Kaesŏng

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Kaesŏng
Koreanisches Alphabet: 개성시
Chinesische Schriftzeichen: 開城市
Revidierte Romanisierung: Gaeseong-si
McCune-Reischauer: Kaesŏng-si
Basisdaten
Provinz: Hwanghae-pukto
Koordinaten: 37° 58′ N, 126° 33′ O37.972222222222126.5558333333370Koordinaten: 37° 58′ N, 126° 33′ O
Einwohner: 308.440 (Stand:  2008[1])
Karte
Kaesŏng (Nordkorea)
Kaesŏng
Kaesŏng
Kaesŏng auf der Karte von Nordkorea.
Blick auf Kaesŏng

Kaesŏng ist die fünftgrößte Stadt Nordkoreas mit 308.440 Einwohnern. Vom 10. bis zum Ende des 14. Jahrhunderts war sie mit kurzen Unterbrechungen Hauptstadt des koreanischen Königreichs Goryeo. Sie ist Industriestadt, Verkehrsknoten und Kulturzentrum mit Universitäten, Theater und Museen. Kaesŏng war von 1955 bis 2003 eine Stadt unter zentraler Verwaltung der Regierung. Seit 2003 ist sie Teil der Provinz Hwanghae-pukto.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Die Stadt liegt in der Provinz Hwanghae-pukto zwölf Kilometer nördlich von Panmunjeom an der Grenze zu Südkorea durchschnittlich 70 Meter über dem Meeresspiegel. Sie ist umgeben von den Bergen Songak (489 Meter) und Pongmyong. Die geografischen Koordinaten sind 37,97 Grad nördlicher Breite und 126,56 Grad östlicher Länge.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Bis 2002 gliederte sich die Stadt Kaesŏng wie folgt:

  • Kaesŏng-si (개성시, 開城市)
  • Changp'ung-gun (장풍군; 長豊郡)
  • Kaep'ung-gun (개풍군; 開豊郡)
  • P'anmun-gun (판문군; 板門郡)

2002 löste man den Landkreis P'anmun und einen Teil der Stadt Kaesŏng aus der besonderen Verwaltungsregion heraus und errichtete das Industriegebiet Kaesŏng. 2003 wurden der verbliebene Teil der Stadt Kaesŏng und die Landkreise Changp'ung und Kaep'ung der Provinz Hwanghae-pukto angeschlossen.

Klima[Bearbeiten]

Kaesŏng besitzt im Wesentlichen ein gemäßigtes Kontinentalklima mit vier ausgeprägten Jahreszeiten. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 10,3 Grad Celsius. Der Jahresniederschlag von 1300 bis 1400 Millimeter im Mittel fällt hauptsächlich während des Monsuns (jangma) im Zeitraum von Juni bis August. Die Wintermonate sind durch Kälte und Trockenheit gekennzeichnet. Im Herbst ist die Stadt gelegentlich von Taifunen betroffen. Der Frühling und der Herbst sind von milden Temperaturen, wechselnden Winden und angenehmem Wetter geprägt.

Geschichte[Bearbeiten]

Historischer Überblick[Bearbeiten]

Alte koreanische Häuser

Die Stadt wurde 918 auf Befehl Wang Geons (877–943), des Begründers der Goryeo-Dynastie (918–1392) als Hauptstadt seines Reiches errichtet. Sie hieß damals Song-ak und hatte 800.000 Einwohner. Im Jahr 960, dem elften Regierungsjahr von König Gwangjong, wurde die Stadt in Gaegyeong (Kaesŏng) umbenannt. Nachdem die Hauptstadt von Silla im äußersten Südosten lag, befand sich Kaesŏng damals im Zentrum des Reiches.

1392 begründete Yi Seong-gye die Joseon-Dynastie (1392–1897) und verlegte die Hauptstadt von Kaesŏng nach Hanyang, dem heutigen Seoul. Kaesŏng wurde Gyeonggi-do angegliedert und sank zu einer Provinzstadt herab, die nur noch einen Bruchteil ihrer früheren Einwohnerzahl beherbergte.

Karte Kaijōs um 1930

Mit der Eingliederung Koreas in das Japanische Kaiserreich 1910 bis zur Unabhängigkeit 1945 wurde auch Japanisch Nationalsprache; Damals wurde der Stadtname 開城 japanisch Kaijō gelesen.

