Jolanthe von Aragón

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Jolanthe von Aragón mit dem nachmaligen König Karl VII. von Frankreich zu Pferde, um 1430

Jolanthe von Aragón (auch Violante, Jolande oder Yolande) (* 1379 in Saragossa; † 14. November 1442 im Château de Tucé in Saumur[1]), war die Erbin von Bar-Mousson, Lunel, Berre und Martigues; als Gemahlin Ludwigs II. Herzogin von Anjou. Jolanthe wurde die Königin der vier Königreiche genannt.

Familie[Bearbeiten]

Jolanthe war eine Tochter des aragonesischen Königs Johann I. und dessen Gemahlin Violante von Bar. Nach dem Tod ihres Onkels Martin I. von Aragon 1410 war sie das letzte lebende Mitglied im Stamm des Hauses Aragón-Barcelona. Ihr Onkel hatte sie noch mit Herzog Ludwig II. von Anjou verheiratet, der auch Titularkönig von Neapel, Sizilien und Jerusalem war. Zusammen mit ihrer Anwartschaft auf den Thron von Aragonien erhielt Jolanthe den Namen „Königin der vier Königreiche“. Die am 2. Dezember 1400 in Arles geschlossene Ehe mit Ludwig wurde als außenpolitischer Erfolg gewertet, da die Häuser Anjou und Aragón um den Thronanspruch in Sizilien konkurrierten. Jolanthes Nachkommen übernahmen den Anspruch auf den Thron von Aragón, der aber durch den Kompromiss von Caspe schließlich scheiterte. Mit Ludwig hatte Jolanthe folgende Kinder:

Vorfahren[Bearbeiten]

          ┌──> Alfons IV., König von Aragón
          │
          │
     ┌──> Peter IV., König von Aragón
     │    │
     │    │
     │    └──> Theresa von Entanza (1300–1327)
     │
     │
┌──> Johann I., König von Aragon
│    │
│    │
│    │    ┌──> Peter II., König von Sizilien
│    │    │
│    │    │
│    └──> Eleonore von Sizilien (1325–1375)
│         │
│         │
│         └──> Elisabeth von Kärnten († 1352)
│
│
Jolanthe von Aragón
│
│
│
│         ┌──> Heinrich IV., Graf von Bar († 1344)
│         │
│         │
│    ┌──> Robert I., Herzog von Bar
│    │    │
│    │    │
│    │    │
│    │    └──> Jolanthe von Flandern († 1395)
│    │
│    │
└──> Violante von Bar
     │
     │
     │    ┌──> Johann II., König von Frankreich
     │    │
     │    │
     └──> Marie von Frankreich (1344–1404)
          │
          │
          └──> Jutta von Luxemburg

Leben[Bearbeiten]

Die als schön und zielstrebig beschriebene Jolanthe, nahm während der Abwesenheit ihres Gatten, der oft in Italien kämpfte und vor allem nach dessen Tod 1417, die mannigfaltigen Interessen des Hauses Anjou wahr.

Über ihre Mutter war Jolanthe auch im Herzogtum Bar erbberechtigt, dessen Haus kurz vor dem Aussterben stand. Jolanthe vereinbarte mit ihrem Onkel, dem Kardinal und Herzog Ludwig von Bar die Adoption ihres Sohnes René durch Ludwig. René konnte deshalb 1419 folgen als Ludwig auf das Herzogtum verzichtete.

1413 war ihre Tochter Marie mit Karl, dem damals dritten Sohn König Karls VI. von Frankreich verlobt worden. Nach dem Bündnis Burgunds mit England im Hundertjährigen Krieg nahm Jolanthe Karl und ihre Familie mit in die sicherere Grafschaft Provence. 1415 und 1417 starben überraschend die beiden älteren Brüder Karls, die in der Obhut des Herzogs von Burgund gelebt hatten und Karl wurde Dauphin.

Jolanthe hatte sehr großen Einfluss auf ihren Schwiegersohn und damit auf die französische Politik. Sie erreichte eine Allianz mit der Bretagne, die bis dahin auf Seiten Englands gestanden hatte sowie Unterstützung aus Lothringen. Als dominierende Ratgeberin des Königs bemühte sie sich um eine ausgleichende Haltung mit dem Herzogtum Burgund, erwirkte die Entmachtung des Präsidenten Jean Louvet und Georges de La Trémoilles sowie die Ernennung des Arthur de Richemont zum Connétable. Die außenpolitische Isolierung Englands ist vor allem Jolanthe zu verdanken.

Jolanthe ergriff am Hof auch Partei für Jeanne d'Arc, die sie unterstützte und bei deren körperlicher Untersuchung sie anwesend war. Johanna von Orleans sprach über Jolanthe als „Ma Reyne“.

Trivia[Bearbeiten]

Im Film Johanna von Orleans (1999) wird Jolanthe durch die Schauspielerin Faye Dunaway verkörpert.

Nach Jolanthe ist die Rosensorte Yolande d'Aragon benannt.

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jehanne d'Orliac: Yolande d'Anjou, la reine des quatre royaumes. Plon, Paris 1933.
  • Arnaud des Roches de Chassay, Yolande d'Aragon, 1379–1442, ou l'unité de la France, Charles Hérissey, Janzé (Ille-et-Vilaine) 2006, ISBN 978-2-914417-30-3.

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. gemeint ist das Haus des Herrn von Tucé in der Stadt, siehe [1]