Justus Georg Schottelius

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Justus Georg Schottelius

Justus Georg Schottelius (latinisiert aus Schottel; * 23. Juni 1612 in Einbeck; † 25. Oktober 1676 in Wolfenbüttel) war ein deutscher Dichter und Sprachgelehrter der Barockzeit.

Leben[Bearbeiten]

Justus Georg war der Sohn des lutherischen Pfarrers Johannes Schottelius in Einbeck und dessen Ehefrau Margaretha, einer Tochter des Kaufmanns Hans Ilse. Seit 1618 besuchte er die Ratsschule zu Einbeck. Nach dem Tod des Vaters 1626 begann er eine Handwerker- oder Krämerlehre, die er nach kurzer Zeit abbrach.

Mit 17 Jahren verdiente er sich bereits seinen eigenen Lebensunterhalt durch Nachhilfestunden und Schreibarbeiten, um das Gymnasium Andreanum in Hildesheim besuchen zu können. 1628 immatrikulierte er sich an der Universität Helmstedt. In den Jahren 1631 bis 1633 studierte Schottelius am von Joachim Jungius geleiteten Akademischen Gymnasium in Hamburg.

Anschließend wechselte Schottelius 1633 für zwei Jahre an die Universität Groningen. Am 11. Mai 1635 immatrikulierte er sich an der Universität Leiden und studierte dort bei den Professoren Daniel Heinsius und Petrus Cunaeus. Im Jahr darauf kehrte Schottelius nach Einbeck zurück und immatrikulierte sich am 11. Oktober 1636 an der Universität Wittenberg. Von dort flüchtete er 1638 vor den schwedischen Truppen.

In Braunschweig verdingte er sich 1638 als Hauslehrer bei der Familie von Hahn. Zu Ostern 1638 wurde Schottelius zum Präzeptor des Prinzen Anton Ulrich von Braunschweig-Lüneburg ernannt. Ein weiterer Schüler war Ferdinand Albrecht von Braunschweig-Lüneburg. In den Jahren 1645–1646 unterstützte der bekannte Dichter Sigmund von Birken Schottelius bei der Erziehung der jungen Prinzen.

Schottelius schrieb mindestens sechs Schauspiele für seine Schüler, welche von diesen auch aufgeführt wurden. Größtenteils komponierte Herzogin Sophie Elisabeth, die Gattin Herzog Augusts des Jüngeren, die Begleitmusik. Zu einem Stück stammt die Musik von Heinrich Schütz.

Während seiner Tätigkeit als Präzeptor und Hauslehrer promovierte Schottelius an der Universität Helmstedt zum Doctor beider Rechte. Als solcher wurde er 1642 zum Assessor am Hofgericht ernannt.

Während dieser Jahre bemühte sich Schottelius stets um die deutsche Sprache und griff engagiert in die Sprachdebatte seiner Zeit ein, auch wenn er in dauernder Konkurrenz zu Christian Gueintz und Fürst Ludwig I. von Anhalt-Köthen stand. Zweifellos nahm ihn der Fürst gerade deswegen am 25. September 1642 in die Fruchtbringende Gesellschaft auf. Gleichzeitig mit Schottelius wurde auch Franz Julius von dem Knesebeck aufgenommen.

Schottelius wurde der Gesellschaftsname der Suchende und das Motto reine Dünste gegeben. Als Emblem wurde ihm die Gemsenwurtzel oder Schwindelkraut (wahrscheinlich die Kriechende GämswurzDoronicum pardalianches L.) zugedacht. Schottelius’ Eintrag findet sich im Köthener Gesellschaftsbuch unter der Nr. 397. Dort ist auch das Reimgesetz verzeichnet, mit welchem er sich für die Aufnahme bedankt:

Die Gemsenwurtzel wird auch Schwindelkraut genant,
Von Jägern die dem thier’ in bergen hoch nachsteigen:
Die reinen dünst’ ich such’ und mache sie bekant,
Die unsrer Deutschen sprach in ihrer art seind eigen,
Recht auf dem grunde geh’, und drin bleib’ unverwand:
Heis Suchend, auch wil fort, was sich drin finded Zeigen,
Zu bringen frucht die wol dem Vaterlande nutzt,
Und mit der Deutschen Zung’ all’ andre frembde trutzt.

Am 8. September 1646 heiratete er Margarethe Cleve, die aber schon am 6. September 1647 – wahrscheinlich im Kindbett – starb.

Noch bis 1646 hatte Schottelius das Amt des Prinzenerziehers am Wolfenbütteler Hof inne. Anschließend wurde er als Hof- und Kammerrat auch mit administrativen Aufgaben betraut. Der Pegnesische Blumenorden von Georg Philipp Harsdörffer hatte ihn schon 1645 als sein zehntes Mitglied aufgenommen; er wurde unter dem Namen Fortano Mitglied. Mit dem zweiten Ordenspräsidenten Birken verband ihn eine langjährige, durch den noch erhaltenen Briefwechsel belegte Gelehrtenfreundschaft. Wahrscheinlich war Schottelius auch seit 1644 bereits Mitglied der Unio Christiana des Johann Valentin Andreae.

