Karl Pfeifer (Journalist)

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Karl Pfeifer (2008)

Karl Pfeifer (* 22. August 1928 in Baden bei Wien) ist ein österreichischer Journalist.

Leben[Bearbeiten]

Karl Pfeifer floh 1938 mit seinen Eltern nach Ungarn, wo er 1940 der sozialistisch-zionistischen Jugendorganisation Haschomer Hatzair beitrat. Noch vor der deutschen Besetzung Ungarns im Zweiten Weltkrieg am 5. Januar 1943 gelang ihm als einem unter 50 Jugendlichen und Kindern auf abenteuerliche Weise die Flucht nach Palästina. Er lebte in einem Kibbuz, diente ab 1946 in der Elitetruppe Palmach und nach der Staatsgründung Israels bis 1949 in der israelischen Armee.

1951 kehrte er nach Österreich zurück. Von 1982 bis 1995 war er Redakteur der Gemeinde, des offiziellen Organs der Israelitischen Kultusgemeinde Wien.

In dieser Funktion wies er 1995 in einem Artikel darauf hin, dass der Politologe Werner Pfeifenberger im Jahrbuch der Freiheitlichen Akademie „Nazitöne“ anschlage, da er das Hitlerregime verharmlose und den Juden vorwerfe, Hitler-Deutschland 1933 zum Krieg herausgefordert zu haben. Pfeifer wurde daraufhin von Pfeifenberger verklagt und in zwei Instanzen freigesprochen. Nachdem im Jahr 2000 die Wiener Staatsanwaltschaft Anklage wegen „nationalsozialistischer Wiederbetätigung“ gegen Pfeifenberger erhoben hatte, beging dieser Suizid. Der Herausgeber der rechten Zeitschrift Zur Zeit, Andreas Mölzer, betitelte Pfeifer daraufhin in einer Aussendung an seine Abonnenten als „Teil einer Jagdgesellschaft“, die Pfeifenberger „in den Selbstmord getrieben“ habe – der „jüdische Journalist“ habe die „juristische Lawine gegen Pfeifenberger“ ausgelöst. Pfeifer klagte nun auf Entschädigung und wurde damit bei den österreichischen Gerichtsinstanzen abgewiesen. Am 15. November 2007 bekam Pfeifer vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte nach Artikel 8 Recht gesprochen – zugleich wurde die Republik Österreich zu 5.000 Euro Entschädigung für das Versäumnis der Gerichte verurteilt.[1][2]

Seit Anfang der 1990er Jahre arbeitet Pfeifer als Wiener Korrespondent des israelischen Radios und als freier Journalist des monatlich erscheinenden antifaschistischen Londoner Magazins Searchlight, des jüdischen Internetmagazins haGalil und der Budapester Wochenzeitung Hetek.

Im Jahr 2008 produzierten Mary Kreutzer und Thomas Schmidinger für die Gesellschaft für kritische Antisemitismusforschung einen Dokumentarfilm über sein Leben: Zwischen allen Stühlen. Lebenswege des Journalisten Karl Pfeifer.[3]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

  • Im Palmach. Erinnerungen aus dem Jahr 1948. In: Dschungel. Beilage zu jungle world Nr. 6, vom 11. Februar 2010, S. 9–12 (u. a. über Hassan Salameh 1944 als Agent der Nazis).[1]
  • Einmal Palästina und zurück: Ein jüdischer Lebensweg. Edition Steinbauer, Wien 2013.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Harald Fidler: Nach Menschenrechtsgericht noch einmal durch Instanzen. Der Standard, 13. Mai 2008, S. 18
  2. Aus dem Urteil des EGMR vom 15. November 2007 (PDF; 195 kB)
  3. Filmrezension von Roland Kaufhold auf haGalil 2. August 2011
  4. Dankesrede von Karl Pfeifer hagalil.com, 4. Dezember 2003, abgerufen am 29. November 2012