Da Kaesŏng südlich der Demilitarisierten Zone lag, gehörte es nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zum von US-Soldaten besetzten Gebiet und später zu Südkorea.

Während des Koreakriegs begannen in Kaesŏng am 10. Juli 1951 offizielle Waffenstillstandsverhandlungen. Am 19. August 1951 besetzte Nordkorea das Gebiet. Stadt und Umgebung wurden zur Verwaltungsregion Kaesŏng zusammengelegt. 1955 wurde Kaesŏng zur besonderen Verwaltungsregion erklärt und die Stadt unter zentrale Verwaltung der Regierung gestellt.

2003 erfolgte die Eingliederung in die Provinz Hwanghae-pukto.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Wohngebäude

Von 37.000 Einwohnern 1921 stieg die Bevölkerung der Stadt bis 1935 auf über 54.000. Im Jahre 1962 lebten in Kaesŏng 140.000 Menschen. 2005 hatte die Stadt 338.000 Einwohner. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Männer beträgt 68 Jahre, die der Frauen 74 Jahre. Durch die immer wieder auftretenden Hungersnöte und die schlechte medizinische Versorgung hat sich die Lebenserwartung jedoch deutlich reduziert.

Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen der eigentlichen Stadt ohne Vorortgürtel.

        Jahr         Einwohner
1921 37.000
1929 45.000
1932 49.700
1935 54.400
        Jahr         Einwohner
1967 140.000
1976 240.000
1981 259.000
2005 338.155
2008 308.440

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Grabmal von König Wang Geon
Blick über die Altstadt
Konfuzianische Schule und Tempel
Politische Agitation in Kaesŏng

Im Zentrum der Stadt erhebt sich der Berg Chanam mit einer Monumentalstatue von Kim Il-sung und dem sehenswerten Ausblick auf die Umgebung. Dort befindet sich auch der Kwandok-Pavillon (erbaut 1780) sowie am südlichen Fuß des Berges die Sungyang-Lesehalle (ursprünglich der Wohnort des konfuzianischen Gelehrten Chong Mong-Ju) aus dem 14. Jahrhundert.

Nahe dem Berg Chanam steht die steinerne Sonjuk-Brücke (erbaut 1216). Auf dieser Brücke ließ Yi Seong-gye 1392 seinen Widersacher Chong Mong-ju ermorden. In der Nähe der Brücke wurde später der Pyochung-Pavillon errichtet, in dem Steintafeln aus den Jahren 1740 und 1872 an die Loyalität von Chong Mong-ju gegenüber dem Herrscherhaus Goryeo erinnern.

Im Nordosten, zwei Kilometer außerhalb der Stadt, liegt der Komplex der Sŏnggyungwan-Akademie (in dieser Funktion verwendet ab 1089), in dem sich seit 1987 das Koryo-Museum über die Zeit des Königreichs Goryeo befindet. In dem umgebenden Park wurden mehrere alte Steinmonumente aus verschiedenen Tempeln des Landes aufgebaut.

Dreieinhalb Kilometer nördlich des Südtores, das die Lage der alten Stadtmauer beschreibt, liegt das Grab Wang Geons, des Gründers der Goryeo-Dynastie. Bei dem Mausoleum handelt es sich um ein in eine anmutige Landschaft eingebettete Stätte mit zwei unaufdringlichen Grabhügeln samt Steinstatuen.

Am Berg Songak im Nordosten liegt die alte Ausgrabungsstätte Manwoldae am Platz des königlichen Palastes der Goryeo-Dynastie als des ersten vereinigten Staates auf der koreanischen Halbinsel. 25 Kilometer nördlich, bei den Pagyon-Wasserfällen, finden sich die Befestigungsanlagen von Kŭmgang, die historische Mauer von Taehung mit zehn Kilometern Länge und der Kwanum-Tempel von 970 mit siebenstöckiger Pagode und zwei alten marmornen Buddhastatuen.

Bronzestatue Kim Il Sungs in Kaesong

Elf Kilometer westlich von Kaesŏng liegt das Grab Kongmins (1330–1374), des 31. Königs der Goryeo-Dynastie, das allein durch seine Größe und die Zahl der Skulpturen sehenswert ist.

