Kantonsschule Enge

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Das Hauptgebäude der Kantonsschule Enge 2008
Sicht auf die Kantonsschule Enge von der Steinentischstrasse aus
Blick auf das Hauptgebäude und den gemeinsam mit der Kantonsschule Freudenberg genutzten Trakt der Naturwissenschaften

Die Kantonsschule Enge (KEN) in Zürich ist ein öffentliches Gymnasium des Kantons Zürich. Im Volksmund wurde sie früher auch als «Handeli» bezeichnet nach ihrer alten Bezeichnung als «Kantonale Handelsschule Zürich». Sie teilt sich mit der Kantonsschule Freudenberg die Schulhausanlage Freudenberg, die zu den bedeutendsten Werken der schweizerischen Architektur in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gehört.

Lehrgänge[Bearbeiten]

Die Kantonsschule Enge bietet eine eidgenössisch anerkannte Maturität mit wirtschaftlichem oder neusprachlichem Profil sowie ein Handelsdiplom mit Berufsmaturität an. Alle Ausbildungsgänge dauern vier Jahre, die Handelsmittelschule (HMS) beinhaltet ein Praktikumsjahr. Als sog. Kurzzeitgymnasium betreibt die Kantonsschule Enge kein Progymnasium. Die Informatikmittelschule (IMS+) wird ab 2012 nicht mehr geführt, d.h. es werden keine neue Klassen mehr gebildet.

Profil Wirtschaft und Recht[Bearbeiten]

Das Profil Wirtschaft und Recht beinhaltet neben den modernen Sprachen Französisch und Englisch bzw. Italienisch im Schwerpunktfach eine breite Allgemeinbildung in ökonomischen und juristischen Bereichen. Dazu kommt wie in allen Maturitätsprofilen eine Grundausbildung in den Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften. Ein breites Angebot an Ergänzungs- und Wahlfächern ermöglicht eine weitere individuelle Ausgestaltung des Lehrganges. Innerhalb dieses Profils besteht ein Immersionslehrgang mit den Sprachen Deutsch und Englisch, der mit zweisprachiger Maturität abschliesst.

Profil Neue Sprachen[Bearbeiten]

Der Schwerpunkt des Profils «Neue Sprachen» liegt in den modernen Fremdsprachen. Neben Deutsch, Französisch und Englisch können Italienisch, Spanisch oder Russisch als Schwerpunktfach gewählt werden. Aus der Sprachengruppe Englisch, Französisch und Italienisch müssen mindestens zwei als Grundlagenfächer gewählt werden. Dazu kommt wie in allen Maturitätsprofilen eine Grundausbildung in den Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften. Ein breites Angebot an Ergänzungs- und Wahlfächern ermöglicht eine weitere individuelle Ausgestaltung des Lehrganges.

Akzent Internationale Zusammenarbeit und Nachhaltigkeit[Bearbeiten]

Innerhalb der Profile Wirtschaft und Recht sowie Neue Sprachen mit Spanisch besteht die Möglichkeit, sich in eine sog. Akzentklasse zuteilen zu lassen. Der Akzentlehrgang «Internationale Zusammenarbeit und Nachhaltigkeit» bietet zusätzliche Möglichkeiten sich in interdisziplinären Modulen theoretisch und praktisch im Bereich der Sozial- und Naturwissenschaften in den Akzentbereichen zu vertiefen. Teil des Lehrgangs ist die Absolvierung eines Austausprogrammes mit einer Partnerschule im Ausland sowie die Beteiligung an nationalen und internationalen Hilfsprojekten.

Handelsmittelschule (HMS)[Bearbeiten]

Dieser Ausbildungsgang besteht aus einer dreijährigen schulischen Ausbildung und einem einjährigen Berufspraktikum in einem Unternehmen. Der Schwerpunkt der schulischen Ausbildung liegt in der Vermittlung einer grundlegenden breiten Allgemeinbildung mit Schwerpunkten in den Wirtschaftsfächern, der Informatik sowie in den modernen Sprachen Deutsch, Französisch, Englisch und Italienisch bzw. Spanisch. Der Ausbildungsgang schliesst mit einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis Kauffrau/Kaufmann und der kaufmännischen Berufsmaturität ab. Im Gegensatz zu den Maturitätslehrgängen ist die Berufsbefähigung und nicht die akademische Reife Ziel dieser Ausbildung. Die Berufsmaturität ermöglicht jedoch den Zugang zu den Fachhochschulen.

