Johann Gerhard Reinhard Andreae

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Johann Gerhard Reinhard Andreae, Gemälde von Johann Georg Ziesenis, zwischen 1765 und 1770, Gleimhaus Halberstadt

Johann Gerhard Reinhard Andreae (* um 17. Dezember 1724 in Hannover; † 1. Mai 1793 ebenda) war Naturforscher, Chemiker und Hofapotheker in Hannover.[1]

Leben[Bearbeiten]

Familie[Bearbeiten]

Andreaes Eltern waren der Hofapotheker Leopold Andreae (1686–1730) und Katharina Elisabeth Rosenhagen († 1752). Der Großvater war der Apotheker Ernst Leopold Andreae (* um 1640). Seine Schwester war Sophie-Elisabeth (1730–1764).

Werdegang[Bearbeiten]

Nach seiner Apothekerlehre in Hannover begann Andreae 1744 in Berlin sein Studium der Pharmazie, Geologie und Chemie bei Johann Heinrich Pott. Dann reiste er durch Sachsen und das Bergbaugebiet des Harzes nach Frankfurt am Main, wo er bis 1746 als reisender Pharmazeut arbeitete. Bei seiner Rückkehr bewog Paul Gottlieb Werlhof ihn, Chemie, Mineralogie und Metallurgie bei dem Metallurgen Johann Andreas Cramer in Blankenburg zu studieren. Cramer sandte ihn jedoch nach Leyden, wo er bei Hieronymus David Gaub (1705–1780) Chemie studierte. Für ein paar Monate war er auch in London. [2]

1747 übernahm er die Leitung der elterlichen Hirsch-Apotheke, die er nach dem Tod der Mutter erbte. Am 23. November 1751 hatte er Ilse Sophie Müller (1728–1795) geheiratet.

1753 war er wieder in Frankfurt/Main. Auf seinen Reisen befreundete er sich mit Pieter van Musschenbroek, Jean-André Deluc, Benjamin Franklin und Philipp Friedrich Gmelin.

Von August bis Oktober 1763 unternahm er eine Wissenschaftsreise durch die Schweiz, wo er die wichtigsten Alpengegenden, vor allem das Berner Oberland besuchte. Ihn interessierten Herbarien, Fossilien- und Kristallsammlungen, Salinen, Thermalbäder und Gletscher. Beim Besuch Johannes Gessners Naturalienkabinetts äußerte er äußerte er Zweifel am Ursprung des wohl berühmtesten Schweizer Fossils, dass Johann Jakob Scheuchzer als „undisputierliches Überbleibsel aus der Sündflut“ bezeichnet hatte. Sie blieben aber Vertreter der damals herrschenden Diluvialtheorie.[3] Seine naturgeschichtlichen Briefe von 1763 an Freunde wurden 1764/65 im Hannoverschen Magazin veröffentlicht, dessen Mitarbeiter er war. Füssli druckte 1776 in Zürich eine prachtvolle Neuausgabe mit zahlreichen Anmerkungen Jakob Samuel Wyttenbachs.

Im Auftrage des Kurfürsten von Hannover untersuchte er um 1765 bis 1769 bei Hannover eine beträchtliche Anzahl Erdarten und ihren Gebrauch für die Landwirtschaft.

Seine Alchemistischen Briefe von 1767 enthalten pharmazeutisch interessante Vorschriften. Er leistete Vorarbeiten für das erste amtliche Arzneibuch in Braunschweig, das Dispensatorium Brunsvicense von 1777.

Seit 1776 war er Mitglied der Erfurter Akademie gemeinnütziger Wissenschaften.

Von 1778 bis 1781 beschäftigte er Jakob Friedrich Ehrhart (Schüler von Torbern Olof Bergman und Freund von Carl Wilhelm Scheele), seine naturgeschichtlicher Sammlungen, darunter ein Herbarium, eine Samen- und eine Hölzersammlung, zu organisieren.

Sein Schwager war Abel Seyler, deren Kinder bei Andreae lebten. Er war Onkel des Bankiers Ludwig Edwin Seyler.

Schriften[Bearbeiten]

  • Briefe aus der Schweiz nach Hannover geschrieben, in dem Jahre 1763 (Online)
  • Abhandlung über eine beträchtl. Anzahl Erdarten, aus Sr. Großbr. Majestät teutschen Landen ... u. von derselben Gebrauch für den Landwirth, 1769
  • Verzeichniß der fast alle Theile der Gelehrsamkeit vorzüglich aber die Zoologie, Botanik, Mineralogie ... betreffenden Büchersammlung des verstorbenen hiesigen Apothekers J. G. R. Andreae, welche ... am 22ten April 1794 u. an den folgenden Tagen ... meistbietend verkauft werden soll, Hannover, 1794

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Alphons Oppenheim: Andreä, Johann Gerhard Reinhard. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 1, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 447.
  2. Karl Hufbauer: The formation of the German chemical community, 1720-1795; S. 187
  3. Joachim Knoll: Ehrfurchtsvoll staunend vor der Natur; bei uni-hannover.de (PDF; 811 kB)