Azulejo

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Azulejo in Funchal (Madeira)

Unter Azulejo (portugiesische Aussprache [ɐzu'ɫeʒʊ], kastilische Aussprache [aθu'lexo]) versteht man ein Mosaik aus zumeist quadratischen, bunt bemalten und glasifizierten Keramikfliesen, das seinen europäischen Ursprung in Spanien und Portugal hat und dort hergestellt wird. Diese wetterfesten Fliesen sind in diesen Ländern fester Bestandteil des Stadtbildes und werden an öffentlichen Monumenten und Gebäuden, Hausfassaden und Kirchen, aber auch an Innenwänden zu oftmals künstlerischen Wandbildern zusammengefügt. Häufig sind alte Blumen-, Vögel- und Schiffs-Motive verarbeitet. In Wandverkleidungen aus Azulejos findet sich traditionell auch orientalische Ornamentik wieder.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name Azulejo leitet sich vom arabischen al zulaij ab, was „kleiner polierter Stein“ bedeutet. Die Glasurtechniken stammen ursprünglich aus dem persischen Raum. Auf der Iberischen Halbinsel sind sie eine Hinterlassenschaft der Mauren, die im Mittelalter weite Teile besetzt hielten. Die Technik der Herstellung wurde von einheimischen Handwerkern übernommen und weiterentwickelt. Zentrum der Herstellung war im 12. und 13. Jahrhundert Andalusien, dort vor allem Granada. Im 14. Jahrhundert war Valencia für seine Azulejos berühmt. Heute ist Portugal Hauptproduzent. Alte Fliesen erkennt man an drei fingernagelgroßen Abplatzungen der Glasur, die auf das Abschlagen von kleinen Keramikdreifüßchen zurückzuführen sind, die beim Brennvorgang die Kacheln getrennt hielten. In späterer Zeit – etwa ab dem 16. Jahrhundert – wurden die Einzelfliesen in quadratischen Halterungen gebrannt, die leicht übereinander gestapelt werden konnten.

Kachelmosaik mit Sternmotiven in der Capilla de San Bartolomé, Córdoba

Kachelmosaike[Bearbeiten]

Die ältesten Formen von Wandkacheln sind Mosaike – die Fliesen wurden lediglich einfarbig gebrannt. Anschließend wurden die abstrakten – im Prinzip unendlichen – Sternmotive aus kleinen, mit Hilfe einer Zange zurechtgeschnittenen, Teilstücken zusammengesetzt. Von derartigen Dingen sind auf der Iberischen Halbinsel nur wenige Bruchstücke erhalten. Um die enorm hohe Handwerkerkosten zu reduzieren wurde diese Machart schon im 11. Jahrhundert durch die Corda-Seca-Technik abgelöst, bei der gefettete Schnüre in eingeritzte Vertiefungen gelegt wurden und so die Farbglasuren beim Brennvorgang getrennt hielten. Die Wandfliesen konnten somit als Ganzes versetzt werden; diese Techniken hatten auch noch nach der christlichen Reconquista Bestand.

Kachelmalereien[Bearbeiten]

Im 16. Jahrhundert stießen die alten Handwerkskünste der Keramikbrenner auf neue europäische Majolika-Techniken und den Wunsch der Auftraggeber nach bildhaften Darstellungen. Daraufhin wurden ganze Bildzyklen auf Kacheln gemalt und gebrannt; sie dienten zuerst sakralen Zwecken, sehr schnell jedoch fanden sie ihren Weg auch in die Königs- und Adelspaläste. Reiche Bürger – vor allem in den Niederlanden – konnten sich derartige Dinge ebenfalls leisten und so entstanden die Delfter Kacheln.

Funktion[Bearbeiten]

Die Architektur nutzte die Azulejos als Dekorelement – das Innere von Kirchen, Klöstern und Palästen wurden großflächig verkleidet. Wie in anderen Kunstformen entwickelten sich Kachelmotive zu Modeströmungen; eine Variante waren die Azulejos de tapete, steinerne Orientteppiche für die Wand. Im 19. Jahrhundert verließen die Azulejos die Innenräume und belebten als Fassaden das Bild der Städte. In einer neuen Blüte durchliefen die Azulejos Historismus und Jugendstil, wobei Antoni Gaudí wieder zu den Mosaiken zurückfand.

Museum[Bearbeiten]

Selbst ein kleines Museum ist den sogenannten portugiesischen Azulejos gewidmet: Im Museu Nacional do Azulejo in Portugals Hauptstadt Lissabon erfahren Interessierte mehr über die typisch portugiesischen, weiß-blauen Wandkacheln.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rioletta Sabo und Jorge Nuno Falcato: Azulejos in Portugal. Fliesendekor in Palästen, Gärten und Kirchen. Hirmer Verlag, München 1998, ISBN 3-7774-7640-4; Büchergilde Gutenberg, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-7632-4794-7
  • Diego Hurtado De Mendoza: Fliesendekor aus Portugal / Tile Designs from Portugal. Mit einer CD-ROM. Pepin Press, Amsterdam 2007, ISBN 978-90-5768-099-1 (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch)
  • Agostinho Guimaraes: Azulejos do Porto. Fliesendekor in der Stadt Porto (Portugal), 3-sprachig (Portugiesisch, Englisch, Französisch), 1997
  • Agostinho Guimaraes: Azulejos de Guimaraes Fliesendekor in der Stadt Guimaraes (Portugal), 3-sprachig (Portugiesisch, Englisch, Französisch), 1997

Film[Bearbeiten]

  • Portugals Pracht – Azulejos, Quintas und Paläste. Dokumentation, Deutschland, 2007, 45 Min., ein Film von Kerstin Woldt, Produktion: SR, Erstsendung: 21. März 2007, Inhaltsangabe des SR

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Azulejos – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Museu Nacional do Azulejo
Bilder