Freifächer[Bearbeiten]

In allen Profilen werden im Freifachangebot die Sprachen Arabisch, Chinesisch, Japanisch und Russisch angeboten. Ebenfalls ist eine freiwillige Vertiefung in den musischen und sportlichen Bereichen sowie im Journalismus, Theater und Tanz möglich.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Gebäude der «Neuen Kantonsschule» an der Rämistrasse beherbergte bis 1959 unter anderem die Kantonale Handelsschule Zürich

Die Kantonsschule Zürich, die am 22. April 1833 gegründet wurde, bestand ursprünglich aus zwei Abteilungen, dem klassischen Gymnasium und der Industrieschule. Gemäss dem Unterrichtsgesetz von 1859 sollte sich letztere vor allem an Schüler richten, «welche sich technischen oder kaufmännischen Berufsarten widmen». Ab 1842 bestand innerhalb der Industrieschule ein spezieller «merkantilistischer», d.h. kaufmännischer Zweig, der auf das Schuljahr 1904/05 als «Kantonale Handelsschule Zürich» verselbständigt wurde. Dabei folgte der Kanton Zürich Vorgaben des Bundesbeschlusses betreffend die Förderung der kaufmännischen Bildung vom 1891. Aus dem Rumpf der Industrieschule entstand 1928 die Oberrealschule und schliesslich das Mathematisch-naturwissenschaftliche Gymnasium.

Die Handelsschule war ursprünglich eine vier Jahre dauernde berufsvorbereitende Ausbildung, die in Konkurrenz zur berufsbegleitenden Lehrlingsausbildung des Kaufmännischen Vereins (KV) stand. Sie konzentrierte sich aber ganz auf die theoretische Ausbildung und die Vermittlung eines breiten Allgemeinwissens. 1917 wurde die Ausbildung durch eine Handelsmaturitätsschule ergänzt. Die Schüler mussten sich nach dem zweiten Schuljahr für den Diplom- bzw. Maturitätszweig entscheiden. 1964 erfolgte eine Reorganisation des Lehrgangs mit dem Ziel, die Handelsmaturitätsschule zu einem Wirtschaftsgymnasium mit eidgenössisch anerkannter Maturität auszubauen. Seither entschieden sich die Schüler und Schülerinnen beim Eintritt für den Diplom- bzw. Maturitätstyp. Die Durchlässigkeit des Systems war insofern gewährleistet, als dass Absolventen der Handelsschule mit genügend hohem Notenschnitt in einer drei Semester dauernden Übergangsklasse ebenfalls die Maturität erlangen konnten. Für den Zugang zu den Hochschulen mussten allerdings bis 1974 teilweise noch Zusatzprüfungen abgelegt werden, da die Maturität nur kantonal anerkannt war.[1] Als älteste und wichtigste Wirtschaftsschule war die alte «Handeli» jahrzehntelang eine der wichtigsten wirtschaftlichen Kaderschmieden im Kanton Zürich.

1959 bezog die Kantonale Handelsschule mit rund 700 Schülern zusammen mit einem Teil des Realgymnasiums (heute Kantonsschule Freudenberg) die neu errichtete Schulhausanlage Freudenberg im Quartier Enge.[2] Sie führte danach die Bezeichnung «Kantonale Handelsschule Freudenberg», während das Realgymnasium als «Gymnasium Freudenberg» auftrat.

1972 wurde anlässlich einer Reform der eidgenössischen Maturitäts-Anerknnungsverordnung das Wirtschaftsgymnasium als Maturitätstypus E mit freiem Zugang zu allen schweizerischen Universitäten anerkannt. 1974 erreichte der Kanton Zürich die Anerkennung seiner kantonalen Wirtschaftsgymnasien.[3] Im Zug der Einführung von neuen Bezeichnungen für die dezentralisierte ehemalige Kantonsschule Zürich wies der Regierungsrat der heutigen Kantonsschule Enge 1972 die Bezeichnung «Wirtschaftsgymnasium und Handelsschule Freudenberg» zu, führte dann aber 1976–1980 die umständliche Bezeichnung «Kantonsschule Freudenberg, Wirtschaftsgymnasium und Handelsschule» ein.

1976 übernahm der Kanton Zürich die Töchterschulen von der Stadt Zürich und führte gleichzeitig die Koedukation in allen Mittelschulen ein. 1979 wurden schliesslich die beiden wirtschaftsorientierten Ausbildungsgänge durch ein neusprachliches Profil (Typus D) ergänzt. Um das Wirtschaftsgymnasium besser von der heutigen Kantonsschule Freudenberg mit Langgymasium und sprachlichem Profil abzuheben, bewilligte der Kanton Zürich gleichzeitig die Umbenennung des Wirtschaftsgymnasiums mit Handelsschule in «Kantonsschule Enge». Mit der Einführung der Wirtschaftsmaturität sank der Anteil der Handelsschule an der Gesamtzahl der Schüler stetig. Noch im Schuljahr 1981/82 bildeten 330 Handelsschülerinnen und Schüler 17 Klassen, während im Schuljahr 2008/09 noch 120 Schülerinnen und Schüler des Typus HMS+ in 6 Klassen eingeteilt sind. Dem stand ein starkes Wachstum der Abteilungen der Wirtschaftsmaturität und der Abteilung Neue Sprachen gegenüber, so dass sich seit 1980 die Gesamtschülerzahl konstant zwischen ca. 900 und 1000 Personen bewegt.

