Johann Anton Leisewitz

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Johann Anton Leisewitz
Seine Frau Sophie Leisewitz geb. Seyler
Grab auf dem Martinifriedhof in Braunschweig

Johann Anton Leisewitz (* 9. Mai 1752 in Hannover; † 10. September 1806 in Braunschweig) war ein deutscher Schriftsteller und Jurist.

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten]

Leisewitz war der Sohn eines Weinhändlers und seiner Frau. Er verbrachte seine Kindheit und Jugend in Celle. In Göttingen studierte er 1770 bis 1774 Rechtswissenschaften und trat dort 1774 dem Göttinger Hainbund bei.

Bei einem Preisausschreiben des Theaterdirektors Konrad Ernst Ackermann und seiner Ehefrau Sophie Charlotte Schröder wurde Leisewitz 1775 von Friedrich Maximilian Klinger besiegt. Die Jury bewertete dessen Stück Die Zwillinge besser.

Nach erfolgreichem Studienabschluss ließ sich Leisewitz 1775 in Braunschweig als Jurist nieder. Aus dieser Zeit stammen seine Kontakte (Briefwechsel) zu Gotthold Ephraim Lessing, Johann Joachim Eschenburg, Jakob Mauvillon u. a. In Braunschweig war er Mitglied des 1771 gegründeten Argonauten-Ordens, der 1779 in einem Tagebucheintrag Erwähnung findet.

Im Jahre 1776 hielt sich Leisewitz längere Zeit in Berlin auf und schloss dort auch Bekanntschaft mit Friedrich Nicolai. Als Ostern desselben Jahres Lessing das Trauerspiel Julius von Tarent von Leisewitz las, unterstellte er ob der Genialität die Autorenschaft Johann Wolfgang von Goethes. Dieses Stück begründete die Bekanntheit Leisewitz’ als Schriftsteller und gilt auch heute noch als eines der bedeutendsten Theaterstücke des Sturm und Drang.

1780 besuchte Leisewitz Goethe in Weimar. Wahrscheinlich mit Fürsprache Goethes wurde Leisewitz 1786 zum Hauslehrer des späteren Herzogs Ferdinand von Braunschweig-Lüneburg berufen. Vier Jahre später wurde Leisewitz in Braunschweig Mitglied dessen Regierung.

1801 avancierte Leisewitz zum Geheimen Justizrat und als solcher leitete er ab 1805 als Präsident das Obersanitätskollegium. Im Alter von 54 Jahren starb Johann Anton Leisewitz am 10. September 1806 in Braunschweig. In seinem Testament verfügte Leisewitz die Vernichtung seines gesamten literarischen Nachlasses, was geschah.

Er heiratete 1781 in Hamburg Sophie Marie Katharina Seyler (1762–1833), Tochter des Theaterdirektors Abel Seyler und Schwester des Bankiers Ludwig Edwin Seyler.

Werke[Bearbeiten]

Silhouette von Leisewitz aus der Sammlung Johann Heinrich Voß
  • Die Pfandung (dramatische Szene), 1775
  • Der Besuch um Mitternacht (dramatische Szene), 1775
  • Julius von Tarent (Trauerspiel), 1776
  • Selbstgespräch eines starken Geistes in der Nacht (dramatisches Fragment), 1776
  • Konradin (dramatisches Fragment), 1776
  • Alexander und Hephästion (dramatisches Fragment), 1776
  • Rede eines Gelehrten an eine Gesellschaft Gelehrter (Satire), 1776
  • Geschichte der Entdeckung und Eroberung der Kanarischen Inseln (Übersetzung aus dem Englischen), 1777
  • Nachricht von Lessing's Tod (Brief an Lichtenberg), 1781
  • Über die bei Einrichtung öffentlicher Armenanstalten zu befolgenden Grundsätze, 1802

Literatur[Bearbeiten]

  • Adalbert Elschenbroich: Leisewitz, Johann Anton. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 14, Duncker & Humblot, Berlin 1985, ISBN 3-428-00195-8, S. 157 f. (Digitalisat).
  • Andreas Herz: „… ward ich doch mit der ganzen Gesellschaft zuletzt ziemlich lustig“. Leisewitz’ erste Jahre in Braunschweig. In: Peter Albrecht, Hans Erich Bödiker u. Ernst Hinrichs (Hrsg.): Formen der Geselligkeit in Nordwestdeutschland 1750–1820. Tübingen 2003 (= Wolfenbütteler Studien zur Aufklärung, Band 27), S. 211–259.
  • Max Koch: Leisewitz, Johann Anton. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 18, Duncker & Humblot, Leipzig 1883, S. 223–225.
  • Ines Kolb: Herrscheramt und Affektkontrolle. Johann Anton Leisewitz’ „Julius von Tarent“ im Kontext von Staats- und Moralphilosophie der Aufklärung. Lang, Frankfurt am Main 1983, ISBN 3-8204-7563-X
  • Gregor Kutschera von Aichbergen: Johann Anton Leisewitz. Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Literatur im 18. Jahrhundert. Gerold, Wien 1876.
  • Gérard Laudin: L’œuvre de Johann Anton Leisewitz jusqu’en 1782. Lang, Bern u.a. 1991. (= Contacts; Sér. 3, Études et documents; 15) ISBN 3-261-04493-4
  • Gert Mattenklott: Melancholie in der Dramatik des Sturm und Drang. Athenäum, Königstein im Taunus 1985, ISBN 3-7610-8313-0
  • Stefanie Wenzel: Das Motiv der feindlichen Brüder im Drama des Sturm und Drang. Lang, Frankfurt am Main u.a. 1993. (= Marburger germanistische Studien, Band 14) ISBN 3-631-46009-0

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Johann Anton Leisewitz – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Johann Anton Leisewitz – Quellen und Volltexte