Kathedrale von Toledo

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die Kathedrale
Inneres der Kathedrale

Die Kathedrale von Toledo, spanisch Catedral de Santa María de la Asunción de Toledo, ist die Kathedrale des Erzbistums Toledo in Toledo, Spanien. Sie ist ein Hauptwerk der spanischen Gotik.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Kirche wurde 1226 gegründet. Ferdinand III. der Heilige legte 1227 den ersten Stein, nachdem er die alte westgotische Kirche hatte abreißen lassen. Diese war zuvor von den Mauren zu einer Moschee umgewandelt worden und diesen Einfluss wollte man radikal entfernen. Über die Baumeister der ersten Generation ist sich die Wissenschaft nicht ganz sicher. Ein Schriftstück aus dem Jahr 1227 erwähnt einen Architekten namens „Meister Martín“, der die Bauarbeiten bis 1234 geleitet haben soll. Das Chorhaus war 1238 fertig. Dann kam angeblich ein „Meister Petrus Petri“, der 1291 gestorben ist. In spanischen Quellen wird er auch „Pedro Perez“ genannt. Es wird daher vermutet, dass dieser Meister identisch sein könnte mit „Pierre de Corbie“, mit dem zusammen der französische Architekturhistoriker Villard de Honnecourt den Chor in seinem berühmten Skizzenbuch entwarf (Swaan, S. 267).

Außenbau[Bearbeiten]

Die charakteristische Westfassade wurde 1418 begonnen und zu Beginn des 16. Jahrhunderts abgeschlossen. Sie wird flankiert von zwei Türmen sehr unterschiedlichen Aussehens. Der 90 Meter hohe Nordturm aus grauem Granit wurde um 1400 begonnen. In dem zu jener Zeit gebauten Sockelgeschoss befindet sich heute die Schatzkammer. Die darüber liegenden Geschosse baute 1425-1440 Alvar Martínez. Er setzte die strenge Ästhetik des Sockels nicht fort, sondern lockerte die oberen Geschosse mit Blendarkaden auf, mit Gesimsen und einem Fries aus schwarzem und weißem Marmor mit eingelegter blauer und weißer Azulejo-Keramik. Nach oben abgeschlossen wurde der Turm ab 1448 von Hanquín de Egas (Annequin de Eycken), einem Baumeister aus Brüssel. Über dem abschließenden Kranzgesims des quadratischen Teils folgt ein von Filialen umstandenes Achteck und eine Spitze, die eine in der Höhe gestaffelte dreifachen Dornenkrone trägt, welche dem Turm besondere Berühmtheit eingebracht hat.

Die Kuppel des deutlich niedrigeren südlichen Turms entwarf im 17. Jahrhundert Jorge Manuel Theotocopuli, der Sohn von El Greco.

Der gesamte höhere Teil der Fassade wurde zuerst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erneuert und dann nochmals im ausgehenden 18. Jahrhundert durch den Architekten Durango.

Die dreiteilige Portalanlage hat als Thema im linken sog. „Portal des Turms“ die „Hölle“, in der Mitte die „Vergebung“ (um 1418 von Alvar Martínez) und rechts das „Jüngste Gericht“ (1492-93).

Meister Hanquín de Egas schuf auch das große Portal am südlichen Querhaus, das sog. Löwenportal „Puerta de los Leones“. Das Tympanon ist später im 18. Jahrhundert leider massiv verändert worden, aber im Gewände sind noch Skulpturen von Juan Alemán aus den Jahren nach 1465 zu sehen. Ihren Namen verdankt die Portalanlage den Löwen auf den sechs Säulen, an denen das Gitter befestigt ist.

Innenraum[Bearbeiten]

Nach dem Vorbild der französischen gotischen Kathedrale von Bourges ist die Kathedrale von Toledo fünfschiffig ohne ausgeprägtes Querhaus mit doppeltem Chorumgang, besitzt aber im Osten und Nordosten des Chors ein ausgedehntes, kompliziertes Kapellensystem und nördlich des Langhauses einen großen Kreuzgang.

Diese Kirche ist kein einheitliches Bauwerk, Generationen haben an ihr gearbeitet. Auffallend ist die – sogar für spanische Verhältnisse - große Betonung der Breite im Gegensatz zum französischen Vorbild, obwohl das Mittelschiff eine Höhe von 40 Metern erreicht. Die Seitenschiffe sind zusammen breiter als das Mittelschiff. Der Querschnitt zeigt eine wohl proportionierte Höhenstaffelung vom äußeren Seitenschiff über das innere zum Hauptschiff hin. Nimmt man die schmalen Kapellengänge der Außenseiten noch hinzu, wirkt die Kirche wie siebenschiffig.

Der Hauptaltar

Die hochgelegenen Fenster des Mittelschiffs sind mit der Triforiumszone zu einer „Lichteinheit“ zusammengezogen. Im Gegensatz zum Vorbild Bourges hat das innere Seitenschiff keine eigene Triforiumzone, aber relativ große Fenster.

