Kapitelhaus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel beschreibt die Organisation im Allgemeinen; siehe auch Kapitelhaus (Begriffsklärung)

Ein Kapitelhaus (engl. Chapter House, it. Sala capitolare) ist ein Versammlungsgebäude für Klerus oder Domkapitel, das einer Bischofs-, Kloster- oder Stiftskirche beigeordnet ist. Sie wurden an eine Kathedrale angebaut und entstanden vornehmlich im angelsächsischen Raum Englands, das erste Kapitelhaus entstand vermutlich 1110 in der Kathedrale von Worcester.

Bedeutung[Bearbeiten]

Nach der Kirche und dem Kreuzgang gehörte das Kapitelhaus, ähnlich den Kapitelsälen zu den wichtigsten und repräsentativsten Räumlichkeiten einer Abtei. In diesem Zusatzgebäude mussten alle Chorherren oder Klostermitglieder streng nach Alter gegliedert an den Wänden sitzen, der Mittelraum war freigehalten. So verfügte das Kapitelhaus der Kathedrale von Worcester zum Beispiel über mehrere Sitze die jeweils mit einem eigenen Baldachin überdeckt waren. Der Name „Kapitel“haus leitete sich von der Tatsache ab, dass hier der Abt oder Prior, oder ein von ihm beauftragter Ordensbruder, ein Kapitel (capitulum = Abschnitt) aus dem Regelwerk der Ordensgemeinschaft vortrug, nach dem die Mönche lebten. Hier wurden aber auch organisatorische Angelegenheiten besprochen, Arbeitsaufträge erteilt und öffentlich Sünden gebeichtet. Bedeutende Persönlichkeiten, Förderer oder Ordensgründer fanden im Kapitelhaus auch ihre letzte Ruhestätte. Hierzu wurden Bodenplatten eingelegt oder Sarkophage errichtet.

Architektur[Bearbeiten]

Im angelsächsischen Raum lag das Kapitelhaus meistens in der Mitte der Ostseite der Kirche und im Gegensatz zu den Kapitelsälen hatte sich in den englischen Klöstern die Tradition runder oder polygonaler Bauten mit einer zentralen Säule festgesetzt. Der Eingang in das Haus wurde über den Kreuzweg oder dem Querhaus durch einen Stichgang verbunden.

  • Beispiele aus Großbritannien:

Auf dem europäischen Festland wurde das Kapitelhaus mehrheitlich als ein eigenständiges Langhaus, etwas abseits oder angebaut an der Abtei, dem Münster oder dem Kloster errichtet. Am Beispiel der Kapitelhäuser von Schwäbisch Gmünd und Bamberger Dom erkennt man den separaten Bau. In Schwäbisch Gmünd beherbergte das Haus von 1765 bis 1803 das Kapitel des Gmünder Kollegiatstiftes und das neue Bamberger Haus wurde Ende des 17. Jahrhunderts errichtet und diente unter anderen als Repräsentationshaus. Die hohen Anforderungen der Benediktineruniversität Salzburg führten dazu, dass eine eigenständige Kapitelgasse mit drei Häusern, die im Stadtzentrum liegen, errichtet wurde.

  • Beispiele aus dem Festland:

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Koepf, Günther Binding: Bildwörterbuch der Architektur. 4. Auflage. Stuttgart 2005, S. 265.
  • Richard Stemp, Die geheime Sprache der Kirchen & Kathedralen, RM Buch und Medien Vertrieb, 2011

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kapitelhäuser – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien