Staatsschauspiel Dresden

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Das Dresdner Schauspielhaus, 2012

Das Staatsschauspiel Dresden ist ein Theater in Dresden, das der Freistaat Sachsen unterhält. Es betreibt das Schauspielhaus und das Kleine Haus. Das Staatsschauspiel ging im Jahr 1983 aus dem Staatstheater Dresden hervor, welches seinen Ursprung im Königlichen Hoftheater hatte.

In der Spielzeit 2012/2013 besuchten 249.500 Besucher die 863 Vorstellungen am Staatsschauspiel Dresden. Dies entspricht einer Gesamtplatzausnutzung von 82,7 Prozent.[1] Im Jahr 2013 gab es 256.300 Besucher.[2]

Schauspielhaus[Bearbeiten]

Zwischen Eröffnung und Zweitem Weltkrieg[Bearbeiten]

Das Bürgertum der Stadt Dresden suchte im beginnenden zwanzigsten Jahrhundert einen Ort der Selbstverständigung und der Repräsentation. 1909 wurde ein Theaterverein gegründet, dem bedeutende Persönlichkeiten wie Oberbürgermeister Otto Beutler, Georg Arnhold, Karl August Lingner, Erwin Bienert (Sohn von Gottlieb Traugott Bienert) und andere angehörten. Der Theaterverein brachte einen Großteil der Bausumme von etwa 2,7 Millionen Mark auf.

Nach mancherlei Plänen und Grundstücksspekulationen stellte die Stadt Dresden dem Sächsischen Hof das Areal an der Ostra-Allee zur Verfügung. Das Schauspielhaus wurde von 1911 bis 1913 von William Lossow und seinem Schwiegersohn Max Hans Kühne im Stil des Neubarock und Jugendstil erbaut. Da sich das Gebäude in unmittelbarer Nähe zum Zwinger befindet, wurde die diesem zugewandte Außenseite an die Architektur angepasst und mit Arkaden und barocken Schmuckelementen versehen. Aufgrund der Enge des Grundstücks zwischen den umgebenden Gebäuden war ein Verzicht auf eine Seiten- und eine Hinterbühne nötig. Mit der (heute denkmalgeschützten[3]) Bühnentechnik des Hauses, unter anderem großen wasserhydraulisch betriebenen Hebewerken für die neuartige Versenk-Schiebe-Bühne, realisierte der technische Direktor Adolf Linnebach die modernste Bühnenanlage der damaligen Zeit. Der Bühnenboden war dreigeteilt, die Hubpodien (18x6 Meter) konnten einzeln nach unten gefahren werden. Zwischen dem tiefsten und dem höchsten Punkt der Bühne lag ein Abstand von 12 Metern. Das Haus hatte zur Eröffnung im Parkett und auf drei Rängen eine Zuschauerkapazität von 1312 Plätzen.[3]

Generalintendant Nikolaus Graf von Seebach berief den seit 1901 am Dresdner Hoftheater tätigen Dramaturgen Karl Zeiss zum künstlerischen Leiter des Schauspielhauses. Die Eröffnung des noch „Neues Königliches Schauspielhaus“ genannten Hauses fand am 13. September 1913 mit der Jubelouvertüre von Carl Maria von Weber, dem Fragment Robert Giuskard von Heinrich von Kleist und dem Einakter Die Torgauer Heide von Otto Ludwig statt. Zur Eröffnung waren zahlreiche Intendanten aus dem ganzen Deutschen Kaiserreich, Honoratioren der Stadt und dem Hoftheater verbundene Autoren wie Gerhart Hauptmann, Stefan Zweig und Hugo von Hofmannsthal erschienen.

Nach der Novemberrevolution und dem Abdanken des sächsischen Königs wurde das Königliche Hoftheater 1918 zum Sächsischen Landestheater und 1920 zum Sächsischen Staatstheater umbenannt.[3]

Ein herausragendes Ereignis der kommenden Jahre war die 1. Deutsche Reichstheater-Festwoche im Mai und Juni 1934. Reichsdramaturg Rainer Schlösser wählte hierfür das Sächsischen Staatstheater. Schirmherr war Joseph Goebbels, auch Adolf Hitler besuchte Dresden während der Festwoche.[3]

Am 13. und 14. Februar 1945 wurde das Schauspielhaus durch die alliierten Luftangriffe auf Dresden wie alle anderen Theatergebäude der Stadt zerstört. Die hydraulischen Bühnenpodien blieben durch den Einsatz des Maschinenmeisters Franz Lommatzsch größtenteils unzerstört, der bei jedem Luftalarm vorsorglich die Bühnenpodien in die unterste Stellung gefahren hatte.