Hauptaltar[Bearbeiten]

Der riesige Hauptaltar wurde geschnitzt von Petit Jean, Copin von Holland, Felipe Bigarny und Sebastian de Almonacid, vergoldet und bemalt von Francisco de Amberes und Jean von Burgund. Beendet wurde das Werk im Jahr 1504, dem Todesjahr Königin Isabellas, wie es in einer Inschrift auf einem Basisbalken heißt.

Thema der ungeheuer ausgedehnten Bilderwand, die die gesamte Breite und Höhe des Chormittelschiffs einnimmt, ist das Leben und die Passion Christi. Die erhöhte Mittelpassage wird von jeweils drei in der Höhe nach unten gestaffelten Seitenstreifen deutlich nach vorne gekrümmt begleitet, die übergangslos in die Dekoration der Chorseitenwände übergehen. Der Besucher befindet sich hier in einer den gesamten Raum umfassenden Bilderwelt. Zwei Sockelstreifen bilden die Basis des Altars, von denen der untere nur eine schlichte geometrische Dekoration aufweist, der obere aber bereits für jeden Abschnitt eine umfangreiche szenische Darstellung unter einer gotischen Baldachinkonstruktion. Darüber erhebt sich leicht zurückgesetzt die eigentliche Altarszenerie. Jeweils drei Erzählungen sind in den fünf inneren Passagen übereinander angeordnet, ebenfalls unter Baldachinen. Im zentralen Mittelstreifen sind dargestellt die Szenen der Geburt Christi, der Himmelfahrt Mariens und – direkt unter dem Gewölbe – der Kreuzigung.

Orgeln[Bearbeiten]

In der Kathedrale befinden sich zwei Orgeln. Sie wurden einander gegenüberliegend, jeweils auf der Süd- und Nordseite des Chores erbaut. Beide Instrumente stammen aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.[1] Die Manualwerke beider Instrumente sind bei c1/cis1 geteilt.

Blick auf den Chorraum mit Epistelorgel

Die Epistelorgel auf der Südseite wurde 1755-1758 von dem Orgelbauer Pedro de Liborno Echevarría erbaut. Vorder- und Rückseite wurden von German López konzipiert. Im 19. Jahrhundert wurde das Instrument mehrfach modifiziert.

Das Instrument hat 32 Register auf drei Manualen (51 Töne) und Pedal, und verfügt jedoch über keine Koppeln.[2]

I Echowerk (schwellbar) C–d3
21. Flautado de la cornisa (D)
22. Violón (B,D)
23. Tapadillo (B,D)
24. Quinzena (B)
25. XIXa (B)
XVa und XIXa (D)
26. Corneta VIII-XI (D)
27. Lleno IV (B) 2'
Lleno IV (D) 4’
28. Cimbala (B,D)
29. Trompeta real (B,D)
30. Orlos (B)
Clarín de ecos (D)
II Hauptwerk C–d3
1. Flautado de 26 (B,D)
2. Flautado de 13 (B,D)
3. Violón (B,D)
4. Flauta (D)
5. Octava (B,D)
6. Tapadillo (B,D)
7. Nasardos IV-VI (B)
Nasardos VI 51/3'
8. Corneta VIII-X (D) 8'
9. Trompeta real (B,D)

Horizontalzungen
10. Trompeta (B)
Trompeta magna (D)
11. Clarín 1mo (B,D)
12. Clarín 2do (B,D)
13. Trompeta alta (B)
Clarín 3o
14. Oboe (D)
15. Orlos (B,D)
III Oberwerk C–d3
16. Flautado de 13 (B,D)
17. Compuestas IV (B) 22/3'
Compuestas VI (D) 8’

Horizontalzungen
18. Trompeta de batalla (B) 8’
Trompeta de batalla (D) 16’
19. Trompeta en octava (B) 4’
Clarin (D) 8’
20. Dulzaina (B,D) 8'


Pedal C–H
31. Contras
32. Trompetas de Pedal
  • Nebenregister: Tambor, Pájaros
Blick in den Chor und auf den Prospekt der Evangelienorgel

Die Evangelienorgel auf der Nordseite des Chores wurde 1797 von den Brüdern José und Valentín Verdalonga errichtet. Das Instrument hat 73 Register auf drei Manualen und Pedal. [3]

I Cadereta interior C–g3
schwellbar
41. Flautado de 13 (B,D)
42. Octava (B,D)
43. Docena (B)
Docena y quincena (D)
44. Quincena (B)
45. Nasardo en eco IV (B)
Corneta (D)
46. Lleno de 19na IV (B)
Lleno IV (D)
47. Cimbala de 22na IV (B)
Cimbala IV (D)
48. Fagot de 52 (D)
49. Voz de 26 (D)
50. Trompeta real (B,D)
51. Chirimía (B) 4’
Bajete (D) 4’
52. Violeta (B,D) 2'
nicht schwellbar
53. Violón (B,D)
54. Flauta travesera (B)
55. Flautadito (B,D)
56. Quincena tapada (D)
57. Nasardos ausados IV (D)
58. Corneta clara V (D)
59. Trompeta real (B)
Trompeta magna (D)
60. Fagot (B) 8’
Clarín (D)
61. Bajoncillo (B)
Clarinete (D)
62. Violeta (B)
Chirimía alta (D)

