Jon Barwise

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Kenneth Jon Barwise (* 29. Juni 1942 in Independence (Missouri); † 5. März 2000 in Bloomington, Indiana) war ein US-amerikanischer Mathematiker und Philosoph, der sich mit mathematischer Logik beschäftigte.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Barwise studierte Mathematik an der Yale University, wo er 1963 seinen Bachelor Abschluss machte, und promovierte 1967 bei Solomon Feferman an der Stanford University mit der Arbeit Infinitary Logic and Admissible Sets (außerdem studierte er dort bei Dana Scott). Danach war er Assistant Professor an der Yale University und der University of Wisconsin-Madison. Ab 1983 war er Professor für Philosophie an der Stanford University, wo er Mitgründer und erster Direktor des „Center for the study of language and information“ war und Direktor des Symbolic Systems Program, ein interdisziplinäres Studienprogramm, das Informatik, Linguistik, Logik und Kognitionswissenschaft umfasste. Für Beiträge auf diesem Gebiet wurde 2001 der K. Jon Barwise Award gestiftet. Ab 1990 war er Professor für Philosophie, Informatik und Mathematik an der Indiana University in Bloomington. Außerdem war er Gastprofessor an der Universität Oxford, der UCLA und am Center for Advanced Study in the Behavioral Sciences in Stanford. 1999 wurde bei ihm Darmkrebs diagnostiziert.

1992 wurde er Ehrendoktor der University of Pennsylvania. 1997 erhielt er mit John Etchemendy die EDUCOM Medaille für ihre Neuerungen im Unterricht der Logik. 2000 war er Gödel-Lecturer, konnte den Vortrag aber nicht mehr halten. 1974 war er Invited Speaker auf dem Internationalen Mathematikerkongress in Vancouver (Admissible Sets and Interaction of Model Theory, Recursion Theory and Set Theory).

Barwise ist bekannt als Autor neuartiger Logik-Lehrbücher, zusammen mit John Etchemendy. Er befasste sich mit Logik formaler Sprachen (Infinitary Logic, das heißt unter Zulassung unendlich langer Sätze), Anwendungen der Logik in der Sprache (wie Situationssemantik) und allgemein mit dem Prozess des Informationsflusses in komplexen Systemen (wie Sprache oder Computern). Bei seiner Behandlung des Lügner-Paradoxons (dem Phänomen der Vicious Circles, der zirkulären Schlüsse) bediente er sich der Non well founded set theory des britischen Logikers Peter Aczel.

Schriften[Bearbeiten]

  • Admissible Sets and Structures, 1975
  • The Situation in Logic, 1988, ISBN 0-937073-32-6
  • mit John Etchemendy: The Liar: An Essay in Truth and Circularity 1987, ISBN 0195059441
  • mit Larry Moss Vicious Circles. On the Mathematics of Non-Wellfounded Phenomena 1996, ISBN 1-57586-008-2
  • mit John Perry: Situationen und Einstellungen. Grundlagen der Situationssemantik, de Gruyter 1987, ISBN 3-11-010425-3 (englisches Original: Situations and Attitudes. Cambridge: MIT Press. 1983, ISBN 1-57586-193-3)
  • mit Jerry Seligman Information Flow: the Logic of Distributed Systems, 1997, ISBN 0-521-58386-1
  • mit John Etchemendy: Sprache, Beweis und Logik I. Aussagen- und Prädikatenlogik, Mentis Verlag, 2005, ISBN 978-3-89785-440-6, Band II: Anwendungen und Metatheorie, Mentis Verlag 2006, ISBN 978-3-89785-441-3 (englisches Original: Language, Proof and Logic, 2002, ISBN 1-57586-374-X)
  • mit Etchemendy: The language of first order logic 1990
  • mit Etchemendy: Tarski´s World 1991
  • mit Etchemendy: Turing´s World 1993
  • mit Etchemendy: Hyperproof 1994

als Herausgeber:

  • The Syntax and Semantics of Infinitary Languages, 1968
  • The Handbook of Mathematical Logic, North Holland 1975, 1977
  • mit Solomon Feferman: Model-theoretic Logics, 1985
  • mit Gerard Allwein: Logical Reasoning with Diagrams, 1996

Weblinks[Bearbeiten]