Das Schauspielhaus zur DDR-Zeit[Bearbeiten]

Das Schauspielhaus vor der Fassadensanierung (2006)

Unter tätiger Hilfe der Theatermitarbeiter begannen im Mai 1945 die Beräumung und Enttrümmerung. Bereits im Dezember desselben Jahres wurde der Wiederaufbau des Hauses in einer Doppelanlage für Schauspiel und Oper beschlossen. Insgesamt wurden 100.000 Ziegel, 20 Tonnen Profileisen, 2000 Quadratmeter Rabitzgewebe sowie wichtige Teile der Maschinerie zur Wiederverwendung geborgen. Verantwortlich für den Wiederaufbau waren der Baurat Emil Leibold (Entwurf) und der Architekt Bruno Höppner (Bauleitung).[3]

Der Innenraum des Schauspielhauses wurde dabei zu großen Teilen neu gestaltet. So wurde die Saaldecke höher gelegt und durch dichte Reihen gebogener Neonröhren gegliedert. Daneben wurde der dritte Rang als deutlich sichtbarer umlaufender Balkon gestaltet. Außerdem verschwanden die Proszeniumslogen, was eine größere Bühnenöffnung ermöglichte. Die Ringbrüstungen waren nicht mehr mit Paneelen vertäfelt sondern erhielten eine durchlaufende, gestäbte Stuckgliederung. Die weiß verputzten Wände erhielten flächendeckend „dosendeckelartige“ Einschlüsse.[3]

„Im Inneren soll ein Theater entstehen, das dem Geist und den Anforderungen unserer neuen Zeit entspricht. […] Heute wollen wir ein wahres Volkstheater errichten, in dem sich jeder zu Hause fühlt […]“

– Sächsische Volkszeitung vom 16. Februar 1946[4]

Bereits am 22. September 1948 konnte das Haus seiner nunmehrigen Bestimmung als Großes Haus des Staatstheaters Dresden für Oper, Ballett, Schauspiel und Staatskapelle übergeben werden. Die feierliche Eröffnung fand am 22. September 1948 mit Beethovens Oper Fidelio und am 23. September 1948 mit dem Schauspiel Simon Bolivar von Ferdinand Bruckner statt.

Im Jahr 1983 fand eine verwaltungstechnische Trennung zwischen Oper, Ballett, Staatskapelle und dem Schauspiel statt. Es entstanden das Staatsschauspiel und die Staatsoper Dresden. Am 13. Februar 1985 erhielten die musikalischen Sparten ihr im neuen Glanz wiedererstandenes Operngebäude, die Semperoper, zurück. Das Große Haus wurde wieder zum Schauspielhaus mit dem Schauspielensemble als alleinigem Hausherrn.

Das aus Trümmern und mit unzulänglichen Materialien erbaute Gebäude wurde immer reparaturbedürftiger. Das marode Dach wurde zur ständigen Gefährdung. In den 1980er Jahren flickte man notdürftig und sanierte scheibchenweise. Die damals Verantwortlichen kämpften einen aussichtslosen Kampf gegen den Mangel und die Widrigkeiten des „real existierenden Sozialismus“.

Neues Kassenfoyer (seit 2012)

Das Schauspielhaus ab 1990[Bearbeiten]

Eine gründliche, umfassende Sanierung - hauptsächlich veranlasst durch die Stilllegung des größten Umweltverschmutzers der Stadt, des Heizkraftwerks Mitte und der damit notwendigen Umstellung der gesamten Heizungsanlage - wurde erst nach der Wende möglich. Am 25. März 1991 fand mit der einmaligen aufgeführte Revue "Il Grande Silencio - Um Thron und Liebe" der Freunde der italienischen Oper das erste Rockkonzert in der Geschichte des Hauses statt, was als ein für diese Zeit und für die Geschichte des größten Schauspielhauses der DDR mutiges und gewagtes Experiment gewertet werden kann.[5][6] Bis heute wurden Besucherzahlen von über 1200 Personen nicht wieder erreicht. Den FDIO sollen noch Bands und Interpreten wie Die Toten Hosen, Udo Lindenberg oder Nina Hagen folgen. Nach mehreren längeren Schließphasen wurde das Schauspielhaus für die umfangreichste Rekonstruktion seiner Geschichte von Juli 1993 bis September 1995 geschlossen; der 1945 zerstörte Zuschauerraum wurde in seiner historischen Gestalt von 1913 annähernd wiederhergestellt und die Bühnenmaschinerie auf den technisch neuesten Stand gebracht.