Die Kantonsschule Enge gehört heute mit rund 900 Schülerinnen und Schülern sowie 150 Lehrerpersonen zu den grösseren Mittelschulen im Kanton Zürich.

Schülerorganisation der Kantonsschule Enge (SO KEN)[Bearbeiten]

Die SO KEN ist ein Verein der von Schülerinnen und Schülern der Kantonsschule Enge geführt wird und hauptsächlich die Organisation von speziellen Anlässen für die Schülerschaft übernimmt.[4]

Verein Ehemaliger der Kantonsschule Enge[Bearbeiten]

Der Verein Ehemaliger der Kantonsschule Enge Zürich existiert seit über 100 Jahren und zählt heute ca. 2‘500 ehemalige Absolventinnen und Absolventen der Kantonsschule Enge und der ehemaligen Kantonalen Handelsschule. Die Zielsetzung des Vereins ist es, den Zusammenhalt der Schulabsolventen zu fördern und eine Plattform zur Verfügung zu stellen, um die bestehenden Netzwerke zu pflegen und neue aufzubauen. Daneben sollen aber auch der Kontakt zur Schule aufrechterhalten und konkrete Schulprojekte finanziell unterstützt werden.[5]

Im vierteljährlich erscheinenden Vereinsorgan «m – menschen – meinungen – mitteilungen» werden Berichte aus ehemaligen Klassen, aus der Schule und über die Schule sowie aktuelle Beiträge zu wirtschaftlichen oder politischen Themen publiziert, geschrieben von Ehemaligen der KEN.

Eine weitere Aktivität sind die regelmässig durchgeführten Kontaktapéros. Hier berichten Ehemalige der KEN über ihre berufliche Laufbahn und ihre Tätigkeit. Mit der Veranstaltung „Ehemalige meet maturae et maturi“ beteiligt sich der Verein aktiv am Schulleben der KEN. Am Berufs- und Studientag für die 4. Klassen stehen jeweils vier Ehemalige den Maturandinnen und Maturanden in einer Podiumsdiskussion für Fragen zu Berufsleben und Karriere zur Verfügung.

Mit bestandener Abschlussprüfung an der KEN wird man automatisch Mitglied des Vereins Ehemaliger. Ein Jahresbeitrag wird nach einem Jahr erhoben.

KENSATION[Bearbeiten]

Von 2004 bis 2009 hiess die Maturparty der Kantonsschule Enge KENSATION und war gleichzeitig die grösste Maturitätsfeier der Schweiz. Nach der ersten Ausgabe in der Kaserne fanden die Veranstaltungen von 2005, 2006, 2007 und 2009 im X-Tra statt. 2008 wurde sie im Volkshaus durchgeführt.

Aufgrund des erfolgreichen Konzepts fand von 2007 bis 2010 unter dem gleichen Namen die Maturfuer der Gymnasien Köniz-Lerbermatt, Muristalden und Kirchenfeld im berner Bierhübeli statt, wobei diese Schulen sonst in keiner Verbindung zur Kantonsschule Enge stehen.

Partnerschaften[Bearbeiten]

Die Kantonsschule Enge unterhält verschieden Partnerschaften im Ausland:

Bekannte Ehemalige[Bearbeiten]

Rektoren[Bearbeiten]

  • Fritz Hunziker 1904–1907
  • Theophil Bernet 1907–1935
  • Oskar Guyer 1935–1947
  • Walter Corrodi 1947–1962
  • Ernst Kilgus 1962–1968
  • Walter P. Schmid 1969–1982
  • Walter Büsch 1982–1996
  • Beat Wüthrich 1996–2010
  • Christoph Wittmer seit 2010

Lehrer[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Fritz Hunziker / Walter Corrodi: Die Kantonale Handelsschule Zürich. Geschichtlicher Rückblick. In: André Winkler / Walter P. Schmid: Kantonale Handelsschule Zürich 1904–1954. Bildung – Schulung. Beiträge zum Problem der allgemeinen Bildung an einer Handelsmittelschule. Zürich 1954, S. 73–85.
  • Walter Kronbichler: Die zürcherischen Kantonsschulen 1833–1983. Festschrift zu 150-Jahr-Feier der staatlichen Mittelschulen des Kantons Zürich. Zürich 1983.
  • 100 Jahre «Handeli». Jahresbericht 2003/2004. Kantonsschule Enge. Zürich 2004.

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Die zürcherischen Kantonsschulen 1833–1983, S. 22f.
  2. Die zürcherischen Kantonsschulen 1833–1983, S. 15f.
  3. Die zürcherischen Kantonsschulen 1833–1983, S. 170f.
  4. SO Website
  5. www.ken-ve.ch

47.3661111111118.5283333333333Koordinaten: 47° 21′ 58″ N, 8° 31′ 42″ O; CH1903: 682311 / 246712