Kastell Alteburg

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Dieser Artikel bezieht sich auf das Kastell „Alteburg“ bei Idstein-Heftrich. Zum Kastell Alteburg bei Erlensee-Rückingen siehe Kastell Rückingen.
Georeferenzierung Karte mit allen Koordinaten: OSM, Google oder Bing
Kastell Alteburg
(Kastell Alteburg-Heftrich/Kastell Heftrich)
Limes ORL 9 (RLK)
Strecke (RLK) Obergermanischer Limes,
westliche Taunusstrecke
Datierung (Belegung) kurz nach 150
bis um 260
Typ Numeruskastell
Einheit Numerus Cattharensium
Größe 0,7 ha
Bauweise Steinkastell
Erhaltungszustand nur schwache Bodenspuren
Ort Idstein-Heftrich
Geographische Lage 50° 12′ 30,6″ N, 8° 19′ 58,6″ O50.2084944444448.3329444444444348
Höhe 348 m ü. NHN
Vorhergehend ORL 8 Kastell Zugmantel (westlich)
Anschließend Kleinkastell Maisel (östlich)
Alteburger Marktgelände
Alteburger Marktgelände

Das ehemalige römische Kastell Alteburg liegt im Rheingau-Taunus-Kreis etwa anderthalb Kilometer südlich des Idsteiner Stadtteils Heftrich unter einem Acker. Das Numeruskastell gehört zur westlichen Taunus-Strecke des Obergermanisch-Raetischen Limes, der seit 2005 UNESCO-Weltkulturerbe ist.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Kastell Alteburg wurde vermutlich bald nach Mitte des 2. Jahrhunderts angelegt. Zwei mögliche Vorgängerbauten befinden sich in unmittelbarer Nähe (siehe weiter unten). Das Lager diente wohl der Überwachung eines alten Weges, der hier die Limeslinie kreuzte. Dieser Weg war im Mittelalter als Alter Mainzer Weg bekannt und verband die Rheinebene mit dem seit alters her besiedelten Limburger Becken. Bei der hier stationierten Auxiliartruppe handelte es sich um einen Numerus, eine Einheit von etwa 160 Mann Stärke. Konkret nachgewiesen werden konnte der Numerus Cattharensium („Einheit der Chatten“), der vermutlich innerhalb der Region aus der einheimischen Bevölkerung rekrutiert worden war.

Das Kastell wurde wohl bei der Aufgabe des Limes in der Zeit der innen- und außenpolitischen sowie wirtschaftlichen Krise des Imperiums um die Mitte des 3. Jahrhunderts geräumt (Limesfall).

In nachrömischer Zeit wurde das aufgelassene Kastell als Steinbruch genutzt, unter anderem zum Bau einer 1178 an dieser Stelle errichteten Eremiten-Klause und der dazugehörenden Kapelle des Hl. Kilian. Aus den an kirchlichen Festtagen abgehaltenen Jahrmärkten entwickelte sich der noch heute an drei Donnerstagen im Jahr hier stattfindende Alteburger Markt. Von der Sakralbauanlage selbst ist nichts mehr zu sehen.

1893 führte die Reichs-Limes-Kommission die bis heute einzigen archäologischen Ausgrabungen durch.

Befunde[Bearbeiten]

Das rechteckige Steinkastell besaß mit den Abmessungen von 78 mal 93 Metern eine Größe von gut 0,7 ha und entspricht damit dem benachbarten Feldbergkastell.

Die Wehrmauer war an allen vier abgerundeten Ecken mit Wachtürmen versehen. Mit der Porta Praetoria (Haupttor) war das Lager nicht zum Limes hin ausgerichtet, der in etwa 100 Metern nordwestlicher Richtung das Kastell passiert, sondern nach Nordosten hin, in Richtung auf die beiden vermutlichen Vorgängerbauten. Alle vier Tore waren mit Doppeltürmen bewehrt.

Das Kastell Alteburg umschloss innerhalb des Festungsviereckes einige gemauerte Gebäude, wovon aber nur die Principia (Stabsgebäude) mit Sicherheit bestimmt werden konnten. Die Deutung weitere Steinbaufragmente ist sehr unsicher, da der römische Ursprungsbefund durch Steinraub und Baumaßnahmen des Mittelalters stark gestört ist. Außerhalb des Lagers konnten jedoch noch Spuren des Vicus (Zivilsiedlung) und des Kastellbads lokalisiert werden.

Heute ist die Lage des Kastells nur noch anhand von Geländeverformungen wahrnehmbar, sichtbare oberirdische Baufragmente gibt es keine mehr.

In einigen hundert Meter Entfernung nordöstlich des Kastells liegen unter den Äckern zwei ältere, hölzerne Kleinkastelle, die erst 1980 und 1989 auf Luftbildern entdeckt worden sind. Sie entstanden vermutlich schon am Ende des 1. und zum Beginn des 2. Jahrhunderts und müssen als Vorgängerbauten des Steinkastells Alteburg-Heftrich angesprochen werden. Das dem Steinkastell näher gelegene, größere der beiden Kastelle war ein eintoriges, von einem Doppelgraben umgebenes Lager, das kleinere hatte nur einen einfachen Graben. Beide Kastelle sind bislang archäologisch nicht erforscht worden.

