Kalidasa

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Kalidasa (Sanskrit, m., कालिदास, Kālidāsa, wörtlich: Diener der Göttin Kali) war ein indischer Dichter, der wahrscheinlich Ende 4. / Anfang 5. Jahrhundert zur Zeit des Guptareichs lebte. Er wird als einer der neun „Juwelen“ am Hof von Vikramaditya beschrieben und gilt neben Amaru und Bhartrihari als Hauptvertreter der indischen Sanskrit-Lyrik.

Leben[Bearbeiten]

Kalidasa stellte in seiner Liebeslyrik verschiedene Frauengestalten in den Vordergrund, so die treue Eremitentochter Shakuntala im gleichnamigen Drama Shakuntala, die emotionale Urvashi und die ihren König liebende Sklavin Malavika. Sein Kunstepos Kumarasambhava (dt. 1913 als Die Geburt des Kriegsgottes) befasst sich mit der Geschichte der leidenschaftlichen Liebe der Götter Shiva und Parvati. Im Epos Raghuvamsha (dt. 1914 als Raghus Stamm) klingt Kritik am Herrscher an. Das lyrische Gedicht Meghaduta (dt. 1847 als Der Wolkenbote) schildert den Schmerz und die Sehnsucht eines getrennten Liebespaares.

Kalidasas Shakuntala war eines der ersten Werke der indischen Literatur, das im Westen bekannt wurde. Es wurde 1789 von William Jones ins Englische und 1791 von Georg Forster vom Englischen ins Deutsche übersetzt. Goethe, Herder und Schiller waren fasziniert von Shakuntala, der Dichter Arthur William Symons nannte es das schönste Drama der Welt. Eine weitere deutsche Übersetzung von Shakuntala fertigte Friedrich Rückert 1854. Rolf Lauckner veröffentlichte 1924 eine Nachdichtung.

Die Geschichte von Shakuntala wird auch im Mahabharata und den Puranas behandelt, jedoch nicht in dieser stilistischen Meisterschaft.

Werke[Bearbeiten]

Die Zuschreibung der Dramen ist nicht gesichert, da es mehrere gleichnamige Autoren gibt.

Dramen

  • Malavikagnimitra (wahrscheinlich)
  • Vikramorvashiya
  • Shakuntala

Kunstepen

  • Kumarasambhava
  • Raghuvamsha

Gedichte

Ausgaben[Bearbeiten]

Wegen der Überlieferung in verschiedenen Rezensionen ist die Textlage besonders schwierig, und es gibt zahlreiche verschiedene Ausgaben. Die Devanagari-Rezension ist enthalten in:

  • Adrian Scharpé: Kalidasa-Lexicon, Vol. I, Part 1-4: Basic Text of the Works. - Vol II, Part 1-2: References and Concordance of Quotations, Brügge: De Tempel 1954-1975 (= Werken uitgegeven door de faculteit van de letteren en wijsbegeerde, Bd. 117, 120, 122, 134, 159, 160).

Übersetzungen[Bearbeiten]

Eine Gesamtübersetzung seiner Werke ins Deutsche gibt es nicht. Teilübersetzungen sind in folgenden Ausgaben erschienen:

  • Werke. Übersetzung, Nachwort und Erklärungen von Johannes Mehlig, Reclam, Leipzig 1983. (Übersetzung der drei Dramen sowie der beiden Gedichte Meghaduta und Ritusamhara)
  • Sakuntala. Drama in sieben Akten. Einführung, Übersetzung aus dem Sanskrit und Prakrit und Anmerkungen von Albertine Trutmann. Ammann, Zürich 2004. ISBN 3-250-10465-5
  • Sakuntala, ein Schauspiel von Kalidasa, übersetzt und hrsg. von Ernst Heinrich Meier, Stuttgart 1852 (Digitalisat)

Alle drei Dramen Kalidasas enthält die englische Übersetzung:

Sakuntala und die Gedichte Meghaduta und Ritusamhara finden sich in:

  • Kalidasa: The Loom of Time. A Selection of His Plays and Poems. Penguin, 2006. ISBN 0-14-045521-3

Literatur[Bearbeiten]

  •  Dorothy Matilda Figueira: Translating the Orient: The Reception of Sakuntala in Nineteenth Century Europe. State University of New York Press, 1991, ISBN 978-0-7914-0327-3.
  • Manohar Laxman Varadpande: History of Indian Theatre. Classical Theatre. Abhinav Publications, Neu Delhi 2005, S. 93–148

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Kalidasa – Quellen und Volltexte