Im Juni 2013 wurden die insgesamt 12 Anlagen aus der Zeit der Goryeo-Dynastie in der Stadt als UNESCO-Welterbe anerkannt.[2] Die Stadt wird damit nach den Goguryeo-Gräberkomplex, der sich über Nord-Korea und China erstreckt zum ersten Weltkulturerbe, dass sich vollständig in Nord-Korea befindet.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Geschäft in der Innenstadt
Family Mart-Lebensmittelladen in der Industrieregion Kaesŏng

In der Stadt befinden sich Betriebe der Holz-, Lederwaren-, Porzellan-, Lebensmittel- und Textilindustrie. Die Umgebung der Stadt wird landwirtschaftlich genutzt. Es werden Getreide und Ginseng angebaut.

Zu Beginn der 1990er Jahre wurde die Wirtschaft der Stadt durch den Wegfall nahezu aller traditionellen Handelspartner schwer getroffen. Nunmehr basierte der Handel auf Dollar-Basis. Die Folge war der Rückgang der gesamten industriellen Produktion bis zu einem nahezu kompletten Stillstand um das Jahr 2000.

Um die Wirtschaft der Region zu entwickeln, wurde 2002 nahe der Stadt das Industriegebiet Kaesŏng geschaffen. Es handelt sich dabei um eine Sonderwirtschaftszone, die dem freien Handel dienen soll. Dort haben sich vor allem klein- und mittelständische Unternehmen aus Südkorea angesiedelt. Im August 2006 waren hier rund 8.000 Nordkoreaner beschäftigt, bei steigender Tendenz. [3] Nach aktuellen Pressemitteilungen (April 2013) sind in der Sonderwirtschaftszone ca. 54.000 Nordkoreaner und ca. 1.000 Südkoreaner beschäftigt.[4]

Verkehr[Bearbeiten]

Kaesŏng ist Verkehrsknotenpunkt an der wiederaufgebauten Straßen- und Eisenbahnverbindung zwischen Pjöngjang und Seoul. Der Flughafen der Stadt wird für zivile und militärische Zwecke genutzt. Eine Autobahn verbindet Kaesŏng mit der Hauptstadt Pjöngjang.

Im öffentlichen Personennahverkehr sind einige dieselgetriebene Omnibusse im Einsatz. Der motorisierte Individualverkehr besitzt keine Bedeutung.

Medien[Bearbeiten]

Die Korea TV Broadcasting Station for Korean Education and Culture hat ihren Sitz in Kaesŏng. Dieser Fernsehsender ging im April 1971 als Kaesong TV Broadcasting auf Sendung und wurde im Februar 1997 in Korea TV Broadcasting Station for Korean Education and Culture umbenannt. Nach Angaben der CIA sendet Korea TV nach Süden und richtet sich somit an Zuschauer in Südkorea.

Bildung[Bearbeiten]

Die Stadt ist Sitz der Koryo Songgyungwan University, Communist University und des Art College. Sie beherbergt zahlreiche Hoch- und Fachschulen sowie Bibliotheken.

Literatur[Bearbeiten]

  • Paul French: North Korea: The Paranoid Peninsula, a Modern History: The Paranoid Peninsula - A Modern History., Zed Books Ltd., 2005, ISBN 1-84277-473-5
  • Arno Maierbrugger: Nordkorea-Handbuch. Unterwegs in einem geheimnisvollen Land. Trescher, Berlin 2004, ISBN 3-89794-039-6
  • Christian Kracht, Eva Munz und Lukas Nikol: Die totale Erinnerung. Kim Jong Ils Nordkorea. Rogner & Bernhard, 2006, ISBN 3-8077-1020-5.
  • Pang Hwan Ju, Hwang Bong Hyok: A Sightseeing Guide to Korea. Foreign Languages Publishing House, Pjöngjang 1991
  • Kim Sung Un: Panorama of Korea. Foreign Languages Publishing House, Pjöngjang 1999
  • Robert Willoughby: North Korea. The Bradt Travel Guide. éditions Bradt, Londres 2003, ISBN 1-84162-074-2

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kaesŏng – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1.  Central Bureau of Statistics (Hrsg.): DPR Korea 2008 Population Census. National Report. Pjöngjang 2009 (http://unstats.un.org/unsd/demographic/sources/census/2010_PHC/North_Korea/Final%20national%20census%20report.pdf, abgerufen am 27. Dezember 2014).
  2. Eintrag zu den Stätten bei der UNESCO
  3. Vantage Point. September 2006, Vol. 29, No. 9.
  4. 54.000 Nordkoreaner arbeiten für die Kapitalisten, Handelsblatt vom 3. April 2013.