Am 12. Juni 1649 heiratete Schottelius Anna Maria Sobbe.

Werk[Bearbeiten]

1663 erschien Schottelius’ wichtigstes und umfangreichstes Werk Ausführliche Arbeit Von der Teutschen HaubtSprache, eine Art Summa des damaligen Wissens auf dem Gebiet der Sprachforschung und Linguistik. Wegen seiner grammatischen Aussagen vor allem im Bereich der Wortbildung (durch Komposition und auf der Basis von Stammwörtern), wie auch wegen seiner kulturpädagogischen Wirkung hinsichtlich der Aufwertung des Deutschen gegenüber anderen Sprachen war er von großer Bedeutung und hat alle weiteren Bemühungen um die grammatische Beschreibung des Deutschen grundlegend beeinflusst. Deutsche Wörter für linguistische und grammatische Termini („Einzahl“, „Mehrzahl“, „Stammform“ usw.) gehen auf Schottelius zurück.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Lamentatio Germaniæ Exspirantis / Der nunmehr hinsterbenden Nymphen Germaniæ elendeste Todesklage, Braunschweig 1640 (Digitalisat)
  • Teutsche Sprachkunst, Braunschweig 1641 (Nachdruck: Hildesheim 1976)
  • Neu erfundenes Freuden-Spiel genandt Friedens-Sieg, Wolfenbüttel 1648 (Digitalisat)
  • Fruchtbringender Lustgarte: voller Geistliche und Weltliche Neue erfindungen, Wolfenbüttel 1647 (Nachdruck: München 1967)
  • Teutsche Vers- und Reimkunst, Lüneburg 1656 (Nachdruck: Hildesheim 1976)
  • Ausführliche Arbeit von der teutschen Haubtsprache, Braunschweig 1663 (Digitalisat; Nachdruck: Tübingen 1967)
  • Jesu Christi Nahmens Ehr, Wolfenbüttel 1666
  • Ethica: die Sittenkunst oder Wollebenskunst, Wolfenbüttel 1669 (Nachdruck: Bern 1980)
  • De singularibus quibusdam et antiquis In Germania Juribus et Observatis., Ffm. u. Lpz. 1671
  • Sonderbare Vorstellung von der ewigen Seeligkeit. Braunschweig 1673
  • Horrendum Bellum Grammaticale Teutonum antiquissimorum, Braunschweig 1673 (Digitalisat; Neuausgabe als Der schreckliche Sprachkrieg: Reclam, Leipzig 1991, ISBN 3-379-00721-8)

Literatur[Bearbeiten]

  • Jörg Jochen Berns (Hrsg.): Justus Georg Schottelius. Ein teutscher Gelehrter am Wolfenbütteler Hof. Ausstellung der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel vom 23. Oktober 1976 bis 2. Januar 1977. Herzog August Bibliothek, Wolfenbüttel 1976
  • Volker Meid: Schottelius In: Walther Killy: Literaturlexikon. Autoren und Werke deutscher Sprache (15 Bände). Bertelsmann-Lexikon-Verlag, Gütersloh / München 1988–1991 (CD-ROM: Berlin 1998, ISBN 3-932544-13-7)
  • Gerhard Dünnhaupt: Justus Georg Schottelius (1612–1676). In: Personalbibliographien zu den Drucken des Barock. Band 5. Hiersemann, Stuttgart 1991, ISBN 3-7772-9133-1, S. 3824–3846 (Werk- und Literaturverzeichnis)
  • Dieter Cherubim: Schottelius, Justus Georg(ius). In: Horst-Rüdiger Jarck, Dieter Lent et al. (Hrsg.): Braunschweigisches Biographisches Lexikon: 8. bis 18. Jahrhundert. Appelhans Verlag, Braunschweig 2006, S. 630f.
  • Schottel oder Schottelius, Justus George. In: Johann Heinrich Zedler: Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste. Band 35, Leipzig 1743, Spalte 1040 f.
  • Josef Plattner: Zum Sprachbegriff von J. G. Schottelius. Diss. Zürich 1967.
  • Rolf Schneider: Der Einfluß von Justus Georg Schottelius auf die deutschsprachige Lexikographie des 17. und 18. Jahrhunderts. Lang, Frankfurt am Main u. a. 1995, ISBN 3-631-47973-5
  • Markus Hundt: „Spracharbeit“ im 17. Jahrhundert. Studien zu Georg Philipp Harsdörffer, Justus Georg Schottelius und Christian Gueintz. Habilitationsschrift TU Dresden. De Gruyter, Berlin 2000, ISBN 3-11-016798-0
  • Tuomo Fonsén: Kunstlöbliche Sprachverfassung unter den Teutschen. Studien zu Schottelius’ „Horrendum Bellum Grammaticale“. Lang, Frankfurt am Main u. a. 2006

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Justus Georg Schottelius – Quellen und Volltexte