Arles

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Arles (Begriffsklärung) aufgeführt.
Arles
Wappen von Arles
Arles (Frankreich)
Arles
Region Provence-Alpes-Côte d’Azur
Département Bouches-du-Rhône
Arrondissement Arles (Unterpräfektur)
Kanton Arles-Est
Arles-Ouest
Gemeindeverband Arles-Crau-Camargue-Montagnette.
Koordinaten 43° 41′ N, 4° 38′ O43.6769444444444.628611111111119Koordinaten: 43° 41′ N, 4° 38′ O
Höhe 0–57 m
Fläche 758,93 km²
Einwohner 52.510 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 69 Einw./km²
Postleitzahl 13200
INSEE-Code
Website http://www.ville-arles.fr/
Arles (gesehen vom Nord-Ost-Ende von Trinquetaille)

Arles [aʁl]; Okzitanisch Arle [ˈaʀle]; von Latein Arelate, ist eine Gemeinde mit 52.510 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) im Süden Frankreichs in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur in dem gleichnamigen Arrondissement Arles, Département Bouches-du-Rhône.

Geographie[Bearbeiten]

Der historische Stadtkern von Arles liegt am Ostufer der Rhône, 24 km vom Mittelmeer entfernt. Zu Arles gehören ein Neubaugebiet am Westufer (Stadtteil Trinquetaille) und das Gebiet der gesamten Camargue, deshalb ist Arles mit ca. 760 km² die flächenmäßig größte Gemeinde Frankreichs. Große Gemeindeteile von Arles gehören zum Regionalen Naturpark Camargue.

Nördlich des Stadtgebietes, in Fourques, beginnt das Department Gard. Südlich schließt sich die Camargue an.

Geschichte[Bearbeiten]

Arles hieß im Altertum Arelas oder Arelate (kelt. „Sumpfort“), wurde von den Galliern an Stelle des ligurischen Theline gegründet und von Gaius Julius Caesar 46. v. Chr. zur römischen Militärkolonie Colonia Julia Paterna Arelate Sextanorum gemacht.

Der Ort erhob sich bald zu hoher Bedeutung, wetteiferte mit Massilia (Marseille) im Handel und erreichte seine Blütezeit unter Kaiser Konstantin, der Arles vergrößerte, ausschmückte und den Beinamen Constantina gab. 395 wurde sie Hauptstadt Galliens. Im Jahre 402 wurde dann die Praefectura Galliarum, die oberste Behörde des römischen Westreiches, von Trier nach Arles verlegt.

In Arles kreuzte sich die Römerstraße Via Agrippa nach Lyon (Lugdunum) (und weiter nach Augusta Treverorum bis zur Colonia Claudia Ara Agrippinensium) mit der Via Aurelia, die Massilia mit Rom verband.

Arles wurde im 3. Jahrhundert Sitz eines Bischofs, im Jahr 400 Sitz eines Erzbischofs. Als Hauptumschlagplatz wurde es in der Folge von Westgoten und Sarazenen mehrmals erobert und zerstört, dennoch behauptete es lange seinen Glanz; seit 536 zum Frankenreich gehörig, wurde es 879 Hauptstadt des Königreichs Burgund und kam mit diesem 1033 zum Heiligen Römischen Reich. Seit 933 stand die Stadt unter der Herrschaft des Erzbischofs, wurde 1220 unabhängig von ihm und 1237 für nur zwei Jahre Reichsstadt. 1251 unterwarf sich die Stadt Karl von Anjou und fiel 1481 mit der Grafschaft Provence an Frankreich. Der Erzbischof wanderte später nach Aix-en-Provence ab. Arles war bis 1801 Bischofssitz.

In Arles fanden mehrere wichtige (arelatische) Synoden statt: so 314 gegen die Donatisten, 354 gegen Athanasius, 452 zur Regelung der Kirchen- und Klosterdisziplin, 475 gegen den Prädestinatianer Lucidus.

Politik[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Beschreibung: In Blau ein sitzender hersehender goldener Löwe mit durch die Beine zurückgeschlagenem Schwanz ein langstieliges goldenes Labarum (Christusmonogramm Chi-Rho ) mit der Inschrift in schwarzen Majuskeln „CIV.AREL“ haltend.

Symbolik: Der Löwe wird auch mit Arlesianer (Wappen-) Löwe bezeichnet.

Bürgermeister von Arles ist für die Wahlperiode 2008–2015 Hervé Schiavetti (PCF).

