Kamelopedia

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Kamelopedia
Logo Kamelopedia.svg
kamelopedia.mormo.org
Kommerziell Nein
Beschreibung Satire-Wiki mit Schlagwort-Artikeln, Wörterbuch, Nachrichtenseite, Forum, internem Chat und diversen Projekten
Registrierung Optional
Sprachen Deutsch
Eigentümer k.A.

Die Kamelopedia, auch unter der Kurzform Kamelo geläufig, ist das erste bedeutende deutschsprachige Satire-Wiki und dadurch charakterisiert, dass als Running Gag in vielen Artikeln Kamele bzw. deren Sicht auf die Welt auftauchen.[1][2] Sie wird entgegen umgekehrter Eigendarstellung als Parodie auf die Wikipedia gesehen[3][4] und basiert wie diese auf der MediaWiki-Software.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Eigenschaften

In Form und Aufmachung ist die Kamelopedia vorrangig ein Nachschlage-Werk mit Suchfunktion, ähnlich der Wikipedia, verfolgt inhaltlich jedoch andere Schwerpunkte. Während sich die Wikipedia als seriöse Wissensdatenbank versteht, setzt sich die Kamelopedia vielmehr auf satirische Weise mit den Begriffen auseinander.[5] Wie in der Wikipedia ist die Anmeldung unter einem Autorenpseudonym möglich, aber auch nicht angemeldete Benutzer können auf weite Bereiche zugreifen und sich an Artikeln und diversen Projekten beteiligen.[6]

Neben den Enzyklopädie-üblichen Schlagwortartikeln, die teilweise skurrile Themen behandeln[7], haben sich im Laufe der Zeit weitere Projekte angesiedelt, die eine Entsprechung zu den angegliederten Projekten der Wikipedia haben. Dazu zählen das Kamelionary, eine Parodie des Wiktionarys, das Kamelopedia Commons als Fundus für Bilder und Dateien, ähnlich Wikimedia Commons, oder KameloNews, eine – ähnlich wie Wikinews aufgemachte – satirische Nachrichtenseite sowie Kamelobooks, das satirische Pendant zu Wikibooks. Darüber hinaus finden sich auch Konzepte, die bisher keine Entsprechungen in der Wikipedia oder anderen öffentlichen Wikis haben, etwa das jüngste Projekt Frage, wo Fragen und zugehörige Antworten mittels Formular eingegeben bzw. recherchiert werden können. Heute (Stand April 2012) sind auf Kamelopedia über 12.000 Artikel, mehr als 2.000 Projektseiten und über 10.000 Mediendateien zu sehen. Ferner bietet die Plattform einen Chat und ein Benutzerforum und zahlreiche kleinere Projekte.

Ihrem Namen gemäß nutzt die Kamelopedia als satirisches Stilmittel häufiger Kamele und beschreibt in diesem Zusammenhang ihre Anpassungsversuche an die menschliche Kultur (das Handy hat seine Entsprechung im „Hufy“) und ihr oft verborgenes Wirken unter den Menschen (etwa in der Politik) oder ihre Sicht auf die Menschen. Nicht selten finden sich Wortspiele, die aus „verkamelisierten“ Namen bestehen (aus Kennedy wird Kameldy, aus Jesus Christus das Kamel von Nazareth). Weitere Zielobjekte sind der mitunter auftretende Doppelsinn von Begriffen oder Schlagzeilen, manchmal auch originelle Falschschreibungen.[8] Mit dem zunehmenden Publikwerden der Plattform und dem Zuwachs ihrer Benutzer veränderte sich die Humorkultur von der starken Kamelbezogenheit vermehrt hin in Richtung allgemeine Satire.

Einige Vorgehensweisen in der Wikipedia erhalten in der Kamelopedia ihre Entsprechung. Zum Testen des Wikis gibt es entsprechend der Wikipedia:Spielwiese die „Spielwüste“. Neuelinge können ebenfalls mit einem vorgefertigten (allerdings ironisch formulierten) Textbaustein auf ihrer Benutzerseite begrüßt werden. Auch andere Wikipedia-analoge Textbausteine wie „Begriffserklärung“, „Rechtshinweis“, „Systematik Film“ werden als parodistisches Stilmittel eingesetzt. Das Löschen von Artikeln wird als „Überführung in die Grabkammer“ bezeichnet. Das Blockieren von problematischen Usern nennt sich „Anbinden“ und geschieht durch „Kameltreiber“, dem Kamelo-Pendant zu ähnlich befugten Administrator-Rollen der Wikipedia. Anstelle von Exzellenz- oder Lesenswert-Abstimmungen finden sich die „persönlichen Empfehlungen“, eine Liste, die angemeldeten Nutzern zur Verfügung steht und zu der Inhaltstitel per Klick hinzugefügt werden können. Im Beitrag selbst zeigt ein Zähler an, wieviele Nutzer diesen empfehlen. Auch „Liken“ mittels Facebook-Account ist möglich und wird in einem separaten Zähler angezeigt.

Im Logo der Kamelopedia findet sich der Passus „E Pluribus Kamelum“; Er ist eine Anspielung auf die lateinische Phrase E Pluribus Unum. Ähnlich dem Logo der Suchmaschine Google wandelt sich das Logo der Kamelopedia zu besonderen Anlässen.[9]

[Bearbeiten] Geschichte

Die Kamelopedia entstand im April 2004 aus einem privaten Testwiki. Der Bekanntheitsgrad erhöhte sich rasch, im Februar 2008 war das Projekt auf über 11.000 Artikel angewachsen.[10] Insbesondere nach der Vorstellung im Chaosradio auf Fritz (April 2004) durch den Begründer „Fire“[11] und einem Artikel bei Telepolis (Mai 2004)[1] stieg die Zahl der Mitarbeiter (die sich analog zur Bezeichnung „Benutzer“ selbst „Kamele“ nennen) und die der Artikel stark an. Damit wuchs auch die Notwendigkeit administrativer Aufgaben zur Qualitätssicherung und Regulation, was von erfahrenen Mitwirkenden übernommen wird, die ähnlich den Administratoren der Wikipedia mit erweiterten Rechten ausgestattet sind.[1]

Mittlerweile ist die satirische Enzyklopädie populärer Bestandteil der Netzkultur. Das Konzept als Ganzes, Hinweise auf einzelne Artikel oder Zitate daraus finden in unregelmäßigen Abständen Erwähnung in den Medien, darunter hochfrequentierten Webplattformen.[12] [13] [14] [15] [5]

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. a b c Die freie Enzyklopädie "Kamelopedia" in Telepolis vom 11. Mai 2004
  2. Online-Lexika: Alberne Wikipedia-Kopien stürmen ins Internet in Die Welt vom 10. März 2008
  3. Lothar Lemnitzer: Von Aldianer bis Zauselquote: Neue deutsche Wörter, woher sie kommen und wofür wir sie brauchen, Verlag Narr, 2007, ISBN 978-3823363514, S. 50
  4. Maximilian Sterz: Nicht Werkherrschaft sondern Konsens: Der Fall „Hidemann“. In: Maximilian Sterz: Kollektives Schreiben im Netz. München, 2005.
  5. a b Stephanie Seller: Kamelopedia & Co.: Nonsens zum Nachschlagen auf lehrer-online.de vom 1. März 2008
  6. Projekte in der Kamelopedia
  7. Welt der Wikis – Wissen im Web in Der Spiegel vom 7. September 2004
  8. Erwähnung auf Spiegel.de am 24. April 2009
  9. Die vielen Gesichter des Kamelopedia-Kamels
  10. Statistikseite der Kamelopdia
  11. Chaosradio Folge 91 vom 28. April 2004 – Das Web als Nachschlagewerk (Telefon-Interview im Finale der Sendung)
  12. ftd.de: Heimkinder des Kapitalismus (10.Feb.2010, Artikel inzwischen nur gegen Bezahlung lesbar)
  13. kostenlos.de: Kamelopedia: Witziges Wissen der anderen Art
  14. Apple erwirkt einstweilige Verfügung gegen koziol: Ein eiPott ist kein iPod – oder doch? (21.Aug.10)
  15. 3sat.de: Jubiläum - 10 Jahre Wikipedia (14.Jan.2011)
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