Beim Hochwasser im August 2002 wurde die Unterbühne durch die eindringenden Wassermassen der Weißeritz und Elbe überflutet. Dadurch sind die darin befindlichen technischen Anlagen zerstört worden. Zu Beginn der Spielzeit 2003/2004 waren alle Schäden wieder beseitigt.

Im Jahr 2007 fand die Außensanierung und der Wiederanstrich in weißer Farbe statt. Zu Beginn der Spielzeit 2009/2010 wurden Verbindungstreppen zwischen den Foyers des ersten und zweiten Rangs eingebaut. Diese waren vorher nicht direkt miteinander verbunden. Nach einer Umgestaltung der östlichen Gebäudeecke im Jahr 2012 wurden Kartenverkauf und Anrechtsbüro dorthin verlagert.

Lage: 51° 3′ 7,8″ N, 13° 43′ 54,6″ O51.05217222222213.731844444444

Kleines Haus[Bearbeiten]

Kleines Haus, 2011

Das Gebäude auf der Glacisstraße in der Dresdner Inneren Neustadt, in dem sich heute das Kleine Haus befindet, hat eine weiter zurückreichende Geschichte. Im 17. Jahrhundert diente es als Festung „am Glacis“ und war im 19. Jahrhundert eine Villa. 1816 wurde der Saal angebaut, der heute der Zuschauersaal ist. Bis 1930 befand sich in diesem Haus eine Kneipe, der Tanzpalast "Nachtfalter" mit Ballsaal, der nebenbei als Tonhalle genutzt wurde. Danach wurde das gesamte Gebäude als Kirche („Die Erste Kirche Christi, Wissenschafter – The First Church of Christ, Scientist“) benutzt.

Mit Genehmigung der Kirchengemeinde konnte am 10. Juli 1945 in diesem Gebäude die erste Nachkriegsaufführung (Nathan der Weise) des Staatstheaters Dresden stattfinden. Im Jahr 1951 schloss das Staatstheater einen Mietvertrag mit der Kirchengemeinde ab und nutzte das Haus von da an für Oper und Schauspiel. 1977 erfolgte der Ausbau zum Theater. 1987 und 1988 wurden für etwa 5 Millionen Mark wichtige Baumaßnahmen zur Erhaltung der Spielfähigkeit des Gebäudes vorgenommen und 1992 Brandschutzmaßnahmen durchgeführt. Im selben Jahr bekam das Theater eine neue Bühne; sechs Jahre später wurde es jedoch auf behördliche Anordnung hin geschlossen. Gründe dafür waren statische Problehme (im Dachstuhl und in den Außenmauern) und Brandschutzmängel, die bei den vorher vorgenommenen Baumaßnahmen nicht behoben werden konnten. Daher wurde die Einrichtung danach bis 2002 lediglich als Probebühne für das Staatsschauspiel genutzt. Währenddessen wurden die nötigen Mittel für eine umfangreiche Rekonstruktion des Gebäudes organisiert; der Baubeginn war im April 2003. Am 15. Januar 2005 wurde das Theater mit der Uraufführung von Der Mann ohne Vergangenheit wieder eröffnet. Mit Beginn der Spielzeit 2009/2010 wurde auf der rechten Seitenbühne eine verschiebbare Zuschauertribüne eingebaut, die eine Platzkapazität von maximal 132 Zuschauerplätzen hat und mehrere Spielvarianten ermöglicht.

