auslegt. Ihrem Mann Karl Hergesell wird von einem ehemaligen KP-Genossen ein Koffer zur Aufbewahrung anvertraut – so werden beide später in den Fall Quangel hineingezogen. Quangels haben Kontakt zu Heffkes aufgenommen, dem Bruder und der Schwägerin Annas. Bei gelegentlichen Besuchen legen sie auch in dieser Gegend Karten aus. Dabei wird Quangel einmal beobachtet und angezeigt; Escherichs Nachfolger lässt ihn aber laufen, weil er aufgrund der Verteilung der Karten in Berlin einen Straßenbahner als Schreiber sucht. Als Quangel in seiner Sägerei zwei Karten verliert und bei der DAF anzeigt, er habe sie gefunden, wird der Betrieb gesperrt. Quangel wird aufgrund seines Wohnsitzes in der Jablonskistraße von Escherich als Täter erkannt und verhaftet. Nach einem Gespräch mit Quangel erschießt sich Escherich.

Eva Kluge arbeitet mittlerweile auf dem Land bei ihrer Schwester. Ihr neuer Freund Kienschäper bestärkt sie darin, den streunenden Kuno aufzunehmen. Barkhausen ist mit dem Spitzel Klebs in einen Diebstahl verwickelt, wird verhaftet und zusammengeschlagen.

Als vierter Teil folgt „Das Ende“: Geschildert werden die Verhöre der Eheleute Quangel; durch ein Versehen hat Anna Trudels Namen erwähnt, weswegen auch Hergesell verhaftet werden. Trudel hat eine Fehlgeburt gehabt. Es folgen Aufenthalte in verschiedenen Gefängnissen, die Begegnung mit einem menschlichen Gefängnispfarrer und einem unmenschlichen Gefängnisarzt sowie die Verhandlung vor dem Volksgerichtshof – ein unwürdiges Verfahren, in dem Otto und Anna ihre Schuld gestehen. Es gelingt Fromm, den beiden Quangel jeweils eine Giftampulle zukommen zu lassen. Otto lernt den kultivierten Dirigenten Dr. Reichhardt als Mithäftling kennen, von dessen Lebensführung in der Zelle er Wesentliches lernt. Otto findet seinen Frieden; Frau Quangel wirft die Ampulle weg, wird aber auch ruhig und freundlich, beide lernen schwierige Mitgefangene kennen. Karl Hergesell wird erschlagen, Trudel begeht Selbstmord. Otto Quangel hat es abgelehnt, ein Gnadengesuch einzureichen, und wird mit dem Fallbeil hingerichtet. Anna kommt bei einem Bombenangriff ums Leben.

In der Zwischenzeit ist der alte Persicke als Säufer in einer Entziehungsanstalt gelandet. Sein Sohn Baldur, Schüler einer Napola, hat durchsetzen können, dass jener nicht wegen Unterschlagung verurteilt wurde. Er besucht ihn in der Anstalt und nötigt den behandelnden Arzt, seinen Vater nicht zu entlassen, sondern ihm eine vermutlich tödliche „grüne Spritze“ verabreichen zu lassen.

Das letzte Kapitel bietet einen hoffnungsvolleren Ausblick: Eva Kluge und Kienschäper haben geheiratet und Kuno adoptiert; dieser ist ein anderer Mensch geworden. Als er zufällig seinen Vater trifft, sagt er sich endgültig von ihm los, um frei auf dem Land leben und arbeiten zu können.

Bewertungen[Bearbeiten]

Der Schriftsteller Primo Levi, ein Überlebender von Auschwitz, nannte Falladas Roman „das beste Buch, das je über den deutschen Widerstand geschrieben wurde."[1]

Ausgaben[Bearbeiten]

Die Erstausgabe erschien 1947 im Aufbau-Verlag. Allerdings war diese und weitere Ausgaben aus politischen Gründen stark gekürzt worden. Im Jahre 2009 wurde das Werk erstmals ins Englische übersetzt und es kam zu einer Wiederentdeckung des Autors, die durch Artikel der New York Times gefördert wurde.[2] Im Frühjahr 2011 wurde der Roman in Deutschland vom Aufbau-Verlag erstmals in einer ungekürzten Fassung neu herausgebracht.[3]

Adaptionen[Bearbeiten]

Verfilmungen[Bearbeiten]

Falladas Roman wurde bis zum Jahr 2011 dreimal verfilmt. Die erste Verfilmung Jeder stirbt für sich allein unter der Regie von Falk Harnack stammt aus dem Jahr 1962, in der Edith Schultze-Westrum und Alfred Schieske die Hauptrollen spielten. 1970 gab die DEFA eine Mini-Serie Jeder stirbt für sich allein in Auftrag. Regie hierbei führte Hans-Joachim Kasprzik. Fünf Jahre später spielten Hildegard Knef und Carl Raddatz die Hauptrollen in der Verfilmung Jeder stirbt für sich allein (1975) von Alfred Vohrer.[4]

Für das tschechische Fernsehen entstand 2004 I ve smrti sami (Jeder stirbt für sich allein), ein Dreiteiler in der Regie von Dušan Klein.[5]

Theater[Bearbeiten]

Luk Perceval und Christina Bellingen verarbeiteten den Roman zu einem Theaterstück, das im Oktober 2012 im Thalia Theater in Hamburg Premiere feierte.[6]

Übersetzungen[Bearbeiten]

Schweden[Bearbeiten]

  • 1948, Bonniers, "En mot alla"
  • 2012, Lind & Co, "Ensam i Berlin"

UdSSR[Bearbeiten]

  • 1948, Иностранная литература, Каждый умирает в одиночку

Finnland[Bearbeiten]

  • 1949, Mantere, "Kukin kuolee itsekseen"
  • 2013, Gummerus, "Yksin Berliinissä"

Rumänien[Bearbeiten]

  • 1951, Editura pentru literatură și artă, Fiecare moare singur, 1951

Tschechoslowakei[Bearbeiten]

  • 1954, Československý spisovatel I ve smrti sami

Norwegen[Bearbeiten]

Frankreich[Bearbeiten]

USA und Großbritannien[Bearbeiten]

Polen[Bearbeiten]

  • 1989, Wydawnictwo Ministerstwa Obrony Narodowej, ISBN 83-11-07708-8 Każdy umiera w samotności

Italien[Bearbeiten]

  • 1995, Einaudi Editore, Ognuno muore solo
  • 2010, Sellerio, Ognuno muore solo

Israel[Bearbeiten]

  • 2010, Proza, "לבד בברלין"

Niederlande[Bearbeiten]

  • 2010, Cossee, Alleen in Berlijn

Spanien[Bearbeiten]

Dänemark[Bearbeiten]

Iran[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. berlinerliteraturkritik.de
  2. hansfallada.com
  3. Jürgen Kaube: Der Mensch ist dem Menschen ein Verdacht, Artikel in der FAZ vom 18. März 2011, abgerufen am 17. Juli 2011.
  4. Jeder stirbt für sich allein bei filmportal.de, abgerufen am 17. Juli 2011.
  5. I ve smrti sami in der Česko-Slovenská filmová databáze.
  6. Werner Theurich: Premiere von "Jeder stirbt für sich allein". Dem Tod ins Gesicht lachen auf Spiegel Online am 14. Oktober 2012