José Eduardo Agualusa

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
José Eduardo Agualusa

José Eduardo Agualusa (* 13. Dezember 1960 in Huambo) ist ein angolanischer Schriftsteller.

Leben und Werk[Bearbeiten]

José Eduardo Agualusa wurde 1960 in Huambo, Angola, geboren. Er lebte lange in Lissabon, dann in Rio de Janeiro. Bis heute hat er acht Romane, mehrere Bände mit Kurzgeschichten und einen Lyrikband veröffentlicht. Zudem ist er als freier Journalist für Radio und Zeitung tätig. Das Portugiesisch, in dem er schreibt, ist für Agualusa nicht mehr die Sprache der einstigen Kolonialherren, sondern „eine afrikanische Sprache, die Begriffe, Ausdrücke, die Rhythmen und die Gefühle des angolanischen Volkes aufgenommen hat“. In dieser Hinsicht steht er in der Nähe von Luandino Vieira und Pepetela, die - wie er - Angolaner portugiesischer Abstammung sind.

Agualusas erster Roman, A Conjura („Die Verschwörung“), erschien 1989. Zentrales Thema dieses historischen Romans, der in São Paulo de Luanda der Jahre 1880 bis 1911 angesiedelt ist, ist die Vermischung der Kulturen in der modernen angolanischen Gesellschaft.

Der Autor zeichnet das Porträt einer Gesellschaft, die von Gegensätzen geprägt ist und in der nur diejenigen Aussicht auf Erfolg haben, die sich anpassen, d. h. sich der jeweils anderen Rasse und Kultur gegenüber öffnen. Im Brennpunkt dieser Entwicklung steht für Agualusa die kreolische Minderheit, der er selbst auch angehört und deren wachsendes Selbstbewusstsein er in seinem zweiten Roman, A Feira dos Assombrados („Der Markt der Verdammten“), von 1992 als Wurzel eines angolanischen „Proto-Nationalismus“ beschreibt.

In Zusammenarbeit mit Fernando Semedo und der Fotografin Elza Rocha brachte Agualusa 1993 den Band Lisboa Africana („Afrikanisches Lissabon“) heraus, der die vielfältigen kulturellen Impulse, die die portugiesische Gesellschaft durch ihre afrikanische Bevölkerungsgruppe erfahren hat, dokumentiert. In seinem Gegenwartsroman Estação das chuvas („Regenzeit“) von 1996 entwirft der mit autobiografischen Zügen ausgestattete Ich-Erzähler um die fiktive Lebensgeschichte der angolanischen Dichterin und Historikerin Lidia do Carmo Ferreira eine nüchterne Gesellschaftschronik aus Fakten und Fiktionen, die dem Leser die verheerenden Folgen von 30 Jahren Krieg und Bürgerkrieg auf beklemmende Weise vor Augen führt.

Die Hauptfigur seines inhaltlich wie formal ambitioniertesten Romanprojekts Nação Crioula („Ein Stein unter Wasser“) von 1997 entlehnte Agualusa einem Briefroman des großen portugiesischen Schriftstellers Eça de Queiroz (1845–1900). In einem geistreichen literarischen Spiel erweitert er die Vorlage um die Perspektive der Kolonie Angola auf Europa und auch auf das vor allem von Angola aus kolonisierte Brasilien.

2006 gründete er den brasilianischen Verlag „Língua Geral“, der nur Werke herausgibt, die ursprünglich auf Portugiesisch geschrieben wurden.

Sonstiges[Bearbeiten]

José Eduardo Agualusa war Teilnehmer beim internationalen Literaturfestival Berlin 2001. Er hat als Teilnehmer des Berliner Künstlerprogramms des DAAD 2001/2002 in Berlin gelebt, wo er den Roman O Ano em que Zumbi Tomou o Rio geschrieben hat.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • Grande Prémio de Literatura da RTP für Nação crioula (dt. Titel „Ein Stein unter Wasser“)
  • Independent Foreign Fiction Prize für O Vendedor de Passados (dt. Titel „Das Lachen des Geckos“)

Werke[Bearbeiten]

  • A Conjura. (Roman) 1989.
  • Coração dos bosques. (Dichtung) 1991.
  • A Feira dos Assombrados. (Novelle) 1992.
  • Lisboa Africana. (Reportage) 1993.
  • Estação das chuvas. (Roman) 1996.
  • Nação Crioula. (Roman) 1997.
    • Übersetzung: Ein Stein unter Wasser. Aus dem Portugiesischen von Inés Koebel. dtv, München 1999.
  • Fronteiras Perdidas, contos para viajar. (Erzählungen) 1999.
  • Um estranho em Goa. (Roman) 2000.
  • Estranhões e Bizarrocos. (Kinderbuch) 2000.
  • A Substância do Amor e Outras Crónicas. (Glossen) 2000.
  • O Homem que Parecia um Domingo. (Erzählungen) 2002.
  • Catálogo de Sombras. (Erzählungen) 2003.
  • O Ano em que Zumbi Tomou o Rio. (Roman) 2003.
  • O Vendedor de Passados. (Roman) 2004.
    • Übersetzung: Das Lachen des Geckos. Roman. Aus dem Portugiesischen von Michael Kegler. A1 Verlag, München 2008.
  • Manual Prático de Levitação. (Erzählungen) 2005.
  • As Mulheres de Meu Pai. (Roman) 2007.
    • Übersetzung: Die Frauen meines Vaters. Roman. Aus dem Portugiesischen von Michael Kegler. A1 Verlag, München 2010, ISBN 978-3-940666-10-9.[1]
  • Barroco tropical. (Roman) 2009.
    • Übersetzung: Barroco tropical. Roman. Aus dem Portugiesischen von Michael Kegler. A1 Verlag, München 2011 ISBN 978-3-940666-19-2.
  • Um Pai em Nascimento. (Crónicas / Glossen) 2010.
  • Milagrário Pessoal. (Roman) 2010.

Weblinks[Bearbeiten]

Rezensionen
Interviews

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. FAZ vom 26. Oktober 2010, Seite 26: Afrikanische Farbenlehre