Tremulant (stark)
Tremulant (schwach)
II Hauptwerk C–g3
1. Flautado de 26 (B,D)
2. Flautado de 13 (B,D)
3. Violón de 13 (B)
Flautado tapado de 13 (D)
4. Flauta dulce (D)
5. Flauta en eco (D)
6. Octava real (B)
Octava (D)
7. Docena (B)
Docena y quincena (D)
8. Quincena (B)
9. Lleno VIII (B,D) 4’
10. Lleno y cimbala VIII (B,D) 2’/4’
11. Trompeta imperial (D)
12. Trompeta de 26 (B)
Trompeta magna (D)
13. Trompeta real (B,D)
14. Trompeta en octava (B,D)
15. Trompeta en quincena (B)

Horizontalzungen
16. Trompeta magna (D)
17. Clarín claro (B,D)
18. Clarín fuerte (B)
Clarín de campaña (D)
19. Bajoncillo (B) 4’
Clarín brillante (D)
20. Chirimía (B) 4’
Chirimía alta (D)
21. Violeta (B) 2’
22. Regalia (B,D)

Tremulant (stark)
Tremulant(schwach)
III Hinterwerk C–g3
23. Contrabajo (B)
Violón de 26 (D)
24. Flautado de 13 (B,D)
25. Violón de 13 (D)
26. Octava tapada (B)
27. Octava de nasardo (B,D)
28. Octava en eco (D)
29 Flauta en quincena (B)
30 Nasardos V (B) 2’
31. Clarón IX (B) 1 3/5’
32. Corneta magna VI (D)
33. Corneta tolosana VIII (D)

Horizontalzungen
34. Trompeta magna (D)
35. Trompeta de batalla (B,D)
36. Chirimía (B)
Trompas (D) 8’
37. Clarín suave (D)
38. Clarín an quincena (B)
39. Orlos (B,D)
40. Tiorba (B) 16’
Oboe (D)

Tremulant (stark)


Pedal C–H3
63. Bombardas
64. Contras de Clarín
65. Contras en Octava
66. Contras en Quincena
67. Contras en 22na
68. Contras en 29na
69. Contras de Cañutería
70. Contras de 26
71. Contras de 13
72. Contras en octava
73. Contras en quincena
  • Spielhilfen: Zwei Manualkoppeln als Kniehebel

Glocken[Bearbeiten]

Das Glockenensemble der Kathedrale befindet sich auf zwei Ebenen: 8 Glocken hängen sichtbar in den Glockennischen des Turmes, und in deren Mitte die Gorda-Glocke. In der über dem Glockenhaus liegenden Eben befinden sich die restlichen Glocken.[4]

Name
 
Gießer
 
Gussjahr
 
Durchmesser
 
Gewicht
(kg, ca.)
Aufhängung
(mm)
Resurrección Sancho de Isla 1545 121 1026 1. Ebene
San Joaquín y Santa Leocadia Juan Antonio de la Vina 1731 123 1077 1. Ebene
San Juan Pedro de la Sota 1652 137 1489 1. Ebene
Ascensión, Espanta diablos, Sermonera Sebastian de la Torre 1545 146 1802 1. Ebene
Calderona Garcia (Cordoba) 1479 162 2462 1. Ebene
San Ildefonso Pedro de Güemes; Antonio Velez de Foncueva 1760 164 2554 1. Ebene
San Felipe Hedilla; Mazon; Alonso 1860 169 2795 1. Ebene
Encarnación, La Prima Hedilla; Mazon; Alonso 1850 171 2895 1. Ebene
San Eugenio, La Gorda Alejandro Gargollo 1753 293 14564 1. Ebene
El Ángel 1913 50 72 2. Ebene
Cuartos menor Edoardo Lineares y Hijos 1890 60 126 2. Ebene
Cuartos mayor Bernardino de Solar 1700 70 100 2. Ebene
Horas 1677 120 1001 2. Ebene
Campana del Santo Gregorio de Barcia 1682 200 4632 2. Ebene
San Sebastián Gregorio de Barcia 1681 216 5835 2. Ebene

Literatur[Bearbeiten]

  • Xavier Barral I Altet (Hrsg.): Die Geschichte der spanischen Kunst. Köln 1997, S. 163
  • Alain Erlande-Brandenburg: Gotische Kunst. Herder, Freiburg-Basel-Wien 1984, Abb. 26, S. 542
  • Wim Swaan: Die großen Kathedralen. Köln 1969. S. 267 ff.
  • José Luis Sancho: The Cathedral of Toledo. Aldeasa 1996
  • Toledo – Monuments and Landscape. Cordoba o.J. [1999 ?], Abb. 66-94

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nähere Informationen zur Geschichte der Chor-Orgeln
  2. Zur Disposition
  3. Zur Disposition der Evangelienorgel
  4. Informationen zu den Glocken (spanisch)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kathedrale von Toledo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

39.857088-4.02363Koordinaten: 39° 51′ 26″ N, 4° 1′ 25″ W