Khan Tengri

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Khan Tengri, Chan tengri
Nordansicht des Khan Tengri

Nordansicht des Khan Tengri

Höhe 7010 m
Lage Grenzdreieck Kasachstan/Kirgisistan/China
Gebirge Tian Shan
Koordinaten 42° 12′ 0″ N, 80° 10′ 0″ O42.280.1666666666677010Koordinaten: 42° 12′ 0″ N, 80° 10′ 0″ O
Khan Tengri (China)
Khan Tengri
Erstbesteigung 1931 durch Pogrebetzki
Normalweg vom Südlichen Inylchek-Gletscher über die Westflanke
Besonderheiten höchster Berg Kasachstans
Übersichtskarte des Inyltschek-Gebietes mit Khan Tengri

Übersichtskarte des Inyltschek-Gebietes mit Khan Tengribdep2

Der Khan Tengri (mongolisch, „Khan des Himmels“ oder „Himmelsherrscher“; abgeleitet von altmongolisch: Khaghan-Tengri; türkisch: Tanrı Han), ist ein 7010 m hoher Berg im Tian-Shan-Gebirge in Zentralasien. Am Kulminationspunkt treffen die Grenzen Kasachstans, dessen höchster Gipfel er ist, Kirgisistans und Chinas aufeinander.

Geografie[Bearbeiten]

Der charakteristische pyramidenförmige Khan Tengri ist der zweithöchste Berg im Tian Shan nach dem etwa 20 Kilometer südlich gelegenen 7439 m hohen Dschengisch Tschokusu. Er ist der nördlichste Siebentausender der Erde. Trotz seiner enormen Höhe liegt er nicht auf dem Hauptkamm des Tian Shan, sondern im Tengri-Tau,[1] einem von Osten nach Westen absinkenden Gratast, der den Inyltschek-Gletscher in zwei Arme teilt.

Geschichte[Bearbeiten]

1856 wurde der Berg vom russischen Geographen und Biologen Pjotr Semjonow identifiziert und von ihm für den höchsten Gipfel des Tian Shan gehalten. Erst später erkannte man den Dschengisch Tschokusu als höchsten Gipfel des Gebirges.

Der Zugang zum Khan Tengri wurde bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch den deutschen Geografen und Alpinisten Gottfried Merzbacher gefunden, der zunächst bis an den später Merzbacher-See genannten großen Eisstausee gelangte, der einen Aufstieg über den nördlichen Gletscherast des Inyltschek-Gletschers unmöglich machte. Daher wandte er sich dessen südlichem Becken zu und konnte hier bis in die unmittelbare Nähe des von ihm als „Beherrscher des Tian-Schan“ betitelten Berges vordringen. Merzbacher bestimmte die Höhe des Berges zu 7200 m.[2][3]

1931 gelang dem ukrainischen Bergsteiger Michail Timofejewitsch Pogrebetzki die Erstbesteigung zusammen mit Boris Tjurin und dem in der Sowjetunion lebenden Österreicher Franz Sauberer. Ihre Route vom Südlichen Inyltschek-Gletscher über die Westflanke gilt bis heute als einfachste und stellt den Normalweg dar. Die zweite Besteigung erfolgte im August 1936 durch eine Gruppe aus dem kasachischen Alma Ata. Die dritte Besteigung fand im September 1936 durch Witali und Jewgeni Michailowitsch Abalakow sowie Leonid Gutman, Michail Dadiomow und dem Schweizer Lorenz Saladin statt.[4]

Bekannte Routen am Berg sind neben dem Normalweg der ästhetisch schön geschwungene Südwestgrat ("Serp" bzw. "Sichel" genannt), der Ostgrat und die Südwand. Die schwierigsten Führen befinden sich an der knapp 3000 Meter hohen Nordwand. Im August 2005 gelang es Pawel Schabalin und Iljas Tuchwatulin erstmals, die Wand im Zweimann-Alpinstil zu durchklettern.

Erst in den letzten Jahren konnte zweifelsfrei nachgewiesen werden, dass der Gipfel die 7000-m-Grenze überschreitet.

2000 bezwang der kasachische Bergsteiger Denis Urubko den Khan Tengri vom Basislager (4000 m) bis zum Gipfel (7010 m) in nur 7 Stunden 40 Minuten.

Der Berg ist einer der fünf auf dem Gebiet der ehemaligen UdSSR liegenden Siebentausender-Gipfel. Der Schneeleopard-Orden wird an die Bergsteiger verliehen, die alle fünf Gipfel bezwungen haben.

Am 26. August 1999 unterzeichneten die Präsidenten Kasachstans, Kirgisistans und der Volksrepublik China ein Grenzabkommen, das den historisch unklaren Grenzverlauf der beiden zentralasiatischen Staaten mit China endgültig regelt. Dabei wurde beschlossen, den Punkt, an dem die Grenzen der drei Länder sich treffen, auf den Gipfel des Khan Tengri zu legen.[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Alpenvereinskarte 0/15, Khan Tengri. Herausgegeben im Rahmen der Alpenvereinskartographie vom Deutschen Alpenverein 2011 (1:100.000).
  2.  Hans Dieter Sauer: Die Wiederentdeckung eines Forschungsreisenden. In: Bayerische Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Akademie Aktuell. Nr. 1, 2007, S. 63-66 (http://www.badw.de/aktuell/akademie_aktuell/2007/heft1/20_Sauer.pdf, abgerufen am 6. November 2011).
  3.  Gottfried Merzbacher: Der Tian-Schan oder das Himmelsgebirge. Skizze von einer in den Jahren 1902 und 1903 ausgeführten Forschungsreise in den zentralen Tian-Schan. In: Zeitschrift des deutschen und österreichischen Alpenvereins. 1906, S. 121ff (Online verfügbar in der Österreichischen Nationalbibliothek, abgerufen am 15. März 2013).
  4. Robert Steiner; Emil Zopfi: Tod am Khan Tengri. Lorenz Saladin, Expeditionsbergsteiger und Fotograf. AS Verlag, Zürich 2009
  5. Abschnitt: Sino-Central Asian Boundaries in: Strategic Analysis. A Monthly Journal of the IDSA, January 2001, Vol. XXIV, No. 10