Johann Julius Hecker

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Der evangelische Theologe Johann Julius Hecker (* 2. November 1707 in Werden an der Ruhr (heute zu Essen); † 24. Juni 1768 in Berlin) gilt als Gründer der praxisorientierten Realschule und war der Begründer des ersten preußischen Lehrerseminars im Jahr 1748. Das 1763 verabschiedete Generallandschulreglement wurde überwiegend von Hecker erarbeitet.

Leben[Bearbeiten]

Denkmal auf der Schlossinsel, Ausschnitt, Berlin-Köpenick

Hecker wuchs in einer niederrheinischen Lehrerfamilie auf. Der Essener Gymnasialdirektor Johann Heinrich Zopf förderte an der Essener Stadtschule Heckers Interesse für ein Studium der Theologie und begeisterte ihn früh für die Ideen des Halleschen Pietismus. Diese reformorientierte Richtung innerhalb des Protestantismus, deren Hauptvertreter August Hermann Francke mit seinem Lebenswerk der Franckeschen Stiftungen war, suchte abweichend von der lutherischen Orthodoxie nach neuen schulischen und erziehungspädagogischen Ansätzen.

Während seines Studiums von Theologie, alten Sprachen, Medizin und Naturwissenschaften an der Universität Halle wurde Hecker von Francke selbst und von Theologen wie Joachim Justus Breithaupt, Abraham Vater sowie Joachim Lange geprägt. 1729 wurde er am Pädagogium in Halle als Lehrer angestellt und 1733 gab er Lehrbücher über Botanik und Anatomie heraus.

1735 wurde er zum Prediger, Lehrer und Inspektor des Militärwaisenhauses in Potsdam berufen und 1738 zum ersten Prediger an der Berliner Dreifaltigkeitskirche durch den pietistisch geprägten König Friedrich Wilhelm I. ernannt, der Heckers Ideen sehr zugetan war und ihn in seinen Reformbemühungen unterstützte. Der Ruf erfolgte, nachdem der König eine Predigt Heckers miterlebt hatte, die ihn derart von Hecker einnahm, dass er ihm mit auf den Weg gab:

Nun soll er der neugebauten Dreifaltigkeitskirche zu Berlin Prediger sein, er muß, wie er heute hier gethan, den Leuten auf der Friedrichstadt den Herrn Jesum predigen und sich der Jugend recht annehmen, denn daran ist das Meiste gelegen.[1]

Mit breiter finanzieller Unterstützung konnte Johann Julius Hecker 1746 das aufgegebene Gebäude des Friedrichstädtischen Gymnasiums in Berlin kaufen und gründete 1747 mit der Ökonomisch-mathematischen Realschule einen neuen Schultyp. 1750 wurde er zum Oberkonsistorialrat ernannt. Zur Verbreitung und Förderung von vornehmlich pädagogischen Schriften und Ideen gründete er in den folgenden Jahren eine Verlagsbuchhandlung und eine Wochenzeitschrift.

Denkmal auf der Schlossinsel, Berlin-Köpenick

Der reformpädagogische Ansatz Heckers, in der Realschule erstmals schulische mit einer an der späteren Berufspraxis orientierten Ausbildung zu verbinden, hatte großen Einfluss auf die pädagogische Entwicklung in Preußen. Zudem erkannte Hecker, dass es für diesen neuen Schultypus besonders geschulter Lehrer bedurfte. Bereits 1748 gründete er ein Lehrerseminar, aus dem 1753 das Kurmärkische Landschullehrerseminar hervorging und das seit 1753 seinen Sitz auf Schloss Köpenick, damals noch bei Berlin, hatte. Im gleichen Jahr wurde der von ihm gegründeten Realschule ein Küster- und Schulmeisterseminar angegliedert.

Für seine Realschüler organisierte Hecker unter anderem Praktika in Handwerksbetrieben und Manufakturen. Zudem ließ er einen Schulgarten anlegen, der den Heckerschen Real-Schüler, den Schriftsteller und Verleger Friedrich Nicolai, in seiner Erinnerung noch Jahrzehnte später begeisterte. Die volkswirtschaftliche Zeitung Leipziger Sammlungen berichtete 1750, man habe ganz besondere Anstalt zum lebendigen Unterricht in Plantagen-Sachen gemacht. Denn man hat ein Stück Acker gegen Erbpacht acquiriret, und läßt der Jugend in Recreationsstunden in der That selbst zeigen, was bey dem Anlegen von Hecken, dem Säen, Pflanzen, Pfropfen, Oculieren etc. und sonderlich der Wartung und Pflanzung der Maulbeer-Bäume zum Seidenbau in Acht zu nehmen.[2]
Der Seidenbau wurde zu dieser Zeit von Friedrich dem Großen mit dem Ziel gefördert, möglichst unabhängig vom Import den wachsenden Bedarf nach Seide befriedigen zu können.

Das Generallandschulreglement vom 12. August 1763, das Johann Julius Hecker auf Grundlage der Minden-Ravensberger Schulordnung von 1748 maßgeblich vorbereitet hatte und das fünf Jahre vor seinem Tod verabschiedet wurde, bildete die Grundlage für die Entwicklung des preußischen Volksschulwesens.

Nach Heckers Tod im Jahr 1768 ging seine Realschule in das Königliche Friedrich-Wilhelm-Gymnasium über.

Zu Beginn des dritten Jahrtausends gibt es in Berlin-Marzahn/Hellersdorf eine nach Hecker benannte Realschule, die Johann-Julius-Hecker-Oberschule.

Johann Julius Hecker wurde 1898 im Park von Schloss Köpenick, dem Sitz des ersten preußischen Lehrerseminars, mit einer Gedenkstele geehrt, die auch heute noch im Schlosspark steht. Außerdem gibt es in Essen-Werden, Heckers Geburtsort, eine nach dem Theologen benannte Grundschule, die Heckerschule, und ferner den Julius-Hecker-Platz.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rancke: Die Gründung der Dreifaltigkeitskirche zu Berlin ..., Berlin 1868, Hayns Erben, S. 7. Zitiert nach Berlinische Monatsschrift 1997 (siehe: Weblinks).
  2. Leipziger Sammlungen von Wirthschaftlichen, Policey-, Cammer-, und Finanz-Sachen, Leipzig bey Carl Ludwig Jacobi, Bd. 7, 1751, S. 722. Zitiert nach Berlinische Monatsschrift 1997 (siehe: Weblinks).