Wirtschaft[Bearbeiten]

Nennenswert sind die Olivenöl-Erzeugung und die Schafzucht in der Umgebung. Die Maschinenwerkstätten der Bahn (SNCF), in denen bis zum Ende des 20. Jahrhunderts ca. 1.200 Arbeiter beschäftigt waren, sowie die Papierfabrik sind geschlossen. Handel und Industrie sind wirtschaftlich unbedeutend. Die Arbeitslosigkeit im Gemeindegebiet von Arles ist hoch und liegt durchschnittlich bei mehr als 16 Prozent (Stand 2006)[1]

Verkehr[Bearbeiten]

Die Rhône kann wegen ihrer geringen Tiefe nur von kleineren Schiffen (bis 200 t) befahren werden; um dieses Hindernis für die Schifffahrt zu beseitigen, wurde 1834 der Kanal von Arles nach Bouc angelegt und, da auch dieser nicht genügte, 1864 der Kanal St. Louis, der, 60 m breit und 7,9 m tief, vom Hafen von Bouc aus die Mündung der Rhône mit ihrer Barre umgeht.

Eisenbahn[Bearbeiten]

Der Bahnhof von Arles war lange Zeit ein Eisenbahnknoten-Bahnhof.[2], und es gab sogar eine große Eisenbahnwerkstatt der SNCF, die schon 1843 eingerichtet wurde.[3]

Heute ist nur noch die Bahnstrecke Avignon–(Arles)–Mirames–Marseille wirklich in Betrieb. Diese Strecke war auch die erste Eisenbahnstrecke, die Arles erreichte. Sie wurde von der Compagnie du chemin de fer de Marseille à Avignon geplant und gebaut. Der Abschnitt Tarascon–(Arles)–Saint-Chamas wurde am 18. September 1847 eröffnet. Die Gesellschaft wurde später Teil der Compagnie du chemin de fer de Lyon à la Méditerranée, welche wiederum in die SNCF aufging. Die Strecke ist doppelspurig angelegt und mit 1500 Volt Gleichstrom elektrifiziert.

Die normalspurige Strecke von Arles nach Salon wird im Sommer zwischen Arles und Fontvieille noch von touristischen Zügen befahren. Die Strecke ist danach teilweise abgebaut.

Eine normalspurige Strecke führte nach Saint-Gilles. Die Brücke über die Rhône wurde nach der Zerstörung im Jahr 1944 nicht wieder aufgebaut.

Die normalspurige Strecke nach Saint-Louis wurde eingestellt und größtenteils abgebaut.

In Trinquetaille hatte bis 1958 die schmalspurige Chemins de fer de Camargue ihren Endbahnhof, von dem die Strecke nach Saintes-Maries und Salin-de-Giraud, sowie über Bouillargues nach Nîmes führte.

Bildung[Bearbeiten]

  • École Nationale Supérieure de la Photographie: Die Stadt wurde nicht zuletzt aufgrund des Einflusses des dort heimischen Fotografen Lucien Clergue (eines frühen französischen Aktfotografens aus dem Bekanntenkreis Picassos) als Sitz der École Nationale Supérieure de la Photographie, der französischen Hochschule für Fotografie, ausgewählt.
  • Hydrographische Schule
  • Öffentliche Bibliothek

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der Monuments historiques in Arles

Weltkulturerbe[Bearbeiten]

Seit 1981 stehen viele der antiken und romanischen Denkmäler der Stadt auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes. Die Kirche Saint-Honorat auf dem Alyscamps wird zudem seit 1998 als Teil des Welterbes „Jakobsweg in Frankreich“ ausgezeichnet. Arles ist der Startpunkt der Via Tolosana, eines französischen Abschnitts auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela.

Antike[Bearbeiten]

Arles gehört zu den sehenswertesten Städten der Provence und besitzt zahlreiche Überreste antiker Pracht, unter denen hervorzuheben sind:

  • Amphitheater von Arles, um 90 n. Chr. erbaut; Durchmesser 140 m × 103 m, mit zwei Geschossen mit je 60 Arkaden und ca. 25.000 Zuschauern Platz bietend; im Mittelalter zu einer Festung ausgebaut, von der noch drei Vierecktürme (12. Jahrhundert) und die Arkadenvermauerung zeugen; Ab 1825 erfolgte schrittweise die Entfernung der zahlreichen Häuser im Inneren und angrenzend an das Oval; seit 1846 restauriert und gegenwärtig an Festtagen Schauplatz für Stierkämpfe;
  • Der im südwestlich der Stadt gelegenen Zirkus (Rennbahn) gefundene 15 m hohe Granit-Obelisk steht seit 1676 an der Place de la République.
  • Antikes Theater, unter Kaiser Augustus um 25 v. Chr. errichtet, von dem sich noch zwei korinthische Säulen, die Orchestra und vom Zuschauerhalbrund die untersten der 33 Sitzreihen mit 12.000 Sitzplätzen sowie ein Turm, der noch die ursprüngliche Höhe von drei Arkaden bewahrt, erhalten haben; hier wurde 1651 die berühmte Venus von Arles aufgefunden, die jetzt im Louvre in Paris und als Kopie im Treppenhaus des Hôtels de Ville, Place de la République, steht.
  • Reste des römischen Forums mit einem Kryptoportikus (um 40 v. Chr.), einem unterirdischen Bogengang, Reste der römischen Thermen (4. Jahrhundert n. Chr.) und eines Palastes von Konstantin; zahlreiche, seit 1995 im Musée de l'Arles et de la Provence antiques vereinigte Skulpturen (Dianenkopf, Medea, Apolloaltar u. Arles).
  • Das Musée départemental Arles antique ist das Antikenmuseum von Arles. Es zeigt und behandelt die Geschichte der Besiedelung von Arles und seiner Umgebung von der Frühgeschichte bis zum Ende der Römerzeit. Es wurde 1995 eröffnet.

Kathedrale Saint-Trophime[Bearbeiten]

siehe Hauptartikel St-Trophime d’Arles

Das bedeutendste Bauwerk der Stadt ist die ehemalige Benediktiner-Abteikirche Saint-Trophime mit berühmtem Portal und Kreuzgang. Bei ihrem Bau wurden Steine vom antiken Theater verwendet. Der hl. Trophimus christianisierte die Provence und war vor 250 n. Chr. der erste Bischof in Arles ; seine Gebeine ruhen in der Kirche, die ihm geweiht ist. In ihr wurde Friedrich Barbarossa am 30. Juli 1178 zum König von Burgund gekrönt.[4]

Die Kathedrale besitzt als Basilika mit einem 20 m hohen Mittelschiff sowohl romanische als auch gotische Stilelemente. Während Langhaus, Turm und Fassade 1152-80 im romanischen Stil errichtet wurden, entstand der gotische Umgangschor erst 1454-65. Das der Westfassade um 1190 vorgeblendete Haupt-Portal mit seinem Tympanon (Christus als Weltenrichter) gilt als Hauptwerk der provencialischen Plastik der Hochromanik. Das Innere der Kirche ist modernisiert.

Vom Kloster ist der in mehreren Bauphasen zwischen 1130 und dem 14. Jahrhundert erbaute Kreuzgang bemerkenswert. In den vier Galerien – zwei romanisch, zwei gotisch – sind alle Arten des Rund- und Spitzbogenstils zu finden; hier wechseln sich Pfeiler und Säulen mit fein gearbeiteten Kapitellen ab. Die Geviertecken sind figurengeschmückt, z. B. mit einer Trophimusfigur von 1188; im Kapitelsaal sind Gobelins zu sehen.

Das Portal ist zwischen 1150 und 1200 errichtet worden und gilt neben dem von St-Gilles als das bedeutendste romanische Portal der Provence. Es handelt sich um ein vorgesetztes, giebelbekröntes Doppelportal. Zwischen den Freisäulen an den Seiten stehen überlebensgroße Standbilder der Apostel. 1998 wurde es gereinigt.

Diese Anlage ist ein eindrucksvolles Beispiel für die Antikenrezeption in Südfrankreich im 12. Jahrhundert, also für die Rückbesinnung auf antike Gestaltungsformen. So ist man beim Portal von St-Trophime von der damals traditionellen Gestaltung einer Fassade abgewichen und hat das antike Motiv eines römischen Triumphbogens aufgegriffen. Während das übrige Portal in die Fassade integriert ist, scheint es hier durch die Vorblendung ein deutliches Eigenleben zu führen, das den Blick des Betrachters allein auf sich zieht. Über den gesamten Türsturz zieht sich ein reliefierter Kämpferfries hin, der u. a. die 12 Apostel in sitzender Haltung zeigt. Das ikonographische Programm des Portals, aber auch des Kreuzganges erinnert mit der Präsentation von Charaktergesichtern der Plastiken stark an die Antike.

