Kawaii

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Kawaii (jap. 可愛い oder かわいい) ist ursprünglich der japanische Ausdruck für „liebenswert“, „süß“, „niedlich“, „kindlich“ oder „attraktiv“. Mittlerweile steht er für ein ästhetisches Konzept, das Unschuld und Kindlichkeit betont und sich auf alle Bereiche der japanischen Gesellschaft ausgedehnt hat. In westlichen Sprachen hat sich Kawaii als Bezeichnung einer japanisch beeinflussten Niedlichkeitsästhetik etabliert. Laut dem Kulturwissenschaftler Kazuma Yamane hat es sich als ganzes Diskurs­system etabliert.[1]

Seit den 1970ern hat sich Niedlichkeit, insbesondere als Designelement, in vielen Bereichen des japanischen Lebens und der Kultur als deutlicher Aspekt immer stärker durchgesetzt. Ursprünglich war dies vor allem bei jungen Mädchen populär: Diese benutzten kawaii-Handschrift, freundeten sich mit kawaii-Charakteren in einem kawaii-Raum an, um am Ende selbst möglichst kawaii zu werden.[1] Von dort aus breitete sich der Diskurs über die gesamte Gesellschaft aus. Bis Ende der 1980er hatte sich der Diskurs auch in Südostasien etabliert[1], seit der Jahrtausendwende auch in westlichen Ländern. Gerade für westliche Beobachter ist dies ungewohnt, da Japaner Niedlichkeit in vielen Situationen einsetzen, in der es in westlichen Kulturen als unpassend kindisch oder unseriös angesehen werden würde, wie zum Beispiel in staatlichen Veröffentlichungen, behördlichen Warnungen, Büroumgebungen, Werbung für das Militär oder kommerziellen Fluglinien. Der Zwang, kindliches Verhalten abzulegen, ist in Japan weniger stark ausgeprägt als im Westen.[2] Gerade die Betonung extrem stilisierter Maskottchen wie Pikachu oder Hello Kitty bildet eine Projektionsfläche, die selber kaum Rückmeldung gibt. Anders als beispielsweise Disney-Figuren haben die japanischen Kawaii-Figuren kaum Mimik oder Gesichtsausdrücke. Im Fall von Hello Kitty geht dies so weit, dass die Figur nicht einmal mehr einen Mund hat.[3]

Vorkommen[Bearbeiten]

Pikachu auf einem ANA-Flugzeug

Elemente von „kawaii“ kann man fast überall in Japan finden, von großen Geschäften bis zu kleinen Tante-Emma-Läden, von der Regierung bis zur Bezirksverwaltung. Erwachsene lesen niedliche Comics auch im öffentlichen Nahverkehr, ohne dafür verwunderte Blicke zu ernten, ebenso wie Banken ihren Kunden Plüsch-Pandas schenken können, ohne als unseriös zu gelten. Die Liberaldemokratische Partei verschenkte im Wahlkampf erfolgreich Puppen an ihre erwachsenen Wähler.[4] Erfolgreiche Sängerinnen hingegen geben sich weit weniger sexy und erotisch als in westlichen Ländern und setzen auf eine niedliche, kindliche Persona.[5]

Viele Unternehmen benutzen niedliche Maskottchen, um ihre Waren und Dienstleistungen zu präsentieren. Zum Beispiel

Niedliche Artikel sind populär in Japan. Die zwei größten Hersteller solcher Waren sind Sanrio (Hersteller von Hello Kitty) und San-X. Artikel dieser Art sind unter japanischen Kindern und Erwachsenen gleichermaßen beliebt.

Kawaii kann auch benutzt werden, um den Modegeschmack zu beschreiben. Das bezieht üblicherweise zu kleine Kleidergrößen mit ein oder Kleidung, die die Niedlichkeit der sie tragenden Person unterstreicht oder wie für Kinder hergestellt aussieht. Rüschen und Pastellfarben werden auch sehr oft benutzt, außerdem Spielzeug als Accessoire oder Taschen mit Cartoon-Figuren.

Einfluss auf andere Kulturen[Bearbeiten]

Kawaii-Artikel und andere kawaii-Produkte sind auch in anderen Teilen Ostasiens beliebt, so zum Beispiel in der VR China, in Taiwan und Korea. Der Ausdruck kawaii ist gut bekannt und wird oft auch von nicht japanisch sprechenden Fans der japanischen Popkultur (zum Beispiel Manga, Anime oder J-Pop) verwendet. Es ist in jüngster Zeit auch in westlicher Popkultur aufgetaucht, so zum Beispiel in Gwen Stefanis Harajuku-Girls-Musikvideo.

Literatur[Bearbeiten]

  • Sharon Kinsella: Cuties in Japan (PDF; 3,6 MB). In: Brian Moeran, Lise Skov (Hrsg.): Women, Media and Consumption in Japan. Curzon/Hawaii University Press, 1995
  •  Donald Richie, Roy Garner: The image factory. fads and fashions in Japan. Reaktion Books, 2003, ISBN 978-1-86189-153-2, Kawaii – Kingdom of the cute, S. 51–63.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kawaii – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: 可愛い – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b c Beng-Huat Chua: Consumption in Asia. New rich in Asia S. 217 Routledge, 2000 ISBN 0-203-46756-6
  2. Richie, Garner S. 54
  3. Richie, Garner S. 60
  4. Richie, Garner S. 51
  5. Anne Cooper-Chen, Miiko Kodama: Mass communication in Japan Wiley-Blackwell, 1997 ISBN 0-8138-2710-8 S. 92
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDecorated trains in Japan. In: Pink Tentacle. 2. Dezember 2008, abgerufen am 8. Dezember 2008 (englisch, Bilder zahlreicher verschieden dekorierter Züge).