Lage: 51° 3′ 41,4″ N, 13° 45′ 3,7″ O51.06150833333313.751025

Intendanten[Bearbeiten]

Königliches Hoftheater[Bearbeiten]

Sächsisches Landestheater[Bearbeiten]

  • 1918–1919 Nikolaus Graf von Seebach
  • 1921–1923 Alfred Reucker, Ehrenmitglied

Staatstheater[Bearbeiten]

  • 1923–1932 Alfred Reucker
  • 1932–1935 Paul Adolph
  • 1935–1944 Erich Gottschald
Erich Ponto (1945)

Staatsschauspiel[Bearbeiten]

Einladungen zum Berliner Theatertreffen[Bearbeiten]

Medien[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Michael Funke, Dieter Görne: Wolfgang Engel inszeniert PENTHESILEA von Heinrich Kleist am Staatsschauspiel Dresden. In: Theaterarbeit in der DDR. 18, Verband der Theaterschaffenden/Brecht-Zentrum der DDR, Berlin 1986, ISSN 0138-2322.
  •  Ingeburg Mätje: Ist alles vorbei, fängt alles an. Aus der Geschichte des Schauspiels in Dresden. Staatsschauspiel Dresden, Dresden 1988, DNB 881323195.
  •  Emil Ulischberger: Schauspiel in Dresden: Ein Stück Theatergeschichte von den Anfängen bis in die Gegenwart in Wort und Bild. 1. Auflage. Henschelverlag, Berlin 1989, ISBN 3-362-00347-8.
  •  Dieter Görne: Wolfgang Engel inszeniert Goethes FAUST am Staatsschauspiel Dresden 1990. In: TheaterArbeit. Zentrum für Theaterdokumentation und -information, Berlin 1991, ISSN 0941-1534.
  •  Uta Dittmann (Hrsg.): Sein oder Nichtsein? - Theatergeschichten. Staatsschauspiel Dresden 1913 bis heute. 1. Auflage. Staatsschauspiel Dresden, Dresden 1995, DNB 946863288.
  • Das reicht für zwei Leben - 10 Jahre wende - wohin? Staatsschauspiel Dresden, Bildungswerk Weiterdenken e.V. Heinrich-Böll-Stiftung, 1999, ISBN 3-930382-40-7.
  •  Theater in Dresden. In: Dresdner Hefte. Nr. 79, 2004, ISBN 3-910055-73-7.
  •  Wilfried Schulz, Harald Müller, Felicitas Zürcher (Hrsg.): Staatsschauspiel Dresden – 100 Jahre Schauspielhaus. Das Jubiläumsbuch. 1. Auflage. Theater der Zeit, Berlin Oktober 2012, ISBN 978-3-943881-01-1.

Tonträger[Bearbeiten]

  • 2001: „Musik in Deutschland 1950-2000“ Musik für Schauspiel, Musik zu Faust. von Johann Wolfgang von Goethe 1990 Jens Uwe Günther, Freunde der italienischen Oper (Regie Wolfgang Engel) Label: RCA / Bertelsmann
  • 1991: Freunde der italienischen Oper „Live im Schauspielhaus Dresden“
  • 1989: Freunde der italienischen Oper „Live Dresden“ (Aufzeichnung eines Livekonzertes auf der Probebühne III)

Filme[Bearbeiten]

  • 1986: Wir die Lieben. Filmgruppe FESA (feige sau)
  • 1986: Labyrinth. FESA (feige sau)

Ehrenmitglieder[Bearbeiten]

Langjährige Schauspieler[Bearbeiten]

Diese Schauspieler sind seit über 15 Jahren im Ensemble:

Bekannte Schauspieler und Künstler, die am Schauspielhaus gearbeitet haben[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schauspielhaus Dresden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bilanz Jubiläumsspielzeit 2012/2013 am Staatsschauspiel Dresden. staatsschauspiel-dresden.de, 4. Juli 2013, abgerufen am 4. Juli 2013.
  2. Sächsische Zeitung vom 4./5. Januar 2014
  3. a b c d e f  Wilfried Schulz, Harald Müller, Felicitas Zürcher (Hrsg.): Staatsschauspiel Dresden – 100 Jahre Schauspielhaus. Das Jubiläumsbuch. 1. Auflage. Theater der Zeit, Berlin Oktober 2012, ISBN 978-3-943881-01-1.
  4.  Dresden baut sich sein Theater selbst. An der Baustelle des Dresdner Schauspielhauses. In: Sächsische Volkszeitung. 14. Februar 1946, S. 6.
  5. Bernd Gürtler: Ein gesellschaftliches Ereignis von Rang. In: Sächsische Zeitung. 27. März 1991.
  6. Bistra Klunker: Um Thron und Liebe - Il Grande Silenzio. In: TAZ, die tageszeitung. 9. April 1991.