Alyscamps[Bearbeiten]

siehe Hauptartikel: Alyscamps

Außerhalb der alten Stadtmauern findet man an der süd-östlichen Ecke eine lange Allee, die Alyscamps (Elysii campi, Elysische Felder) hin zur unvollendeten Kirche Saint-Honorat (12. Jahrhundert). Die einstige römische Begräbnisstätte wurde später ein christlicher Friedhof. Von den zahlreichen frühmittelalterlichen Steinsarkophagen sind nur noch einige schmucklose an der Allée des Tombeaux zu sehen, während die schönsten, soweit sie sich erhalten haben, heute im Musèe d'Arles Antique stehen. Siehe auch den Hauptartikel Alyscamps.

  • Kapelle Sainte-Croix und die Ruinen der Benediktinerabtei Montmajour, eine der seinerzeit eindrucksvollsten Klosteranlagen in Südfrankreich, befinden sich nordöstlich der Stadt, an der Grenze zu Fontvieille.
  • Museon Arlatan: Die bedeutendste Sammlung zur provenzialischen Volkskunde ist im Palais de Laval-Castellane (16. Jahrhundert) zu besichtigen.

Kunst und Kultur[Bearbeiten]

  • Berühmt ist auch die Schönheit und Eleganz der Frauen von Arles. Die Belle Arlésienne hat Mérimée zum Libretto für die von Georges Bizet komponierte Oper Carmen angeregt. Auch Hugo von Hofmannsthal bemerkt „die feierliche römische Schönheit, die Kameenprofile und den königlichen Gang“ der Frauen von Arles.[5]
  • Vincent van Gogh: Einer der (heute) berühmtesten Einwohner von Arles war 1888/89 der Maler Vincent van Gogh. Während dieser Zeit portraitierte er Arles und die Umgebung hundertfach. Die heute an seine Gemälde erinnernden Stellen in Arles wurden allerdings in den 1990er Jahren nach seinen Gemälden für den Tourismus dekoriert. Typisches Beispiel hierfür ist das Nachtcafé. Nachdem der Maler von der Bourgeoisie aus der Stadt faktisch vertrieben wurde, besitzt die Stadt kein einziges von seinen Gemälden. Das von ihm bewohnte Haus an der Place-La-Martine (Maison Jaune, „Gelbes Haus“) wurde im Zweiten Weltkrieg bei einem Bombenangriff zerstört. Zwar hat eine der zahlreichen Zugbrücken in der Umgebung den Maler zu den Bildern Die Brücke von Langlois angeregt, doch ist die heute als Van-Gogh-Brücke ausgeschilderte an der Montcalde-Schleuse zwar eine gleichartige, aber nicht die von ihm gemalte Brücke, die rund 800 m entfernt lag.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Die Fotoausstellung Rencontres d’Arles findet seit 1969 in der zweiten Juliwoche bis Ende August statt, mit zahlreichen Einzelausstellungen. Sie zeigt den Stand der jeweils aktuellen Kunstphotographie

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter

Personen mit Bezug zur Stadt

  • Caesarius von Arles (470–542), Erzbischof von Arles
  • Vincent van Gogh (1853–1890), niederländischer Maler, malte und lebte 1888/1889 in Arles
  • Paul Gauguin (1848-1903), französischer Maler, lebte zusammen mit van Gogh für zwei Monate in Arles

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • (Direction Générale) Jean-Maurice Rouquette, (Direktion Scientifique) Paul Allard, Régis Bertrand, Marc Heijmans, Jean-Maurice Rouquette; ARLES histoire territoires et cultures, Imprimerie nationale Editions Paris 2008 ISBN 978-2-7427-5176-1 (Die einzelnen Kapitel und Abschnitte haben jeweils einen vermerkten Hauptautor)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Arles – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistische Angaben zu Pays Arles (PDF; 2,1 MB), (französisch), abgerufen am 1. August 2012
  2. Karte des Eisenbahn-Netzes um Arles; ARLES histoire territoires et cultures, S. 858.
  3. ARLES histoire territoires et cultures, S. 860.
  4. Johannes Fried: Friedrich Barbarossas Krönung in Arles (1178) In: Historisches Jahrbuch Bd. 103 (1983) S. 347-371 (online; PDF; 2,1 MB).
  5. zitiert nach Bauwerke in Frankreich - Arles -