Verlauf des Limes vom Kastell Alteburg zum Kleinkastell Maisel[Bearbeiten]

Spuren der Limesbauwerke zwischen dem Kastellen Alteburg und Maisel.
ORL[A 1] Name/Ort Beschreibung/Zustand
ORL 9[A 2] Kastell Alteburg siehe oben
Wp 3/32[A 3] [A 4]
Wp 3/33 [A 5]
Wp 3/34 [A 6]
Wp 3/35 „Auf dem Totenberg“
Lage des Wp 3/35
Grundriss und Schnitt des Wp 3/35
NW-Grube bei Wp 3/35
Durch Wegebau zerstörte Turmstelle eines einzelnen Steinturmes[A 7].[1]
Wp 3/36 Aufgrund von hohem Brandschuttaufkommen vermutet, aber nicht sicher nachgewiesene Turmstelle[A 8].[1]
Wp 3/37 „Am Schlossborner Feld“
Wp 3/37
Steinturm[A 9] mit annähernd quadratischem Grundriss[A 10] bei einer Mauerstärke von rund 70 cm.[1]
Wp 3/37a Vermutete, aber nicht archäologisch nachgewiesenen Turmstelle[A 11].
Wp 3/38 „Am Maisel“
Wp 3/38
Steinturm[A 12] mit annähernd quadratischem Grundriss[A 13] bei einer Mauerstärke von rund 80 cm.[1]
Wp 3/38* „Auf der Höhe des Maisel“
Lage des Wp 3/38*
Holzturmstelle[A 14] mit konzentrischem Doppelgraben.[1]
KK [A 15] Kleinkastell Maisel siehe Hauptartikel Kleinkastell Maisel

Fundverbleib und Denkmalschutz[Bearbeiten]

Eine kleine Auswahl der Funde findet sich im Limesinformationszentrum des Rheingau-Taunus-Kreises am Hofgut Georgenthal.

Das Kastell Alteburg und die anschließenden Limesbauwerke sind als Abschnitt des Obergermanisch-Raetischen Limes seit 2005 Teil des UNESCO-Welterbes. Außerdem sind sie Bodendenkmale nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz. Nachforschungen und gezieltes Sammeln von Funden sind genehmigungspflichtig, Zufallsfunde an die Denkmalbehörden zu melden.

Alteburger Markt[Bearbeiten]

Auf dem Gelände des ehemaligen Kastells findet dreimal jährlich, am Donnerstag nach Pfingsten und jeweils am letzten Donnerstag der Monate Juli und August, der „Alteburger Markt“ statt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Margot Klee: Der römische Limes in Hessen. Geschichte und Schauplätze des UNESCO-Welterbes. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2009. ISBN 978-3-7917-2232-0, S. 89.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. ORL = Nummerierung der Limesbauwerke gemäß der Publikation der Reichs-Limes-Kommission zum Obergermanisch-Rätischen-Limes
  2. ORL XY = fortlaufende Nummerierung der Kastelle des ORL
  3. Wp = Wachposten, Wachturm. Die Ziffer vor dem Schrägstrich bezeichnet den Limesabschnitt, die Ziffer hinter dem Schrägstrich in fortlaufender Nummerierung den jeweiligen Wachturm. Ein zusätzliches Sternchen (*) bezieht sich auf einen Wachposten der älteren Limeslinie.
  4. Bei 50° 12′ 29,26″ N, 8° 19′ 44,62″ O50.2081277777788.3290611111111
  5. Bei 50° 12′ 39,43″ N, 8° 20′ 8,13″ O50.2109527777788.3355916666667
  6. Bei 50° 12′ 44,19″ N, 8° 20′ 31,66″ O50.2122758.3421277777778
  7. Bei 50° 12′ 50,9″ N, 8° 21′ 8,39″ O50.2141388888898.3523305555556
  8. Bei 50° 12′ 53,74″ N, 8° 21′ 43,05″ O50.2149277777788.3619583333333
  9. Bei 50° 12′ 56,72″ N, 8° 22′ 17,67″ O50.2157555555568.371575
  10. Nordseite 4,00 m, Ostseite 3,84 m, Südseite 3,90 m, Westseite 3,74 m
  11. Bei 50° 12′ 59,31″ N, 8° 22′ 42,35″ O50.2164758.3784305555556
  12. Bei 50° 13′ 2,51″ N, 8° 23′ 0,31″ O50.2173638888898.3834194444444
  13. Nordseite 4,40 m, Ostseite 4,40 m, Südseite 4,25 m, Westseite 4,25 m
  14. Bei 50° 13′ 43,25″ N, 8° 23′ 0,36″ O50.2286805555568.3834333333333
  15. KK = nicht nummeriertes Klein-Kastell