Kapitalist

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ein Kapitalist verfügt über eine Summe von ökonomischen Werten (Kapital), die er planmäßig dazu einsetzt, um eine größere Summe als zuvor eingesetzt zurückzuerhalten. Für den entsprechenden Investitionsprozess trägt er selbst das wirtschaftliche Risiko. Ein „Unternehmer“ hingegen ist die Funktion, Innovationen, das sind neuartige Kombinationen von Produktionsfaktoren, in den Wirtschaftsprozess einzuführen. [1]

Das Wirtschaftssystem, in welchem diese Art des Wirtschaftens vorherrscht, wird „Kapitalismus“ genannt. Jede vorkapitalistische Produktionsweise kannte nur zweierlei Arten, von erworbenem Geldvermögen Gebrauch zu machen: Konsumieren oder Horten; nicht aber systematisches, regelmäßiges Rückverwandeln in Produktivvermögen.[2]

Der Begriff „Kapitalist“ wird in der Ökonomie bereits Mitte des 16. Jahrhunderts von Wolffgang Schweicker in seinem Werk „Zwifach Buchhalten sampt seine Giornal“, Petreius, Nürnberg 1549 benutzt. David Ricardo bezeichnet in seinem Werk „On the Principles of Political Economy and Taxation“ (1817) die herrschende Klasse der Privateigentümer und die Grundherren als Kapitalisten. Im Marxismus bezeichnet das Wort eine Person, die über die Produktionsmittel verfügt. Um sein Leben zu fristen, muss er seine Fähigkeit zur Arbeit nicht (wie der Proletarier) verkaufen. Vielmehr zieht er aus deren lebendiger Arbeit Profit bzw. Einkommen, das er vor allem zur erweiterten Akkumulation seines Kapitals nutzen muss, ggf. zur Beschaffung weiterer Produktionsmittel verwendet.

Marxistische Unterteilung[Bearbeiten]

Der Begriff des Kapitalisten kann in verschiedene Subkategorien aufgeteilt werden. Der Begriff des Industriellen bezeichnet einen Kapitalisten, der im Bereich der Produktion tätig ist. Die Handelskapitalisten sind Händler, die nicht selbst produzieren, sondern produzierte Güter absetzen. Sie treten als Mittler zwischen Produktion und Kunde auf. Der Begriff des Geldkapitalisten beschreibt den Finanzierungsbereich (Finanzkapital) im weitesten Sinne.

Es gibt eine weitere Unterteilung in "fungierende Kapitalisten" und "Eigentümerkapitalisten". Eigentümerkapitalisten sind direkt Besitzer der Produktionsmittel oder von Geschäftsanteilen, führen aber nicht selbst die Geschäfte des Unternehmens (z.B. Aktionäre einer AG). Fungierende Kapitalisten haben dagegen nur Verfügungsgewalt, besitzen aber die Geschäftsführungsbefugnis für das Unternehmen (z.B. Vorstand einer AG). Im 3. Band des Kapitals sprach Marx davon,"dass nicht die industriellen Kapitalisten, sondern die industriellen Manager die Seele unseres Industriesystems" seien.

Zu beachten ist, dass mehrere dieser Begriffe auf eine Person zutreffen können. So ist es nicht ungewöhnlich, dass produzierende Unternehmen ihre Produkte auch selbst absetzen. Oder dass industrielle Unternehmen Kredite vergeben.

Die Kapitalisten als Klasse wurden von Karl Marx auch Bourgeoisie genannt. Sie haben den Adel des Feudalismus als herrschende Klasse abgelöst.

Einzelbelege[Bearbeiten]

  1. Joseph A. Schumpeter: Konjunkturzyklen. Eine theoretische, historische und statistische Analyse des kapitalistischen Prozesses. Bd. I, Göttingen 1961, S. 112 (engl. Business Cycles. A Theoretical, Historical, and Statistical Analysis of the Capitalist Process. New York 1939)
  2. Werner Hofmann: Grundelemente der Wirtschaftsgesellschaft, Reinbek 1969, S. 49

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikiquote: Kapitalist – Zitate
  •  Wiktionary: Kapitalist – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  • Gerhard Köbler, Deutsches Etymologisches Rechtswörterbuch, 1995 [1]