Kernkraftwerk Visaginas

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Kernkraftwerk Visaginas

BW

Lage
Kernkraftwerk Visaginas (Litauen)
Kernkraftwerk Visaginas
Koordinaten 55° 36′ 20,5″ N, 26° 34′ 33″ O55.60569944207526.575841903687Koordinaten: 55° 36′ 20,5″ N, 26° 34′ 33″ O
Land: LitauenLitauen Litauen
Daten
Projektbeginn: 2007
Kommerzieller Betrieb: Bau nach Referendum unwahrscheinlich

Reaktoren in Planung:

2
Website: Kernkraftwerk Visaginas
Die Datenquelle der jeweiligen Einträge findet sich in der Dokumentation.

Das Kernkraftwerk Visaginas (litauisch Visagino atominė elektrinė, kurz VAE) ist ein geplantes Kernkraftwerk in Litauen am See Drūkšiai nahe der Stadt Visaginas an der weißrussisch-litauischen Grenze. Der Bau ist nach einem Referendum gegen das Kraftwerk sowie einem Wahlsieg der dem Bau skeptisch gegenüberstehenden Oppositionsparteien unwahrscheinlich.

Geschichte[Bearbeiten]

Logo des Kernkraftwerks

Das Kernkraftwerk Visaginas soll die beiden 2004 und 2009 stillgelegten Blöcke des anliegenden Kernkraftwerks Ignalina ersetzen. Es soll Strom für die Länder Litauen, Estland, Lettland und Polen erzeugen. Das russische Kernkraftwerk Kaliningrad soll zukünftig mit dem Kernkraftwerk Visaginas konkurrieren.[1] Da das polnische Parlament am 16. Mai 2011 mit 404 Stimmen und nur zwei Gegenstimmen sowie einer Enthaltung den Atomeinstieg beschlossen hat, sollen am Kernkraftwerk Żarnowiec zwei neue Leistungsreaktoren entstehen, welche voraussichtlich ebenfalls um Stromkunden in der Region konkurrieren werden. Zusätzlich soll die 700 MWe-Leitung „NordBalt“ von Klaipėda nach Nybro in Schweden gebaut werden. Die verschiedenen Aufträge dazu wurden Ende Dezember 2010 von ABB gewonnen und belaufen sich auf etwa $ 580 Mio.[2] Davon werden € 175 Mio. von der Europäischen Union bereitgestellt.[3] Eine weitere 350 MWe-Leitung mit dem Namen Estlink soll zwischen Estland und Finnland entstehen.[4]

Im Februar 2007 vereinbarten die drei Baltischen Staaten und Polen den Bau eines Kernkraftwerks mit maximal 3200 MWe Leistung. Obwohl die Anlage in direkter Nähe zum alten Kraftwerk errichtet werden soll, wurde sie nach der nahe gelegenen Stadt Visaginas benannt. Ebenfalls im Februar 2007 wurde mit der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) begonnen. Diese wurde ab August 2008 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.[5] Das bereits benutzte Kühlwasser der Reaktoren soll entweder direkt in den See, durch Kühltürme oder durch beides zusammen gekühlt werden. Die thermische Auswirkung auf den See soll sich dabei nicht verändern. Das Kraftwerk soll maximal 20 % des Oberflächenwassers auf eine Temperatur von höchstens 28 °C erwärmen. Zum Betrieb wurde im selben Monat die Visagino Atominė Elektrinė (VAE) gegründet.

Im April 2009 waren noch 11 Kraftwerkstypen in der Auswahl, im September wurde ein Finanzierungsplan vorgelegt und von der Regierung angenommen. Ein Investor sollte etwa 51 % der Anlage besitzen, der Rest die litauische Lietuvos Energija, der lettischen Latvenergo und der estnischen Eesti Energia sowie der Polska Grupa Energetyczna (PGE). Im April 2010 wurden die Angebote eingeholt. Die Ausschreibung scheiterte jedoch im Dezember als nur zwei Angebote eingingen, von denen eines nicht den Anforderungen entsprach und das Andere der Korea Electric Power Corporation (KEPCO) nach zwei Wochen zurückgezogen wurde. Die beteiligten Regierungen bekräftigten jedoch weiterhin ihr Festhalten am Projekt.

Am 2. Juni 2011 verkündete Energieminister Arvydas Sekmokas, dass zwei Angebote von Westinghouse und Hitachi-GE vorlägen, welche nun mit den Partnerländern diskutiert würden, und das der Gewinner in den nächsten Monaten ausgewählt würde.[6] Dabei waren der AP1000 (Westinghouse) und ABWR (Hitachi-GE) in der Endausschreibung. Am 14. Juli 2011 wurde der ABWR von Hitachi-GE ausgewählt, von dem vorerst nur ein Block errichtet werden soll.[7] Visaginas würde damit das erste Kernkraftwerk in Europa, welches mit japanischen Reaktoren errichtet wird. Der Kaufvertrag soll Ende 2011 unterschrieben werden.[8] Im Dezember 2011 wurde der Ausstieg der Polska Grupa Energetyczna (PGE) aus den Konsortium bekannt, welche sich in Zukunft auf den Bau von eigenen Kernkraftwerken in Polen konzentrieren möchte.[9]

Am 14. Oktober 2012 fand gleichzeitig mit der Parlamentswahl ein Referendum über einen Wiedereinstieg Litauens in die Kernenergienutzung statt, das aber für das Parlament nur „beratend“ und nicht bindend ist.[10] Dabei gewannen die kernkraftkritischen Oppositionsparteien die Parlamentswahl, während sich bei dem Referendum 64,8 % der Wähler gegen das Kraftwerk entschieden. Damit stehen die Pläne vor dem Aus.[11]

Daten der Reaktorblöcke[Bearbeiten]

Das Kernkraftwerk Visaginas soll zwei Blöcke bekommen, vorerst ist nur ein Block vorgesehen.

Reaktorblock Reaktortyp Leistung Baubeginn Netzsynchronisation Kommerzieller Betrieb Abschaltung
Visaginas-1 ABWR 1300 MWe
Visaginas-2 N/A

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wirtschaftsblatt - 27. August 2008 - Russland baut Kernkraftwerk in Kaliningrad
  2. ABB wins $580 mln Nordic-Baltic power order
  3. DGAP – Contracts with Suppliers of Cable and Converter Stations for NordBalt Electricity Interconnection Signed
  4. Nuclear Power in Lithuania (englisch)
  5. Visaginas Nuclear Power Plant Project – Environmental Impact Assessment
  6. WNN – New start for Lithuanian nuclear
  7. WNN – Hitachi-GE wins Lithuanian nuclear tender
  8. Reuters – Lithuania picks Hitachi GE for nuclear plant plan
  9. WNN – PGE keeps sights set on Poland
  10. zeit.de: [1]
  11. Litauen stimmt gegen Atomkraft. In: Frankfurter Rundschau, 15. Oktober 2012. Abgerufen am 16. Oktober 2012.

Siehe auch[Bearbeiten]